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Erschienen in Ausgabe: No 107 (01/2015) Letzte Änderung: 19.01.15

O Traurigkeit, o Herzeleid! - In Angerers d. J. „Rhapsodie eines Malers“ eintauchen – und Farben hören

von Hans Gärtner

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Verstehen? Besser erspüren. Augen zu und Ohren weit auf. Und hineingehört in die jüngste Komposition Angerer d. J., betitelt „Rhapsodie eines Malers“, publiziert mit „Winterzauber“ auf einer knapp 40-minütigen CD, kürzlich bei „Wiesenrand Classic“.
„Rot – Blau – Gelb“ kommt das erzählende Gedicht daher. Nicht ohne Pathos. Nicht ohne weit ausschwingende Bögen, die der niedergeschlagenen Seele wohltun. O Traurigkeit, o Herzeleid! Nein, Barockes ist Angerer d. J. eher fremd, weil er es vielleicht als „aufgesetzt“ empfindet. Er rührt sachte in neoromantischer Debussy-Manier und Liszt`scher Hingabe-Offenheit an das Unendliche in uns und um uns herum. Wogen lässt er schäumen, die sich aufbäumen und wieder glätten. Verführung. Lockung ins Ungewisse. Wenig Trost, beinahe nirgendwo. Dabei verzichtet der vorzüglich mit dem Pinsel und anderem Werkzeug Malende aus Siegsdorf auf Düsterkeit und wüstes Geplänkel. Lässt vielmehr der Empfindung eines augenblicklich gespürten Dämpfers, den ihm wohl das Leben verpasste, freien Lauf.
„Winterzauber“ kommt nicht los von dem einmal gewählten Weg ins Nächtliche und Ungewisse. Daraus darf es nur gelegentlich kleine schrille Ausbrüche geben. Bricht da etwa silbern klirrendes Mondlicht durch eine Wolke? Kein Happy End. Wie bei „Rot – Blau – Gelb“, dort aber schon eher, wenn man so will. Farben hören. Keine volle Stunde. Rückzug ins Verborgene Ich. Ein kleines orchestrales Wunder, gesetzt von Vladimir Djambazov, realisiert von den großartigen Sofia Symphonikern unter dem fein fühlenden Dirigat von Angel Stankov.
„Ich schreibe Musik so wie ich zeichne und suche etwas, was ich der Melodie entgegenstellen kann. Dabei versuche ich eine musikalische Idee bis zum Ende zu führen, indem ich sie frei fließen und sich entfalten lasse. Ich suche den Kontakt zwischen Melodischem und Nichtmelodischem, meide Kompliziertheit in der Aussage und strebe nach einer klaren Linie. Mein Zeil ist es, Musik so zu schreiben, wie ich fühle.“ Soweit Walter Angerer d. J. Bereits der kleine Walter griff zu Gitarre, Klarinette und Zither. Bekannt wurde der im Chiemgau lebende Künstler als Maler und Bildhauer. Daneben komponiert der 74-Jährige, geboren in Bad Reichenhall, bereits gut zwei Jahrzehnte lang, für Orgel, Flöte sowie für Sinfonie- und Kammerorchester.

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