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Erschienen in Ausgabe: No 105 (11/2014) Letzte Änderung: 04.12.14

Die Toleranz des Wegschauens

von Nathan Warszawski

Auszug aus einem Interview mit Martin Rhonheimer: Der Islam ist die Antithese zum Christentum

http://www.freiewelt.net/interview/der-islam-ist-antithese-zum-christentum-10047235/

http://www.die-tagespost.de/abo-leserbriefe/leserbrief/Interview-mit-Martin-Rhonheimer-zum-Islam-Durcharbeiten-und-verinnerlichen;art632,155425
http://www.nzz.ch/feuilleton/toeten-im-namen-allahs-1.18378020

Kann sich der Islam nicht wie das Christentum erneuern?
Das Christentum konnte sich auf seine Ursprünge zurückbesinnen. Die Kirche hat es stets geschafft, historischen Ballast abzuwerfen, sich auf das genuin Christliche neu auszurichten. Wenn Christen auf ihre Ursprünge zurückgehen, stoßen sie auf Jesus, der davon spricht, man solle dem Kaiser geben, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört. Und der dem Apostel Petrus sagt, er solle sein Schwert in die Scheide stecken. Solche Rückbesinnung hat zu immer wieder neuen Reinigungsprozessen und Reformschüben geführt. Wenn hingegen Muslime zu den Ursprüngen ihrer Religion zurückgehen, kommen sie zum politisch-religiösen Führer Mohammed und da sieht es kriegerisch aus. Der Islam kann nicht einfach historischen Ballast abwerfen, er muss seine religiösen Ursprünge und Grundlagen in Frage stellen, wenn er sich reformieren will.
Martin Rhonheimer lehrt Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom. Er trat 1974 dem Opus Dei bei und empfing 1983 die Priesterweihe. Als Jude geboren, konvertierte im Alter von sieben Jahren zum Katholizismus.
Unabhängig ihres Wahrheitsgehaltes sind die Sätze des katholischen Priesters und Römischen Professors politisch unangepasst. In seinen Funktionen wird er seine Meinung nicht widerrufen müssen. Im Schatten seiner Thesen wage ich, nach der Zukunft Deutschlands und Europas zu fragen.
Das, was wir derzeit aus Syrien und dem Irak erfahren, erscheint dem Europäer wie ein geschichtlicher Rückschritt ins dunkle Mittelalter. Da die Geschehnisse, die später als Geschichte interpretiert werden, nicht gerichtet sind, gibt es keinen Rückschritt in der erlebten Geschichte. Kein Land der Welt hat einen Alleinvertretungsanspruch auf das „dunkle Mittelalter“. Gestern in Deutschland, heute in Assyrien, morgen auf einen anderen Kontinent. Die Geschehnisse werden erst in der Zukunft zur Historie, indem sie bewertet werden, zu jeder Zeit verschieden. Es ist folglich äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich, schon heute die richtigen Konsequenzen aus unserem jetzigen Tun zu ziehen.
Ich will die Meinung von Martin Rhonheimer zunächst akzeptieren, dass der reformwillige Islam seine religiösen Ursprünge und Grundlagen in Frage stellen muss. Die Kenner der Materie werden unabhängig ihrer Glaubensrichtung zu dem betrübten Ergebnis gelangen, dass eine Reform des Islams in nächster Zeit somit ausgeschlossen ist. Unter „Nächster Zeit“ versteht man die Zeit, die der Leser bewusst erleben wird.
Islam und Christentum mögen Antithesen sein. Der gewalttätige Widerspruch entsteht jedoch nicht durch die Religionen, sondern durch die Träger der Religionen. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Muslimen verschiedener Richtungen und zwischen Muslimen und Angehörige anderer Religionen sind nicht erst seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bekannt. Doch die Kämpfe haben weit weg von Europa in Arabien, in Indien und in Afrika stattgefunden und somit die westliche Zivilisation nicht tangiert. Dann haben die Träger des Islam langsam, aber stetig begonnen, den alten Kontinent zu besiedeln, nicht gegen den Willen der Europäer, sondern mit deren Zustimmung, da Europa nach billigen Arbeitskräften gelechzt hat und immer noch lechzt.
Es ist also die Konsequenz europäischen Handelns, also die Schuld der Europäer, dass religiöse Probleme der Dritten Welt in Europa gelangen und sich dort ausbreiten.
Ist es den Europäern zu Gute zu halten, dass sie davon ausgehen, dass sich ihre Friedenskultur auf alle Migranten übertragen lässt? Die Realität widerspricht den Wünschen. Es sind weit mehr eingeborene Deutsche zum Islam konvertiert als eingewanderte Muslime zum Christentum. Viele deutsche Islam-Konvertiten haben im radikalen Islam oder im Islamismus eine neue Heimat gefunden. Die christliche Umgebung hat bei diesen jungen Menschen die erforderlichen Werte nicht vermittelt. Falls ein Muslim zum gemäßigten Christentum konvertieren will, was selten genug passiert, so mischen sich Behörden ein, die den Zweifel säen, dass der christliche Konvertit, der Flüchtling und Asylant ist, die Konversion lediglich dazu benutzt, um in Deutschland ein Aufenthaltsrechts zu ergaunern.
Nicht die christliche Friedenskultur hat sich auf die muslimischen Migranten übertragen, sondern die islamische Kultur auf junge Europäer, die sich von Gesellschaft und Kirche verlassen fühlen.
Nun neigen die wenigsten Muslime in Deutschland wie anderswo zum radikalen und gewalttätigen Islam. Doch selbst bei wenigen %0 geht ihre Zahl in Deutschland in die Tausende!
Da Historie erst im Nachhinein bewertet wird, darf ich hier enden, ohne Konsequenzen des bisherigen Tuns der Europäer aufzeigen zu müssen oder zu können. Zum Zweiten besteht die Möglichkeit, dass Martin Rhonheimers Thesen nicht zutreffen, was unwahrscheinlich ist. Es gibt jedoch eine weitere Möglichkeit, um nicht anzuecken: die Toleranz des Wegschauens.

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