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Erschienen in Ausgabe: No 89 (07/2013) Letzte Änderung: 20.06.13

Drei wirtschaftliche Gründe warum der Euro Bestand haben wird!

von Ingo Friedrich

1. Die eingeleiteten Reformen verbessern die Wettbewerbsfähigkeit der so genannten peripheren Staaten. Auch wenn diese Staaten den Standard der so genannten Nordstaaten nicht wirklich erreichen werden, reduziert sich doch der Abstand und viele "alte Zöpfe", die etwa in Griechenland, einen voll funktionsfähigen, modernen Staat praktisch verhindert haben, konnten "abgeschnitten" werden. Das erleichtert jedenfalls den Verbleib in der Eurozone, und es gibt auf der Welt viele Währungen, deren Gebiete keine gleichwertige Wirtschaftskraft besitzen. In gewisser Weise zwingt die gemeinsame Währung auf nationaler Ebene zu Strukturverbesserungen, die in der globalisierten Welt zwar bitter notwendig sind, die aber unter normalen Umständen politisch gar nicht durchsetzbar wären.
2. Kein Land will und kein Land kann es sich leisten, aus der Eurozone auszutreten: In den schwachen Ländern würde die Wiedereinführung einer eigenen nationalen Währung von den Bürgern nicht angenommen werden. Welcher Anbieter einer Leistung würde denn Papier- oder Blechgeld akzeptieren, wenn er stattdessen stabile Euros verlangen könnte. Und die starken Länder? Die Wiedereinführung der DM in Deutschland würde zu einer sofortigen Aufwertung um 25 bis 30 Prozent führen, mit schlagartiger Vernichtungskraft für Export und Volkswirtschaft. Also will auch Deutschland den Club nicht verlassen. Demzufolge wird kein Mitgliedsland freiwillig austreten und alle bleiben im Euro, auch wenn noch so viel geschimpft und gejammert wird. Und: eine Klausel, mit der ein Land zum Austritt gezwungen werden könnte, gibt es nicht.
3. Die Geschichte lehrt, dass mit Ausnahme der Belgisch-Luxemburger Währungsunion alle früheren Währungsunionen dann gescheitert sind, wenn sie nicht durch einen handlungsfähigen Staat getragen wurden oder alternativ, wenn nicht wenigstens eine starke Führungsmacht sozusagen "für Ordnung" gesorgt hat. Oder umgekehrt: Währungsunionen brauchen offenbar entweder eine politische Union oder einen Hegemon.
Nachdem Europa bisher weder über das eine noch über das andere verfügt, könnte daraus gefolgert werden, dass auch die Euro-Währungsunion zum Scheitern verurteilt ist. Diese Schlussfolgerung ist allerdings falsch und zwar aus folgendem Grund: bei genauerer Betrachtung verfügt Europa über beides, wenn auch nur zu jeweils ca. 50 Prozent: Europa ist zwar kein Staat im klassischen Sinn, es verfügt aber über eine Vielzahl staatsähnlicher Faktoren und Eingriffsmöglichkeiten, die gerade im Banken- und Währungssektor konkret und sichtbar praktiziert und angewendet werden. Hier handelt Europa wie ein Staat ohne es laut Lehrbuch zu sein.
Und zum zweiten: Europa verfügt mit Deutschland zwar über keinen Hegemon im klassischen Sinn, aber Fakt ist auch, dass Deutschland in der Realität einen überdurchschnittlichen Einfluss ausübt. Was immer wirtschaftspolitisch in Europa entschieden wird, geschieht unter maßgeblicher Einwirkung der deutschen Politik. Oder umgekehrt: ohne Deutschland läuft in Europa wenig bis gar nichts. (Dass Deutschland mit dieser großen Verantwortung behutsam und gemeinwohlorientiert umgehen muss, ist ein anderes wichtiges Thema) In der Kombination "staatsähnliche wirtschaftspolitische Strukturen" in Europa mit einem überdurchschnittlich "einflussreichen Stabilitätsanker Deutschland" sind die aus der Geschichte gemachten Erfahrungenzwar nicht ideal aber hinreichend berücksichtigt, wenn alle Beteiligten klug mit der komplexen Struktur umgehen. Wie immer gibt es in Europa keine Lösungen in Reinkultur sondern komplexe Kompromisse, deren Verständnis und Akzeptanz bei den Bürgern erst mühsam erarbeitet werden müssen. Wie immer ist Europa schwierig, aber zur nachhaltigen Sicherung unserer Zukunft unverzichtbar.

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