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Erschienen in Ausgabe: No 112 (06/2015) Letzte Änderung: 09.06.15

Der Zauber im Detail - Der staunenswerte Bühnenästhetiker Jürgen Rose – zweimal in München

von Hans Gärtner

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Jürgen Rose, demnächst ein Achtziger, braucht ein bisschen, um in Fahrt zu kommen. Schmal geworden, schaut er aus, als hätte er Erholung nötig, irgendwo im warmen Süden. Doch jetzt gilt es erst, aufs eigene, sichtlich kaum zu fassende, immense Lebenswerk als Bühnen- und Kostümbildner, auch als Regisseur (und anfänglich als gelernter Schauspieler) für die bedeutendsten Bühnen nicht nur im deutschsprachigen Raum zu blicken. Und dazu Erklärungen abzugeben. Zuerst, vormittags, im Deutschen Theatermuseum an der Seite von Direktorin Claudia Blank, Buchautorin Birgit Pargner und Dieter Dorn, dem inszenierenden Ex-Intendanten der Münchner Kammerspiele und des Residenztheaters. Dann, abends, statt in der räumlich beschränkten Akademie der Schönen Künste, in der Alten Münze, wenn sich zur Vernissage Groß-Choreograph John Neumeier und Ex-Staatsopern-Intendant Sir Peter Jonas als Laudatoren samt Kunstminister Ludwig Spaenle hinzugesellen.

Ein Superstar, eine prägende Ausstattungs-Instanz, ein Theater-Zauberer ist zu feiern. Und zwar in den höchsten Tönen. Mit Großbildschirmen, auf denen Rose-Stücke – Opern, Ballette, Schauspiele – in Ausschnitten laufen, mit digital aufzublätternden Skizzenbüchern, Bühnenbildmodellen, Inspirationsquellen, Materialsammlungen für ein breit angelegtes „Making of“, mit unglaublich vielen gezeichneten und kolorierten Entwürfen (Rose: „Ich wollte keine Kunstwerke zum Aufhängen, sondern nur Vorarbeiten für die Bühne skizzieren“), vor allem mit 180 phantastisch bunt und frappierend reich eingekleideten charaktervollen Schaufensterpuppen: ob Lulu oder Troilus, Faust-Hexe oder Klytämnestra, „Rheingold“-Wotan oder „Schlaues Füchslein“. Alles Figuren aus „echten“, in den meisten Fällen nur noch nachzutrauernden (weil ephemeren) Inszenierungen. Sie können nur eine Auswahl aus den insgesamt etwa 300 sein, die seit Beginn der 1960er Jahre, zuletzt: „Der Ring des Nibelungen“ in Genf mit Regisseur Dieter Dorn, auf das Konto Jürgen Roses gehen.

Die Mär vom antike Stoffe-Sammler J. R. geht seit langem um – hier bewahrheitet sich das Ondit: Der Besucher kann jedes Detail der Kostümgestaltung, der handwerklichen Fertigung, der oft überreichen Schmuck-Ornamentik, der Echtheit der verwendeten – meist exotischen – Tuche bewundern. Es handelt sich, wohl gemerkt, um Originalkostüme. Auch um „Original-Posen“ ihrer Trägerinnen und Träger. Die schön präparierten Puppen wirken wie soeben einem der vielen denkwürdigen Bühnenprozesse entsprungen. Vergangenes wird hier, an zwei Orten, Gegenwart. Staunenswerte Gegenwart großer Theaterausstattungskunst in den Welt-Häusern von München bis Salzburg, Wien, New York, Stuttgart und Hamburg.

Die Ausstellung „Jürgen Rose: Nichts ist so lebensfüllend wie das Theater“, Deutsches Theatermuseum und Akademie der Schönen Künste, ist bis 18. Oktober (Di – So 10 – 16 Uhr) zu sehen. Der große Könner Jürgen Rose führt persönlich durch die Ausstellung (hauer@deutschestheatermuseum.de). Das Begleitbuch von Birgit Pargner (29,95 Euro) ist im Henschel Verlag erschienen.




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Kostüme von Jürgen Rose – hier: für die Dorn-Inszenierung von Shakespeares „Troilus und Cressida“, Münchner Kammerspiele 1986 (Foto: Hans Gärtner)

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