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Erschienen in Ausgabe: No 104 (10/2014) Letzte Änderung: 16.10.14

Klavierkonzerte für die linke Hand – Klavier für Linkshänder?

von Günter Stein

1.Klavierkonzerte für die linke Hand

Im 4. Philharmonischen Konzert Reihe C der Jenaer Philharmonie wurde am 18. Januar 2013 unter der Leitung von Marc Tardue das Konzert für Klavier und Orchester D-Dur für die linke Hand von Maurice Ravel von der Pianistin Ragna Schirmer vorgetragen. Das Konzert hatte ich an gleicher Stelle am 20.Januar 1972, also vor 40 Jahren mit dem einarmigen Pianisten Siegfried Rapp, Weimar und der Jenaer Philharmonie ,die am 21.September 1969 vom Sinfonieorchester zur Philharmonie umprofiliert wurde, unter der Leitung von Hans-Reiner Förster gehört. Dieses erneute musikalische Erlebnis, die Erinnerung an 1972 einschließlich der persönlichen Bekanntschaft mit S. Rapp durch mehrere ambulante Konsultationen in der Hochdruckambulanz des Universitätsklinikums Jena und die Nachricht von der Herstellung eines Klaviers für Linkshänder durch die Fa. Blüthner, Leipzig haben mich angeregt, über diese Problematik zu recherchieren und die Gedanken aufzuschreiben. Daß Klavierkompositionen für die linke Hand geschrieben wurden, geht auf die Pianisten Geza Zichy, Paul Wittgenstein und Otakar Hollmann zurück. Geza Zichy, 1849 in Ungarn geboren, hat im Alter von 14 Jahren bei einem Jagdunfall seinen rechten Arm verloren und trotzdem seine musikalische Begabung weiter entwickelt. Er war Schüler von Franz Liszt, der für ihn das Klavierstück „ A magyrok Istene“ (Ungarns Gott) komponierte (1,2) und hat als erster einarmiger Pianist, aber auch als Komponist und Arrangeur eine internationale Karriere erlebt. Daneben war er von 1875 bis 1892 Präsident der Königlich Ungarischen Landesmusikakademie und von 1891 bis 1894 Intendant der Oper in Budapest, deren Leiter zu dieser Zeit Gustav Mahler war. Den Kriegsversehrten nach dem Ersten Weltkrieg war er ein Vorbild und hat viele Behinderte zum Klavier spielen ermutigt. Er komponierte sechs Opern, die Kantate Dolores, das Ballett Gemma, ein Klavierkonzert, 10 Klavieretüden für die linke Hand, eine Sonate, zwei Morceaux (kurze Kompositionen)und Lieder. Von ihm stammt auch die Bearbeitung der Polonaise op. 40 Nr.1 von Frederic Chopin.
Die meisten Kompositionen für die linke Hand wurden dem Pianisten Paul Wittgenstein, geboren 1887 in Wien, gewidmet oder von ihm in Auftrag gegeben. Der finanzielle Hintergrund war in der außerordentlich musisch orientierten Familie vorhanden. Über sein Leben und seine künstlerischen Ambitionen und Erfolge gibt es eine umfangreiche Literatur. Lea Singer hat in ihrem Buch „Konzert für die linke Hand“ ausführlich und unterhaltsam das Leben und die Karriere von P. Wittgenstein beschrieben. (3)
Er hat 1915 im Ersten Weltkrieg im Alter von 28 Jahren den rechten Arm verloren, nach der russischen Gefangenschaft seine Karriere als Pianist dennoch fortgesetzt. Er arrangierte die Neuausgabe von Wilhelm Tapperts Fünfzig Übungen für die linke Hand allein(4)und spielte die o.g. Kompositionen vonFranz Liszt fü rGéza Zichy. Sein früherer (blinder) Lehrer Joseph Labor komponierte für ihn mehrere Klavierstücke, darunter das Konzert für Klavier und Orchester in Es-Dur sowie Variationen in D-Dur. Insgesamt ca. 20 Komponisten haben Klavierwerke für Wittgenstein geschrieben, darunter die Klavierkonzerte für die linke Hand von Ravel, Prokofjew, Britten, R.Strauß, Franz Schmidt und Bortkiewicz. Er hat aber nicht alle von ihm in Auftrag gegebenen bzw. für ihn komponierten Werke akzeptiert und aufgeführt. So ist die 1923 von Paul Hindemith komponierte „Klaviermusik mit Orchester" op. 29 erst 2002 im Nachlass von Wittgenstein entdeckt und 2004 von Leon Fleisher mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle in Berlin uraufgeführt worden. Auch das für ihn von Sergej Prokofjew (auch Linkshänder) 1931 komponierte Klavierkonzert Nr. 4 B-Dur ist nie von ihm gespielt worden. Er schrieb an Prokofjew: „Sehr geehrter Herr Prokofjew! Ich danke Ihnen für das Konzert, aber ich verstehe darin keine einzige Note und ich werde es niemals spielen.“
Folgende Uraufführungen sind durch ihn erfolgt: Variationen in D-Dur für Klavier linke Hand(1915) und das Konzertstück für Klavier und Orchester Es-Dur(1923) 1923 in Wien, Klavierkonzert e-moll Nr.2 für die linke Hand, op. 28 von Sergej Eduardowitsch Bortkiewicz 1923 in Wien, Konzert für Klavier linke Hand und Orchestervon Karl Weigl 1924,Klavierkonzert für die linke Hand, op. 17 von Erich Wolfgang Korngold1924 in Wien, Panathenäenzug , Sinfonische Etüden in Form einer Passacaglia op.74 von Richard Strauß 1928 in Berlin, Paraphrase für Klavier und Orchester von Eduard Schütt 1929 in Wien, Klavierkonzert D-Dur für die linke Hand von Maurice Ravel 1932 in Wien, Konzertante Variationen über ein Thema von Beethoven 1924 in Wien, wie auch Quintett für Klavier und Streichquartett G-Dur(1926), Quintett für Klavier, Klarinette und Streichtrio B-Dur1933 in Wien, Klavierkonzert Es-Dur1934, Quintett für Klavier, Klarinette und Streichtrio A-Dur 1938,Toccata d-moll für Klavier linke Hand allein1938 von Franz Schmidt. Er selbst hat bekannte Klavierstücke von Bach, Beethoven, Chopin, Grieg, Mendelssohn, Bartholdy, Haydn, Meyerbeer, Mozart, Puccini, Schubert, Schumann, Johann Straußoder Wagner für die linke Hand allein arrangiert und vorgetragen.
Als Jude erhielt Wittgenstein unter der Naziherrschaft Auftritts- und Unterrichtsverbot in Deutschland, er musste 1938 Wien verlassen, lebte fortan in New York und erhielt 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach dem 2.Weltkrieg trat Wittgenstein erstmals1946 wieder in Wien in einem Konzert mit Karl Böhm auf. Er verstarb 1961 in Manhasset, New York.
Für Otakar Hollmann (1894-1967),eintschechischer Violinist der wegen einer Verletzung der rechten Hand im 1. Weltkrieg Pianist wurde, haben Leos Janacek, Bohuslav Martinu, ErwinSchulhoff,Josef Bohuslav Foerster, Ales Jermar u.a. Klavierkonzerte komponiert. Janacek hat seinen einzigen, dem von Hollmann initiierten Kompositionsauftrag zunächst abgelehnt, dann jedoch am 11.11.1926 die Fertigstellung des Capriccio für linke Hand und Blasinstrumente in der Presse, nicht dem Auftraggeber Hollmann, mitgeteilt. Dieser hat am 02.03.1928 in Prag das Werk uraufgeführt. Janacek schrieb dazu:Ich habe etwas für einen Pianisten geschrieben, der nur die linke Hand hat. Aber ich weiß noch nicht, wie das endet. Es ist schwer für jemanden zu tanzen, der nur ein Bein hat“.(4) S.Rapp hat seine erste Begegnung mit Hollmann eindrucksvollbeschrieben (5). Von B. Martinů wurde 1926 ein Divertimento für Hollmann entworfen, als "Concertino" für Klavier linke Hand und Orchester G-Dur 1928 vollendet und 1947 in Prag uraufgeführt sowie auf Schallplatte eingespielt.
Siegfried Rapp war nach dem Zweiten Weltkrieg ein weiterer herausragender einarmiger, linkshändiger Pianist, der die bereits vorhandene Klavierliteratur für die linke Hand, aber auch neue, zum Teil für ihn komponierte Werke in zahlreichen Konzerten zur Aufführung brachte. Er beschreibt in „Mein musikalischer Werdegang“ und „Mein Lebenslauf“, jeweils vom 11. Juni 1952 seinen beruflichen und künstlerischen Lebenslauf (6). Er wurde am 4. Oktober 1917 in Chemnitz geboren, seine musikalische Begabung wurde seit dem 6. Lebensjahr deutlich. Der musikliebende Vater unterrichtete ihn im Zitherspiel. Die Eltern kauften ein Klavier, und er lernte vom 10. Lebensjahr an ohne Lehrer mithilfe der Hartmann-Keller-Schule das Klavierspiel. Einer seiner Lehrer vermittelte, dass er bei Otto Böhme (1874-1944), ein in Chemnitz sehr bekannter und bedeutender Musiklehrer, Komponist, Pianist und Musikschriftsteller, der selbst Thomaner und am Leipziger Konservatorium Schüler von Carl Reinecke war ,7 Jahre lang unentgeltlich Klavier- ,später auch Partiturspiel- und Instrumentenkundeunterricht erhielt . Das Debüt im Alter von 12 Jahren erlebte er in einem Konzert mit der Chemnitzer Tonkünstler-Vereinigung und mit einer eigenen Komposition, Thema mit Variationen in f-moll für Klavier, erregte die Aufmerksamkeit nicht nur in Chemnitz. Als 15 jähriger durfte er im Frühjahr 1933 in einem Gedächtniskonzert anlässlich des 100. Geburtstages von J. Brahms mitwirken. Nach dem Abitur 1937 musste er die Arbeitsdienstpflicht ableisten ,danach begann er das Studium an der Hochschule für Musik zu Leipzig mit einem Stipendium der Stadt Chemnitz ; er wurde in die Meisterklasse für Klavier von Professor Teichmüller, später von Professor Rohden aufgenommen. Bei Professor Ludwig studierte er Theorie und bei Dr. Hochkofler Dirigieren, Partiturspiel und Opernpartien mit dem Berufsziel eines Opernkapellmeister mit pianistischer Betätigung. Im Herbst 1938 wurde er zur Ableistung der 2 -jährigen Militärdienstpflichten eingezogen. In den Jahren 1940 und 1941 hat er als Soldat z.T. gemeinsam mit dem Münchener Geiger Max Pöppel mehrfach Gelegenheit zum Musizieren vor den musikinteressierten Mitgliedern des Armee- und Divisionsstabes gehabt; er konnte so sein Repertoire festigen. Im Winter 1941/42 legte er während eines dreimonatigen Studienurlaubs in Leipzig die Solistenprüfung für Klavier mit einem Klavierabend (Werke von Bach, Mozart, Brahms, Grieg und Schubert) und einem Orchesterkonzert mit dem c-moll Konzert von Beethoven unter der Leitung von Max Hochkofler ab. In der Beurteilung auf dem Solistenzeugnis liest man unter anderem: „Sein Spiel ist technisch unbedingt zuverlässig und von großer Klarheit, im Ausdruck differenziert und klanglich von gewähltem Geschmack….Hat sich durch zielbewusste und Energie voller Arbeit bereits zu einem hervorragenden Solisten entwickelt, der sich aufgrund seiner vorzüglichen allgemein-musikalischen durch Bildung als eine wertvolle Gesamtpersönlichkeit erwiesen hat".
Nach der Verlegung der Division nach Ostpreußen wurde auf seine musikalische Befähigung in keiner Weise Rücksicht genommen, er kam in die vorderste Linie und erlitt als Infanterist am 1. Oktober 1943 eine Granatsplitterverletzung am rechten Oberarm, die zu einer vollständigen Lähmung des Unterarms, der Handgelenke und Finger führte. Der Arm musste schließlich im Herbst 1948 amputiert werden. Wie sein Leipziger Lehrer, Professor Teichmüller, dem ein Armleiden in der Jugend die Virtuosenlaufbahn verwehrte und der dennoch eine ganze Pianistengeneration herangebildet hat, plante Siegfried Rapp eine pädagogische Tätigkeit. Im Oktober 1945 wurde er als Neulehrer in einer Chemnitzer Volksschule eingestellt; im Frühjahr 1946 erfolgte durch Vermittlung von Professor Scholz, Direktor der Hochschule für Musik in Weimar die Einstellung als Lehrer für das Pflicht- und Hauptfach Klavier. Das monatliche Gehalt betrug 450 Mark.
Er beschreibt seine Tätigkeit wie folgt:„Ich erhielt besonders Studierende der Abteilungen Kirchenmusik und Schulmusik sowie Musikwissenschaft. Es war mir unmöglich, meinen Unterricht so zu gestalten, dass der Verlust des rechten Armes nicht in Erscheinung trat. Ich bemühte mich, dem Schüler zur rechten Zeit das richtige Werk in die Hand zu geben, ihm durch eine fantasievolle Einführung den Geist des Werkes zu erschließen, ihm Gestaltungskraft zu vermitteln, ihn mit Ernst für seinen künftigen Beruf zu erfüllen und eine Methode zu lernen, die möglichst alle Schwierigkeiten der Technik überwinden hilft. Man kann auch mit der linken Hand viel zeigen, z. B. sämtliche Anschlagsarten, man kann ganze Partien in der rechten bzw. linken Hand vorspielen, um den richtigen Vortrag einer Stelle anzudeuten…“ Daneben „suchte ich nach Literatur und konnte dabei die erfreuliche Feststellung machen, dass Stücke für eine Hand bzw. linke Hand in verhältnismäßig großer Zahl komponiert wurden,… Es war sehr schwierig, das Notenmaterial aus den verschiedensten Teilen der Welt zusammenzutragen… Meine Liebe zu diesem Instrument ist nach wie vor sehr groß; meine Seele ist auf das innigste mit dem Klavier verbunden…... An einem Wiederaufstieg des Musiklebens auf meinem Spezialgebiet der Klavierkunst durch Ausbildung junger Pianisten mitzuarbeiten, wird mir niemand, trotz meiner unglückseligen Kriegsbeschädigung verwehren können". (7)
Im Sommer 1947 gab er an der Hochschule für Musik in Weimar den ersten. Klavierabend, der in Chemnitz, Berlin, Dresden, Leipzig, Jena, Gera und Rostock wiederholt wurde. Seine Verzweiflung über den Verlust des Armes war dadurch so gut wie gewichen, und er ging daran, das Klavierkonzert für die linke Hand von M. Ravel einzustudieren und ab Oktober 1948 insgesamt 22- mal in allen größeren Städten der damaligen DDR aufzuführen. Das 4. Klavierkonzert B-Dur op. 53 für die linke Hand von S. Prokofjew wurde für P. Wittgenstein 1931 komponiert, von ihm nie gespielt (abgelehnt), sondern 1956 von S.Rapp in Berlin uraufgeführt und danach in zahlreichen Städten in Europa vorgetragen. Die Witwe Prokofjews hatte ihm das Manuskript geschickt und das alleinige Aufführungsrecht erteilt, was ihm Wittgenstein verwehrt hatte. Das Repertoire wurde dann erweitert durch das Klavierkonzert c-moll Nr.2für die linke Hand von Sergej Bortkiewicz 1950, einem heute weitgehend vergessenen polnisch-ukrainischen Komponisten aus Charkow, und die Diversions on a theme for the left hand op.21von Benjamin Britten 1951. Letzteres wurde auch in mehreren westdeutschen Städten sowie im Berliner Rundfunk unter der Leitung von Franz Konwitschny (Oktober 1951) aufgeführt.
Zum Orchesterrepertoire gehörten weiterhin L. Janacek „Capriccio für Klavier linke Hand und 7 Blasinstrumente“ 1953,R. Strauß „Panathenäenzug - Symphonische Etüden in Form einer Passacaglia für Klavier linke Hand und Orchester op. 1953; Ab 1959 erfolgten Aufführungen des Concertinos für die linke Hand und Kammerorchester von B. Martinu, ab 1961 Aufführungen der konzertanten Variationen über ein Thema von Beethoven von F. Schmidt, 1963 des Klavierkonzertesvon A.Skerjanc (jugoslawischer Komponist, Pianist und Dirigent 1900-1973).
Zu den Uraufführungen gehörten das Concertino op. 65 von J.P. Thilman1957 in Zittau, die Fantasie für Klavier und Orchester von A. Jerma 1962 in Zwickau, das Quartetto concertante für Klavier linke Hand und Bläser-Trio von T. Hlouschek 1963 in Rostock, das im Auftrag des Ministeriums für Kultur der DDR komponierte Klavierkonzert für die linke Hand op.71 von D. Nowka 1964 in Schwerin, das Divertimento für Oboe, Klarinette, Fagott von J.Z. Bartos 1968 in Seelow, das Klavierquintett für Streichquartett und Klavier linke Hand von D. Nowka 1973 in Berlin sowie das Concertino mit Kammerorchester op.189 von H. Funk, Jena.
Deutsche Erstaufführungen waren Brittens op. 21 1951 in Berlin unter Konwitschny, Janacek 1954 in Halle, Martinu 1960 in Bad Salzungen, Bartos 1965 in Weimar, Skerjanc 6 Klavierstücke für eine Hand in einem Programm" Stunde der Musik"1956 in Bitterfeld, Schulhoff Suite für die linke Hand, P. Sancan Capriccio romantique und B. Foerster Notturno fantastico op. 142 .
Die Konzerte wurden mit dem Leipziger Rundfunksymphonieorchester, mit der Staatskapelle Weimar, der Sächsischen Staatskapelle , der Deutschen Staatskapelle Berlinsowie dem Leipziger Gewandhausorchester und anderen Orchestern jeweils unter großem Beifall von Seiten des Publikums aufgeführt und erhielten glänzende Rezensionen in der Presse.
Dirigenten von internationalem Ruf, wie Abendroth, Bongartz, Borsamsky, Durjan, Elmendorff, Ferensik, Förster, Goehr, Kempe, Kleinert, Konwitschny, Masur, Matzerath, Monod, Müller-Kray, Rachlin, Sanderling ,Sawallisch ,Tennstedt und Zallinger verpflichteten ihn für ihre Konzerte in Deutschland, Österreich, Italien, Polen, Rumänien, Jugoslawien, Ägypten, der Schweiz, der CSSR und der Sowjetunion.
Die von ihm gespielten Konzerte von Martinu, Nowak und Ravel wurden in den sechziger Jahren als Schallplattenaufnahmen von Eterna aufgelegt.
Darüber hinaus existierte ein Solorepertoire mit Bearbeitungen von J. S. Bach Chaconne aus der d-moll Partita für Violine allein, Klavierbearbeitung für die linke Hand von Brahms, mit Fr. Chopins Ballade g-moll op.23 sowie die Etüden op.10 Nr. 3,6, 8,12; op. 25 Nr. 3,12, mit E. Griegs Melancholie op. 47,5, Schwermut op. 65,3 (aus den lyrischen Stücken) bearbeitet von Siegfried Rapp, aber auch Originalkompositionen für die linke Hand allein von C. Reinecke (Sonate c-moll op. 179),C. Saint-Saens (Elegie Des-dur op.135,5), R. Niemann (Romanze b-moll op. 40,1), A. Skrjabin (Prelude et Nocturne op. 9), M. Reger( Romanze As-dur, Präludium und Fuge es-mol), Frank Bridge(Three Improviations: At Dawn- A Vigil- A Revel), Bela Bartok (Etüde), Hermann Zilcher (Präludium), P. Höfer (aus dem „Klavieretüden“ Nr.10 Largo,Nr.11 Allegro vivace), W. Lang (Sonatine), W. Valer (Präludium und Fuge), L. v. Knorr (Serenade) und dreihändige Werke von J.S. Bach (Präludium und Fuge a-moll für Orgel in dreihändiger Klavierbearbeitung), Händel (Orgelkonzerte g-moll und F-dur in dreihändiger Klavierbearbeitung), W.A. Mozart (Sonate B-dur K.V.358, Sonate C-dur K.V. 521, Fuga g-moll K.V. 401),J.W. Häsler (Sonate C-dur ) , R. Schumann (Bilder aus Osten op. 66, Abendlied op.85, 12) ,H. Zilcher (Tanz-Captice), F. Petyrek (Humoreske), P. Höfer (Kirmesmusik), H. Schroeder (Rondino).
Siegfried Rapp hat insgesamt 542 Konzerte mit großem Erfolg gegeben. (8)
Wegen eines seit etwa 1960 bekannten und vom Chefarzt des Weimarer Krankenhauses ,Dr. Lucas behandelten schwer einstellbaren Hypertonus und seinen Komplikationen wurde er 1977 mit 60 Jahren invalidisiert; er verstarb kurz darauf am 23.12.1977.
Theodore Edel hat in seinem Buch „Piano Music for One Hand“ über 1000 Werke für Linkshänder von 350 Komponisten beschrieben (9,10). Die Klavierkonzerte für die linke Hand werden jetzt selten und nur von wenigen, meist beidarmigen Pianisten gespielt, dazu gehören Leon Fleisher (Gebrauch seiner rechten Hand eingeschränkt), Takeo Chinai (Dystonie der rechten Hand) und Ragna Schirmer. Am häufigsten kommt das Klavierkonzert von Ravel zur Aufführung, seltener kommen die Konzerte von Britten, Prokofjew, Janacek, Schulhoff, Hindemith zur Aufführung.

2. Klavier für Linkshänder

1998 wurden die ersten Linkshänder-Klaviere gebaut und ausgeliefert.
Für den englischen linkshändigen Konzertpianisten Christopher Seed ging damit ein Traum in Erfüllung. Zugleich will er auch „beispielhaft einen Trend setzen für kommende Generationen linkshändiger Pianisten. Ein großes Potential an schlummernden Talenten wird so für die Musikwelt noch zu entdecken sein“. Das Instrument wurde von Poletti & Tuinman Fortepiano's Company Utrecht, The Netherlands, eine der weltbesten Adressen gebaut. Es ist der spiegelbildliche Nachbau eines Pianoforte oder „Hammer-Klavier“s von 1826, in der Größe etwa einem Cembalo vergleichbar (11,12).
Am 2.5.2010 erfolgte durch den Firmeninhaber Christian Blüthner ( wie sein Vater auch Linkshänder) die Mitteilung, dass der Prototyp eines weltweit einzigartigen Tasteninstrumentes, ein komplett neues Blüthner Linkshänder-Klavier gebaut wurde, nachdem bereits 2001 das Modell Blüthner Nr. 4 , der erste weltweit moderne Konzertflügel für Linkshänder auf der Frankfurter Musikmesse vorgestellt und bewundert werden konnte. Die Tastatur ist spiegelverkehrt, der schwierigere Teil wird auf die linke Hand verlagert, die Noten sind in ein eigenes Programm „umgesetzt"(13).
Die Idee dazu kam von dem seit 1975 in Trier lebenden ungarischen Pianisten, Klaviervirtuosen und Musikpädagogen Geza Loso (14). Der Flügel und auch die beiden Klaviere, die Blüthner gebaut hat, hat er gekauft und sind nur bei ihm, nicht im Ausstellungsraum der Firma zu besichtigen.
Er hat berichtet, dass er „als Linkshänder mit einer melodieführenden rechten Hand seiner Musik, also der künstlerischen Interpretation nicht den Ausdruck verleihen könnte, den er empfand.“ 2001 nach dem Bau des Blüthner-Flügels hat er voller Freude und Stolz verkündet „ Seit ich darauf spiele, fühle ich mich wie befreit…. Viele Klavierspieler wüssten gar nicht, dass sie Linkshänder sind…. Die quälen sich richtig…. Ich habe selbst 50 Jahre falsch herum gespielt… Links zu spielen sei ein absolut anderes Gefühl - viel emotionaler und dynamischer“ (15).
Begründet wird dieses Spezialklavier mit der Feststellung, dass bei einem normalen Klavier die höheren Töne mit der rechten Hand gespielt werden, die virtuosen Anforderungen dafür größer und somit Linkshänder benachteiligt sind. Dies sei auch der Grund, warum etwa Mozart als Linkshänder in fast jeder 2. Sonate über Kreuz gespielt habe. Sein größter Wunsch ist es, dass Kinder von klein an Klavier lernen können, so wie ihnen die Hand gewachsen ist; sie sollten heute keinen Umweg mehr gehen müssen und damit nicht mehr benachteiligt werden“.
Die Noten von mehreren 100 Stücken wurden von ihm bereits umgeschrieben und ein Musikverlag gegründet. In seiner inzwischen dreibändigen "Musikschule für Linkshänder" ist der Violinschlüssel den Bassnoten zugeordnet, der Bassschlüssel steht vor den hellen Tönen (16).
Etwa 12 Prozent am Gesamtmarkt für Musikinstrumente entfallen auf Linkshänder Instrumente, ein Wert, mit dem noch vor wenigen Jahren kaum jemand gerechnet hat. Blüthner verspricht sich durch das Angebot, als erster Hersteller auf einem Markt zu sein, der stetig wächst, keinen besonders hohen merkantilen Erfolg. Bei Klavieren rechnet Blüthner mit ca. drei oder vier Prozent der Produktion. „Wir werden morgen nicht mit der Massenproduktion starten. Es ist eine gewisse Liebhaberei“. Aber man gehe schon davon aus, dass es den Interessenten gebe. Selbst wenn sich diese Hoffnungen nicht erfüllen sollten, werde man der Sache etwas Positives abgewinnen: Dann haben wir zumindest der Welt wieder bewiesen, dass wir für die eine oder andere Innovation, die sonst keiner bauen kann oder bauen will, doch gut sind“. Die Marktaussichten sind auch gering, weil es gibt keine Klavierlehrer gibt, die "verkehrt herum" unterrichten. Zusätzlich bleibt die urheberrechtliche Frage für die Klavierwerke.
Der Anteil der Linkshänder wird mit 10-15 % angegeben, Schätzungen gehen bis zur Hälfte der Bevölkerung (Gleichverteilung).Derzeit gibt es keine sicheren Angaben, welche Komponisten oder Interpreten Linkshänder waren oder sind. Die meisten linkshändigen Musiker dürften ihre natürliche Seite unterdrückt haben, da Linkshändigkeit als unschicklich galt. Der Anteil/die Anzahl von Linkshändern im Musikunterricht in den Musikschulen und Konservatorien wird von Loso in Trier mit ca. 20% angegeben. Nach Kopiez beträgt der Anteil der sog. "designierten" (genetischen) Nicht-Rechtshänder (phänotypischen Linkshänder)in der Musikstudenten-Population bei 30,8% gegenüber 21,7% in einer altersgematchten Vergleichsgruppe. Große Unterschiede finden sich zwischen den Instrumentengruppen: bei Pianisten ist der Anteil der Nicht-Rechtshänder 27,1% und bei Streichern 35,6% und liegt damit bei den Musikern erheblich höher als bei der Normalbevölkerung. Es ist bisher unklar, ob Linkshändigkeit (Sinistralität) eine angeborene Veranlagung ist.
Die allgemeinen Probleme der Linkshändigkeit und der Linkshänder sollen hier nur kurz angemerkt werden(17,18).
Jede Hirnhemisphäre hat ihren spezifischen Anteil an der Informationsverarbeitung (funktionelle Asymmetrie); hinsichtlich der feinmotorischen Kontrolle übernimmt eine Hirnhälfte meist die Führung. Die dominante Hand kann schneller, exakter und stärker agieren, insbesondere bei spontanen Reaktionen und kognitiven Leistungen. Bei Linkshändern dürfte die rechte Hirnhälfte die führende Rolle übernehmen. Bei normalen Intelligenztests konnten keine Unterschiede zwischen Links- und Rechtshändern festgestellt werden; eine vermeintlich höhere Kreativität von Linkshändern ist nicht belegt. Immerhin waren bzw. sind in den USA seit 1981 4 von 5 Präsidenten Linkshänder (Reagan, Bush sen., Clinton, Obama).
Mit dem Schuleintritt sollte die Händigkeit entschieden sein. Die Händigkeit darf nicht umerzogen werden, dies stelle einen der „massivsten unblutigen Eingriffe in das menschliche Gehirn" dar und ist für die Entwicklung des Kindes nachteilig.(19,20) Diese Aussage ist wissenschaftlich keineswegs belegt. Eine Veränderung der Linkshändigkeit ist nach den Schulrichtlinien fast aller deutschen Kultusministerien nicht erlaubt; linkshändige Kinder sollten ihre Veranlagung als natürlich und gleichberechtigt erfahren. Füllfederhalter für Linkshänder mit spezifischer Griff-Form und Feder werden von mehreren Firmen angeboten. Im beruflichen Alltag gibt es bereits einige Anpassungen, beispielsweise Behandlungsstühle für Zahnärzte,
Bezüglich der Musikinstrumente kann festgestellt werden, dass nahezu alle asymmetrisch sind. Von Rechtshändern werden die Aufgaben der Hände entsprechend ihrer Stärken optimal genutzt, für Linkshänder gibt es für populäre Musikinstrumente, wie Gitarren und E-Bässe einige aufführungsspezifische Ausführungen. Nach Mengler können Linkshändertrotz der seitenfalschen Spielweise großartige Leistungen erbringen, müssen jedoch mit Folgeproblemen rechnen. (21) Dazu gehören die Unterforderung der dominanten und Überforderung der nicht dominanten Hand, Störungen der Balance und Koordination, zusätzliche Koordinationsaufgaben des Gehirns, schnellere Ermüdung durch permanent höheren Kraftaufwand, Einschränkung bzw. Unstimmigkeit im musikalischen Ausdruck. Auch diese Aussagen sind wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen. Den Chancen eines händigkeitsgerechten Instrumentenspielens steht entgegen, dass nicht jedes Instrument in linkshändiger Bauweise erhältlich ist, Leihinstrumente für Anfänger nicht verfügbar sind, viele Lehrer den Unterricht auf Linkshänder Instrumenten ablehnen bzw. über wenig Erfahrung verfügen und professionelle Orchester in der Regel keine linksspielenden Musiker aufnehmen.
Da offensichtlich das technische Problem gelöst ist, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit / Notwendigkeit und der Verfügbarkeit eines Klavieres / Flügels für Linkshänder im privaten wie professionellen Bereich. Immerhin handelt es sich um ein nicht tragbares, sondern stationäres Instrument. Dieser Frage ist die Gruppe um Prof. E. Altenmüller, Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin (IMMM) der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover nachgegangen. Dieses Institut ist eine in Deutschland einzigartige Einrichtung ,zu deren Hauptaufgaben die Vermittlung von Grundkenntnissen der Musikphysiologie und Musiker-Medizin in der Lehre, die Erforschung der physiologischen Grundlagen der Musikausübung und Musikwahrnehmung, die Erforschung der Ursachen von berufsbedingten Erkrankungen von Musikern sowie die Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung derartiger Erkrankungen sowie Untersuchungen zur Bewegungssteuerung von Instrumentalisten und zu Änderungen der Großhirntätigkeit beim musikalischen Lernen gehören.
Er schrieb mir: „Es besteht eine lange Tradition für Klavierstücke für die linke Hand; so hat bereits Brahms Etüden und Transkriptionen für die linke Hand geschrieben ….in der Klavierliteratur ist der Part für die rechte Hand meist anspruchsvoller und schwieriger. Allerdings gibt es einige Klavierkomponisten, die sehr hohe Anforderungen besonders an die linke Hand stellen; dazu gehören zum Beispiel Alexander Scriabin, vor allem aber die neueren Komponisten wie Ligeti. Überhaupt ist die Musik seit der Romantik für die linke Hand zunehmend anspruchsvoller geworden. Aber schon bei Bach gibt es sehr schwierige Stücke für die linke Hand“.
In mehreren Studien (22-24) wurde nachgewiesen, daß „kein Hinweis auf eine negative Beeinflussung des subjektiven Wohlbefindens am Instrument durch das Spiel von Nicht-Rechtshändern auf Rechtshänder-Instrumenten festgestellt werden konnte. Auch bei objektiven Leistungsaufgaben (Tonleiterspiel auf dem Klavier, mit Analyse der Regelmäßigkeit) waren Nicht-Rechtshänder nicht benachteiligt. Überraschenderweise war die rechte Hand bei Pianisten unabhängig von der Händigkeit immer die leistungsstärkere. Dies wird auf intensiveTrainingseffekte durch langjähriges Üben zurückgeführt.
Aus momentaner Sicht gibt es keine Hinweise auf einen negativen Einfluss der Händigkeit auf das instrumentale Leistungsvermögen, z.B. durch das rechtshändige Spiel bei Nicht-Rechtshändern. Trainingseffekte kompensieren vielmehr evtl. vorhandene Leistungsunterschiede zwischen den Händen. Solange keine Langzeitdaten über den Einfluss der Händigkeit auf die Entwicklung der instrumentalen Performanz vorliegen, wird deshalb von vorschnellen pädagogischen Empfehlungen zum Spiel auf speziellen Linkshänder-Instrumenten abgeraten“. Nach diesen Studienergebnissen hält Prof. Altenmülleres „nicht für erforderlich, für Linkshänder ein eigenes Klavier im Konzert-und/oder Hausmusikbereich herzustellen, da das pianistische Gehirn plastisch genug und beide Hirnhälften stark ausgeglichen sind, so dass die herkömmliche Spielweise von allen erlernt werden kann und sollte…diese Menschen müsstenbei Konzerten und Kammermusik entweder immer zu Hause spielen oder den Flügeltransportieren…. Natürlich gibt es immer Fundamentalisten, die aus ihrer Tätigkeit ein Lebensproblem machen. Ich habe das nie verstanden, ich bin selbst ein umgewöhnter Linkshänder und hatte dadurch nur Vorteile.“ Professionelle Musiker adaptieren sich an die Standardspielweise unabhängig von ihrer objektiven Händigkeit. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass eine Subgruppe von Linkshändern sich subjektiv eingeengt fühlt, wenn sie ein Standardinstrument spielen.
Aber es ist sicher davon auszugehen, dass die derzeitigen linkshändigen Pianisten keine Umschulung auf ein Linkshänder Klavier vornehmen werden. Allenfalls könnte also den Schülern und Studenten die Möglichkeit geboten werden, auf einem solchen Instrument zu spielen, falls der „Leidensdruck“ groß ist oder sie das wünschen, um vielleicht so das Talent und den künstlerischen Ausdruck wesentlich zu verbessern; vielleicht geht damit sogar „ein neuer Stern am Pianistenhimmel auf“.
Für den Konzertbesucher ist dies sicher ohne Belang. Er erwartet und freut sich über eine gute Interpretation eines Werkes und wird sich nicht dafür interessieren, es gar hören oder merken, dass auf einem Linkshänder Flügel gespielt wir - oder doch?
Das Linkshänder Klavier wird also in Fachkreisen weiterhin fragwürdig sein und noch lange für Diskussionsstoff sorgen. Pro und Kontra von Linkshändern zu dieser Abart eines Klaviers werden in Linkshänder-Forendiskutiert (25,26).Ob einarmige Linkshänder von einem solchen Instrument profitieren und die Klavierkonzerte für Linkshänder damit besser interpretiert werden können, sind offene Fragen. Und ob der Wunsch von Geza Loso in Erfüllung geht, dass zumindest in den renommierten Akademien ein Linkshänder-Konzertflügel und/oder -Klavier für Linkshänder steht, wird die Zukunft zeigen.




Literatur
1.Geyer E. Klavierkompositionen für die linke Hand, Suite 101, aktualisiert 09.07.2013
2.von Wurzbach, C.:Zichy-Vásonykeő, Geza Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich.Band60, LC. Zamarski, Wien 1891, S.25–27.
3.Singer, L. Konzert für die linke Hand. Romanbiografie über Paul Wittgenstein. Deutscher Taschenbuchverlag 2012
4.Tappert, Wilhelm (1830-1927) 50 Übungen für die linke Hand alleinSimrock 1867, Berlin
5.Janáček, L., Procházková, J.(preface):Capriccio for piano (left hand) and wind ensemble. Full score and parts. Bärenreiter, Prag 2001
6.Rapp S: Mein musikalischer Werdegang“ und „Mein Lebenslauf“ jeweils vom 11. Juni 1952, Hochschularchiv/Thüringisches Landesmusikarchiv, Weimar
7.Rapp, S : Geräusche als Klangfarbenfaktoren beim Klavierspiel. Musik und Gesellschaft 1958;8:21-22
8.Weiss, St.: Sonderlinge in der Einheitsgesellschaft. Die DDR-Pianisten Edgar Daubitz und Siegfried Rapp und ihre Handicaps, in: Krankheiten großer Musiker und Musikerinnen: Reflexionen am Schnittpunkt von Musikwissenschaft und Medizin, hg. von Eckart Altenmüller und Susanne Rode-Breymann, Hildesheim: Olms, 2009 (Ligaturen, 4), S. 171–194
9. Prosnitz, A. Handbuch der Klavierliteratur, 1450 bis 1830: historisch – kritische Übersicht, Band 1, Doblinger,1908
10. Edel, TH. Piano Music for One HandHardcover,Indiana University Press1994
11.The FirstLeft-Handed Piano www.lefthandedpiano.com
12. Klavier fürLinkshänder- ist ein "alter Hut" - Ratgeber - Forum.de http://www.clavio.de/forum/umfragen/1636-linkshaender.html
13. Leipzig: Erstes Blüthner Linkshänder-Klaviernoch im Mai 2010... www.shortnews.de
14. Pianist erfindet Klavier für Linkshänder - Augsburger Allgemeine www.augsburger-allgemeine.de
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26. Forum für Linkshänder - Das größte deutsche Linkshänderforum, Themen und Fragen zur Linkshändigkeit: http://aktuell.klassik.com/news/teaser; linkshaenderforum.org/forum/index.php


Zusammenfassung

Klaviermusik für die linke Hand wurde hauptsächlichkomponiert, um kriegsverletzten Pianisten eine weitere Konzertkarriere zu ermöglichen. Zu nationalem und internationalem Ruhm haben es vor allem die Pianisten Paul Wittgenstein und Otakar Hollmann nach dem 1. Weltkrieg und Siegfried Rapp nach dem 2. Weltkrieg mit den für sie komponierten oder von ihnen in Auftrag gegebenen Konzerten von Ravel, Prokofjew, R. Strauß, Janacek, Korngold, Prokofjew, Britten,Franz Schmidt und Bortkiewicz, Bohuslav Martinu, Erwin Schulhoff , Josef Bohuslav Foerster und Ales Jermar u.a. gebracht. Die Klavierkonzerte für die linke Hand werden jetzt selten und nur von wenigen, meist beidarmigen Pianisten gespielt, dazu gehören Leon Fleisher, Takeo Chinai und Ragna Schirmer. Am häufigsten kommt das Klavierkonzert von Ravel zur Aufführung, seltener die Konzerte von Britten, Prokofjew, Janacek, Schulhoff, Hindemith.
Die ersten Linkshänder-Klaviere wurden 1998von Poletti & Tuinman Fortepiano's Company Utrecht, The Netherlands gebaut. Es ist der spiegelbildliche Nachbau eines Pianoforte oder „Hammer-Klaviers“ von 1826, in der Größe etwa einem Cembalo vergleichbar. 2010 erfolgte die Mitteilung, dass der Prototyp eines weltweit einzigartigen Tasteninstrumentes, ein komplett neues Blüthner Linkshänder-Klavier gebaut wurde. Die Idee dazu kam von dem seit 1975 in Trier lebenden ungarischen Pianisten, Klaviervirtuosen und Musikpädagogen Geza Loso. Der Anteil der Nicht-Rechtshänder bei Musikstudenten für Klavier beträgt ca. 27 %, für Streicher 35,6%, damit erheblich höher als bei der Normalbevölkerung. Begründet wird dieses Spezialklavier damit, dass bei einem normalen Klavier die virtuosen Anforderungen für die höheren mit der rechten Hand gespielten Töne größer und somit Linkshänder benachteiligt sind. Nach Studienergebnissen ist es jedoch nicht erforderlich, für Linkshänder ein eigenes Klavier im Konzert-und / oder Hausmusikbereich herzustellen, da das pianistische Gehirn plastisch genug ist und beide Hirnhälften stark ausgeglichen sind, so dass die herkömmliche Spielweise von allen erlernt werden kann. Ob trotzdem der Wunsch von Geza Loso in Erfüllung geht, daß zumindest in den renommierten Akademien ein Linkshänder-Konzertflügel und/oder -Klavier steht, auf dem das Klavierspiel erlernt werden kann, wird die Zukunft zeigen.

Abstract

During World War I Austrian pianist Paul Wittgenstein lost his right arm, Czech violinist Otakar Hollmann was injured by the right hand and took up the piano; German pianist Siegfried Rapp lost his right arm during
World War II. All threewere determined to continue their concert career by developing a formidable left-hand technique. Numerous composers – including Ravel, Prokofjew, R. Strauß, Janacek, Korngold, Prokofjew, Britten,Franz Schmidt, Bortkiewicz, Bohuslav Martinu, Erwin Schulhoff , Josef Bohuslav Foerster und Ales Jermar u.a – were approached to create solos, chamber works, and concertos for these unique performing situation., and they themselfes began also adapting and arranging works for his own use. Now, piano concertos for the left hand are rarely and only by few pianists like Leon Fleisher, Takeo Chinaiand Ragna Schirmer performed. The Ravel piano concerto is still well known , scarcely are the concertos of Britten, Prokofjew, Janacek, Schulhoff and Hindemith played
1998 the first piano for left hander was buildt by the Poletti & Tuinman Fortepiano's Company Utrecht, The Netherlands, a reflection of a Pianoforte or „Hammer-Piano” of 1826, in size comparabel with a cembalo. 2010 the famous piano manufactory Blüthner, Leipzig announced the first left handed piano. This was stimulated by Geza Loso, a left handed piano player, who believe thatleft-handed people will have a better feeling for playing with 10 fingers; he also sells left hand notations. The melody is the most important element of piano playing. So with this instrument Left-Handers are able to play it with the regular hand that improves playing in many aspects, so you play more emotionally. According to recent studies there was no association between being left-handed and having increased physical discomfort while playing or having negative feelings about one's instrument. If anything, there was a slight tendency for left-handed players to rate their playing position as more beneficial than did right-handed musicians. And left-handed string players tended to be more positive about their expressive skills than were their right-handed colleagues. It was concluded that professional musicians adapt to the standard playing position regardless of their objective handedness. Professional musicians adapt to the standard playing position regardless of their objective handedness, therefore, it seems to be not necessary to have a special piano for left handed people.



Sclüsselworte: Klavierkonzerte für die linke Hand, Klavier für Linkshänder

Key words: Piano concerts fort he left hand; piano for left hander


Anschrift:

Prof. Dr. med.Günter Stein
Von-Hase-Weg 22
07743 Jena
E-Mail:guenter.stein@med.uni-jena.de

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