| Erschienen in Ausgabe: No 51 (5/2010) | Letzte Änderung: 28. April '10 |
von Notker Gloker
Es vergeht kein Tag, an dem einem
nicht die Galle hochsteigt ob der Nachricht aus deutschen Landen.
Herr Zollitsch, der Oberhirte der
deutschen Bischofskonferenz, erschien zum Rapport beim Papst Benedikt XVI, um
unter anderem (und am Rande) auch über die Unregelmäßigkeiten sprich: sexuellen
Übergriffe und Kindesmisshandlungen zu berichten. Die Jungen (und Mädchen)
wurden katholischen Institutionen, Erziehungsheimen und Internaten anheim
gegeben, in der Hoffnung auf eine menschliche und intellektuelle Erziehung und
eine gottgefällige allzumal! Der Glaube an die moralischeUnbestechlichkeit kirchlicher Gottesdiener
war so tief verwurzelt, dass mir ein Internatsjunge der damaligen Zeit (Anfang
1960) noch vor kurzem gesagt hatte: „Wenn ich so etwas je meinen Eltern erzählt
hätte, hätte ich obendrein noch Prügel gekriegt.“ Auch das scheintmir ein Grund, warum diese schmierige
Wahrheit so spät ans Licht kommt.
Das hohe moralischeRoss, auf dem die Kirchenvertreter immer noch
sitzen, wird nun von Zollitsch plötzlich abgezäumt, wenn er sagt, dass etwa 75%
der Missbrauchsfälle außerhalb der Kirche vorkommen, (damit also die Kirche
doch eher eine lässliche Sünderin sei?). Ja, was ist nun? Die Kirche, die so
einen hehren moralischen Anspruch hat und in allen Angelegenheiten mitreden
will, fängt plötzlich an, ihre Moral auf Mittelmaß herunter zu banalisieren, um
nicht an ihren Ansprüchen gemessen zu werden! Es ist ein erbärmliches
Schauspiel, das der Bischof liefert. Es wäre sicher hilfreicher für eine
realistische Einschätzung, wenn man den prozentualen Anteil der Kinderschänder
außerhalb der Kirche und den der Kirchenherren in Beziehung setzen würde. Dann
wären die Verhältnisse geklärt.
Auch der Papst gerät noch ins
Zwielicht, weil unter seiner Ägide im Erzbistum München-Freising ein
priesterliche Kinderschänder an einen anderen Sprengel weitergereicht wurde, wo
er wieder rückfällig wurde. Ratzinger, der damals als Erzbischof mit in dem
Kuratorium saß, hat sein Placet dazu gegeben. Seine unterwürfigen Apologeten
beteuern lauthals, er habe nichts davon gewusst: „Er hat nichts damit zu tun“.
Das scheint auf alle höheren Chargen der Catholica zuzutreffen. Man findet, wie
in diesem Falle auch, ein Bauernopfer, das alle Verantwortung auf sich nimmt.
Wir dürfen gespannt sein, was die
Kirche für die Opfer zu tun gedenkt. Außer den lauwarmen Entschuldigungen und
salbungsvollen Bedauernssprüchen, die jedem menschlichen Mitgefühl Hohn sprechen,
scheint die Fürsorglichkeit sich eher auf die Täter zu richten, sie der
Gerichtsbarkeit zu entziehen. Hat diese Kirche eigentlich kein Sensorium für
menschlichen Anstand gegenüber jenen, die sie gedemütigt hat, deren Leben sie
weitgehend zerstört hat, deren Vertrauen sie missbraucht hat und dann
gewissenlos zurückgestoßen hat in ihre Gewissensqualen. Hier kann sich die
Kirche nicht herauswinden, sich hinter dem Rücken irregeleiteterSchafe verstecken, hinter „Christen“, wie sie
es so oft getan hat. Das ist die Kirche und ihre Vertreter! Das Jesuswort
sollte auch hier gelten: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder (an)getan habt,
das habt ihr mir (an)getan.“
Was weltliche Internate,
insbesondere die Schulen der Reformpädagogik sich zuschulden kommen ließen, ist
ebenso verdammenswürdig und empörend. Aber der Mut zur lückenlosen Aufdeckung
der Untaten, die Offenheit und schonungslose Aufklärungsarbeit zeigt einen
Grundzug der Ehrlichkeit, der der Kirche fehlt, sie ist zu feige, dafür gerade
zu stehen. Und sie hat wohlAngst um die
Schmälerung ihrer jährlichen 48 Milliarden-Einkünfte, (8 Milliarden
Kirchensteuer, den Rest bezahlt der Staat von unser aller Steuereinkommen.) die
sie allein in Deutschland einkassiert! (Vergleichen Sie hierzu Horst Herrmann:
„Die Kirche und unser Geld“). In Deutschland ist sie nicht einmal bereit, die
Therapiekosten für die missbrauchten Menschen zu bezahlen. Christliche
Nächstenliebe aus Kirchenperspektive betrachtet!
Der Tod ist ein Meister aus
Deutschland!
Nie hätte ich gedacht, dass Paul
Celans Todesfuge noch einmal auf Deutschland Anwendung finden könnte.
Zwar sind wir nicht
Exportweltmeister bei den Waffenlieferungen, aber immerhin hinter den USA und
Russland auf dem wehrolympischen Bronzeplätzchen! Für so eine kleine Krämer-
und Händlernation doch schon recht beachtlich! Vielleicht können wir es in
Zukunft ja noch besser! Unsere regierungsgesteuerten Exportgremien werden jedes
Schlupfloch finden, um ein Mäntelchen der Philanthropie über unsere
Waffenlieferungen zu decken.
Ich kann den Ärger
nachvollziehen, den die Waffenhändler über diese Kritiker empfinden, die unsere
friedenstiftenden Panzer, Jagdbomber und Unterseeboote, die wir zu
Milliardenpreisen an unsere friedliebenden Natopartner, (vor allem an die
verfeindeten Natoverbündeten Türkei und Griechenland oder nicht kriegführende
Staaten (Israel) verkaufen, torpedieren und als Kriegsmaterial vermiesen und
unserer friedensschaffenden Waffenindustrie die Butter vom Brot nehmen wollen.
Dabei liefern die Deutschen erste Sahne!
Unser Außenminister betätigt sich
ungeniert als Waffenlobbyist bei den Griechen, die ja pikanterweise die
Euromilliarden, die sie von den Euroländern zugeschustert bekamen, in ihren
korruptionsfreudigen Ministerien und Bürokratien versenkt haben, die EU hinters
Licht geführt haben und nun kurz vor dem Staatsbankrott stehen. Er fordert sie
unmissverständlich auf, ihre nicht mehr vorhandenen Milliarden in den Kauf von
deutschen Kampfbombern zu stecken, weil das so abgemacht war. Krämerlogik!
Hauptsache, wir kriegen unser Geld. Wie auch immer! Aber Frankreichs Sarkozy
macht es ja mit seinen Fregatten ganz ähnlich und erwartet dafür von den
Griechen auch einige Milliarden. Aber dalli!
Das zu den Waffenexporten an
unsere Friedensstifter. Nun gelangen aber fatalerweise eine ganze Menge
Kleinwaffen, Handfeuerwaffen vor allem, in Hände von kriegführenden Staaten:
Sei’s drum: Mit einer Panzerfaust oder einem modernen Gewehr, mit Tretminen
kann man ja nur kleine Mengen an Menschen töten. Aber es läppert sich! Die
Technik ist hervorragend gut nur die Leute, die sie benutzen sind böse! Nicht
wir, die Produzenten aus dem christlichen Abendland!
Deswegen betrifft uns auch das
Wort: “Du sollst nicht töten“ in keiner Weise. Erstens töten wir ja nicht , wir
lassen töten. Das ist ja schon mal was ganz anderes. Und dann muss man ja mal
berücksichtigen wie viel Arbeitsplätze an einem erschossenen , zerbombten, von
einer Panzerfaust zerfetzten Feind hängen!! (Werden Waffen eigentlich noch
immer von der Kirche gesegnet?? In Hiroshima war’s ja noch der Fall)
Ja, und zweitens ist dieses
Uraltwort aus der Bibel als fünftes Gebot des alten Testamentes nun wirklich
nicht mehr up to date und außerdem auch dort nur in einem sehr eingegrenzten
Sinne gültig. Denn Gott, der Herr lässt wenige Zeilen nach der
menschenfreundlichen Verlautbarung der zehn Gebote sein Volk gegen die Feinde
los, die das Pech hatten in der Gegend zu wohnen, die die Juden für sich
beanspruchten. Und da ging es richtig zur Sache! Wollen Sie es nachlesen im
„heiligen Buch“? Dann ergötzen Sie sich mal am Deuteronomium. Kurz nach der
Verabreichung der zehn Gebote folgt der erste Genozid. Warum sollten da die
Kirche in den folgenden Jahrtausenden zurückstehen, sie die legitimierte
Vertreterin Gottes auf Erden? Und mit ihr das ganze christliche Abendland?
Wir warten, wir warten auf
dievatikanische Stellungnahme zu den
katholischen Missbrauchsdelikten in der Welt. Wir warten...
In der Zwischenzeit mag es schon
einmal interessant sein, wie die Kirche in den letzten Jahrzehnten mit
Schuldbekenntnissen umgegangen ist. Man kann daraus auf zukünftige
Schuldbekenntnisse schließen:
Das vatikanische Jubeljahr hat
Papst Johannes Paul II veranlasst, in einem Aufwasch die zweitausendjährige
Schandherrschaft derKirch zu „bereuen“.
Dazu hat er ein „mea culpa“ verfassen lassen, das, wie die Beichte in
katholischen Kreisen, „sündenfrei“ machen sollte. Der heutige Papst, vormals
Kardinal Ratzinger hat als Chef der Glaubenskongregation (früher hieß diese
Institution „die heilige Inquisition“) unsäglich verniedlichende Termini für
kirchliche Schandtaten gefunden. Er banalisiert, bagatellisiert und
trivialisiert bei diesem „Reuegebet“, das mit großem Pomp von Johannes Paul in
der Peterskirche zelebriert wurde, die Untaten der Kreuzzüge, der Inquisition,
der Hexenverbrennungen, der millionenfachenErmordung von Indianern, der Versklavung von Millionen Afrikanern, der
blutrünstigen Unterdrückung der Juden, und der orthodoxen Christen auf dem
Balkan (1940!). Unter der Überschrift „Bekenntnis der Schuld im Dienste der
Wahrheit“ (der kirchlichen „Wahrheit“?) formuliert er: „In manchen Zeiten der
Geschichte haben die Christen bisweilen Methoden der Intoleranz zugelassen.“
Angesichts der menschenverachtenden mörderischen Untaten muss man sich das auf
der Zunge zergehen lassen. Herr Ratzinger, heutiger Papst Benedikt XVI, haben
Sie, ihre Kirche, kein Gespürfür
Anstand, Ehrlichkeit, Scham und helfendes Mitleid gegenüber den „Mühseligen und
Beladenen“? Sie vertrösten sie aufs Jenseits, dahin, wo sie die anderen schon
hingemordet haben. Das von der Kirche heraufbeschworene und oftmals von ihr
realisierte irdische Jammertal machten Sie und die Kirche zu einem
Durchgangslager auf dem Weg zur ewigen „Seligkeit“. Den südamerikanischen
Indios, die von katholischen Latifundien-, Bergwerks- und Fabrikbesitzern
unterdrückt werden, verbieten Sie die Befreiungstheologie einer „Kirche von
unten“, die ihnen einen Weg weisen könnte zu einem humanen, menschenwürdigen
Leben! Sie und Ihre Kirche, deren oberster Repräsentant Sie sind,
„Stellvertreter Gottes auf Erden“ (welch eine Hybris), Sie verhöhnen die
Menschheit mit ihrer gnadenlosen „Menschlichkeit“.
Viele Katholiken werfen mir vor, dass ich mich
mit blindem Hass über die Kirche hermache. Ist man „blind“ wenn man
Augenscheinliches benennt? Ist es „Hass“, wenn man Dinge unbeschönigt nennt?
Noch ist mir keiner mit Argumenten entgegengetreten, die mir Falsches
nachweisen könnten. Aber es scheint sich einfach nicht zu gehören, gegen eine
solch „geheiligte“ und mächtige Institution aufzustehen unddarzustellen, dass ihre Verbrechen in der
Vergangenheit Verbrechen waren, und dass ihre Verbrechen in der Gegenwart
Verbrechen sind. Ein Vorschlag: wagen Sie einmal die Ehrlichkeit vor sich
selber, lesen Sie doch einmal aufmerksam die Bibel, nein, nicht das, was die
Kirche Ihnen im Wort zum Tag oder Sonntags vorsäuselt, sondern auch das, was
Gott im Alten Testament mit seinem auserwählten Volk an der Menschheit an
Gräueltaten begeht, oder was auch Jesus, jenseits der Bergpredigt über
Elternliebe,Geschwisterliebe etc
erzählt. Wagen Sie einmal einen Blick in Karl Heinz Deschner, Horst Herrmann,
Hubertus Mynarek, Michel Onfray, Alan Posener und, und, und. Ja und dann auch
Benedikt XVI und seine verquasten Sprüche von der (kirchendogmatischen)
Reinigung der Vernunft sowie seine Einstellung zur Kirchengeschichte. Wenn Ihre
Intelligenz nicht völlig kirchendogmatisch umgepflügt ist, dann müssten Sie zu
einem ähnlichen Schluss kommen, wie alle, die sich nicht (mehr) an der Nase herumführen
lassen.
Mir ist klar, dass heilige Kühe,
die sich über Jahrtausende an den fetten Kirchenauen und Pfründen, dem
zusammengeschwindelten Besitz gemästet haben, nicht in wenigen Jahren
geschlachtet werden können. Daran sind alle schuld, die sich traditionell
denkfaul dem Status quo ergeben, ihre Kinder zur Taufe und frühkindlichen
Indoktrination in kirchlichen Kindergärten frei geben. Ende des Exkurses.
Weiter oben habe ich gesagt, wir
warten auf ein klärendes Wort aus dem Vatikan, der Kirche. Wir haben es
bekommen: ganz im Sinne des oben angesprochenen Schuldbekenntnisses: Die Kirche
predigt mit salbungsvollen Worten Umkehr und eine moralische Wende in der Welt
(ob die Kirche damit auch gemeint ist, bleibt offen.) „Man solle Unzucht,
Unsittlichkeit ausschweifendes Leben und ähnliches mehr“ wie „alte Gewänder.“
ablegen. Keinerlei Auseinandersetzung mit den kirchlichen Verfehlungen! Statt
dessen ein Konter: Der Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano bezeichnet die
weltweite Empörung als „Geschwätz des Augenblicks“. Bravo!! Es zeigt die
Hochschätzung der Kirche für ihre Schäflein! Die Schafe lassen sich’s gefallen.
sie sagen nicht mal mäh! Wenigsten in einigen nationalen Kirchen, wie in
Irland, bitten katholische Bischöfe die Bevölkerung um Verzeihung. Ein Funken
Hoffnung!
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zdavatz 25.09.2010 11:55
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