Drucken -

Die aktuelle Juli-Ausgabe 2016 ist da!

Anzeige
Erschienen in Ausgabe: No 74 (4/2012) Letzte Änderung: 24.11.12

"Es muss also ordentlich rumsen in der Sonne!" oder Unser Sonnensystem ist ein chaotisches System!

von Heike Geilen

Geht am 21. Dezember 2012 wirklich die Welt unter? Diese Frage stellen sich tausende Menschen und keiner weiß so recht die Antwort. Wenn man dem Maya-Kalender und Nostradamus Glauben schenkt, dann wird uns wohl ein derart übles Schicksal bevorstehen.
Aber die Wissenschaftler haben mittlerweile Entwarnung gegeben. Forscher haben im Norden von Guatemala den bislang ältesten Maya-Kalender entdeckt. Und da steht angeblich nix von einem Weltuntergang drin. Aber vielleicht kommt die Apokalypse nur mit acht Wochen Verspätung? Denn am 15. Februar 2013 wird sich ein Objekt der Erde gefährlich nähern, groß genug, um eine Katastrophe auszulösen. Vorläufigen Berechnungen zufolge sollte "2012 DA14", so der Name des Asteroiden, die Erde verfehlen: allerdings, in kosmischen Dimensionen gerechnet, verdammt knapp.
Wenn zwei Dinge miteinander zusammenstoßen, gehen sie dabei oft kaputt oder hinterlassen spürbare Beschädigungen. Das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ist offensichtlich auf einen derartigen Einschlag zurückzuführen. "Aber manchmal muss man etwas kaputt machen, damit aus seinen Bestandteilen etwas Neues entstehen kann", ist sich Florian Freistetter sicher. Er sollte es eigentlich wissen. Seine Doktorarbeit schrieb der in Jena lebende Österreicher über Asteroiden, die mit der Erde kollidieren. Später untersuchte er die Stabilität von Planetensystemen. Nun hat er ein äußerst verständliches, unterhaltsames "Plädoyer für den Weltuntergang", so der Untertitel seines Buches, vorgelegt. Ist Freistetter etwa ein Prophet der Apokalypse? Wohl eher ein Realist. Denn in unserem Universum wimmelt es nur so vor Objekten der verschiedensten Art, "die ständig ganz von allein, ungewollt und unkontrolliert miteinander zusammenstoßen", erklärt er "und es steckt jedes Mal eine spannende Geschichte dahinter."
Eine kleine Auswahl hat er für den interessierten Leser zusammengetragen. In sieben Kapiteln lässt er es so richtig knallen. Den Beginn machen Kollisionen in unserem Heimatstern, der Sonne. Deren sogenannte "Proton-Proton-Reaktion", in der Wasserstoff zu Helium "gebrannt" wird, sorgt dafür, dass wir es gemütlich warm haben und uns gelegentlich auch einmal leicht bekleidet auf eine Wiese legen können. Doch das ist noch gar nichts gegen die kollidierenden Welten der folgenden Abschnitte. Dort rumst es erst so richtig. Freistetter nimmt den Leser auf eine spannende Reise durch unser Universum mit. Er zeigt zum Beispiel, dass erst durch die unterschiedlichsten Karambolagen unser Sonnensystem so entstand, wie es sich derzeit offenbart. Ein typischer "Einschlags-Vertreter" kann als hübsche Sichel oder aber hell leuchtende Scheibe am nächtlichen Himmel betrachtet werden. Dort trägt unser Trabant, der Mond, neben aller Romantik mit einem nicht unerheblichen Anteil zur Achsenstabilität und Drehgeschwindigkeit unserer Erde und damit unser aller "Gemütlichkeit" bei.
Weiter geht es mit den schon zu Beginn erwähnten Asteroiden. Hinzu gesellen sich Karambolagen von Sternen, bis hin zum "Super-Gau": dem Zusammenstoß zweier Galaxien. Auch unsere Nachbargalaxie, die Andromeda-Galaxie, befindet sich auf voller Fahrt gen Milchstraße. Aber keine Angst. Bis zu dieser spektakulären "Verjüngungskur" geht noch etwas Zeit ins Land, schätzungsweise vier Milliarden Jahre. Dann allerdings muss man sich um den Zusammenstoß zweier Universen, dem sich Florian Freistetter in seinem letzten Kapitel widmet, keine Gedanken mehr machen. Denn "Welle-Teilchen-Dualismus", "Heisenbergsche Unschärferelation", "Vakuumfluktionen" und all diese "komischen" Dinge der Quantenmechanik, die er kurz anreißt, sind in diesem Augenblick für alle Zeit im Eimer...
Fazit: Florian Freistetters Buch verschafft dem physikalisch nicht vorgebildeten Leser einen wunderbaren Überblick der unterschiedlichsten Kollisionen unseres Universum, sowohl im atomaren bis hin zum Makrobereich. Informativ, unterhaltsam und äußerst gut verständlich, ist dem Autor gleichfalls ein großes "Krawumm" gelungen, inklusive Ausfüllung neuronaler Leerstellen.



Florian Freistetter
Krawumm
Ein Plädoyer für den Weltuntergang
Ecowin, Salzburg (April 2012)
213 Seiten, Gebunden
ISBN-10: 3711000258
ISBN-13: 978-3711000255
Preis: 22,90 EURO

>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.

Neueste Artikel ▲

Meist gelesene ▼

  •  
  • Anzeige
  •  
  • Anzeige
  •  
  •  
  •  
Zum Seitenanfang zurück