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Erschienen in Ausgabe: No 73 (3/2012) Letzte Änderung: 31.01.13

Was muss noch gesagt werden?
Der Fall Günter Grass

von Shanto Trdic

Sind die Tiraden eines bösen alten Mannes, in blöde armselige Worte gepresst, den Aufschrei der Empörung wert, den sie am Vorabend des Osterfestes verursachten? Jedenfalls hat man sich dazu herab gelassen, ihrer zu zürnen. Wenn auch ich mich dazu erniedrige, noch einen schnellen Veriss drauf zu nageln, so geschieht dies nicht in der Absicht, den Märtyrer Grass, der meint, er blute für den ´Weltfrieden´, solcherart zu richten. Erwird diesen Text nicht lesen. Ihn liest auch keiner. Darum die Printmedien, darum ein Gedicht, ungereimt, nicht allzu kurz, doch lang genug immerhin, um jenen Würgereiz zu ermöglichen, auf den es einzig ankam. Es ging auch diesem ´Dichter´ um Breitenwirkung, und in seinem Alter muss man sich sputen, da zählt jede Minute. Was gesagt werden muss hat er folglich so geschrieben, das es auch auf Anhieb sitzt; das es zündet sozusagen – wie ein fetter Rohrkrepierer.
Was kann, was darf man noch in aller Kürze dazu schreiben?
Nicht das Gewissen geifert aus diesem verkappten Hassgestammel; nur der in die Jahre gekommene Hitlerjunge, der mit Worten hantiert, als hausiere er wieder im Tross der Schutzstaffel; für Gröfaz. Der war auch nur ein Maulheld, aber wen kümmert das schon? Grass ist selber einer. Er merkt es nur nicht. Er sieht sich noch immer als moralische Instanz, ein Savonarola der Humanitas, der Jahrzehnte lang den Deutschen und der Welt wohlfeile Predigten hielt und sicher keinen einzigen Buchpreis erhalten hätte, wenn rechtzeitig bekannt gewesen wäre, das er bei Himmlers Herrenreitern auf der Hatz gewesen ist. Davon wusste er, der stets so viel zu sagen hatte, lange nichts zu erzählen. Er hat damit gewartet, bis endlich auch der Nobelpreis an einen wie ihn vergeben wurde. Das sei ihm selbst vergeben. Wer wollte seiner Generation schon vorwerfen, mit Lust und Laune beim Weltenbrand mit gezündelt zu haben? Nein, darum geht es gar nicht.
Dass es immer und ewig, dauernd und ständig, vom ersten bis zum letzten Tage gegen Israel geht, gehen muss, wie ein schräges Mantra, solches allerdings kennzeichnet ihn und seinesgleichen. Die daraus resultierende Aufmerksamkeit ist so billig zu haben, denn Juden schicken keine Selbstmordattentäter auf die Reise, sie lassen einen wie ihn (und die halbe Welt) stets gewähren. Seit je. Das ist ihnen oft zum Verhängnis geworden.
Es passt ins Bild, das Israel, als Zentrale einer erstschlagenden Erstvernichtung, erneut den Frieden der ganzen Menschheit bedroht, das war auch schon unter Adolf Nazi der Fall, so schrecklich viel hat sich da also nicht geändert. Jedenfalls ist Günter Grass davon überzeugt, das der neuerliche Endkampf unmittelbar bevorsteht und unsägliches Leid verursachen wird. Als Opfer hat er den Iran und den Rest der Welt ausgemacht; zu den vermeintlichen Aggressoren äußert er sich gerade in diesem Zusammenhang mit keinem Wort. Das tut schon etwas weh, finde ich. Nicht einmal ein einziger Blick auf die Karte hielt als Recherche für´s deutsche Gedicht her. Das von einem winzigen Flächenstaat wie Israel, der gerade einmal zweiundzwanzigtausend Quadratkilometer fasst, bei einem einzigen sauberen Erstschlag (von der Gegenseite) in der Tat nicht mehr viel übrig bleiben könnte, das ficht unseren Geschichtenerzähler gar nicht an. Denn die Juden bleiben bei ihm nun einmal, was sie immer schon waren: eine lockere Konkursmasse, über die, je nach persönlicher Befindlichkeit, verfügt werden kann und darf. Bis zur Vergasung.
Das war schon immer so. Es bedarf wohl einer Psychologie, die kühn genug wäre, in die tiefsten Schichten kollektiver Archetypenherab zu steigen, dazu einer Geschichtsschreibung, die zäh und wacker in die fernsten Winkel frühester Kulturbildung vorstösse, um die ersten, noch unbeholfenen Rudimente rachsüchtiger Ressentimentsfrei zu legen, die in über zweitausend Jahren immer stärker nach gewachsen sind und sich noch heute am passenden Objekt - dem ewigen Juden - austoben. Grass ist da nur ein Krakeeler unter endlos vielen. Die maulen seit Urzeiten über jene, denen sie sich grenzenlos unterlegen fühlen. Die Judenheit als endlose Projektionsfläche für einen Völkerübergreifenden, nunmehr global vernetzten Massenwahn: Armageddon in aeternitas est. In der Tat: man nimmt ihnen übel, dass es sie überhaupt gibt. Die divergierendsten Widrigkeiten und Kalamitätenkulminieren im ewigen Juden: da kann und darf und soll ALLES erklärt und erledigt werden,das kriegen die Apologeten mit links (oder rechts) hin. Jüdischer Witz, jüdische Habgier, jüdischer Hochmut, jüdische Landnahme, jüdische Apartheid… - sie können sich den endlosen Rest selbst zusammen reimen, auch wenn es noch so schräg klingt. Geht schon, passt schon. Einspruch zwecklos. Ein Geschwür, das sich nicht einfach so wegschneiden lässt. Wie bei einer Hydra wachsen die Eiterköpfe im Dutzend nach. Am Beispiel Antisemitismus wird deutlich, wie Intellekt und Instinkt einander zuarbeiten:ein bisschen Geist,viel gärendes Gemüt - schon bläht sich die klebrige Blase. Hier greift Nietzsches Lehre von der ewigen Wiederkehr (des ewig Gleichen in unendlicher Kombination), "denn alle Lust will Judenhass, will tiefen, tiefen Judenhass".
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es im Iran tatsächlich Kräfte gibt, die ernstlich an einer Vernichtung Israels interessiert sind. Aber womöglich existieren sie an der in Frage kommenden Peripherie. Es wäre jedenfalls nicht ausgeschlossen, das diverse Fraktionen der ´Partei Gottes´ demnächst einmal eine Smart Bomb mit atomarer Strahlkraft auf dunklen Pfaden durch die Levante schleppen, um das Ding mal eben ´rüber zu werfen´, den Zionisten vor die Füsse: Rums. Aus die Maus. Halten sie das für abwegig? Aber schuld wären dann unbedingt wieder die Opfer selbst, deren Verhalten, deren ´So - Sein´ eben so etwas provozierte...
…in jedem Fall kommt auch der Günter Grass auf diese Weise endlich zu seinem Recht und dann herrscht Ruhe. Frohe Ostern.

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Unsachlich

Robertson 19.04.2012 10:01

Haben Sie eigentlich niemanden, der Ihre Texte korrekturliest und Sie möglicherweise daran hindert, solche unsachlichen Artikel abzuliefern? Was Sie Herrn Grass vorwerfen, machen Sie ja selbst! Überdies finde ich es lächerlich, wenn jemand, der auch als Autor für die »Blaue Narzisse« schreibt, sich zum Verteidiger Israels aufschwingt.

The Bad and the Ugly

Warszawski 09.04.2012 22:47

Gabriel, Grass, Herrmann, Scheidt und die Folgen http://paxdiaboli.wordpress.com/2012/04/08/gabriel-grass-herrmann-scheidt/

Übelste Beschimpfung

latabula 06.04.2012 18:29

Der Autor ergeht sich in unsachlichen Beschimpfungen. Aus dem Gedicht spricht kein "Judenhass", sondern die Sorge vor einem erneuten Krieg. Wenn Grass der Ansicht ist, dass die Gefahr eher von Israel als vom Iran ausgeht, so ist dies (s)eine zulässige Meinung. Nicht jede -hoffentlich noch zulässige- Kritik gegen die Politik Israels, entspringt einem abgründlichen Judenhass.

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