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Erschienen in Ausgabe: No 95 (01/2014) Letzte Änderung: 20.12.13

Interview mit dem Pianisten Davide Martello vom Taksim Platz

von Nora Knobloch

14 Stunden Klavierspielen für den Frieden

Der Taksim Platz in Istanbul blieb diese Nacht ruhig und friedlich – aus einem bestimmten Grund. Der sizilianisch-deutsche Pianist Davide Martello spielte das zweite mal für Tausende erschöpfte Demonstranten mitten auf dem Taksim Platz, und das durchgehend von 21 Uhr Abends des gestrigen Tages bis heute morgen um 11 Uhr. Martellos sanfte Klavierklänge lösten für 14 Stunden die Kampfgeräusche von Wasserwerfern und Schüssen ab, welche die letzten Tage und Nächte auf dem Taksim Platz dominierten. Um ihn herum versammelte sich die Protestbewegung Istanbuls ebenso wie die Polizisten und erlebten gemeinsam eine rare Zeit des Friedens, ermöglicht durch die Kraft der Musik.

Wir sprachen nach der Konzertnachttelefonisch mit Davide Martello.

Nora: Wo befindest du dich grade und wie lange bleibst du noch in Istanbul?
Davide Martello: Ich befinde mich jetzt bei einem Kumpel von mir in Istanbul und ich weiß noch garnicht, wie lange ich hier bleiben werde. Das ist noch offen und hängt davon ab, wie friedlich es hier bleiben wird.
N: Wie wirst du empfangen und wie sind die Reaktionen der Menschen auf das, was du gibst?
D: Die Menschen sind sehr, sehr erfreut, dass ich da bin. Denn in der Zeit, wo ich da bin, gibt es keine Krawalle und deswegen habe ich auch die ganze Nacht durchgespielt.Sie wollten heute dort Krawalle machen und hatten das auch angekündigt gehabt, aber in dieser Nacht und in diesem Morgen blieben die Krawalle aus.


N: Was für eine Gefühlslage nimmst du unter den Menschen wahr?
D: Die Menschen sind voller Hoffnung!
N: Spürst du einen friedlichen Zusammenhalt oder eine Art Liebe in der Bewegung?
D: Ja, total. Dieser Zusammenhalt ist unbeschreiblich. Ich kann es wirklich nicht in Worte fassen. Die Leute hören die Musik – nicht nur die Demonstranten, sondern auch die Polizei – und das bewegt sie. Das wirkt auf jeden fall. Demonstranten und Polizisten hören der Musik gemeinsam zu. In Frieden.
N: Was fühlst du während deiner Konzerte auf dem Taksim Platz?
D: Ich habe das einfach gefeiert! Musik zu machen, das sehe ich nicht als Arbeit an, das ist wie ein Hobby für mich.Was die Musik bewirken kann, auf dem Platz und überall – das ist einfach unbeschreiblich.
N: Was wird dir von den Menschen berichtet?
D: Die große Hoffnung ist, dass diese rohe Gewalt aufhört, dass die Polizei in der nächsten Zeit keine Attacken mehr gegen die Demonstranten machen wird und dass es wieder friedlicher wird. Politisch kann ich dazu nicht viel sagen. Die Menschen freuen sich einfach nur so sehr, dass ich da bin. Sie sehen, wie sie mit den Polizisten zusammenstehen und es bleibt friedlich. Es gibt keine Attacken, keine Steinschläge, es gibt nichts, garnichts, das ist echt der Hammer. Zwei Tage zuvor waren hier noch Krawalle und Gewalt hoch zehn.Die Menschen bedanken sich, denn während der Konzerte haben sie Frieden.

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