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Erschienen in Ausgabe: No 71 (1/2012) Letzte Änderung: 06.02.13

Unser Bundespräsident II

von Notker Gloker

In einem Interview am Mittwoch, 04.01.12 „entschuldigte“ sich unser Staatsoberhaupt wegen der Entgleisungen bei seinen ungerechtfertigten finanzträchtigen Vorteilen zum Häuslebau und seiner massiven Mediendrohung gegenüber der Bildzeitung. Er entschuldigte sich selbst. Er bat nicht die anderen um Entschuldigung oder Verzeihung für seine Fehltritte. In einer solch prekären Situation wäre eine sprachlich korrekte Formulierung mehr als angebracht. Ich glaube auch nicht, dass ihm dies nicht aufgefallen ist. Das Volk aber nimmt ihm das alles ab. („Odi profanum vulgus et arceo… scheint seine Einstellung zu sein“). Vielleicht unterschätzt er seine „profanen Untertanen“. Nicht jeder nimmt das so hin.
Seine Salamitaktik, ein typisches Politikerverhalten, ging in einer Suada von weinerlichen Hilferufen ans Verständnis seiner lieben Mitbürger unter, lieferte aber außer dem Tatbestand, dass 400 Anfragen auch nur scheibchenweise beantwortet werden könnten, keine ehrliche Rundumerklärung für sein Fehlverhalten. Vom „Reinen Tisch“ ist er noch meilenweit entfernt.
Seit dem Interview sind neue Fragen aufgetaucht. So zum Beispiel, warum verwehrt der Bundespräsident dem verantwortlichen BILD-Redakteur die Veröffentlichung eines kritischen Berichts, über sein undurchsichtiges Finanzgebaren. Ging es nur um Aufschub der Veröffentlichung oder aber um deren Niederschlagung. (Hier stehen sich zwei Aussagen gegenüber). Falls es nicht um Unterdrückung des Artikels ging, dann ist nicht einzusehen, dass Wulff sich ziert. Er kann natürlich seine Persönlichkeitsrechte geltend machen, dass man nicht alles zu Markte tragen muss, um ein sensationsgieriges Publikum zu befriedigen. Dann verkennt er aber seine Stellung als Person des öffentlichen Interesses, als Gewährsmann der moralischen Integrität und Autorität, die höheren Ansprüchen genügen muss. Deshalb muss er dafür Verständnis aufbringen, dass er mit strengeren Maßstäben gemessen wird. Es geht hier nicht um banale Neugier sondern um unsere Sorge, von einer anerkannten moralischen Autorität vertreten zu werden und nicht von einer „Witzfigur“, die sich das Gesetz nach persönlichem Gusto zurechtbiegt und auf der anderen Seite mit dem Brustton der Überzeugung für die Pressefreiheit („ein hohes Gut“) und für Ehrlichkeit im Handeln eintritt. Wie soll so ein Mann noch Autorität haben! „Videant consules ne detrimenti capiat res publica“. Das sollte auch heute noch für unsere Präsidenten gelten. Denn diese zweitausendjährige Forderung ist heute so aktuell wie damals. Drum:
Reiner Tisch! Neuer Präsident! Nach der Losung: “Le roi est mort! Vive le roi!“.

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