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Erschienen in Ausgabe: No 114 (08/2015) Letzte Änderung: 06.08.15

Das Letzte über ein Genie - Neue Erkenntnisse aus der Region in einem schönen Buch zu Johann Georg von Dillis

von Hans Gärtner

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Die Wolkenbilder-Schau im Münchner Lenbachhaus hatte es mir vor 12 Jahren angetan. Barbara Hardtwig zeigte Johann Georg von Dillis (1759 bis 1841) als begnadeten Wolken-Zeichner. Phantastisch. Traumhaft. Himmelwärts den Blick gerichtet. Seither einen genialen Landschaftsmaler bewundert, der vor einem Vierteljahrtausend nur ein paar Kilometer vom eigenen Wohnort entfernt zur Welt kam, in Gmain (nicht wie noch immer zu lesen ist: in Grüngiebing), Pfarrei Schwindkirchen. Seitdem: immer wieder Ausschau gehalten nach dem Mann, der feinsinniger Künstler und Kunstexperte, katholischer Priester und Staatsgalerist, Akademieprofessor und was weiß ich noch alles war. Ein „Jagers“-Sohn vom schieren Lande aus der Gegend um Dorfen nahe Erding. Vor zwei Jahren ein schönes Buch über ihn gefunden, das mehr als die 5 Euro wert ist, die es kostete. In weißes Leinen gebunden, mit Golddruck des Dillis-Namenszugs auf dem Titel, verfasst von Waldemar Lessing, in Tegernsee 1949, gedruckt bei Bruckmann in München 1951.
Nun lese ich im neuesten, quasi „letzten“ Buch über Dillis, das der Kreisverein für Heimatschutz und Denkmalpflege im Landkreis Erding e. V. soeben herausbrachte, dass es sich bei meinem Lessing-Exemplar um eine der „ersten farbbebilderten Dillis-Monografien“ handelt. Nun, der Kunsthistoriker Waldemar Lessing ist nicht Herausgeber, sondern Autor dieses Werks. Das Bild mit der Theaterkirche, die Dillis mit Kohlestift in Wolken hüllte, wird nicht, wie der aus Mühldorf gebürtige Aufsatz-Autor Michael Jank behauptet, auf Seite 128, sondern auf Seite 112 abgebildet.
Soll ich jetzt nach weiteren kleinen Verstößen in dem schönen neuen Buch über den heißgeliebten, vielbewunderten J. G. v. Dillis graben? Lieber stürze ich mich locker hinein in die Fülle an neuen Erkenntnissen, die der von elf Autoren mit ihrem sorgsam erarbeiteten Spezialwissen und bildhaft schönen Archiv-Ausgrabungen erstellte Band zu Dillis` „Familie, Leben, Schaffen“ vor mir ausbreitet.
Wieder mal zeigt sich: Ein einziger Mensch hätte diesen Reichtum an Neuigkeiten zu Vita und künstlerisch-administrativer Tätigkeit des großen Mannes aus dem Isental kaum zu Tage fördern können. Ein Team Begeisterter und Begeisternder schuf ein Gemeinschaftswerk, das ultimativ genannt werden kann und in jede Bibliothek hineinmuss. Schon wegen so überzeugend geschriebener und belegter Nachweise zu Dillis als der erste bayerische „Volkskundler“ mit Zeichenstift und Farbpalette (Albrecht A. Gribl) oder Claudia Denks Beitrag zu dreierlei „Lieben“ des J. G. v. Dillis angesichts seines Münchner Grabmals im Südlichen Friedhof. Zu den Kunsthistorikern und -erziehern, Heimatkundlern und Museumsleuten (drei Damen, acht Herren) gesellt sich ein Nachfahre der Gmainer Künstlerfamilie, der Münchner Architekt und Stadtplaner Walter Dillis. Auf einer Seite nähert er sich „an einen Vorfahren“. Das erste Dillis-Blatt, das der jetzt 80-Jährige als Bub in Händen hielt, war eine Dillis-Reproduktion. Sie zeigt den Tegernsee.
Vermutlich sah der kleine Walter Dillis eine Wiedergabe von Dillis` Ölgemäldes auf Kupfer von 1825, ein berühmt gewordenes Werk, das der Bayerischen Staatsgemäldesammlung gehört und in vielen Bürger- und Bauernhäusern als gerahmter Kunstdruck hing. Es spielt Barbara Hardtwigs Beitrag über Dillis als Freilichtmaler eine Rolle. Auch in meinem Lessing ist es zu sehen, ganzseitig – direkt zum (vorsichtigen) Heraustrennen für den Wandschmuckbedarf geeignet. Aber der neue Kreisvereins-Band freut sich über ein anderes, viel lustigeres, personenreicheres Dillis-Gemälde, das er denn auch fürs Deckblatt wählte: „Familie Dillis vor ihrem Haus in Gmain“. Der Bestandskatalog der Neuen Pinakothek von 2003 hatte bei „meinem“ Lessing gespickt, der eine (schwarzweiße) Abbildung brachte (s. Foto) und den Titel „Familie Dillis vor dem Försterhaus in Grüngiebing“ suggeriert hatte.
Die Forschungsergebnisse des Alois Lehrhuber können auf stringente Weise ältere Meinungen zu diesem intimen Genre-Stückl widerlegen. Der Volksschullehrer Lehrhuber gehörte der Arbeitsgruppe zur Dillis-Ausstellung in Schwindkirchen 2009 an, gilt über den engen Heimatbereich hinaus als Dillis-Wiederentdecker und versteht vielleicht mehr vom Thema als mancher Gelehrte – wie schön, dass einmal mehr ein Lehrer als Kunstspezialist in seiner – unserer – Region zu bewundern ist.
Diese wird mit Dillis-Bildern und Kommentaren der Mitarbeiter Anton Empl, Albrecht A. Gribl, Wolfgang Lanzinger, Alois Lehrhuber und Franz Wimmer hurtig durchschritten – und es kommen dabei Skizzen und Gouachen, Zeichnungen und Aquarelle „zur Sprache“, die sich auf Orte unserer heimatlichen Gegend beziehen – von Schwindkirchen über Freising bis Föhring. Zugleich wird deutlich, wie eng Johann Georg von Dillis, der Weitgereiste, Erfolgreiche, Fleißige, Vielbeschäftigte, Residenzstädtische mit seinem angestammten Herkunftsbereich in seiner Kunst verbunden war und diesem ländlichen Milieu – den Menschen stets mit bedenkend – einzigartige malerische Denkmale setzte. Nicht zu vergessen: die Wolken. Dillis als Wolkenzauberer – unvergesslich, unvergleichlich. Michael Jank kann dazu vieles Schöne erzählen und belegen.


Das Buch
„Johann Georg von Dillis. Familie, Leben, Schaffen“, 290 Seiten, 230 Abbildungen, 24,5 x 21,2 cm, Hardcover, 23 Euro, herausgegeben vom Kreisverein für Heimatschutz und Denkmalpflege Landkreis Erding e. V. – ISBN 978-3-00-049634-9


Foto
Johann Georg v. Dillis zeigt „das Leben der Seinen … vor dem väterlichen Forsthaus in Grüngiebing“.

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