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Erschienen in Ausgabe: No 73 (3/2012) Letzte Änderung: 29.03.12

Die Causa Wulff

von Nathan Warszawski

Menschen stolpern nicht über Berge,
sondern über Maulwurfshügel


Der weise Konfuzius


Der letzte ehemalige Bundespräsident trat von einem Amt zurück, welches er liebte. Er hatte während seines politischen Lebens große Fehler und Tabubrüche begangen, die er alle mit Bravour überstand. Als Papst Benedikt XVI. sich mit dem aus der Kommunion ausgeschlossenen geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken traf, benutzte Wulff seine Begrüßungsansprache an den Papst, um seine eigenen Probleme anzusprechen. Als er vom jüdischen Journalisten Friedman auf hohe Managergehälter angesprochen wurde, konterte Wulff mit Pogromstimmung. Gestürzt wurde Wulff über einen günstigen Kredit, über den jeder Leser dieser Zeilen sich gerne brüsten wollte, würde er einen solchen erhalten.
Wulff lebte und litt seit frühester Kindheit in und an einer Patchworkfamilie. Letztendlich gründete er seine eigene. Der zukünftige Bundespräsident, der später verkündete, dass das Judentum zweifelsfrei zu Deutschland gehöre, lernte stolz an einem Gymnasium, dessen Namensgeber Ernst Moritz Arndt ein überzeugter Antisemit war. Das Gymnasium wurde selbstverständlich nicht umbenannt. Er studierte begeistert deutsches Recht, um es später gefühllos zu brechen. Er trat der CDU bei, ging in sie auf, um Ideale zu verbreiten, die der Partei fremd waren. Er sprach sich für automatische Diätenerhöhungen an Landtagsabgeordnete aus und strich die Geldzuzahlung an Blinde. Er förderte den Wissenschaftsstandort Niedersachsen, indem er die Lehrmittelfreiheit der Schulen beendete und das gesparte Geld der Polizei überwies. Er wurde zu einem der „100 Global Leaders for Tomorrow“ gewählt und ist heute „1 Local History of Yesterday“. Noch kurz vor der Naturkatastrophe, die Fukushima entsetzlich traf, setzte er sich vehement für längere AKW-Laufzeiten ein. Von der Bundeskanzlerin Merkel bedrängt, bewarb er sich um das Amt des Bundespräsidenten, damit er der Bundeskanzlerin politisch nicht gefährlich werden konnte. Er gewann sein letztes Amt gegen Joachim Gauck, der sein Nachfolger werden wird. Er selbst wurde Nachfolger eines zurückgetretenen Bundespräsidenten, eines in der Geschichte der BRD bis dahin einzigartigen Vorganges, um bald darauf den Rücktritt von Bundespräsidenten zur Gewohnheit werden zu lassen.
Wulff verkörpert den Deutschen in seinen Widersprüchen. Seine abstrakten Reden über Moral, Religion, Geld und Gesellschaft lassen seine Taten vergessen machen, denn sie widersprechen sich. Er gibt vor, die Muslime in Deutschland zu integrieren und betet gleichzeitig kontinuierlich mit „ProChrist“, dass eben diese Muslime ihrem Glauben abschwören mögen. Er ist ein Mensch, dessen Fahne bereits zur Windstille nach dem zu kommenden Wind weht. Ein Mensch mit vielen Masken und ohne Gesicht. Ein Mensch mit Geschichten und ohne Geschichte. Ein intelligenter Mensch ohne feste Meinung. Ein Liebling der Nation.
Ob er dafür oder dagegen war, immer traf er auf jubelnde Anhänger. Seine Zuhörer liebten ihn, identifizierten sich mit ihm: allzeit bereit, die nicht vorhandene Meinung zum eigenen Vorteil umzuschmeissen. Er strauchelte, weil er den Neid seiner unerbittlichen Claqueure unterschätzte, obwohl sie sein Abbild waren.


Nach ihm wird es besser werden.

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