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Erschienen in Ausgabe: No 64 (6/2011) Letzte Änderung: 14.02.13

„Leidenschaft für Sport und Mode“ - Interview mit Willy Bogner

von Willy Bogner und Florian Görmar

Seit mehr als 75 Jahren wird die Marke Bogner mit dieser Maxime geführt, erst vom Vater, seit 1977 von Willy Bogner junior. Was einst in einem Münchner Hinterhof ins Leben gerufen wurde, ist heute eines der international bekanntesten Sportmodelabel. Nach Wolfgang Joop und Karl Lagerfeld ist Willy Bogner der dritte Stardesigner, der mit eigener Ausstellung im Apoldaer Kunsthaus Avantgarde zu Gast ist.

Wie kommt es, dass Ihre Ausstellung gerade in Apolda zu Gast ist?


Willy Bogner: Einmal, weil man uns gefragt hat und auch, weil wir das gut fanden. Das Kunsthaus Apolda ist eine sehr angenehme Größenordnung für uns und das macht uns sehr viel Spaß.

Sie sind ein erfolgreicher Geschäftsmann, zudem ein international renommierter Skirennfahrer, Filmemacher, Fotograf und Modedesigner. Welche Sparte davon liegt Ihnen am meisten am Herzen?

Bogner: Eigentlich immer die Idee, die am stärksten präsent ist. Es ist ja immer so, wenn einem irgendwas einfällt, egal aus welchem Feld, das einen fasziniert, dann will man dieses Projekt vorwärts bringen – egal ob es jetzt ein modisches, geschäftsmäßiges oder filmisches Projekt ist. Manchmal ist es aber wiederum auch so, dass eine Kollektion einen Gedanken oder eine Filmidee hervorbringt bzw. beeinflusst, die dann wieder umgesetzt werden will – und so befruchtet das eine das andere. Ich ziehe da auch keine bewussten Grenzen dazwischen.

Gehörte eine dieser heute von Ihnen ausgeübten Professionen auch schon zu Ihren Kindheitsträumen?

Bogner: Als Kind will man ja immer das werden, was die Eltern sind und mein Vater war ein sehr begeisterter Sportler, meine Mutter hingegen war sehr kreativ. Damit war mein Leben eigentlich schon vorgezeichnet – irgendwas kreativ-sportliches sollte es sein und die Eltern haben dafür eine perfekte Vorlage geliefert. Für mich entdeckt habe ich so ein wahnsinnig interessantes Feld, in dem man jede Art von Kreativität ausbilden kann. Also ich glaub, ich habe sehr viel Glück mit meinen Eltern gehabt.

Sind Sie ein ehrgeiziger Mensch?

Bogner: Ich mag das Wort ’ehrgeizig’ nicht, da ich keine geizigen Menschen mag. Ich mache Dinge gern gut und richtig – das hab ich im Leistungssport gelernt und das ist eigentlich auch mein Grundprinzip: Es so gut, wie es halt geht zu machen und nach Möglichkeit noch ein bisschen besser als man es sich selbst ursprünglich vorgestellt hat.

Das bedeutet, Perfektion ist Ihnen sehr wichtig?

Bogner: Auch das ist ein Wort, das ich nicht mag, weil Perfektion eigentlich nichts anderes als das Ende eines Prozesses bedeutet, also zwangsläufig zu einem ’perfectum’ der Vergangenheit wird – und das Leben ist, solange man lebendig ist, nie perfekt, sondern ein andauerndes Experiment. Das find ich auch viel schöner – perfekt wäre schlichtweg der Tod.

Wie empfinden Sie die heutige, sich ständig wandelnde Modelandschaft – vor allem auch im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten mit gemächlicheren Modewechseln?

Bogner: Man sagt ja ‚Mode ist Ausdruck eines Zeitgeistes’ und der ist manchmal vorwärts gerichtet, wo Neuentwicklungen kommen und man die Vergangenheit eher kritisch betrachtet, da man sie eigentlich verändern will und es gibt andere Phasen, wo bestimmte Dinge einem wieder gefallen, die es früher gegeben hat und dann wird man von einem so genannten Retrothema inspiriert. Je nachdem, wie die eigene Haltung definiert werden soll, ist sie daher entweder vorwärts oder rückwärts gerichtet.

Welches Gewicht erfährt in diesem Zusammenhang der Begriff der Stilpflege?

Bogner: Das ist ja im Grunde ein großes Kompliment, wenn man einer Person zugesteht, sie hätte ihren eigenen Stil. Schließlich heißt dies ja nichts anderes, als dass da sich jemand seiner Prinzipien treu ist und es zeigt an, wie flexibel und anpassungsfähig er ist. Es ist auch deswegen ein großes Kompliment, weil das einem über das reine Konsumverhalten hinaus bescheinigt, eine gewisse Stilsicherheit zu haben, also über längere Zeit hinweg zu wissen, was zu einem passt und was nicht.

Für die Modebranche wird das Internet immer wichtiger. Was halten Sie persönlich von Modeblogs, Facebook, Twitter und Co?


Bogner: Ich finde das wunderbar. Durch diese persönlichen Medien erhält heute jeder die Möglichkeit, sich unmittelbarer und direkter darzustellen. Mit diesen neuen Freiheitsgraden der Kommunikation wird diese in eine neue Dimension überführt. Man kann ganz sicher davon ausgehen, dass all die Dinge, die sonst vielleicht lange brauchen würden, sich als Stilrichtung zu manifestieren, so heute sehr viel schneller umgesetzt werden können. Das Problem dabei im Moment ist natürlich, dass der Wechsel entsprechend auch viel schneller geworden ist. Da wird die Auswahl wiederum ein entscheidendes Kriterium: Je mehr man sieht, für das man sich entscheiden kann, desto schwerer wird es diese Entscheidung zu treffen.

Danke für das Gespräch. Das Interview führte Florian Görmar.
Noch bis 13. Juni 2011 im Kunsthaus Apolda Avantgarde:
„Bogner live. Tradition & Vision“
Nähere Informationen: www.kunsthausapolda.de

Quelle: Das Interview finden Sie im Maiheft 2011 von "07 Das Stadtmagazin"!

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