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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 29.08.10

Revitalisierung von Aufenthaltsqualität und Kaufkraft

Wirtschaft und Handel im Kölner Severinsviertel ein Jahr nach der Einsturzkatastrophe des Historischen Archivs

von Constantin Graf von Hoensbroech

Dauerlauf läuft wieder. Knapp ein halbes Jahr nach seiner Insolvenz ist das Fachgeschäft für Laufsportbekleidung ins Veedel zurückgekehrt. 27 Jahre gehörte der Laden zu einer der vielen traditionsreichen Adressen, die den ansprechenden Branchenmix aus Einzelhandel und Wirtschaft im Severinsviertel ausmachen. Doch mit dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln vor einem Jahr gerieten Wirtschafts- und Kaufkraft sowie Aufenthaltsqualität von einem der kölschesten Stadtviertel in eine bedrohliche Schieflage. Dauerlauf war das erste Opfer in dieser Ausnahmesituation, unter der der von den Kölnern liebevoll Vringsveedel genannte Stadtteil durch den aufwendigen U-Bahnbau ohnehin seit Jahren zu leiden hat. Dass der Laden nun wieder an der ,Vringsstrooss‘ zu finden ist, kann als ein Beleg dafür gewertet werden, dass viele Unternehmer und Geschäftsleute optimistisch nach vorne blicken.
„Das Geschäft zieht an“, hat auch Renate Hohndorf beobachtet, schränkt aber ein: „Nachdem mich die Baustellensituation fast stranguliert hat, muss ich jeden Tag arbeiten, um den Laden halten zu können.“ Sieben Tage in der Woche steht Hohndorf hinter der Theke ihres Kiosks, der sich nur wenige Meter neben dem Trichter befindet, der sich nach der Einsturzkatastrophe wie eine tiefe Wunde aufgetan hat. Zwei Monate konnte Hohndorf ihr Büdchen nicht betreiben. Als sie zurückkehrte, hatte sie viele Stammkunden, etwa aus dem Stadtarchiv oder vom derzeit nicht nutzbaren Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, verloren. „Glücklicherweise können Fußgänger wieder direkt die Südstadt erreichen.“ Die verbesserte Zuwegung in diesem Teil der Severinstraße, der wie eine Brücke zwischen den Einkaufsstraßen der Innenstadt in die Südstadt wirkt, bringt mehr Laufkundschaft. Die Revitalisierung des alten Polizeipräsidiums in einen Bürokomplex wird, so hofft sie, neue Kunden bringen.
Nach der Baustelle ist schließlich vor der Baustelle. Zwar hat sich der Schilderwald gelichtet, und von den riesigen Baustelleneinrichtungen für den U-Bahnbau gibt es nur noch wenige. Doch die nächste Großbaustelle ist dieser Tage eingerichtet worden. „Die wird aber das Veedel entscheidend nach vorne bringen“, ist Jürgen Pfös sicher und weist etwa auf die Erneuerung des Straßenbelags und die Verbreiterung der Gehwege hin. „Das wird die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen und mehr Kaufkraft anziehen“, so der Inhaber eines Elektrogeschäfts. Zwar konnten viele Gewerbetreibende die Krise der letzten Monate dank ihrer Substanz und alteingesessenen Kundschaft meistern. „Doch nun müssen Anreize nicht nur baulich verbessert werden“, sagt Pfös, der auch stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Severinsviertel ist. Fast alle Einzelhändler gehören der IG an, demnächst könnten es mehr werden. „Es gibt eine starke Nachfrage nach freien Ladenlokalen.“
Auch die IHK wird weiterhin einen Beitrag zur Optimierung von Wirtschaft und Handel leisten. Insbesondere die IG und das von ihr installierte Veedelsmanagement sind dafür die ersten Ansprechpartner. „Im Rahmen unserer Branchenbetreuung hatten wir die Situation im Severinsviertel zum Anlass genommen, über eine strukturierte Unterstützung mit der Interessengemeinschaft und einzelnen Unternehmen Kontakt aufzunehmen“, so Elisabeth Slapio, IHK-Geschäftsführerin Handel und Tourismus. Sie fügt hinzu: „Während die Finanzierungsfragen vorrangig mit den Kreditinstituten unmittelbar erörtert wurden, waren und sind es bis heute überwiegend Aspekte, die sich auf die Überlassung von Kennziffern, Kontaktdaten, Hintergrundinformationen zur weiteren Entwicklung des Stadtviertels und der Lage des Handels und der Dienstleister beziehen.“
Der eigens bestellte Veedelsmanager Jörg Aue, der als Kontaktperson für die Mittelständler im Severinsviertel agieren und die Interessen bündeln sowie in Gesprächen mit der Stadt, Banken oder den Verkehrsbetrieben thematisieren soll, will dadurch eine operative und strategische Revitalisierung des Stadtteils beitragen. Dazu gehören etwa ein ansprechender Internetauftritt, die Qualifizierung des Handels sowie die Herausstellung von Alleinstellungsmerkmalen bei Dienstleistungen und Gastronomie. Es läuft wieder im Veedel.

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