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Erschienen in Ausgabe: No 113 (07/2015) Letzte Änderung: 18.07.15

„Geschäftskunst ist der Schritt, der nach der Kunst kommt“ - ANDY WARHOL IM MUSEUM BRANDHORST

von Anna Zanco-Prestel

„Ich habe als kommerzieller Künstler begonnen“ - sagte von sich Andy Warhol, als er 1975 im Zenith seiner Popularität stand -„ und will als Geschäftskünstler enden“. Dabei meinte der amerikanische Multi-Talentunverblümt, dass „gut in Geschäften zu sein die faszinierendste aller Künste“ ist und dies wohl wissend, dass „Geschäfte machen“ nicht unbedingt zum Wertideal eines Nonkonformisten in Zeiten sozialen Umbruchsgalt. Seine ersten Schritte in der Welt der bildenden Kunst hatte der 1928 in Pittsburgh geborene Warhol nach einer in den späten 40er absolvierter Ausbildung als „Pictorial Designer“ am Carnegie Institute of Technology in New York getätigt. Bereits in dieser ersten Phase seines Schaffens als Grafiker und begabter Buchillustrator zeigte sich sein Bestreben, einen Sonderplatz zwischen den klassischen und den kommerziellen Ausdrucksformen einnehmen zu wollen. In die nicht-kommerzielle Richtung geht eine Reihe von in Offset Verfahren hergestellten Künstlerbücher, bei deren Produktion er die Rolle des Autors, Gestalters und Verlegers zugleich bekleidete. Sechs von diesen ab 1954 entstandenen Frühwerken gehören zur Sammlung Brandhorst, die zum ersten Mal ihre gesamten Warhol-Bestände im Rahmen einer Ausstellung präsentiert, die bis zum 18.Oktober als Kooperation zwischen dem Museum Brandhorst und dem 33. Filmfest München präsentiert wird. In „Yes! Yes!Yes! Warholmania in Munich“ lassen sich die verschiedenen Abschnitte einer Laufbahn verfolgen, die von Anfang an außergewöhnlich war. Es sind zunächst die Bilder der Ikonen der 1960er Jahre, mit denen er die „Licht- und Schattenseiten des Starkults“ in den Fokus stellte. Ein „Liz“-Porträt von 1964 und das zehnteilige „Portfolio Marylin“ von 1967, sein erstes Bildnis der Schauspielerin, das allerdings erst nach ihrem Selbstmord geschaffen wurde. Darin vollzieht sich Warhols revolutionärer Übergang zu einer Malerei, die sich von Bildvorlagen aus Werbung und Zeitschriften bediente, und von der Entdeckung des Siebdruckverfahrens in den frühen 1960er Gebrauch machte. Diese technische Innovation nutzte er auch konsequent in den späteren zwei Jahrzehnten für weitere Experimente,u.a. zur Realisierung der aufwendig collagierten Siebdrucke „Ladies und Gentleman“ von 1975, in deren Mittelpunkt die „Maskerade des Transvestiten-Daseins“ steht.
Unter dem Begriff „Symbole der Macht“ wird in einem eigenen Raum das zentrale Emblem des Kommunismus an die Leinwand gebracht. In der zum Höhepunkt vom Kalten Krieg 1976 bis 1977 entstandenen Werkgruppe „Hammer und Sichel“ sind die zwei in verschiedenen Anordnungen gezeigten symbolträchtigen Werkzeuge, die die Welt zeitweiligveränderten, stilisiert und - ihrer ideologischen Aufladung entledigt - als Stillleben vorgeführt.Ein 1986 realisiertes Porträt Lenins mit rot umrandetem Kopf und dunklen Augenhöhlen ergänzt eindrucksvoll die Reihe und lässt die Frage offen, ob es Warhol lediglich um die Dämonisierung eines Feindbildes der westlich-kapitalistischen Emisphäre ging oder um die reine Darstellung der Personifizierung einer gelebten Utopie ging.
„Death and Disasters“, wie der Titel einer seiner frühen Serie lautete, in der Unfälle oder Rassenunruhen in den USA thematisiert wurden, waren stets wiederkehrende Motive in Warhol Schaffens, der in den 1980er wieder Sujets des Todes und der zerstörenden Gewalt aufgriff, diesmal jedoch mehr und mehr in abstrakter Form.So Beispielweise in demBild „Knives“ (1981-82) , in dem er bedrohliche Küchenmesser mit langen Klingen auch als eine Art Stillleben ins Szene setzte. In diesem Zusammenhang zu sehen ist auch die Porträtserie, die er dem ihm künstlerisch entgegengesetzten und dennochsehr bewunderten Joseph Beuys widmete. Dies gilt insbesondere für das Bildnis, das er nach dessen Tod 1986 anfertigte, in dem er Beuys Gesicht mit einem „Camouflage- Muster“ unterlegte, was dessen „Verschwinden“aus der Kunstbühne versinnbildlichen sollte. „Camouflage Paintings“ der 80er Jahre, in denen ersich an im militärischen Bereich zur Tarnungverwendete Muster inspirierte, und das riesige „Oxidation Painting“ von 1978 zeugen von Warhols ironisierenderBeschäftigung mit der Abstraktion. Diesem Thema, das eine besondere Stellung in der Schau einnimmt, ist ein eigener Raum vorbehalten, in dem seine „Shadow Paintings“ der späten 70er vorgestellt werden. In düster-gespenstigen Schatten undefinierbarer Sujets wird Warhols Idee der „Entleerung der Zeichen“ weitergesponnen, welche nur Spuren unheimlicher Präsenzen hinterlässt.Die Abstraktion wird somit zur reinen „Hülle“ einer Malerei empfunden, die sich von der Wirklichkeit abgekoppelt hat. Repräsentativ dafür sind die großformatigen mit Glasstaub veredelten „Diamond Dust Shadow“-Bilder, die deutlich ins Dekorative abgleiten und von Warhol selbst auch als Hintergrund für Modeaufnahmen genutzt wurden.
Im Rahmen der eindrucksvollen Werkschau des „Ausnahmekünstlers“ und„Hofmalers der Kunst- und Modewelt“ Andy Warhol werden auch Beispiele aus seinem filmischen Schaffen sowie aus seinen legendären Fernsehsendungen wie „ Andy Warhols' Fifteen Minutes“ gezeigt, die seine Faszination für das Phänomen der echten oder selbsternannten „Celebrities“ beleuchten und die Zeit der Social-Media unserer Tage beinah hellseherisch vorankündigen.

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