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Erschienen in Ausgabe: No 107 (01/2015) Letzte Änderung: 20.01.15

Heilsbotschaft und Klassenkampf - SED-Rentner verklären die Vergangenheit

von Jörg Bernhard Bilke

Es gibt schon einige Merkwürdigkeiten in der postkommunistischen Geschichte Ostberlins! Da gibt „alle Jahre wieder“ der 1973, noch zu Lebzeiten des Namensgebers also, gegründete „Ernst-Busch-Chor“ ein „Weihnachtssingen“ und verkündet „frohe Botschaften“. Nun sollte man nicht annehmen, dass diese singende Seniorengruppe christliches Liedgut verbreitet, zumal sie aus ehemaligen SED- und FDGB-Mitgliedern, pensionierten NVA-Offizieren, MfS-Rentnernund einstigen „Volkspolizistinnen“ besteht. Schließlich war der als Maurersohn in Kiel geborene Ernst Busch (1900-1980), später auch „Barrikaden-Tauber“ genannt, ein wilder Klassenkampfsänger in der Weimarer Republik und nach 1945 im SED-Staat. Als Begleitsänger des Spanischen Bürgerkriegs 1936/39 bot er seinem Publikum eine Hymne auf den Märtyrertod des am 1. Dezember 1936 vor Madrid hinterrücks erschossenen Kommunisten Hans Beimler (1895-1936) unter dem Titel „Hans Beimler, Kamerad“. Heute weiß man, dass er auf Parteibefehl von Richard Staimer (1907-1982) , dem späteren Schwiegersohn Wilhelm Piecks, kaltblütig ermordet wurde. Nun zog im Dezember 2014 der atheistische Chor wieder durchs vorweihnachtliche Land und pflegte, so die Selbstauskunft, die „Tradition der Arbeitersängerbewegung“ in Deutschland, deren bedeutendster Vertreter Ernst Busch war. So gab es Auftritte des Veteranenchors in Altenheimen der „Volkssolidarität“, am 13. Dezember wurde im Stadtkloster Segen, einer kirchlichen Einrichtung, ein „Adventskonzert“ gegeben, und in Bochum/Ruhrgebiet wurde am 27. September mit Gesang des 65. Jahrestags der DDR-Gründung gedacht. Der Gipfel der DDR-Nostalgie war freilich der Auftritt am 16. August 2014 im Dresdner „Volkshaus“. Eingeladen hatte ein Verein mit dem harmlos klingenden Namen „Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung“. Wer da „rechtlich“ und „humanitär“ durch Gesang „unterstützt“ werden sollte, wurde nicht mitgeteilt. Man kann es aber leicht aus dem INTERNET erfahren: Demnach wurde dieser Verein 1993 in Berlin gegründet und hat heute 1500 Mitglieder, sein einziges Ziel ist hemmungslose DDR-Verklärung bis zur Verherrlichung von SED-Verbrechen, einschließlich der Morde an der innerdeutschen Grenze und an der Berliner Mauer. Wie Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstäte in Berlin-Hohenschönhausen, in seinem Buch „Die Täter sind unter uns“ (2007) feststellte, hat dieser „Hilfsverband für Staatskriminelle“ die Aufgabe, politische Verbrecher aus der SED-Nomenklatur vor Strafverfolgung zu schützen.

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