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Erschienen in Ausgabe: No 103 (09/2014) Letzte Änderung: 03.09.14

Luftsammler und Zeitreiter: Die Gruppe „Eisenherz“ macht vogelwilde Kunst für Chiemgauer Sommerfrischler

von Hans Gärtner

Bild

(c) Gärtner: „Spiralobjekt V“ nennt Remo Leghissa seine Metallskulptur.

Die Sommergäste des Landgasthofs Griessee in Großbergham der Gemeinde Obing im nördlichen Chiemgau können sich heuer über vogelwilde Gesellschaft nicht beklagen. Auch wenn diese nicht sprechen kann – sie spricht die Betrachter dennoch an. Stumme Kunstwerke der freien Bildhauer-Gruppe „Eisenherz“, locker verteilt auf der mit Apfel- und Zwetschgenbäumen bestandenen Wiese neben dem Landgasthofgelände, fordern zur Begegnung heraus. „Trau dich nur!“, scheinen sie sagen zu wollen. Bis zum 24. September halten die metallenen Werke aus den Ateliers von Remo Leghissa, Ulrich Schweiger, Peter Schwenk und Leander D. Wennige noch die Stellung. Vielleicht finden sich Liebhaber, die das eine oder andere Stück gern in den eigenen Garten abschleppen – dann lichtete sich der Bestand auf der Wiese mit dem Sankt Gertrudis-Stein vom Großberghamer Obst- und Gartenbauverein um sein saisonales Flair.

Einstweilen aber sind sie noch da und, wohlgemerkt, frei zugänglich, die künstlichen Gebilde mitten in einem sanft ansteigenden Grün-Areal: von Schwenks bunter „Harlekinade“ bis zu Leghissas „Spiralprojekt V“. Da greift der „Zeitreiter“ weit aus, wie ein lang gestreckter wilder Vogel sticht er sportiv in die Wolken. Dort rostet der neckische „Luftsammler“ vor sich hin – ein freundlicher kleiner Geselle, der, wie es aussieht, niemandem die Hand reichen will. Schneckenartiges und Verschlungenes aus silbrig glänzendem Metall fängt nur allzu gerne ein paar goldrot leuchtende Abendsonnenstrahlen ein. Auf gekiesten Hügelchen stehen wunderliche Gestalten von der Sorte „lustig“ bis „verstörend“ – gerade richtig für Erholung suchende Sommerfrischler, die sich zwischen Brotzeit und Badevergnügen die Zeit ein mit Rätselraten vertreiben. Kann sein, dass der hurtig ausschreitende Eisenlackel aus der Werkstatt Ulrich Schweigers dann einen längst fälligen Namen kriegt.

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