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Erschienen in Ausgabe: No 83 (1/2013) Letzte Änderung: 01.01.13

Eine Ausstellung der Superlative:
Pracht auf Pergament in der Hypokunsthalle

von Anna Zanco-Prestel

Dank einer in ihrer Einmaligkeit beispielhaften Kooperation zwischen der Bayerischen Staatsbibliothek München und der der Hypo-Kulturstiftung erfreut sich die gleichnamige Kunsthalle an der Theatiner Straße bis zum 13. Januar 2013 einer außergewöhnlichen Schau, die ihre Einzigartigkeit schon in dem ihr verliehenen Titel verrät: Pracht auf Pergament. Schätze der Buchkunst von 780 bis 1180.
Eine Auswahl illuminierter Handschriften aus der Zeit des Ottonischen Kaisers sowie andere davor und danach geschaffene Werke durften zum ersten Mal die Tresore der Staatsbibliothek verlassen, um zur Jahreswende den Abglanz ihrer erhabenen Schönheit auf die Stadt zu projizieren, die sie seit Jahrhunderten angesichts ihrer Zerbrechlichkeit und ihres unschätzbaren Wertes im Verborgenen beherbergt.
Neben 72 Exponaten, die den Schwerpunkt des Handschriftenfundus der Bayerischen Staatsbibliothek München bilden, sind noch weitere 3 zu sehen, die aus der Bayerischen Staatsbibliothek Bamberg stammen.
In speziell angefertigten Glasvitrinen eingefügt in einem hoch ästhetischen Ausstellungsdesigns, bei dem Purpurrot, die Farbe der Kirchenfürsten, dominiert, begleiten sie den erstaunten Besucher auf eine einzigartige, unwiederbringliche Reise durch die Geschichte der Buchmalerei und gewähren einen tiefen Einblick in die Vielfalt der kulturellen Erbes Bayerns. Mit leuchtenden Farben und viel Gold veredelte Evangeliare, Perikopenbücher und Sakramentare als mit Elfenbeinreliefs, Edelsteinen und Kamées geschmückten Prunkeinbände spannen einen atemberaubenden Bogen von der Karolingischen Kunst bis hin zur Romanik, wobei die schwerpunktmässig am häufigsten vertretenen Schätze aus der Ottonischen Periode sich insbesondere durch imposante „Herrscherbilder“ auszeichnen, die eine Brücke zwischen sakraler und profaner Welten schlagen und das Kaisertum als Heiligtum darstellen.
Die um 780 entstandene älteste Handschrift entstammt aus der Zeit des letzten bayerischen Agilofingerherzogs, während die Karolingische Codices aus den Malzentren in Salzburg, Tegernsee und Freising auf das 9. Jahrhundert zurückgehen.
Als besondere Orte künstlerisches Schaffens zählen die Insel Reichenau, deren Klöster zu kaiserlichen Werkstätten hinaufstiegen. Daraus gingen weltberühmte Codices hervor wie das Evangeliar Ottos III., das Perikopenbuch Heinrichs II, das Evangeliar aus dem Bamberger Dom, die gemeinsam mit der Bamberger Apokalype seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.
Andere weltberühmte Exponate wie der Uta-Codex (um 1020) oder das Sakramentar Heinrichs II.
fanden wiederum ihren Ursprung in Regensburg, das eine besondere Rolle in der Herstellung bedeutender liturgischer Handschriften bis hin zur Schwelle der Romanik spielt.
Ein 343 Seiten umfassender Katalog liegt beim Hirmer Verlag vor.
„Im Ausklang des Jahres“ - schreibt die Leiterin der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der BSB, Dr. Claudia Fabian – erlaubt die Vielzahl der reich illuminierten liturgischen Bücher nicht nur Freude an der Betrachtung der Buchmalerei, sondern auch Rückbesinnung auf die lange Tradition christlicher Kultur... Man kann auch ansatzweise erkennen, wie diese liturgischen und christlichen Werke in das kulturelle Umfeld des Wissen und der Geschichte ihrer Zeit eingebunden waren, und neugierig werden auf den reichen Handschriftenbestand der Bayerischen Staatsbibliothek, der hierzu weit mehr bietet...“
Der vollständige Zugang zu den digitalisierten Objekten wird durch modernste Technologie ermöglicht. Dies dank eines in „Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut aus dem BSB-Explorer weiterentwickelten gestengesteuerten Präsentationssystems, das die dreidimensionale Wahrnehmung der Handschrift“ zulässt. Zur hochkarätigen Ausstellung ist eine Werbe-App erhältlich, die eine erlesene Auswahl der präsentierten Handschriften vorstellt, welche in das UNESCO-Programm Memory of the World -Gedächtnis der Menschheit Aufnahme gefunden haben.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsidenten Joachim Gauck.

120 weitere bebilderte Beispiele aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek sind in Buchform in dem im Oldenbourg Verlag neu erschienenen Band Das Volk der Bücher – Eine Ziel der feinen, Leinen gebundenen Ausgabe ist es anhand von „gesellschaftsbindenden und
kulturdokumentierenden Objekten“ das Leben der Juden aus verschiedenen Orten und Zeiten in Europa zu ergründen. 600 Jahre jüdischen Lebens mit ihren kulturellen und wirtschaftlichen Traditionen werden auf spannender Weise auf insgesamt 208 Seiten besichtigt. Herausgeber ist der 1956 geborene Buchwissenschaftler Ittai Joseph Tamari, der das Phänomen des hebräisch-schriftlich gedruckten Buches in der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilian Universität erforscht. Feierlich präsentiert wurde das Buch im Rahmen der „Jüdischen Kulturtage“ 2012 in der überfüllten Rotunde des Stadtarchivs München.
Unter den Rednern Stadtarchiv-Direktor Dr. Michael Stephan, Prof. Dr. Michael Brenner, Leiter des Instituts für Jüdische Geschichte an der LMU und der israelische Schriftsteller Hayim Be'er. Das Schlusswort sprach der Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg em., Dr. h.c. Henry C.Brandt, der tiefsinnig-humorvoll auf das Thema „Jüdische Tradition und Kultur- Antrieb oder Bremse ?“ einging.

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