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Erschienen in Ausgabe: No 93 (11/2013) Letzte Änderung: 06.11.13

Zum 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi - Multimedia-Projekt im Gasteig – Foyer Philharmonie - 200 JAHRE VERDI-WAGNER FACE TO FACE

Pünktlich zu Verdis 200. Geburtstag am 9. Oktober eröffnete der Italienische Generalkonsul Filippo Scammacca del Murgo das Multimediaprojekt

von Anna Zanco-Prestel

200 JAHRE VERDI-WAGNER FACE TO FACE

Im Fokus stehen die parallel verlaufenden Laufbahnen der zwei großen europäischen Komponisten und „Gallionsfiguren“ ihrer Herkunftsländer Giuseppe Verdi und Richard Wagner als Spiegelbild der deutschen und italienischen Seele. Zu sehen sind zwei Foto-Reihen, die sich künstlerisch mit Verdis Orten und Wagners Gedenk-Orten auseinandersetzen. Kontrastreich reflektieren sie den Schein des nach Grandeur trachtenden Wagnerkults und die Schlichtheit voller Inhalte in der Darstellung der Verdi-Orte als vom Volk geteiltes Vermächtnis. Zu verdanken sind sie dem zwischen Parma und Mailand lebenden Edegildo Zava und der zwischen München und Miami wirkenden Petra Liebl-Osborne. Dokumentarisch wird in der Ausstellung kurz auf das Verhältnis beider Großen zueinander sowie auf die Wagner- und Verdi-Rezeption in Italien und Deutschland zu Lebzeiten und heute eingegangen. Begleitend dazu werden internationale zeitgenössische Positionen gezeigt, u.a. des jungen deutschstämmigen israelischen Malers Jonathan Hirschfeld aus Tel Aviv mit Gemälden aus seiner neuen Reihe „Lohengrin“ mit auf dem Hintergrund der deutschen Fahne gemalten mythischen Figuren, die in eine zur Bühne gewordene Landschaft umgewandelt wird, in der das Gelb zum Weizenfeld wird, das Rot ein Fluss von Blut, das Schwarz ein nächtlicher Himmel. Zu sehen auch Arbeiten aus Tusche und Transparentpapier von Rolf-Maria Krückels aus München aus dem Zyklus Der Ring des Nibelungen , in dem Persönlichkeiten aus der nordischen Sage oder auch aus Werken wie Der Herr der Ringe in die heutige Zeit überführt werden. Dazu ein Bühnenbildentwurf des am Teatro San Carlo von Neapel wirkenden Bühnenbildners Andrea Di Gennaro, in dem ein sehr zeitgemäße sOtello aus dem Parkett eines imaginären Theaters die auf der Bühne sterbende Desdemona beobachtet. In einem Banner in der Mitte der Werkschau verwandelt der aus Pompeji stammende Maler Luigi Pagano den enigmatischen Gral-Kelch in eine Sanduhr, die die Zeit vermisst und mit ihr die Handlungen. Die durch sie fließende spirituelle Energie lässt sie somit zum universellen Symbol aufsteigen. In Dokufilmen wird die Verbindung zur zeitgenössischen Kulturszene hergestellt, insbesondere zum damaligen Star-Dirigenten Hermann Levi (1839-1900), der sowohl die Parsifal-Uraufführung 1882 in Bayreuth als die Otello-Premiere in München 1888 leitete. Filmausschnitte aus aktuellen Inszenierungen runden das Bild ab, darunter aus dem neuen Ballett „Die doppelte Nacht - Tristan und Aida“ aus dem Teatro Comunale di Bologna auf Maxibildschirm und auf Monitor im Rahmen der Werkschau.


Rahmenprogramm:
Filmnachmittag im Vortragssaal der Münchner Stadtbibliothek im Gasteig
Sonntag, den 13.10. 2013
15:00 Uhr
EIN SOLITÄR NAMENS HERMANN LEVI
Art-Doku-Film - 9 Minuten
Erste Einblicke in Leben und Schaffen vom verdrängt-vergessenen Hermann Levi, erstem
Dirigenten von Wagners Parsifal und der Bayreuther Festspiele sowie von der Münchner
Otello-Premiere 1988
Regie: Angelika Weber 2013
Filmproduktion: Viacom-Media, München
WAGNERWAHN
Dokumentarfilm – 97
Spannende Neuerzählung von Wagners Leben auf der Flucht mit Animationen, inszenierten Spielszenen, Interviews mit Experten.
Mit Samuel Finzi und Pegah Ferydoni
Regie: Ralf Pleger 2013
Filmproduktion: Gebr. Beetz, Berlin

18:00 Uhr
DER KUSS DER TOSCA
IL BACIO DI TOSCA
Dokumentarfilm- 87 Minuten
Die preisgekrönte Dokumentation voller Menschlichkeitdes Opernregisseurs Daniel Schmidt über Verdis „schönstes Werk“, das von ihm gegründeten Altersheim für mittellose Musiker in Mailand.
Regie: Daniel Schmid 1984
Filmproduktion: TC-Film, Zürich
Karten bei München-Ticket unter 089- oder an der Kasse
Kulturnachmittag
Sonntag, den 20.10.2013
15.00Uhr
Wagner und das Umfeld in München.
Hermann Levi, Paul Heyse, Franz von Lenbach
Die Filmemacherin Angelika Weber im Gespräch mit Fabian Spring
Filmbeispiele
Anschließend ab
16.30 Uhr
Werkgespräch mit Rolf-Maria Krückels und anderen Künstlern
mit Filmausschnitten
Gasteig
Foyer Philharmonie
Eintritt frei

Veranstalter: Pro Arte e.V. in Zusammenarbeit mit Viacom-Media, München
Verdi-Wagner-Comité Bruxelles, Münchner Stadtbibliothek
Unter der Schirmherrschaft vom Italienischen Generalkonsulat München
Gefördert vom Bezirk Oberbayern
© Kuratorin:Dr. Anna Zanco-Prestel, Pro Arte München
Zum Ausstellungsprojekt erscheint ein Katalog.
www.proarte-muenchen.biz

Hier ein Auszug aus der Eröffnungsrede der Kuratorin:

Der etwas konstruierte Verdi-Wagner-Gegensatz spielte lange Zeit eine bedeutende Rolle in Musikkritik und Presse. Oft standen Wagner und Verdi stellvertretend für die Antipoden „Geist“ und „Sinnlichkeit“, gleichzeitig aber auch für „Tiefe“ und „Oberflächigkeit“. Das Methaphysich-Allegorische in Wagners „Gesamtkunstwerk“ und das Melodisch-Theatralische in Verdis leidenschaftlichem Realismus, ihr jeweiliges Schaffen als Verinnerlichung des Apollinischen und Dionysischen, sind mittlerweile quasi zum Spiegelbild der deutschen und italienischen Seele tout court geworden. Die Auffassung, die beide Komponisten vom Musikdrama in Zeiten des Umbruchs, speziell für die Kunstgattung der Oper, vertreten, kann in der Tat gegensätzlicher nicht sein. Die Musik ist gewiss das treibende Element bei Wagner, wo der Gesang in das Orchester hineinzufließen scheint. Es ist häufig ein Sprechgesang, der grundlegend mit jenen, keineswegs isolierten sondern ineinander übergehenden Arien kontrastiert. Bei Verdi hingegen sind die einzelnen Arien Inbegriff von Oper. Anstelle der Arien und Rezitative entfalten sich bei Wagner Leitmotive, die den Zuhörer wie ein strömender Fluss mitreißen und die den Komponisten Wagner zurecht als Vater des modernen Soundtracks gelten lassen. Stützen sich Wagners in langen Zeitspannen konzipierten Musikdramen auf ein ideologisch-philosophisches Gerüst, in dem sich seine nach Erlösung verzehrende Weltanschauung projiziert, so bleibt Verdi als der Bodenständigere der beiden ganz den Menschen mit ihren Leidenschaften, Irrungen und Wirrungen verpflichtet. Konflikte spielen sich in seinen Opern keineswegs in einer symbolisch-allegorischen Sphäre ab, sie werden mit allen Sinnen ausgelebt und bis zur äußersten Konsequenz ausgetragen. Dementsprechend unterschiedlich sind daher auch die Sujets ihrer Opern: Historische und biblische Motive bei Verdi, der mit zunehmendem Alter immer mehr aus literarischen Texten schöpft, beispielsweise von Victor Hugo, Friedrich Schiller und vor allem von einem im damaligen Italien noch selten aufgeführten Shakespeare, der den Theatermann Verdi am stärksten inspiriert. Bei Wagner hingegen dominiert der Rückgriff auf Mythen, insbesondere auf germanische Mythen, die er in seinen Manuskripten neu zu erfinden weiß. Divergierend stellt sich auch der Entstehungsprozess der Werke beider Komponisten dar. Wagner ist selbst der Verfasser seiner Operntexte und zudem Autor zahlreicher theoretischer Abhandlungen wie Das Kunstwerk der Zukunft aber auch von Essays wie Das Judenthum in der Musik, die verheerende Nachwirkungen hatten. Verdis Arbeitsweise ist spontan und eher Ausdruck von überschäumender Kreativität. Vor allem seinen ersten Librettisten liefert er nicht viel mehr als Anweisungen, die auch die Auswahl der passenden Stoffe miteinbeziehen. Erst mit seinem letzten Librettisten, dem ursprünglichen WagnerianerArrigo Boito, kommt es zu einer engen Kooperation, die Musikalisches und Dramaturgisches in sich harmonisch vereint. Von Verdi gibt es keine theoretischen Schriften, aber eine große Anzahl von Briefen und Briefdurchschlägen, die unter dem Begriff „Copialettere“ bekannt wurden und in die seine Ideen und Vorstellungen eingehen. Auch die Persönlichkeiten beider Musiker stehen sich kontrastierend gegenüber: Wagner ist eine schillernde, ausgesprochen extravagante Künstlernatur, die im Privaten durchaus humorvoll sein konnte und manche seiner Einfälle selbst nicht immer so ernst nimmt, wie es die stets wachsende Schar seiner Anbeter tut. Ein genialer Musiker, der nach Anfängen als Anarchist und Revolutionär nach Ruhm und Luxus strebt und der die Gunst der Mächtigen sucht, um seine großartigen Pläne zu verwirklichen. Emblematisch bleibt seine Beziehung zu König Ludwig II., dem er Alles zu verdanken hat und den er am Ende verrät.
Verdi, „verschlossen, streng, abweisend bis zur Grobheit“ - wie Franz Werfel ihn beschreibt - , lebt bevorzugt abgeschieden von der Welt. Sein Werk ist geprägt von tiefer Empfindsamkeit für menschliches Leiden; seine Empathie gilt den Unterdrückten und Verlierer der Geschichte. Es ist kein Zufall, dass sein berühmter Nabucco-Chor der Israeliten in babylonischer Gefangenschaft heute noch zu besonders sensiblen öffentlichen Anlässen und sogar bei Gedenkfeiern in ehemaligen Konzentrationslagern erklingt und immer neue Emotionen auslöst. „Va' Pensiero sull'ali dorate“ - „Steig, Gedanke, mit goldenen Flügeln“ war im Zuge der Vereinigung Italiens geheime Nationalhymne. Er wird es auf Anhieb, nicht weil Verdi es wollte, sondern auf Verlangen seiner immer zahlreichen Anhänger, die den Maestro zur Identifikationsfigur des Freiheitskampfes gegen die Habsburgische Herrschaftküren. VIVA VERDI = Viva Vittorio Emanuele Re d'Italia – entwickelt sich somit zur Kampfparole der Patrioten. Und ein Patriot war Verdi selbst, was ihm nach Italiens Vereinigung einen Sitz im Senat der Jungen Nation verschafft, den er allerdings bereits nach einem Jahr aufgibt.
Gerätselt wurde immer wieder über eine vermeintliche Rivalität beider Großen, die sich aber nie dokumentieren ließ. Wohl bekannt ist, dass Wagner Zeit seines Lebens von seinem angeblichen italienischen Antipoden keinerlei Notiz nahm. Von Cosima Wagner, die als sein Sprachrohr gilt, ist eine lapidarische Tagebucheintragung zur „Messa da Requiem“ überliefert worden: Ein Werk, worüber nicht zu sprechen entschieden das Beste ist...“.
Stets aufmerksam verfolgte Verdi indessen Wagners Werdegang und ließ sich nach jeder neuen Aufführung Partituren nachsenden, die er sorgfältig studierte. Man weiß, dass er in Inkognito derder italienischen Uraufführung des Lohengrins – Wagners – sozusagen - „italienischer Oper“ - im Teatro Comunale di Bologna beiwohnte, die - dort wie später auch in anderen italienischen Theatern - mit stürmischen Beifall empfangen wurde. Erhalten ist die Klavier-Partitur mit 114,darunter 78 sehr kritischen Eintragungen aus Verdis Hand. Nicht allzu positiv sein Kommentar:
Schöne Musik, wenn sie klar und geistreich ist... Die Handlung ist aber so langsam wie das Wort, ergo Langeweile. Große Verve, aber wenig Poesie und Finesse.“ 12 Jahre später – unter dem Eindruck von Wagners unerwarteten Hinschneiden– wird ein sichtbarergriffener Verdi ganz andere Worte finden, um in einem Brief an seinen Verleger Ricordi seine tiefste Trauer für den unersetzlichen Verlust zu bekunden:
Traurig! Traurig! Traurig! Wagner ist tot!Als ich gestern die Mitteilung las, war ich – würde ich sagen – ganz erschüttert! Diskutieren wir nicht! Mit ihm verschwindet ein großer Individualist! Ein Name, der eine gewaltige Spur in der Geschichte der Kunst hinterlässt. Selbst wenn seine Musik – einzig und allein Lohengrin ausgenommen - von unserem Gefühl weit entfernt ist, so ist sie voller Leben, Blut und Nerven; es ist folglich eine Musik, die das Recht hat zu bleiben...“
Verdi ist nach dem überwältigenden Triumph der Aida 1871in Kairo der unangefochtene Stern an Italiens musikalischen Firmament. Zu Ehren des mit ihm befreundeten und bewunderten Schriftstellers Alessandro Manzoni schreibt 1873 das Requiem, das ihm große Anerkennung bringt.Es soll nach seinem Willen sein letztes Werk sein. Der Vorwurf des Wagnerismus, den er sich seit der Uraufführung des Don Carlos in Paris ausgesetzt fühlt, lastet so sehr auf ihm, dass er beschließt von nun an,eine Existenz als Bauer auf seinem Landgut Sant'Agata weiterzuführen, und nicht – wie er schreibt -„nach fast vierzig Jahren Musikerlaufbahn als Wagners Nachahmer zu enden!“
Sein Fernbleiben von der Musikszene wird sich über zehn Jahre lang hinziehen. Erst 1887 betritt er erneut mit Otello und 1889 mit Falstaff die Bühne von La Scala. Das Spätwerk, das Verdi mit seinem neuen Librettisten Arrigo Boito vollendet, wird von einem lang anhaltenden Erfolg gekrönt. Seit Aida ist sein Ruhm auch in Deutschland unumstritten, die Diskussion in Fachkreisen verlagert sich eher zunehmend auf die Frage, in wieweit der Einfluss Wagners auf Verdis Alterswerk hinreiche. Der berühmte Musikkritiker Oskar Bie stellt ihn in seiner 1913 erschienenen Geschichte der Oper gleich neben Wagner.
Das erste Doppeljubiläum vor 100 Jahren kündigt sogar eine authentische Verdi-Renaissance als „Gegenbewegung zum Wagnerkult“ im deutschsprachigem Raum an, die vorwiegend auf den persönlichen Einsatz von Franz Werfel zurückzuführen ist, der Verdis Libretti der frühen Opern Die Macht des Schicksals (1926), Simon Boccanegra (1930) und Don Carlos (1932) nachdichtet und in einer neuen, „vom Kitsch befreiten“ Edition präsentiert.
Unter dem Einfluss seines Verdi – Roman der Oper entstehen die unvergesslichen Seiten, in denen der zunächst Verdi-Skeptiker und leidenschaftliche Wagnerianer Thomas Mann Aidas Klänge im Kapitel „Fülle des Wohllauts“ seines Zauberbergs literarischer tönen lässt.
Noch entscheidender für Verdis Erfolg erweist sich jedenfalls die Gunst des deutschsprachigen Publikums, dem sich Kritiker und Musikwissenschaftler ab den späten 30er Jahren einfach zu beugen haben. Ununterbrochen ist Verdi seitdem der meistaufgeführte Opernkomponist in Deutschland, und dies auch während des I. Weltkriegs, in dem Deutschland und Italien gegeneinander kämpfen, und selbst in der von Wagner dominierten NS-Zeit.
In Italien war das erste Doppeljubiläum 1913 durch eine verschärfte Polemik zwischen Verdi-Anhängern und der wachsenden Schar der Wagnerianer auf italienischem Boden gekennzeichnet. Ihren Höhepunkt erreichte sie nach der ersten Parsifal- Aufführung außerhalb von Bayreuth am 1.11.1914 in Bologna, die europaweiten Anklang fand. Ein Jahrhundert später erregt großes Aufsehen Ende voriges Jahres die Entscheidung Daniel Barenboins, die Saison im Theater La Scala – dasfür Verdi mit Bayreuth gleichzusetzen ist - und somit auch die Feierlichkeiten des „Bicentenario“ (Doppeljubiläum)nicht mit Verdi, sondern mit Wagners Lohengrin mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle zu eröffnen. Unter der Leitung des neuen israelischen künstlerischen Direktors wird ab Juni 2013 der gesamte Ring des Nibelungenbei La Scala neu aufgelegt, wo er bereits 127 Mal von hochkarätigen Regisseuren wie Guy Cassiers bis hin zu Luca Ronconi inszeniert wurde. Zu dem Anlass ist auch - zusammen mit der Mailänder Tageszeitung Il Corriere della Sera - eine Doppel-Cd der 1950er Edition des Rings von Wilhelm Furtwängler erschienen, unter dessen Führung der erst 11jährige Barenboim seine Laufbahn begann. Einer Aufnahme, in der – so Barenboim – „Naturalismus und Symbolismus wunderbar zusammenschmelzen“ und die zu den herausragensten Interpretationen des Ring zählt.
Interessant vielleicht an dieser Stelle an Wilhelm Furtwänglers Äußerung, der auch Otello dirigierte, zum „beliebten Vergleich“ zwischen Verdi und Wagner zu erinnern:
Was man auch über das Genie beider sagen möge, so liegt es an der Hand, dass Verdi für Sänger und ausübende Künstler sondern auch für das Publikum der ungleich glattere, voraussetzungslosere und bequemere unter beiden Künstlern ist.“
Anders Arturo Toscanini, dessen umjubelte Aufführungen der Walküre und des Siegfried als Modell für Generationen von Dirigenten auf der ganzen Welt wurden:
Ich liebe und bewundere alle Werke, die ich dirigiere...Im Bereich der Oper schätze ich die von Wagner und Verdi über alles. An Verdis Opern schätze ich nicht nur den melodischen Reichtum, sondern ebenso die wirksame und sichere musikalische und dramatische Kraft. Die beiden Meister sind fraglos die bezeichnendsten Repräsentanten der deutschen und der italienischen nationalen Musik.“
Deutschlandweit werden Verdi und Wagner zu ihrem Jubiläum gleichermaßen gewürdigt: Mit Sendungen, Filmen, Doppelbiografien und Doppelkonzerten, in der Münchner Innestadt auch mit dem Aufsehen erregenden Spektakel „Wagner gegen Verdi“ der katalanischen Gruppe La Furadels Baus zum Auftakt der Münchner Opernfestspiele. Eher auf das Nebeneinander oder gar auf das Verbindende zwischen beiden Musikern setzen weitere italienische Städte. So Bologna, wo Ende Juni im Teatro Comunale das Ballett Die doppelte Nacht - Aida und Tristan aufgeführt wurde, in dem Stücke von Verdi und Wagner vor einer eindrucksvollen Choreografie mit 20 begnadeten Tänzern ineinander fließen.
Die Wagner-Stadt Venedig feiert beide Komponisten gleichermaßen seit November 2012 mit der Parallelaufführung von Tristan und Isolde und Otello, die an zwei einander folgenden Tagen vom selben Dirigenten Myung-Whung Chung im wiederaufgebauten Teatro La Fenice geleitet wurde. Im Juli dieses Jahres dirigierte der Koreaner vor der Originalkulisse des Dogenpalastes einen „mephistophelischen“ Otello, der sich Verdis Prinzipien eines nüchternen, dramatischen Realismus entschieden widersetzt. Dies 43 Jahre nach der legendären Inszenierung mit Mario del Monaco in der Titelrolle, der – wie in der Chronik der Zeit berichtet – sein Hotel im Otello-Kostüm verließ.

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