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Erschienen in Ausgabe: No 46 (12/2009) Letzte Änderung: 21.11.13

„Mens sana in corpore sano“

von Dörte Fehling

Dauerhafter Stress, unabhängig davon ob er endogener oder exogener Natur ist, macht krank! Die Folgen werden als „Burnout Syndrom“ bezeichnet - prominentes Beispiel war letztes Jahr Ottmar Hitzfeld, dieses Jahr der ein oder andere Börsianer-, worunter der totale körperliche Erschöpfungszustand mit psychischen wie auch physischen Auswirkungen verstanden wird. Dabei handelt es sich um ein in unserer modernen Gesellschaft weitverbreitetes Phänomen. Das Forschungsbedarf sowie wissenschaftliche Fundierung bezüglich der Zusammenhänge und insbesondere für die Therapie besteht, beweisen die Entstehung diverser Forschungszentren in Deutschland, wie zum Beispiel an der Universität Trier, die zur Untersuchung stressbedingter Erkrankungen 1997 ein beispielhaftes Konzept entwickelte. Im Rahmen eines Kooperationsvertrages zwischen Universität und Caritas Trägergesellschaft wurde das Forschungszentrum für Psychobiologie und Psychosomatik (FPP) aufgebaut. Kliniknah wird seit 1997 Grundlagenforschung zu zustandsbezogenen Gesundheitsstörungen durchgeführt. 117 Psychologen, Ärzte, Psychologen und Naturwissenschaftler erforschen in den zwölf Abteilungen und Schwerpunkten des FPP psychobiologische Prozesse, welche psychosomatische Erkrankungen auslösen und aufrechterhalten. In der Grundlagenforschung werden Veränderungen des autonomen Nervensystems, des Immunsystems und des Hormonsystems bei chronischem und akutem Stress erforscht. Auch an der Universität Jena widmen sich verschiedene Fakultäten dem Thema Stress und dieses Jahr wurden Prof. Dr. Michael Ristow und Prof. Dr Klaus Benndorf mit dem Thüringer Forschungspreis im Rahmen ihrer Forschungsergebnisse ausgezeichnet.

Grundsätzlich hat die kurzfristige Konfrontation des menschlichen Organismus mit Stress eher positive Auswirkungen, denn sie ermöglicht erst geforderte Höchstleistungen mittels eines gut abgestimmten Zusammenspiels von Nerven und Hormonsystemen. Die durch die Stresssituation ausgelösten Prozesse sollen dem Körper sogar helfen mit der per se stressigen Situation fertig zu werden. Als einer der Wegbereiter der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Stress gilt der kanadische Endokrinologe Hans Selye (1907-1982), der sich in seinem Werk „The Physiology and Pathology of Expose to Stress“ mit den spezifischen und unspezifischen Reaktionen des Körpers auf Stress auseinandersetzt und ein Stresskonzept entwickelte. Dabei legt er drei Phasen fest: In der Alarmphase kommt es zum sogenannten initialen Schock durch die Exposition mit einem stressigen Ereignis. Die dadurch mobilisierten Kräfte ermöglichen in der darauffolgenden Widerstandsphase die nunmehr vermehrten Belastungen zu bewältigen. Im Detail funktioniert das vereinfacht dargestellt folgendermaßen: Ein Stressor bewirkt die Ausschüttung des körpereigenen Hormons Adrenalin. Damit verbunden sind Anstieg des Blutdrucks und des Herzschlages sowie des Kortisonspiegels als sogenanntes Stresshormon im Blut. Diese vegetative hormonell-nervale Steuerung vermittelt durch eine Reizsetzung seitens des Gehirns macht den Organismus erstmal resistenter gegenüber den eigentlich schädigenden Einflüssen. Erstmal – denn dauert der Zustand exogener oder auch endogener Stressoren zu lange an, sind diese mobilisierbaren Reserven früher oder später aufgebraucht. Es folgt unumgänglich das sogenannte „Erschöpfungsstadium“ mit seinen breiten Facetten körperlicher und seelischer Beschwerden. Die Widerstandkraft fällt vereinfacht ausgedrückt und fatalerweise unter das Ausgangsniveau zurück, der Körper wird anfälliger für schädigende Noxen. Die geschilderten Abläufe sind bis zu einem gewissen Punkt reversibel, können aber auch schwerwiegende Erkrankungen wir Herzinfarkte und Krebs auslösen. Es bleibt in erster Linie die Aufgabe des Betroffenen selbst, Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln. Hilfestellung wird vielerorts geleistet, ein Beispiel seien die „Karlsruher Stresstage 2008“ vom 4. bis 11. November, deren Ziel es ist, Kompetenz in Bezug auf Stress- und Ressourcenmanagement zu entwickeln, Stressoren soweit als möglich auszuschalten und durch gesundheitsfördernde Maßnahmen zu ersetzen. Schon der Dichter Juvenal hat mit seinem satirischen Ausspruch „Mens sana in corpore sano“ dafür plädiert den Zustand körperlicher und geistiger Erschöpfung durch Gebete und Fürbitten bei den Göttern zu verbessern, wobei er den Zustand, dass nur in einem gesunden Köper ein gesunder Geist stecke, als wünschenswert, nicht als zwingend notwendig erachtete. „Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab“, schrieb der römische Kaiser und Philosoph Marc Aurel, so dass die mentale Einsicht in die Problematik der erste Schritt zur Besserung sein muss.

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