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Erschienen in Ausgabe: No 115 (09/2015) Letzte Änderung: 01.09.15

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
Gedanken zur aktuellen Aufführung der romantischen Oper in drei Aufzügen in Bayreuth

von Simonetta Beer

Bild

(c) Bayreuther Festspiele; Foto: Lutz Schulze

Welche Rolle die Oper im Leben eines Menschen spielen kann, lässt sich in Bayreuth exemplarisch erleben.
Allein die Vorbereitungen und die Anreise, alles was mit dem Hype vor Ort verbunden ist, läßt einem bewußt werden, welche Wirkungen von Richard Wagner und seinen mystischen Klängen ausgehen – wenn es denn dem Meister entspräche. Im Falle des „Fliegenden Holländers“ gibt es ein historisches Ereignis, das die Ideen und Vorstellungen Wagners plastischer als jede Interpretation verdeutlichen. Der Kapellmeister Vincenz Lachner war einer, der Richard Wagner überhaupt nicht mochte. Und dennoch mußte er seine Werke nolens volens zur Aufführung bringen. Seine Geringschätzung äußerte sich darin, daß er Wagners Musik radikal kürzte. Richard Wagner sah sich deshalb in Mannheim veranlaßt, bei einer Aufführung seines „Fliegenden Holländers“ unter Protesten das Theater zu verlassen. Wissend, daß Richard Wagner und sein Team in Bayreuth, allen voran der Dirigent Hermann Levi, der ihm in treuer Ergebenheit 25 Jahre zur Seite stand, jede Einstudierung genauestens mit ihm abstimmten, lässt einem während der Inszenierung von Jan Philipp Gloger nur noch ratlos auf dem harten Stuhle ausharren.
Schließlich hat die Ansammlung von Schachteln den trockenen Charme einer Lagerhalle eines ausrangierten Drogeriemarktes. Vielleicht lässt sich der Staub nanophysikalisch in neue Taktmodule ummodeln? Solch ein Szenenbild, solch eine Ausstattung, sind der verzweifelte Versuch, eine klare Brühe zu versalzen um am Puls der Zeit zu sein – einfach so. Tragische Verflechtungen mit ironischen Versatzstücken gibt’s auf der Insel Kos wie auf dem Grünen Hügel, aber die Menschen und ihr Schicksal auf Erden sind hier auf eine Staubwolke reduziert. Was die Elemente bewirken und welche Kraft sie in ihrer musikalischen Übertragung entwickeln, hat einen inneren Zusammenhang, der uns seit ewigen Zeiten bewegt. Wer von diesen Lebensgesetzen nichts versteht, den sollte man vielleicht erst einmal als Lagerarbeiter einsetzen, bevor man ihm eine Mannschaft auf hoher See anvertraut. Und wenn die Sprachlosigkeit mit einem supermodernen Trend korrespondieren sollte, dann wäre das Experiment vielleicht geglückt. Aber die Kehrseite der Medaille: Richard Wagner als Urheber würde solch ein musikalisches Drama als ersten kopflos in der Brandung zurücklassen. Thema verfehlt, trotz musikalischer Höchstleistungen.

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