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Erschienen in Ausgabe: No 65 (7/2011) Letzte Änderung: 14.02.13

Art Basel - Die Kaiserin aller Kunstmärkte hält Hof

von Jan Löw

Kunst kommt von Können und uneigentlich von Müssen, ausdrücken müssen. Wer Freitagabends in der Kneipe mit Freunden alles Wichtige besprechen kann, wird seltenst Künstler. Interviews mit ihnen führen selten in die Tiefe. Wer sie erleben will muss reisen.
In Basel hält die Kaiserin aller Kunstmärkte bis Sonntag Hof. Für junge Galerien ist die Berufung zur Art Basel der Ritterschlag. Sechs gestandene Galeristen beraten die Messeleitung zur jährlichen Auswahl. Drei von ihnen haben heuer ihren Sitz in Berlin. Und diese brachten die Überraschung fertig, Judy Lybkes Eigen + Art Galerie nicht in den heiligen Hallen beherbergen zu wollen. Ein sehr indezenter Hinweis auf die Enge des hochgelobten Berliner Marktes und Rufschädigung für die Selektoren selbst. Die nicht "kommunizieren" dürfen, was sie dazu brachte, den Galeristen von Neo Rauch Superstar einen Korb zu geben. Köln wurde bekanntlich nach solchen Schienbeintretereien vom Berliner ArtForum ins erste Messehalbjahr gejagt, bevor es nun selbst mit einer kurzen Pressemitteilung seine Selbstauflösung bekanntgab. Pointiert ist hier zu bemerken, dass es aus Basel abgeworbene Topmanager waren, die im Schwange höfischer Grossmacht die big player des Kunstherbstes in London und Paris mit aggressiver Terminsetzung zu attackieren suchten. Schelm, wer hier Verschwörungstheorien wittert, nur weil die Kaiserin aus Basel zu Zeiten, da Börsenbroaker Boni vor Weihnachten kassieren, die sehr agile Tochter Art Miami Beach positioniert hat.
Geht es hier eigentlich noch um Kunst, werden sie fragen. Kommen sie her, Kunst braucht sie als begeisterten Betrachter. Nirgendwo ist die Mischung aus Alt und Jung, exaltiert hingeworfenen Farbflächen und konstruktivistischer Klarheit stärkender, als zu Zeiten der Herzkirschen im Juni am Rhein in Basel. Schauen sie, was Larry Gagosian noch hat, sein Galerieimperium setzt mehr um, als alle Filialen des grössten Auktionshauses Christies. Marlborough Fine Art hat mehr Qualität an den Ausstellungswänden, als manch berühmtes Museum. Bei m Bochum finden sie bezahlbare Fotokunst. Unglaublich lebensechte Plastiken Ron Muecks sind bei Hauser und Wirth der Magnet schlechthin.
Volta, Scope, The Solo Project und Design Miami/Basel umkreisen als Satellitenmessen ihre Hoheit. Worauf am Hofe selbst neue Hallen für junge Kunst geschaffen wurden. Art Unlimited bietet Raum für grossformatige Experimente und Art Statements präsentiert 27 Einzelprojekte junger Künstler. Der Besucher ist in Basel Sieger dieser Umzingelung. Am östlichen Ende der "Art" findet sich auf der Design Miami/Basel jedwede mögliche Inspiration für Inneneinrichtungen. Die lang beschworene Krise ist vorbei. Der schwülstige Plüsch des Vorjahres ist bewohnbaren Landschaften gewichen, auch wenn Swarovski Sonnen aus hauseigenen Kristallen präsentiert. Allein deren Ständer wiegt 325 Kilogramm. Lieben sie Fotografie, und sind bei Thomas Zander nicht glücklich geworden, lohnt sich The Solo Project. Robert Voits Dokufotografien amerikanischer Mobilfunkmasken zeigen extreme Unterschiede zu dem, was sie gerade als Bild im Kopf haben. Auf den Fotografien zu sehen sind Kakteen und riesige Nadelbäume, klimatisch ins Bild passende Technik.
Auf der Volta überzeugen wie immer Jarmuschek, Conrads und Kleindienst.
Nach so vielen Kunstkilometern ist die Liste in der alten Warteckbrauerei der perfekte Ort, um einen Absacker unter Sonnensegeln zu geniessen. Vorher noch schnell ein Blick auf die Graphiken von Toril Johannsen, die in Randi Thommessen aus Oslo jene Art von Galeristin hat, die man jedem Künstler nur wünschen kann.

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