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Erschienen in Ausgabe: No 79 (9/2012) Letzte Änderung: 13.02.13

Romano Guardini Preis 2012 der Katholischen Akademie Bayern an Nikolaus Harnoncourt

von Robert Walser

Nikolaus Harnoncourt ist nicht nur ein Dirigent von Weltrang, er ist auch Musikphilosoph, Denker und Deuter von Welt. Unter Musik versteht er eine „Klangrede“, die sich dem Unaussprechlichen zuwendet. Dieser enge Zusammenhang von Sprache und Musik gibt ihm als Künstler seinen einzigartigen Rang.
Zusammen mit seiner Frau Alice gründet er 1953 den Concentus Musicus Wien. Damit wird Harnoncourt zu einem Revolutionär; denn er möchte Kompositionen ihrer ursprünglichen Klanggestalt zuführen; und zwar nicht im Sinne eines musealen Historismus, sondern im Sinne eines tiefen, existentiellen Eindringens in die Idee der jeweiligen Musik. Immer steht das einzelne Werk im Mittelpunkt seines Bemühens. Dadurch schafft er künstlerisch Außerordentliches.
In dieser, von tiefer religiöser Empfindsamkeit getragener Eigenständigkeit verbindet sich sein Wirken mit Werk und Person Romano Guardinis (1885-1968). Wie dieser neue denkerische Welten erschloss, schafft es auch Harnoncourt, vermeintlich bekannte Musik völlig neu zu Gehör zu bringen und sie in Tiefen zu führen, die bislang nicht für möglich gehalten wurden. Dadurch bietet er wie kaum ein anderer dem Hörer die Möglichkeit, seinen eigenen Zugang zur Welt und ihrer Deutung zu hinterfragen und zu verändern.
Für Harnoncourt besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Ausübung von Kunst und Ausübung von Religion; denn ein Mensch, der Musik erfährt, bewegt sich im Zentrum der Deutung der eigenen Existenz. Harnoncourt formuliert: „Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“
Der mit 10.000,- Euro und einer vom Münchener Bildhauer Max Faller gestalteten Silbermedaille dotierte Preis wird im Rahmen der Jahresfeier der Akademie verliehen werden. Die Laudatio wird Prof. Dr. Philipp Harnoncourt halten, Professor für Litur-giewissenschaft an der Universität Graz und Bruder des Musikers.
Bisherige Preisträger waren unter anderen der Theologe Karl Rahner SJ (1970), der Komponist Carl Orff (1974), der Dirigent Eugen Jochum (1985), Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1987), der Dirigent und Komponist Krzysztof Penderecki (2002), Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde (2004) und Prof. Klaus Töpfer (2006). Zuletzt erhielt 2010 der renommierte tschechische Soziologe und Religionsphilosoph Tomas Halik den Romano Guardini Preis.

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