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Erschienen in Ausgabe: No 104 (10/2014) Letzte Änderung: 29.10.14

Der Ring des Nibelungen in Taufkirchen: Schwere Opernkost federleicht

Der „Ring“: was romantisch veranlagte Frauenzimmer sofort an Heiratsantrag und einen dicken Klunker – vorzugsweise mit einer zweistelligen Karatzahl wie der “Williamson Pink” von Queen Elizabeth II. – denken lässt, löst bei Opernfreunden, genauer gesagt Wagnerianern eine freudig-nervöse Vorfreude aus. Auf die große Saga des Rings der Nibelungen, diese epische Geschichte um Mord und Totschlag, Intrigen, Neid und Macht, große Liebe und noch größeren Verrat, eingegossen in Wagners harmonische, ewig fließende musikalische Undurchsichtigkeit.

von Elke Uta Frenzel

Aber worum genau geht es in den vier Teilen “Das Rheingold”, “Die Walküre”, “Siegfried” und “Götterdämmerung” eigentlich genau? Die Rheintöchter Floßhilde, Wellgunde und Woglinde mag man noch zusammenbekommen, die kommen ja gleich am Anfang vor. Wie der Name schon verrät, ist der Schauplatz wohl der Rhein und dass Alberich – spätestens seit dem Münsteraner Tatort ein geläufiger Name – wohl ein Zwerg ist und das Rheingold raubt, auch das ist so weit, so klar.

Zwergen- und Riesenbrüder…


Aber jetzt wird es schon komplizierter. Neben einem Zwergenbruder tauchen dann noch die Riesenbrüder Fasolt und Fafner auf, und natürlich die ganze Götterschar, allen voran Freia, Wotan und Fricka die sich abwechselnd lieben, verraten oder beides gleichzeitig.Hier sind wir dann schon bei: so weit, so verwirrend; und dabei befinden wir uns noch immer im ersten Teil von Wagners Tetralogie, dem mit etwa zweieinhalb Stunden Spieldauer Kürzesten wohlgemerkt. Wenn dann die Walküren und Siegfried dazukommen – gab es nicht auch noch einen Siegmund? – dann dämmert es selbst den Göttern, dass man sich schon hoffnungslos im Wald Wagners germanischer Mythologie verlaufen hat und einen die 34 verschiedenen Rollen in den Wahnfried getrieben haben.

Wege aus dem Wahnfried
Um an dieser Stelle Abhilfe zu schaffen, hat Bücherprinz Ruprecht Frieling einen Opernführer verfasst, der Licht ins Dunkel des Zauberwalds bringt und zugleich die uns heute oftmals verschlossenen mythischen Hintergründe der Opernhandlung deutet. Liest man dieses Buch, dann bekommt man ein Gefühl dafür, was für eine superspannende Geschichte Wagners „Ring des Nibelungen“ ist – und versteht sie sogar. Und noch besser: Das Kulturzentrum Taufkirchen hat Frieling eingeladen, eine Einführung zur Schauspielreihe „Kaminski ON AIR“ zu halten, bei der vom 28. Oktober bis zum 1. November 2014 der mehrfach prämierte Schauspieler und Synchronsprecher Stefan Kaminski Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ in einer One-Man-Show als Live-HörSpiel-Theater erzählt.

Am Montag, 27. Oktober 2014 hilft Frieling ab 19 Uhr allen (auch zukünftigen) Wagner-Fans, Drachenblut, Intrigen, böse Mächte und ein bisschen Achillesferse an der Schulter aus einer neuen Perspektive zu sehen – und schließlich den Sinn zu begreifen. Das Rezept „schwere Opernkost federleicht zubereitet“, was nicht zuletzt an seinem locker-flockigen Erzählstil liegt, bereitet einen wunderbar auf Kaminski vor und man ist danach perfekt vorbereitet und sattelfest genug in der Geschichte, um auch die Nebenschauplätze der Schauspielreihe wie etwa atmosphärische Klänge einer extravaganten Glasharfe, E-Cello oder Nadelklavier entspannt zu genießen.

ARTE urteilt übrigens über Frielings Opern(ver)führer: „Die komplexe und für Laien oft verwirrende Handlung der Wagner-Opern wird plötzlich ganz logisch.“ Logik, das ist Musik in meinen Ohren. Und damit meine ich jetzt nicht den Tristanakkord.
Elke Uta Frenzel


TERMINE:

LESUNG “DER RING DES NIBELUNGEN” VON RUPRECHT FRIELING
♦ Montag, 27.10.2014, 19:00 Uhr
Kulturzentrum Taufkirchen Ritter-Hilprand-Hof, Tickets nur an der Abendkasse

DER RING DES NIBELUNGEN | WAL-HALL! – RICHARD WAGNERS RING ALS LIVE-HÖRSPIEL-THEATER VON UND MIT STEFAN KAMINSKI
♦ Dienstag, 28.10.2014 | Das Rheingold
♦ Mittwoch, 29.10.2014 | Die Walküre
♦ Freitag, 31.10.2014 | Siegfried
♦ Samstag, 01.11.2014 | Götterdämmerung
Kulturzentrum Taufkirchen Ritter-Hilprand-Hof, Beginn jeweils 20 Uhr

> Weitere Infos gibt es auf der Webseite des Kulturzentrums Taufkirchen
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