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Erschienen in Ausgabe: No 85 (03/2013) Letzte Änderung: 20.02.13

Neue Kunst in Köln - Von David Hockney zu Rolf-Maria Krückels

von Anna Zanco-Prestel

Mit ihren 650.000 Besuchern hatte die Ausstellung „A Bigger Picture“ des britischen Malers, Grafikers, Photographen, Bühnenbildners David Hockney in der Royal Academy of Arts in London bereits alle Rekorde gebrochen. 500.000 waren es ein Paar Monate später im Guggenheim Museum in Bilbao. Die Marke von 100.000 Gästen war bereits im Dezember 2012 überschritten, als sie in veränderter Form in der kühn-eleganten architektonischen Kulisse des Museums Ludwig zu Köln ab Ende Oktober 2012 das ideale Ambiente vorfand.
Wo liegt aber das Geheimnis des unglaublichen, lang anhaltenden Erfolgs eines Künstlers, der schon in den weit entfernten 60er Jahre im Zenit seines Ruhmes stand?
Weltbekannt wurde der damals Mitte 20er dank seiner „Swimming-Pool-Paintings“, die ihn als eine der schillerndsten Protagonisten des „Swinging London“ verwandelten wie auch - nach seiner Umsiedlung nach Los Angeles - als „Bildchronist eines coolen Californian Way of Life“ aufsteigen ließen? Widerwillen zur Ikone der Pop-Bewegung avanciert, experimentierte der populäre Maler realistisch-surrealer Landschaften, Stillleben und Portraits später intensiv auf dem Gebiet der Photographie, um in einer darauf folgenden Phase seines Schaffens beide Kunstformen - u.a. anderem in riesigen Collagen aus Polaroids - miteinander zu kombinieren.
Mit seiner Heimkehr von Los Angeles in das ländliche Yorkshire, rückte die Malerei wieder in den Mittelpunkt seiner Produktion. Parallel dazu begann sich der inzwischen 70jähriger intensiv mit Bildschirm-Zeichnungen zu beschäftigen und leitete somit eine regelrechte Revolution in dem Kunstverständnis ein. Elektronische Malerei, die auf dem Touchscreen seines Smartphones entsteht oder verstärkt in jüngster Zeit auf seinem iPad, das er wie ein Werkzeug benutzt. Das Resultat sind magische Kompositionen als großformatige Ausdrucke oder auf riesigen leuchtenden Screenoberflächen, die durch die Vielfalt ihrer brillanten virtuellen Farben das Auge bestechen und den Betrachter in eine verzauberte Traumwelt entführen. Durch diese neue Form der Malerei, die die beschränkten Möglichkeiten der Photographie allemal sprengt, gelingt es dem den neuen Technologien zugewandten Künstler dem klassischen Thema der Landschaft treu zu bleiben und ihm zugleich neue, ungeahnte Perspektiven zu eröffnen. Die Landschaftsthematik findet in der Kölner Ausstellung auch in einer Reihe atemberaubender Multi-Fokus-Filmen Ausdruck, die auf neun oder sogar achtzehn zu einem Bild zusammenfügten Monitoren dem Zuschauer ein unvergessliches Kunsterlebnis vermitteln. Kein Wunder, dass die Ausstellung eine ganz besondere Faszination auf ein junges und jüngstes Publikum ausübt, das seine Aufmerksamkeit auf die großen Exponaten, aber auch auf die vielen iPads konzentriert, worauf viele Gemälde gezeigt werden. Kunst und Technologie vermählen sich in diesem Fall in Werken großer ästhetischen Qualität, welche die Bedürfnisse neuer Generationen interpretieren, die in Symbiose mit den sich unaufhaltsam weiter entwickelnden Technologien aufwachsen. www.museum-ludwig.de
Während die spektakuläre Hockneys Multimedia-Schau am 3.Februar zu Ende geht, öffnet in den Räumen der bekannten Galerie Pamme-Vogelsang in der Kölner City vis-à-vis vom Kunstverein „Die Brücke“ eine kleinere aber wirklich sehenswerte Ausstellung des Malers Rolf-Maria Krückels. 1964 in Düren geboren, war Krückels Meisterschüler bei Daniel Spoerri und Ben Wilkens an der Kunstakademie in München, wo er sich seit Jahren als freischaffender Künstler niedergelassen hat und mit erfrischenden Ideen - nicht zuletzt auch als Leiter des „Kunstpavillons am Alten Botanischen Garten“ - die Kunstszene zu bewegen versucht.
Drei mit innovativer Technik ad hoc realisierte Gehirne aus weißen Porzellan auf einem extra angefertigten Gestell, das mit seiner besonderer Form die Komplexität der Werke unterstreicht, treten in Dialogmit den gegenüber hängenden gerasterten Schablonenfiguren, die die gemalte menschliche Gestalt "in ihrer Materialität gleichermaßen sinnlich wie dekonstruiert und konstruiert“ in Erscheinung treten lassen. Weitere eindrucksvolle als „Schatten tanzende Körper“ schweben in der Luft und entziehen sich dabei einer „definierten Räumlichkeit bzw. beschreiben neue (Denk)Räume“ (Gudrun Pamme-Vogelsang). Die Wahl der Materialien, Öl auf transparentem Papier, lässt die auf eine reine biologische Existenz zurückgeworfene Figuren in ihrer metaphysischen Dimension wirksam zur Geltung kommen. In Analogie zum „Niesen des Sokrates“ - dies der Titel dieser zweiten Kölner Einzelausstellung des Malers - gehen „Geist und Körper eine untrennbare Verbindung ein“, wobei das „Niesen“ sinnbildlich für eine „übergeordnete Stimme“ steht, die – wie in Plutarch nachzulesen ist – Sokrates zu Handlungen zu- oder – abrät.
Während sich die Leidenschaft für die Naturwissenschaften parallel zu Krückels Hinwendung zur Philosophie immer stärker offenbart, bleibt die Kommunikation der Körperlichkeit als Konstante in einer mit unermüdlichem Entdeckungsdrang gestalteten Suche nach neuen Formen, die dennoch rigoros auf den klassischen Gesetzen der Malerei basieren.
Zu sehen bis zum 30.03.2013 in der Galerie Pamme–Vogelsang - Hahnenstraße 33 – 50667 Köln
www.pamme-vogelsang.de / www.rolf-maria.de

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