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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 01.04.10

Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU (AEK)

Martin Lohmann (CDU), Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK), nimmt zur aktuellen Debatte der hohen Missbrauchszahlen in Deutschland Stellung:

von Martin Lohmann

Mehr als 16.000 Missbrauchsfälle in Deutschland werden jährlich vor den Gerichten verhandelt, die geschätzten Dunkelziffern gehen von rund 200.000 Delikten pro Jahr aus. Die hohen und wachsenden Zahlen der bekanntgewordenen Missbrauchsfälle schmerzen und lösen zu Recht allgemein Bestürzung aus. Mehr und mehr zeigt sich aber leider, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen handelt und wir in einen Abgrund der fehlgeleiteter Sexualität und verletzender Desorientierung blicken. Erneut ist zu fordern, dass alles getan werden muss, um den vor allem seelisch schwer verletzten Opfern zu helfen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Zugleich ist ein neuer gesellschaftlicher Dialog erforderlich, um künftige Opfer und künftige Täter zu vermeiden. Dafür ist der von Frau Bergmann geleitete neue Runde Tisch mit allen an der Jugendarbeit Beteiligten ein richtiger Schritt in die richtige Richtung: Ausweitung von Prävention, Aufklärung, Verfolgung, Entschädigung müssen behandelt werden.
Aber es muss auch nach den Ursachen gefragt werden. In diesem Zusammenhang ist es an der Zeit, die Kostbarkeit und Schutzbedürftigkeit einer ganzheitlichen, verantwortungsbezogenen Sexualität wieder zu entdecken, zu vermitteln und eine vielfach nur individualistisch, libertinär gewordene und letztlich auf Sexismus fixierte Gesellschaft durch menschen- und jugendgerechte Aufklärung zu befreien. Vor allem in der Schule brauchen wir eine neue Ära der wirklichen Aufklärung, die sich nicht allein bei Sex- und Verhütungs-Techniken aufhält, sondern den Reichtum menschlicher Sexualität in gelebter Verantwortung erschließt. Zur Ganzheitlichkeit, die es zu entdecken gilt, gehören Körper, Geist und Seele, Gefühl, Verstand, Beziehungen und Umwelt.
Wir brauchen dringend eine Sprache über Sexualität, die den normalen Umgang mit dieser Ausdrucksform erleichtert. Dazu gehört eine Kultur des Respekts und der Ehrfurcht. Wir brauchen auch den Abschied von den beiden Formen der Verklemmtheit, die einerseits durch Prüderie und Ängstlichkeit und andererseits durch eine geistlose und kommerzialisierte erotische Sexualisierung unseres Alltags gegeben sind. Leider zeigt sich immer wieder eine durchsexualisierte „Diktatur des Relativismus“ (Benedikt XVI.). Doch erst die Relativierung einer fast zwanghaft gewordenen Sexualisierung unserer Kultur fördert die Erkenntnis, dass unsere Sexualität zu den größten Kostbarkeiten unserer Existenz gehört, die gerade deshalb besonders verletzlich und daher außerordentlich schützenswert sind. Wenn lediglich die persönliche, subjektive Befriedung zum einzig akzeptierten Maßstab sexueller Aktivität wird, besteht immer die latente Gefahr des Missbrauchs der Person des Anderen, leider nicht nur bei Minderjährigen. Sexualerziehung und Familienerziehung gehören deshalb zusammen, wenn ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein entstehen soll. Zum fünften Jahrestag des Todes von Johannes Paul II. am 2. April 2010 erinnern wir an dessen ‚Theologie des Leibes‘, die den Schlüssel zu einer ganzheitlichen Sexuallehre in aufgeklärter Sprache bietet.“

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