Drucken -

Die aktuelle Juli-Ausgabe 2016 ist da!

Anzeige
Erschienen in Ausgabe: No 112 (06/2015) Letzte Änderung: 05.10.15

„Tränchen Trocknen“ – die Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung - Interview mit Regine Sixt

von Regine Sixt

Frau Sixt, wie kamen Sie ursprünglich auf die Idee, die Kinderhilfe Stiftung „Tränchen Trocknen“ ins Leben zu rufen?

Ganz einfach: Ich komme ja viel in der Welt herum. Und ich habe sehr viel Not und Elend gesehen, unter denen die Jüngsten in der Gesellschaft am schwersten leiden. Deshalb entschied ich mich, etwas zu unternehmen. Wenn ich etwas anpacke, dann richtig. Das Motto „Tränchen trocknen“ entstand in einer Kinderkrebsstation, als ich ein weinendes Mädchen auf den Arm nahm und fragte, was ich denn für sie tun könne. Die Antwort der Kleinen: „Trockne mir doch meine Tränen!“


Was sind die Ziele der Kinderhilfe Stiftung „Tränchen Trocknen“?



Möglichst vielen Kindern zu helfen. Und zwar in den vier Bereichen: Gesundheit, Bildung, Nothilfe und Fürsorge. Jedes Kind hat ein Recht darauf, gut beschützt und umsorgt aufzuwachsen und Perspektiven auf ein normales Leben zu haben. Außerdem geht es darum, eine ganz konkrete Möglichkeit anzubieten sich zu engagieren. Nehmen wir das Beispiel meiner Damenwiesn: Die Veranstaltung auf dem Münchner Oktoberfest ist eine feste Institution und vereint mehr als 1.000 wunderbare Frauen aus verschiedensten Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft. Und sie alle unterstützen unsere Kinderhilfe nach Leibeskräften.


„Tränchen Trocknen“ ist eine weltweit aktive Kinderhilfe. In wie vielen Ländern ist Ihre Kinderhilfe „Tränchen Trocknen“ derzeit aktiv?


Wir erfahren Unterstützung aus mehr als 105 Ländern weltweit, in denen Sixt präsent ist. Bislang haben wir mehr als 40 internationale Projekte mit aufgebaut, gefördert oder umgesetzt. Das sind– außer bei der Nothilfe in aktuellen Krisenfällen – alles Projekte, die langfristig angelegt sind. Derzeit treiben wir rund 20 Projekte voran. Das ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, wie herausfordernd es heute ist, schon ein einziges Projekt unter stets schwierigen lokalen Bedingungen dauerhaft zum Erfolg zu führen.


Mit „Tränchen Trocknen“ werden sehr unterschiedliche Projekte in verschiedenen Ländern unterstützt. Wie entscheiden Sie sich für die konkreten Projekte, welche Sie mit Ihrer Stiftung unterstützen möchten?


Natürlich werden ständig neue Projekte an uns herangetragen. Wenn wir uns konkret entscheiden, muss das Projekt zumindest einer der vier genannten Kategorien entsprechen. Dann spielt eine Rolle, wie professionell das Projekt gemanagt ist, ob sich vor Ort Mitarbeiter von uns darum kümmern können und ob sich idealerweise auch Partnerorganisationen engagieren, zu denen wir bereits eine enge und langjährige Verbindung haben.


Was motivierte Sie, eine weltweite Kinderhilfe aufzubauen, im Gegensatz zu einer Kinderstiftung, die ausschließlich in Deutschland Hilfe leistet?


Die Welt von Sixt reicht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wenn Sie vom Flugzeug aus auf die Welt hinabblicken, sehen Sie keine Grenzen. Es gibt überall Kinder, die auf Hilfe warten. Gerade in den armen Ländern der Erde, wo die Not am größten ist. Den Kindern dort Perspektiven zu eröffnen, gerade auch durch Bildung, dass sie aus eigener Kraft eine gute Existenz aufbauen können, das ist unser Ziel.


Sie leiten sowohl Ihre Kinderhilfe Stiftung als auch den Sixt Konzern. Inwieweit arbeitet Ihre Stiftung „Tränchen Trocknen“ mit dem Sixt-Konzern zusammen?


Unsere Kinderhilfe Stiftung ist mittlerweile auch ein zentraler Pfeiler unseres offiziellen Corporate Social Responsibility Programms bei Sixt. Meine beiden Söhne Alexander und Konstantin sind Mitglieder im Vorstand der Kinderhilfe Stiftung – und sie sind seit Beginn des Jahres ja auch Vorständsmitglieder der Sixt SE. Das bedeutet, dass wir die Kinderhilfe Stiftung mit der gleichen Professionalität und Entschlossenheit vorantreiben wie den börsennotierten Konzern.


Was ist Corporate Social Responsibility?

Es beschreibt die soziale Verantwortung, die jedes Unternehmen den Menschen und der Umwelt gegenüber hat. „Giving back to society“ ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Wir haben mit viel Disziplin und harter Arbeit in nun mehr als 100 Jahren dieses Unternehmen aufgebaut bis zur heutigen globalen Bedeutung. Da ist es für mich selbstverständlich, im sozialen Bereich engagiert zu sein. Denn es braucht nicht nur offizielle Institutionen, die sich engagieren, sondern viele einzelne Menschen, die ihr Möglichstes beitragen zu einer guten Zukunft.


In Deutschland besteht ein soziales Netz, welches stabiler ist als in den meisten anderen Ländern. Hat das einen Einfluss auf die Corporate Social Responsibility der deutschen Unternehmen? Wie schätzen Sie die Corporate Social Responsibility der Konzerne in Deutschland ein, im Vergleich zu der CSR in anderen Industrienationen?


Aus meiner Sicht hat traditionell die USA die längste Erfahrung mit diesem Thema. Das sehen wir auch deshalb, weil Sixt in den Vereinigten Staaten zügig expandiert und wir mit amerikanischen Unternehmen jahrzehntelange Kooperationen pflegen. Ich selbst habe zum Beispiel meine erste Airline-Kooperation am Beginn meiner Karriere bei Sixt vor Ort in New York mit PanAm abgeschlossen. In den USA gehört es zum guten Ton, dass wohlhabende Unternehmer auch als Philanthropen auftreten. Denken Sie nur an die vielen hochkarätigen Charity-Dinner. Aber Deutschland holt auf und verankert das Thema immer besser in den einzelnen Unternehmensstrategien. Zudem arbeiten wir auch im Fundraising arbeiteninternational. Wir hatten zum Beispiel wiederholt Charity-Dinner mit den Spitzen der französischen Gesellschaft in Paris und veranstalten ähnliche Events in vielen verschiedenen Ländern.


Manchmal werden Stiftungen dafür kritisiert, daß zu viele der Spendeneinnahmen für die Verwaltung ausgegeben werden und zu wenige der Erlöse direkt bei den Hilfsbedürftigen ankommen. Wie ist das Verhältnis von Verwaltungsaufwand zur direkten Hilfe der Betroffenen bei Ihrer Kinderstiftung „Tränchen Trocknen“? Wie kann man einen hohen Verwaltungsaufwand bei Hilfsorganisationen umgehen?

Sie brauchen heute Profis, um eine Stiftung erfolgreich zu führen, das ist ganz klar. Alles andere wäre unverantwortlich. Aber ich kann Ihnen versichern: Unsere CSR-Abteilung ist ein Posten in unserem Budget wie andere Abteilungen auch. Von den Spendengeldern, die wir auf verschiedensten Veranstaltungen generieren, geht jeder Cent direkt in unsere Projekte. Getragen wird das Engagement aber auch von unseren vielen Mitarbeitern, die ehrenamtlich für die gute Sache kämpfen.


Frau Sixt, Sie sind in verschiedenen Bereichen eine äußerst erfolgreiche Frau – wie machen Sie es möglich, sich um so vieles gleichzeitig zu kümmern?

Man sagt uns Frauen ja gerne nach, dass wir Spezialistinnen für Multi-Tasking sind. Ich liebe es ganz einfach, vieles zu bewegen. Da schaut man nicht auf die Uhr. Das ist mein Leben, so soll es sein. Wer große Ziele hat, für die er brennt - im Sozialen genauso wie im Business -, der kann heute mehr bewegen denn je zuvor. Es geht einfach darum, die Chancen zu nutzen. Und die Welt ist doch voller Chancen. Packen wir’s an!


Die Fragen stellte Dr. Dr. Stefan Groß. Ein besonderer Dank geht an Frau Laura Fernandez vom Büro von Frau Sixt.

Bild

>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.

Neueste Artikel ▲

Meist gelesene ▼

  •  
  • Anzeige
  •  
  • Anzeige
  •  
  •  
  •  
Zum Seitenanfang zurück