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Erschienen in Ausgabe: No 96 (02/2014) Letzte Änderung: 24.01.14

Zustände wie im alten Rom

von Heike Geilen

„Ein Chaos hinterlassen“, „Ein Bild für die Götter“, „In Panik geraten“, „Seine Hand ins Feuer legen“, „Du bist ein Banause“, „Durch Abwesenheit glänzen“...
Fast täglich und nahezu selbstverständlich nutzen wir solche Formulierungen, ohne uns auch nur im geringsten darüber Gedanken zu machen. Redensarten und Redewendungen sind und bleiben unverzichtbarer Bestandteil unserer Sprache. Sie bringen eine Sache kurz und knapp auf den Punkt und ersparen umständliche und wortreiche Umschreibungen. Menschen aller Bildungsstufen bedienen sich ihrer. Herkunft und ursprüngliche Bedeutung hingegen vermag kaum jemand zu benennen, denn vielfach liegt ihr Ursprung schon einige "Jährchen" zurück. Doch lohnt sich ein Blick zurück ungemein. Bei näherem Betrachten offenbart sich ein wahres Museum von historischen Ausdrücken.
"Es ist erstaunlich, wie viel Einfluss fremde Kulturen auf unsere Sprache gehabt haben. Die Sprache wimmelt geradezu von Redensarten, die ihre Wurzeln in Religion, Handwerk, Geschichte, Mythologie, Natur, Märchen, Militär und anderen Zusammenhängen haben.", so der Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung Gerhard Wagner, der in Marburg Germanist und Geschichte studierte. Der Autor versetzt den Leser mit diesem äußerst unterhaltsamen Buch in andere Zeiten und Kulturkreise. Dieses Mal ist es das klassische Altertum. Hat selbiges wahrlich eine nicht unerhebliche Spur hinterlassen, nicht zuletzt durch die lange und große Tradition der griechischen und lateinischen Literatur. Untergliedert in vier Kapitel (griechische und römische Mythologie sowie griechische und römische Geschichte) legt er anhand 250 Redewendungen auf amüsante, anregende, kurzweilige und geistreiche Art und Weise deren antike Wurzeln offen.
Beim Blättern in seinem charmanten Werk wird offensichtlich, dass er im Vorfeld seiner gedruckten Ausführungen keineswegs „auf der faulen Bärenhaut lag“. Seine Abhandlungen offenbaren dabei keinerlei „Binsenweisheiten“. Auch halten sie sich nicht „für den Nabel der Welt“, sondern Wagner, und „das ist der springende Punkt“, „fasst eine Gelegenheit beim Schopf“, dem allgemeinen Unwissen entgegenzuwirken. Derweil könnte er sich „auf seinen Lorbeeren ausruhen“, hat er doch schon ähnliche Betrachtungen über Redewendungen, die ihren Ursprung im Mittelalter oder der Bibel zu suchen haben, veröffentlicht. Man will ihm auch keineswegs „zynisch“ unterstellen, dass er „das kleinere Übel wählt“ und dies nur tut, weil er „keine Moneten“ mehr hat und trotzdem seinen täglichen "Obolus zu entrichten" gezwungen ist.
„Logisch“, zuweilen auch „von der Muse geküßt“ und mitunter nahezu „genial“ gelingt es Gerhard Wagner von der ersten bis zur letzten Seite dem Leser die Augen zu öffnen und zu zeigen, welche Spuren unsere Sprache hinterlassen hat. Auf keiner Seite hat man den Eindruck, dass er „mit seinem Latein am Ende“ wäre. Auch „verliert er nie den Faden“ oder gibt gar „lakonische Antworten“. Wenn allerdings ab und an etwas Augenzwinkern mit im Spiel ist, sollte man daher nicht gleich „aus einer Mücke einen Elefanten machen“. Letztendlich verleitet dieses kleine Kompendium vielleicht sogar den einen oder anderen, noch einmal die „Sagen des klassischen Altertums“ oder ein Geschichtsbuch in die Hand zu nehmen.
Fazit: „Bevor man sich also im Labyrinth der Sprache verirrt und niemand mehr weiß, woher das Damoklesschwert seinen Namen hat, kann man mit diesem Buch, epische Breite vermeidend, den Pegasus reiten. Denn auch wenn es eine Sisyphusarbeit zu sein scheint, steigen wir noch nicht in den Hades hinab, und bevor wir wie Herkules am Scheideweg stehen oder gar wie Ikarus abstürzen, werden wir den Rubikon überschreiten. Das ist dann kein Pyrrhussieg, sondern das Nonplusultra.", sprach Gerhard Wagner und hatte Recht.



Gerhard Wagner
Was tun, sprach Zeus
Redewendungen aus der Antike
Theiss Verlag (April 2013)
160 Seiten, Gebunden
ISBN-10: 3806227721
ISBN-13: 978- 38062277217
Preis: 14,95 EUR

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