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Erschienen in Ausgabe: No 112 (06/2015) Letzte Änderung: 09.06.15

Sind Atheisten die besseren Menschen?

von Nathan Warszawski

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten IBKA ist davon überzeugt. Deshalb haben sich vom 22. - 24. Mai 2015 Atheisten aus aller Welt in Köln getroffen, um unter dem Motto „Give peace a chance!“ Wege zum Frieden aufzuzeigen. Da Kriege nach atheistischer Auffassung gewöhnlich religiöser Natur sind, wäre die Säkularisierung aller Staaten eine Möglichkeit, weltweit alle Krieg zu beenden.
Auswahl aus den Kongressthemen:

Atheismus

„Atheismus“ ist ein negativer Begriff, Atheismus ist die Überzeugung, dass es keinen Gott oder keine mehreren Götter gibt. Diese Überzeugung teilen die Atheisten mit Buddhisten, die landläufig als Religion eingestuft werden. Somit ist der Atheismus eine Religion wie viele andere auch. Die Ästheten unter den Atheisten verstehen sich als „Agnostiker“. Agnostiker wissen nicht, ob es Gott gibt oder nicht. Vulgäre Atheisten wollen mit Agnostikern nichts gemein haben.

Auf der Suche nach einem positiv besetzten Begriff stoßen die Atheisten auf das Wort „Humanisten“, wozu zumindest eine Partei existiert, die zum nächsten Deutschen Bundestag kandidieren will. Problematisch ist, dass es viele Theisten (Gottgläubige) unter den Humanisten gibt, die niemals Atheisten wählen würden, auch wenn diese sich „Humanisten“ nennen.

Die Atheisten Deutschlands zerfallen in zwei große Gruppe, die wenige Gemeinsamkeiten und viele Gegensätze aufweisen. Es sind die abendländischen Atheisten, die sich um die Theorie kümmern, und die orientalischen Atheisten, die aus diktatorischen Staaten geflohen sind und sich um Gefangene und Gequälte in ihrer islamischen Heimat kümmern.

Atheismus muss mehr als der Zweifel an die Existenz Gottes sein. Atheismus ist Kunst, Musik, Menschenrechte, was auch von Theisten beansprucht wird.

Atheisten fordern Menschenrechte statt Gottesrechte. Damit akzeptieren sie, dass die Heiligen Schriften keine Menschenwerke sind.

Rassismus und Antisemitismus

Als Humanisten lehnen die Atheisten jeglichen Rassismus ab. Nun finden sich unter den Atheisten auch Menschen, die ihren inneren rassistischen Schweinehund an die Kette gelegt haben, denen es jedoch selten gelingt, auf dem schlüpfrigen Boden des Antisemitismus standfest zu bleiben.

Islam

Atheismus ohne Aufklärung ist nicht möglich. Die Aufklärung führt nur dann zum Ziel, wenn sie von Innen kommt. So muss der Islam durch Muslime aufgeklärt werden. Eine Reformation wie im Christentum reicht nicht aus.

Türkische Migranten haben die Judenfeindlichkeit im Koran nach Deutschland mitgebracht. Nachdem es Mohammed nicht gelungen war, die Juden Arabiens zur Annahme des Islams zu bewegen, lässt er sie ausrotten. Verschonte jüdischen Frauen werden unter den erfolgreichstenKrieger verteilt. Daraus entsteht das arabisch-islamische Narrativ der Juden-Beschützer, das auch Türken bei Armenierinnen anwenden. Aus Judenhass ändert Mohammed die Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka. Nicht auszudenken, wenn er dies unterlassen hätte. Der Nahe Osten wäre um einen Kriegsgrund reicher!

Nach Mohammed ist Gott ein Muslim und Mohammed selbst steht über alle bisherigen Propheten, wie Moses und Jesus. Alle, die sich nach Mohammed als Propheten ausgeben, sind Schwindler und gehören geköpft.

Religiöse Kriege werden im Islam zur Befriedigung der Krieger geführt, was deutlich am IS zu erkennen ist. Die Vertreibung von Juden aus islamischen Ländern ist göttliches Gesetz, das nicht immer nicht eingehalten wird. Juden dürfen in islamischen Gebieten nicht leben, auch nicht in einem zukünftigen unabhängigen Palästina. Allein schon wegen des islamischen Antisemitismus wäre die westliche Wertegemeinschaft verpflichtet, islamische Länder zu boykottieren.

Blasphemien gegen alle Religionen sollen mit vielen Preisen öffentlich geehrt werden. Das Tragen eines Kopftuches für Muslima ist fundamentalistischer Zwang, wie er augenscheinlich im Iran auftritt.

Kirche

Das kirchliche Arbeitsrecht ist nach den Maßstäben der Menschenrechte und des Arbeitsrechts ein Unrecht. Die Kirchen sind der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands und verfügen über derart viel Macht, dass sich Politiker und Gewerkschaftler nicht mit ihnen anlegen wollen. Die „Dienstgemeinschaft“, ein Begriff, der das 3. Reich überlebt hat, beinhaltet das gesamte Krankenhauspersonal einer kirchlichen Einrichtung, incl. Putzfrauen und Hausmeister, auch wenn alle letztendlich von den Krankenkassen bezahlt werden. Die Dienstgemeinschaft untersteht dem Glauben der Kirche mit Ausnahme bestimmter Berufsgruppen, die Mangelware sind, wie Ärzte, die Muslime oder wiederverheiratete Geschiedene (katholisch: Bigamisten) sein dürfen. Muslime und wiederverheiratete Geschiedene erhalten in der Regel keine leitenden Positionen in kirchlichen Einrichtungen, auch wenn sie hierfür geeignet sind.

Zirkumzision

Wie positionieren sich Atheisten bei der Frage der jüdischen Säuglingsbeschneidung? Hier taucht plötzlich das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Menschen auf, das sogar für schwerbehinderte jüdische Säuglinge gilt, die nach jüdischer Auffassung keiner religiöser Beschneidung bedürfen. Dass selbst die Nazis in den KZs die Beschneidung zugelassen haben, ficht nicht. Lediglich die orthodoxe Zirkumzision am 8. Lebenstag, also vor dem 28. Tag (s.u.), wird von Utilitaristen unter den Atheisten akzeptiert.

Der Utilitarismus des Peter Singer

Die aktuellen Ereignisse um den Utilitarismus des Peter Singer wird nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Der Jude, Australier und Philosoph Peter Singer ist 2011 als Einziger mit dem Ethik-Preis der deutschen atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung gbs ausgezeichnet worden. Peter Singer ist Verfechter der Rechte für Menschenaffen, da diese mit uns Menschen nahe verwandt sind. Unseren entfernteren Verwandten missgönnt er solche Rechte. Menschliche Säuglinge bis 28 Tage nach der Geburt sollten seiner Meinung nach nicht als Rechtspersonen gelten, damit unter bestimmten Bedingungen, wie schwerste Behinderungen, es den Eltern möglich ist, die Neugeborenen ohne staatliche Einmischung zu erlösen. Ausgewachsene Schimpansen dürfen nicht gegen ihren Willen getötet werden. Utilitarismus ist konsequenter Atheismus!

Nun wird Peter Singer in Berlin mit dem "Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V." in Berlin ausgezeichnet. Die Laudatio soll Michael Schmidt-Salomon, Vorsitzender der gbs, halten. Schmidt-Salomon lehnt im letzten Moment ab. Er befindet sich in einem Dilemma:

Ein Christ oder Muslim, der sich zum Atheismus bekennt, hört auf, Christ oder Muslim zu sein. Ein Jude, der nicht mehr an Gott glaubt, bleibt ein Jude, weil Judentum neben Religion auch Nationalität ist. Ähnlich einem Griechen, der Grieche bleibt, wenn er die Griechisch-Orthodoxe Kirche verlässt. Das Judentum ist eine alte Befreiungsreligion. Heute hat sich die Mehrheit der Juden von Gott befreit. Christen müssen hierzu noch eine lange Wegstrecke zurücklegen, Muslime werden dieses Ziel wohl niemals erreichen. Der Utilitarismus, dem Peter Singer anhängt, ist eine atheistische Zweckethik. Der Utilitarismus hebt sich deutlich von jeglicher monotheistischer Ethik ab. Für jüdische Atheisten, die die Gesetze der Thora als menschlich betrachten, gelten weiterhin die moralischen Gesetze der Thora, wenn auch mit mit Veränderungen. Christen und Muslime, die glauben, dass die Gesetze der Bibel und des Korans gottgegeben sind, brauchen, sobald sie Atheisten werden, eine andere menschliche Ethik. Sie müssen konsequenterweise Utilitaristen werden. Um dem unangenehmen Utilitarismus zu umgehen, könnten Christen und Muslime zunächst zum Judentum konvertieren, bevor sie gute Atheisten werden. Dieses Problem ist bereits vor 2.000 Jahren erörtert worden. Die Mehrheit entscheidet damals, dass Heiden direkt ohne den Umweg über das Judentum allein durch die Taufe Christen werden. Wahrscheinlich ein historischer Fehler.

Der gbs-Vorsitzende Michael Schmidt-Salomon will die gbs und ihre Mitglieder schützen, die sich zwar für Freidenker halten, in der Mehrzahl jedoch den Utilitarismus ablehnen. Schmidt-Salomon weiß, dass auch seine engsten Anhänger noch nicht soweit sind, um den Utilitarismus zu verinnerlichen. Er setzt sich deshalb von Peter Singer ab und verweigert ihm die Laudatiozu seinem "Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung e.V.".

Doch Peter Singer hat die Atheisten Deutschlands bereits gespalten. Utilitaristen kämpfen gegen Anti-Utilitaristen, rational denkende Atheisten gegen gefühlsgeladene. Es ist nicht schwer zu erraten, wer die Oberhand gewinnen wird. In Deutschland siegt stets das Gefühl über den Verstand, sei es im Klimawandel, sei es im Atomausstieg, sei es in der Gentechnik. Da der Atheist Peter Singer Jude ist, ist zusätzlicher Zuspruch aus der antisemitischen Szene möglich. So hat die phil.Cologne Peter Singer ausgeladen, wo er als Kämpfer für Tierrechte sprechen sollte. Gut dazu passen die Sätze eines 54-jährigem Kölner Ratsmitgliedes, welches das uneingeschränkte Lebensrecht aller Menschen nicht zur Disposition stellen will. "Gerade wir Deutschen mit unserer nationalsozialistischen Vergangenheit tragen hier besondere Verantwortung." Dieser Ressentiment beladene Satz, der die nationalsozialistische Vergangenheit immer dort herauskramt, wo es Vorteile bringt, soll vergessen lassen, dass der jüdische Atheist Peter Singer drei Großeltern im KZ verloren hat.

Die Spitze der gbs hält sich zurück, ihre Mitglieder positionieren sich jedoch weiterhin für den freien Fleischverzehr und gegen die Beschneidung jüdischer Säuglinge mit dem Hinweis auf das Recht auf die alleinige körperliche Unversehrtheit des Menschen. Zumindest solange bis sich der abendländische atheistische Utilitarismus des Peter Singer durchsetzt.

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