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Erschienen in Ausgabe: No 113 (07/2015) Letzte Änderung: 15.07.15

Wasser, Wolken, Wallerfänger - Eine „Landpartie“ zu neun Museen rund um München

von Hans Gärtner

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Abb. 1 Ismaning. Lokalbahn und Isarverlauf, Postkarte, Detail, 1913

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Abb. 2 Joanna Jesse: „Im Meer“, Öl auf Leinwand, 2013

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Abb. 3 Arthur Langhammer: „Badende Knaben an der Amper“, Öl auf Leinwand, um 1890

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Abb. 4 Zeitgenössisches Modell eines Langholzfloßes, Textil, Holz, Draht

„Landpartie“ – so heißt, seit 1996, der Zusammenschluss von neun Museen an sechs Orten rund um München: Freising, Ismaning, Dachau, Fürstenfeldbruck, Schöngeising und Starnberg. In diesem Jahr einigten sich die ehrgeizigen, aber respektabel kooperativen Leiterinnen und Leiter der Museen auf das Thema „Wasser“. Ein schönes Thema, ein passendes Thema, ein einladendes Thema: spaßig, sommerlich, spritzig, sportlich. Und doch bekam es, da und dort, mal unerwartet, mal absichtlich, einen vielleicht nicht auf Anhieb erkennbaren didaktischen Touch ins Naturwissenschaftliche, Geschichtliche, sogar Gesellschaftskritische. Also keine pure Unterhaltung wartet auf den Besucher, leicht und locker, sondern es wird durchaus anspruchsvoll und lehrreich. Regional verankert – mit den Gewässern Ammer/Amper, Isar und Starnberger See – gehen die zum Generalthema „Wasser“ gewählten Schwerpunkte oft ins Allgemeine. Auf jeden Fall lernt der Besucher, ob jung oder alt, einiges – über Wasser, Wolken, Wallerfänger. Natürlich über vieles weitere mehr.

Wo man die Landpartie startet und beendet, ob einzeln oder in der Gruppe – und ob man sie vollständig absolviert oder sich etwas Interessantes herauspickt – das bleibt jedem überlassen. Er zieht ja ohnehin auf eigene Faust los. Alle nötigen Daten für die Reiseplanung stehen, alphabetisch nach Museumsort gelistet, im Kasten.

Wasser, Wolken, Licht

Das Stadtmuseum Freising nennt seine Schau „Wasser, Wolken, Licht“. Auf den Ausläufern des niederbayrischen Hügellandes gelegen, ist die Stadt mit ihren drei „Bergen“ die älteste an der Isar und die viertgrößte Oberbayerns. Die große Kreisstadt mit rund 46 OOO Einwohnern ist seit dem Jahr 739 Bischofssitz. Wahrzeichen: die Türme der Bischofskirche auf dem 475 Meter hohen Domberg. Die kargen, geheimnisvollen Mooslandschaften, um die es in der Ausstellung geht, sind Teil der Münchner Schotterebene. Sie zogen im frühen 19. Jahrhundert Maler, Zeichner und bald schon auch Fotografen an. Von 1820 bis 2013 reichen die gemalten und fotografierten Ausschnitte aus der reizvollen Gegend. Johann Georg von Dillis macht mit einer Ölskizze den Anfang, ein junger Freisinger Fotokünstler setzt den Schlusspunkt der aus dem Museumsbestand präsentierten Werke.

Im Ismaninger Schlossmuseum ist „Alles im Fluss“, wie die hier gezeigte Sonderschau betitelt ist. Die Isar als prägendes Fließgewässer bestimmte seit jeher das Leben dieses München-nahen Ortes. Einst bildete die Isar die Grenze zwischen dem Hochstift Freising und dem Herzogtum Bayern. Es geht um die Zähmung des ehemaligen Wildflusses, um frühe und rezente Regulierungsmaßnahmen, das Leben in den Auen, die schon weit gediehenen Pläne zur Renaturierung, um den alten Fährbetrieb und den Bau der Hecker-Brücke. Die letzten Führungen sind am 13. September um 14 und 15 Uhr.

Erfrischendes Nass

Etwas Besonderes ist dem Leiter des Kallmann-Museums Ismaning, Rasmus Kleine und der Leiterin der Neuen Galerie Dachau, Dr. Jutta Mannes gelungen: Ihre gemeinsame Doppelausstellung „Waterbound“ erzählt „Vom Leben mit dem Wasser“ auf eine Art, die von der zeitgenössischen Kunst – Objekten, Malereien, Installationen – ihren spezifisch gesellschaftskritischen Anstrich erhält. Das für Mensch und Tier unverzichtbare Element Wasser wird in seiner Kostbarkeit und Knappheit ebenso wie in seiner Ökonomisierung vielfältig beleuchtet, wobei die Ironisierung mancher Teil-Aspekte zu Denkanstößen führt. International renommierte Objekt- und Foto-Künstler lassen da und dort schmunzeln, mehr noch legen sie den Finger auf fragwürdige, wenn nicht gar bedrohliche Entwicklungen.

Die Gemäldegalerie Dachau trägt mit „Wasserbildern der Dachauer Maler“ dann dem „Erfrischenden Nass“ Rechnung. Den einst in Scharen aus München ins Dachauer Moos gezogenen Farbenzauberern kam das Wasser in jeder Form zu passe. Sie ließen, wie etwa Arthur Langhammer um 1890, Knaben an der Amper nackig baden oder, wie Victor Weishaupt um dieselbe Zeit, Kühe behäbig in der Schwemme stehen. Sie setzten aber auch, wie etwa Eduard von Grützner 1914, dem Wasser ein Denkmal als einem fürs Bier unentbehrlichen Bestandteil.

Fluch und Segen zugleich

Das Dachauer Bezirksmuseum tat sich mit dem bei Schöngeising versteckt gelegenen Bauernhofmuseum Jexhof zusammen. Beide Orte verbindet die Amper, die ihre Geschichte(n) erzählen darf: hier vom Ammersee bis Olching, dort von Olching bis Moosburg. „Fluch und Segen zugleich“ bedeutet(e) der Fluss im Hinblick auf die Schwemmgebiete, aber auch auf häufig wiederkehrende Hochwasser. Erst 2013 gab es wieder mal eins. Mensch und Tier sind in Gefahr, Biber dagegen fühlen sich in ihrem Element. Doch gehen beide Museen auch auf die Idylle ein, die die Amper bietet – für Badende, Flößer, Kahnfahrer, Wassertierfreunde und – wieder – Malerinnen und Maler.

Sensationell wird`s – unerwartet, denn das neu eingerichtete Museum ist vor allem der Sakralkunst gewidmet – in Fürstenfeldbruck. Das Haspelmoor ist hier zu entdecken – als eine Landschaft, die bereits vor 11 OOO Jahren von Jägern und Sammlern besiedelt war. Das hohe Haselnussvorkommen hier wird, wie vieles andere auch, lustig dokumentiert: durch ein Tellerchen mit elfmal tausend Jahre alten Nüssen. Neueste Forschungen geben diesem Teil des „Landpartie“-Projekts eine handfeste Basis. Wesentlich zu danken sind sie den archäologischen Glücksfällen Toni Drexlers, der maßgeblich bei den alten Funden im Haspelmoor beteiligt war – den ältesten Erbstücken zwischen Donau und Alpen überhaupt, was zur Umzeichnung von Bayerns historischer Landkarte – und für Drexler zur Verleihung der Rainer-Christlein-Medaille der Bayerischen Gesellschaft für Archäologie führte.

Wasser – Fische – Menschen

„Wasser – Fische – Menschen“: Diese Ausstellung im Museum Starnberger See geht auf die Fischerei als noch heute, wenn auch abgeschwächt, bedeutsamem Wirtschaftszweig im Starnberger Fünf-Seen-Land ein. Unter den Berufs- und Hobbyfischern, die es auf Renke, Aal, Hecht, Seeforelle & Co. abgesehen haben, sind die Wallerfänger eine Spezies für sich. Der Kopf eines 2013 gefangenen Wallers (wie der Wels in Bayern heißt) lenkt, obwohl er weit oben aus der Wand schaut, gleich die Aufmerksamkeit auf diesen Fischereizweig. Seit gut einem Jahrzehnt vermehrte sich das Vorkommen des bis gut zwei Meter anwachsenden Raubfischs beträchtlich und stellt immer wieder eine ernsthafte Gefahr für andere Fischarten dar, der es zu begegnen gilt. 34 Fischereien gibt es in Starnberg heute.

Hier wird der „Landpartie“-Teilnehmer nochmal mit der Umweltproblematik unserer Wässer rund um München – egal ob fließend oder stehend – konfrontiert. Auch wenn sie nicht im Vordergrund der didaktisch gut aufbereiteten Konzepte zum Thema „Wasser“ der „Landpartie 2015“ steht und der Freude am erfrischenden Nass für Turmspringer, Surfer, Schwimmer und Badefans genügend Raum gewährt wird, ist sie das verbindende Glied in der perlenden Kette des übergreifenden Themas.

Die „Landpartie 2015“ geht nach …

… Dachau Bezirksmuseum: „Die Amper“, bis 27. 9.; Gemäldegalerie: „Erfrischendes Nass“, bis 30. 8.; Neue Galerie: „Waterbound“, bis 26. 7. - - - Freising Stadtmuseum: „Wasser – Wolken – Licht“, bis 19. 7. - - - Fürstenfeldbruck Museum: „Am Wasser – Steinzeitmenschen am Haspelsee“, bis 4. 10. - - - Ismaning Kallmann-Museum: „Waterbound“, bis 30. 8.; Schlossmuseum: „Alles im Fluss“, bis 20. 9. - - - Schöngeising Bauernhofmuseum Jexhof: „Die Amper“, bis 31. 10. - - - Starnberg Museum Starnberger See: „Wasser – Fische – Menschen“, bis 18. 10. 2015. - - - Die unterschiedlichen Öffnungszeiten der Museen sind zu entnehmen: www.landpartie-museen-muenchen.de (HaG)



FOTOS (Hans Gärtner)

Abb. 1 Ismaning. Lokalbahn und Isarverlauf, Postkarte, Detail, 1913

Abb. 2 Joanna Jesse: „Im Meer“, Öl auf Leinwand, 2013

Abb. 3 Arthur Langhammer: „Badende Knaben an der Amper“, Öl auf Leinwand, um 1890

Abb. 4 Zeitgenössisches Modell eines Langholzfloßes, Textil, Holz, Draht

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