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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 09.01.11

Auslandseinsätze der Bundeswehr

von Rainer Westphal

Wenn man über Auslandseinsätze der Bundeswehr nachdenkt, welche zur Zeit noch einen Verstoß gegen das Grundgesetz beinhalten, dann sollte man sich vergegenwärtigen, dass man im 3. Reich, im sog. Spanienkrieg, bereits ein ähnliches Problem hatte.
Die rechtlichen Probleme löste man durch Gründung der Legion Condor. Hitler lieferte zunächst für 500 Millionen Reichsmark Flugzeuge, Panzer, Munition und Soldaten. Mussolini schickte sofort ein Expeditionskorps von 50.000 Soldaten.
Spanien wurde zum Synonym für beschämende Barbarei und zum Truppenübungsplatz für neue Waffen und neue Taktiken. Unter Baron von Richthofen exerzierte die Legion Condor der staunenden Welt zum erstenmal den „Blitzkrieg“ vor. Offenbar sind Barone und Edelmänner sowie sonstige Adelige immer an erster Stelle dabei, wenn es um kriegerische Handlungen geht.
Göring und Canaris waren es, die äußerten, General Franco verdiene durchaus Deutsches Vertrauen und Unterstützung. Die letztendliche Entscheidung hatte jedoch der Führer Adolf Hitler. Diese fiel am 26. Juni 1936 in Bayreuth. Hitler schätzte Wagners Musik und die mythologische Heldenwelt, die Atmosphäre von Dämonen. Wer das nationalsozialistische Deutschland verstehen will, muss Wagner kennen, meinte dieser einmal, womit es ihm durchaus ernst war. Wie immer kehrte Hitler in gehobener und erregter Stimmung von der Aufführung der Walküre zurück und entschied noch in der gleichen Nacht, dass Deutsche Soldaten und Flieger in Spanien kämpfen sollten.
Freiwillige Luftwaffensoldaten wurden mit den notwendigen Waffen versehen, in Hamburg verschifft, und an Bord mit Zivilkleidung eingekleidet. Erst im Kanal bemerkten die Betroffenen, dass es sich offenbar nicht mehr um eine Übung handelte. Man erklärte den Soldaten, dass sie nun Freiwillige der Legion Condor wären und nicht mehr Mitglieder der Deutschen Wehrmacht. Selbstverständlich könne es jeder ablehnen, sich an dieser vom Führer erwünschten Aktion zu beteiligen; ob das Deutsche Reich allerdings für diese Soldaten noch jemals Verwendung hätte, dürfte dahingestellt sein. Demnach war die Freiwilligkeit nur teilweise gegeben. Allerdings ließ der Korpsgeist der Berufssoldaten keinerlei Widerstand zu.
Als psychologische Rechtfertigung wurde dargestellt, dass ein blutiger Bürgerkrieg in Spanien stattfinden würde, welcher von Kommunisten und Gewerkschaften angezettelt wurde. Man müsse Deutschland in Spanien vor dem Bolschewismus schützen bzw. verteidigen, was mit der Unterstützung der Nationalspanier und der Falange unter General Franco geschehen würde.
Natürlich weiteten sich die Kampfhandlungen sofort aus. Auf der Seite des gewählten Präsidenten kämpften die sogenannten Internationalen Brigaden, auf der anderen Seite Franco mit der Legion Condor, die aus deutschen und italienischen Verbänden bestanden, sowie marokkanischer Einheiten, welche aus Spanisch-Marokko von der Luftwaffe der Legion eingeflogen wurden. Unvorstellbare Grausamkeiten waren die Folge. Sinnlose Massenmorde an der Zivilbevölkerung waren an der Tagesordnung.
Durch ein neu entwickeltes Rotationskonzept kamen insgesamt ca. 20.000 Deutsche Soldaten in Spanien zum Einsatz. 315 Gefallene waren letztendlich zu beklagen deren Hinterbliebene das Ehrenkreuz für Hinterbliebene Deutsche erhielten. 182 Verwundete erhielten ein entsprechendes Verwundetenabzeichen. Nach erfolgreicher Beendigung der Kampfhandlungen wurden die Deutschen Verbände der Legion Condor wieder in die Deutsche Wehrmacht eingegliedert, wo die bewährten Kräfte dann auch sofort Karriere machten, und ihre in Spanien erworbenen Fähigkeiten sofort im 2. Weltkrieg erfolgreich einsetzen konnten.
Aus der Legion gingen die Berühmtheiten wie Galland, Mölders, Trautloff, Aldinger und Dirlewanger hervor. Insbesondere Dirlewanger mit seiner gleichnamigen Division erlangte Berühmtheit im zweiten Weltkrieg, mit Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung in der Sowjetunion, die man nicht schildern kann.
Der ehemalige Verteidigungsminister Struck, der sich offensichtlich aus einer fatalen Traditionspflege nicht lösen konnte, hat im Jahre 2005 u. a. das Jagdgeschwader 74 in Jagdgeschwader Mölders, der im Jahre 1941 fiel, umbenannt. Auch war es Herr Struck, der den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan damit begründete, dass man Deutschland am Hindukusch verteidigen müsse. Es ist wohl davon auszugehen, dass dieser eine „geistige Anleihe“ aus der Vergangenheit genommen hat.
Es ist auch davon auszugehen, dass ein neues Natokonzept eine „schnelle Eingreifstruppe“ mit starker Kampfkraft fordern wird, um auch die wirtschaftlichen Interessen der Mitgliedsländer zu schützen. Es dürfte interessant werden, wie man dann das verfassungsrechtliche Problem lösen wird, um diese Anforderungen zu erfüllen. Auch bleibt zu hoffen, dass man die Ölreserven dieser Welt, welche wohl erstrangige wirtschaftliche Interessen darstellen, nicht als Eigentum der USA und der Natoländer betrachten wird.

Literaturhinweis Legion Condor, Dokumentation von Peter Elstob, Moewig Verlag 1981.

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