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Erschienen in Ausgabe: No 91 (09/2013) Letzte Änderung: 19.08.13

Das Blaue Band

Miami – Venedig – Tittmoning - Fotos und Installationen von Petra Liebl-Osborne

von Anna Zanco-Prestel

Verschieden und auch sehr unterschiedlich sind die Orte, die der international renommierten Künstlerin Petra Liebl Osborne in ihrem rastlosen Dasein als Wanderin zwischen den Welten – der Alten und der Neuen – als Inspirationsquelle dienen. Der Ort und der Augenblick, deren Faszination sie zum Unterliegen kommt, beflügeln ihre Kreativität und leiten einen Prozess ein, der zur Schaffung von Werken führt, die für immer – und sei es nur noch ideell - zum Ort ihrer Wahlgehören. Dies selbst wenn das Ergebnis als Kunstprodukt woanders transferiert wird, wie in der atemberaubenden Personale VENEDIG – TITTMONING – MIAMI – EIN BLAUES BAND, die bis zum 26. Mai in Tittmoning nahe Traunstein zu sehen ist. Im „Fürstenstock“ der mittelalterlichen Burganlage, die die geschichtsträchtige Stadt im oberbayerischen Rupertiwinkel majestätisch von oben dominiert, „verschmelzen - wie 1. Bürgermeister Konrad Schupfner bei der feierlichen Eröffnung unterstrichen hat - „Historie und moderne Kunst auf das Vortrefflichste“. Faszinationsreiche Lichtobjekte in unterschiedlichen Größen und Formen locken den Betrachter in seinem Aufstieg durch drei Stockwerke. Begleitet werden sie an den Wänden von Fotos und Texten, die deren spannenden Genesis erzählen. Einem ersten im Jahre 2001 für den Strand von Miami geschaffenen dreidimensionalen STATIC SWIMMING POOL folgen weitere künstliche Schwimmbäder wie der 2003 bei ArtBasel/Miami Beach präsentierte WATER CUBE. In ihrer im echten Sinne des Wortes brillanten Einzigartigkeit verweisen sie auf die Unterwasserfotoreihe WATERSPACES, die mit ihren unendlich vielen Blauschattierungen seit 2004die Blicke der Reisenden am Miami International Airport auf sich lenkt. TRANSPORTABLE SWIMMINGPOOLS nennt sich die Reihe von 2013, mit der Petra Liebl-Osborne dem „normalen“ Bürger Floridas, der kaum Zugang zum Badevergnügen in der küstennahen, hochtouristischen Region findet, die Möglichkeit, ein eigenes Schwimmbad in einer individuellen Tasche mit sich zu tragen. Ein sozialkritischer Ansatz verwandelt sich in eine „transluzente Leuchtbox“ oder in ein bemaltes Mikropool. Hochästhetisch wie die kleinen, mit Leinwand bezogenen Holzquader mit bemalten Wassermustern aus der Reihe MICRO POOLS von 2005, welche die „gefrorene Flüssigkeit eines enthäuteten Swimming Pools“ in Spielzeug-Formatzum Vorschein bringen. Ein Schwimmbad der besonderen Art ist das zur 53. Biennale von Venedig konzipierte AIRBAG FOR VENEZIA 2009: Ein aufblasbares Riesenkissen in leuchtender türkisblauen Farbe, das3 1/2 Monate auf der grünen Insel St. Erasmo in der Lagune Venedigs im Rahmen des internationalen „Aphrodite Water Art“-Projekts aufgestellt wurde. Eine engagierte Initiative, die die Idee des „Mosé-Programms“ zur Rettung Venedigs bei drohendem Hochwasser mittels aufblasbarer Gummibarrieren aufgreift. Dem Thema Umweltverschmutzung gewidmet ist das von unten leuchtende ḾIAMI RIVER POOL IN THE URBAN JUNGLE: eine in der Werkschau dokumentierte Großinstallation der Künstlerin, die 2012 zur ArtBasel/Miami Beach an der Mündung des Flusses im geschäftigen Zentrum Miamis vor Anker ging. Exakt an der Stelle, wo Siedler aus dem Norden im 19. Jahrhundert ihre ersten Behausungen bauten. Aber auch dort, wo die indianische Urbevölkerung ihr Heiligtum inmitten des Dschungels hatte. Durcheine „absurde“ Gegenüberstellung von natürlichem und artifiziellem Wasser“ zeigt es auf eine „domestizierte Wassermasse“ auf, die den Menschen keine Erholung und Spaß wie Schwimmen oder Fischen mehr zu bieten hat. Zu einem anderen „heiligen Ort“ kehrt Petra Liebl-Osborne in ihrem jüngsten Werken zurück, die den Burg-Besucher in dem oberen Bereich der Werkschau erwarten. In einer Reihe von berauschenden Naturbildern, in denen sich Wasserfälle wie strömende Dunstwolken ihre Zauberkraft vor der Kulisse einer üppigen grünen Landschaft ausstrahlen, beschwört sie die Magie einer Umgebung herauf, die für sie „heilig“ in zweifacher Hinsicht ist. Ein seit der Antike kultischer Ort und Heilbad, gehört das gleich hinter der Burg gelegene bewaldete Ponlach-Tal seit dem 17. Jahrhundert zum ausgedehnten Wahlfahrtsgebiet zu Maria Brunn an. Für die in Tittmoning geborene Künstlerin ist die erneute Begegnung mit dem „heiligen Hain“ als „Ort der Kontemplation und der Konzentration“ - jenseits des heutigen Wellness-Wahns - eine Rückkehr in die wundervolle Zeit der Kindheit in einem Naturpark, der sich - wie durch ein Wunder - in seinem ursprünglichen Zustand erhalten hat. Ein Zauberwald an der Salzbach, an dem noch - lässt man der Phantasie freien Lauf -Trollen und Elfen beheimatet sein könnten. Das Blaue Band, das wie der Titel der Werkschau verheißt, Venedig mit Miami und Tittmoning verbindet, materialisiert sich vor den Augen des Besuchers in jenem „Element Wasser“, das als „zentrales und wiederkehrendes Motiv“ in ihrem Schaffen gilt. In einem weiteren Bereich der Ausstellung - in der benachbarten Carabinieri-Stube der Burg - wird das langjährige Wirken an der „Nahtstelle zwischen Kunst und Architektur“ einer vielseitigen, kulturell interessierten Künstlerpersönlichkeit veranschaulicht. Ein kulturgeschichtliches Interesse, das Petra Liebl-Osborne immer wieder in das von ihr geliebte Italien mit seinem unendlichen Schatz als Kulturdenkmälern hinführt. Neben den spektakulären Leuchtkästen mit Außen- und Innenaufnahmen, die sie 2003 u.d.T. ACQUA – PIETRA – LUCE innerhalb vom im 11. Jahrhundert erbauten Castello Maniace von Friedrich II. an der Spitze der Halbinsel Ortigia in Syrakus anläßlich der Wiedereröffnung „re-installiert“ hat, verdient besondere Erwähnung Ihr vielmals und vielerorts – u.a. in der Pasinger Fabrik in München- präsentiertes Projekt CASA MALAPARTE- Fixierte Orte – Annäherung an eine Architektur“ mit Installationen um die Villa – eine Ikone moderner Bauweise - des exzentrischen Autors und Journalisten Curzio Malaparte auf Anacapri, das in die aktuelle Werkschau transportiert und rekonstruiert wird. Hier zeigt sich die Natur in ihrer Wildheit als der unbesiegbare Protagonist, während der menschliche Zug in architektonischer Ausformung sich in ein Ganzes einfügt, das in eine metaphysische Dimension projiziert wird. Wie die weißen Spuren, die Flugzeuge und Schiffe am Himmel oder auf der Meeresoberfläche hinterlassen als Zeichen einer Präsenz, die nur temporärer, ephemerer Art ist. „Flüchtige Signaturen“, die Petra Liebl Osborne „Etappe für Etappe“ in ihrer Serie „in progress“ WASSERZEICHEN / HIMMELSZEICHEN festhält, in der sie seit nun 10 Jahren „direkt in die Natur“ und „mit der Natur“ zeichnet.



Petra Liel-Osborne lebt zwischen München und Florida, wo sie adjunct Professoran der University of Miami, Scholl of Architectureist.


Zur Ausstellung, die sich wie eine Retrospektive ansieht, ist ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen erschienen.

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