Drucken -

Die aktuelle Juli-Ausgabe 2016 ist da!

Anzeige
Erschienen in Ausgabe: No 98 (04/2014) Letzte Änderung: 02.04.14

NEU: DIE ARCHIV GALERIE IM HAUS DER KUNST

von Anna Zanco-Prestel

Das Haus der Kunst ist die einzige museale Einrichtung der Stadt München, die den 2. Weltkrieg beinah unversehrt überstanden hat. Seine zutiefst belastete Geschichte wurde erst zum 75. Jubiläum der Eröffnung im Jahre 2012 in der denkwürdigen Ausstellung „Geschichten im Konflikt- Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955“ “ thematisch aufgegriffen. (S. hierzu: Tabula Rasa – Nr.80 (10/2012).
Als ein „neues Format“ zur Präsentation eigener historischer Materialien, die an eine breitere Öffentlichkeit vermittelt werden sollen, ist nun eine „Archiv Galerie“ eingerichtet worden, die dauerhaft und kostenfrei den Besuchern zugänglich gemacht wird. In der Archiv Galerie, die sich in einem Ausstellungsraum seitlich der ursprünglichen „Ehrenhalle“ - heute „Mittelhalle“ genannt - befindet, werden Dokumente zur Nutzungsgeschichte des berühmten Gebäudes gezeigt, die dem von Sabine Brantl seit zehn Jahren angelegten und geleiteten „Historischen Archiv vom Haus der Kunst“ entstammen. Zusammen mit Hannes Wilmes ist sie auch die Kuratorin der „Archiv Galerie“, die durch die geplante Interventionen von geladenen Künstlern, Historikern, Kuratoren und Wissenschaftlern sowie durch eine wechselnde Schau ihrer Bestände eine offene und dynamische Form erhält. In der Mittelhalle selbst ist ein Ensemble aus Einrichtungsgegenständen und Museumsdisplay zu sehen, die der Künstler und Kulturwissenschaftler Martin Schmidl realisiert hat.
Fokussiert wird in der „Archiv Galerie“ auch der Umgang mit der Architektur vom Haus der Kunst nach Kriegsende, als – nach dem Auszug der amerikanischen Militärregierung im Jahre 1955 - das Bayerische Kultusministerium ein Architekturwettbewerb ausschrieb. Speziell wird auf die Veränderungen eingegangen, die auf Vorschlag des Münchner Architekten Josef Wiedemann eingebracht wurden. Durch eingebaute Decken und Wände wie auch durch die weiße Übertünchung der roten Marmorverkleidung sollte der strenge Bau seine düstere Monumentalität einbüssen und somit die Propaganda-Funktion, die er während der NS-Zeit verkörpert hatte, in Vergessenheit geraten lassen. Die Rekonstruktion der Geschichte steht im engen Zusammenhang mit der bevorstehenden Sanierung des Baus durch das namhafte Architekturbüro David Chipperfield Architects, die sich als Fortsetzung des 2004 begonnenen „kritischen Rückbaus“ des Gebäudes versteht, deren Ziel die vollkommene Herstellung der „Lesbarkeit des belasteten Gebäudes“ ist. Die Einbeziehung der Geschichte vom Haus der Kunst als Schwerpunkt der eigenen Aktivitäten ist ein besonderes Anliegen seines Direktors Okwui Enzewor, der im vergangenen November auch zum nächsten Künstlerischen Leiters der Kunstbiennale von Venedig 2015 ernannt wurde.

> Haus der Kunst

>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.

Neueste Artikel ▲

Meist gelesene ▼

  •  
  • Anzeige
  •  
  • Anzeige
  •  
  •  
  •  
Zum Seitenanfang zurück