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Erschienen in Ausgabe: No 83 (1/2013) Letzte Änderung: 01.01.13

Hermann Levi

von Levi-Gideon Greif

Es gehört zu den nicht abgegoltenen Ungerechtigkeiten der Geschichte, dass das Schicksal der Menschen und der Kultur, die dazu beitrugen, Richard Wagner zu dem zu machen, als den man ihn im Wagner-Jahr 2013 feiern wird, der Vergessenheit anheim gefallen sind. Während jedes Jahr diejenigen, die es sich leisten können, zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth pilgern und 2013 unzählige Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Feuilleton-Artikel zu Wagner erscheinen werden, redet kaum einer von denen, die Wagner auf seinem Werdegang unterstützten und förderten und die er selber in vielen Fällen beleidigte und verriet. Wer redet schon von den bürgerlichen Salons, mit denen die jüdische Berlinerin Amalie Beer die kulturelle Welt des Berlins des 19. Jahrhunderts prägte, die ungefähr 100 Jahre später gemeinsam mit Beers Glaubensbrüdern und -schwestern vernichtet werden sollte? Wer redet noch von Amalie Beers Sohn, dem Komponisten Giacomo Meyerbeer, der Wagner förderte und sich als Dank von diesem antisemitisch beleidigen lassen musste?
Oder wer redet von dem deutsch-jüdischen Dirigenten Hermann Levi, der, indem er als namhafter Dirigent die Musik Wagners zur Aufführung brachte, zu dessen Aufstieg entschieden beitrug. Hermann Levi, der 1839 in Gießen als Sohn eines Rabbiners und der Tochter eines Tabakfabrikanten zur Welt kam, am Leipziger Konservatorium lernte und sich an zahlreichen Orten einen Namen als Dirigent machte, dirigierte im Jahr 1882 die Uraufführung von Wagners „Parsifal“ in Bayreuth. Schon zuvor hatte er Wagners Musik zur Aufführung gebracht und, weil er als bekannter und einflussreicher Dirigent dazu in der Lage war, an ihrer Verbreitung mitgewirkt. Zwar verteidigte Wagner Levi wohl gegen die antisemitischen Anfeindungen, die anprangerten, dass ein Jude Wagners Werk dirigieren sollte, an seinem eigenen Antisemitismus aber änderte das Verhältnis zu Levi nichts. Während Wagner an diesem bis zuletzt festhielt, litt Levi unter den regelmäßigen antisemitischen Anfeindungen ihm gegenüber, die auch seine ansonsten erfolgreiche musikalische Laufbahn trübten.
Nach Wagners Tod blieb Levi die rechte Hand von Wagners Witwe Cosima, die seinem Urteil und seiner musikalischen Kenntnis vertraute, und organisierte mit ihr die Bayreuther Festspiele. Am 13. Mai 1900 starb Hermann Levi in München, er wurde in einem Mausoleum im Garten seines Hauses beigesetzt. Ungefähr 30 Jahre nach seinem Tod sollten die Nationalsozialisten, die mit Wagner den Antisemitismus teilten, das Grab Levis schänden und das Mausoleum verwüsten.
Eine Wanderausstellung erinnert nun an den heute weitestgehend unbekannten Dirigenten Hermann Levi. Nach einem Konzept von Angelika Weber und mit einem musikwissenschaftlichen Konzept von Dr. Joachim Draheim versucht die Ausstellung „Ein Solitär namens Hermann Levi“ nun den Dirigenten einer breiten Öffentlichkeit wieder bekannt zu machen. Durch eine Kombination aus Wanderausstellung und zugehörigem Dokumentarfilm, der ebenfalls unter der Regie von Angelika Weber entsteht, soll die Welt Wagners und Levis wieder entstehen und so der Zugang zur Musik und zur kulturpolitischen Bedeutung der Beziehung zwischen Wagner und Levi eröffnet werden.
Die Ausstellung verspricht während des Wagner-Jahres das Licht auf einen derjenigen Menschen zu werfen, die, obwohl sie für Wagners Entwicklung so bedeutend waren, im Laufe der Jahre hinter seinem Schatten verschwanden, und sie hat so die Möglichkeit die Geschichte Hermann Levis nun zu ihrem Recht kommen zu lassen.

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Partenkirchnerin

Partenkirchnerin 13.01.2013 19:04

Bei Ihrem Artikel haben Sie vergessen, dass Hermann Levi zwar in München verstorben ist aber dann nach Partenkirchen überführt wurde und auf seinem geliebten Riedberg begraben wurde. Das schöne Mausoleum, das der Baumeister Hildebrand entworfen hat wurde in den 30er-Jahren von Nazis zerstört. Er ist seit 115 Jahren Ehrenbürger von G.-Partenkirchen und jetzt flammt wieder mal eine Diskussion auf über die Umbenennung der Hindenburgstraße, die in Hermann-Levi-Straße umbenannt werden soll. Es ist erschreckend, wie weit der Antisemitismus in Deutschland immer noch verbreitet ist, was zwar keiner öffentlich ausspricht aber immer noch latent vorhanden ist. Unser Ort hat Hermann Levi viel zu verdanken, er war ein großer Gönner und auch der Wegbereiter von Richard Strauß. Was mich am meisten wundert ist, dass man ihm während der Nazizeit die Ehrenbürgerwürde nicht aberkannt hat. Vielleicht, weil wir nach der Nazizeit einen Sozialdemokraten als Bürgermeister hatten. Ich hoffe, dass sich unser Bürgermeister und die Gemeinderäte in dieser Angelegenheit nicht beeinflussen lassen und in Sachen Hermann-Levi-Straße hart bleiben.

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