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Erschienen in Ausgabe: No 116 (10/2015) Letzte Änderung: 07.10.15

Gespiegelt und geschliffen - In Augsburgs Schaezlerpalais faszinieren 120 Hinterglasmalereien aus 4 Jahrhunderten

von Hans Gärtner

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Das „Schaezlerpalais“ in Augsburgs Maximilianstraße 46 ist an sich schon einen Besuch wert – Rokoko-Festsaal, Deutsche Barockgalerie, Grafische Sammlung – ein Schatzkasten höchster Güte. Nun wird alles noch getoppt: Im 2. Obergeschoß des Palais hängen und liegen 120 exquisite Hinterglasmalereien und Objekte mit Hinterglasmalerei-Verzierung aus vier Jahrhunderten in Vitrinen, kompetent gesammelt und präsentiert vom Ehepaar Gisela und Wolfgang Steiner aus dem oberösterreichischen Mondsee. Spezial-Thema: die Verwendung von Gold und Silber samt Spiegeleffekten in der raffinierten Hinterglas-Malkunst Mitteleuropas.
Nicht jedem Besucher dürfte der exzeptionelle Aspekt, auf den Kunstsammlungs- und Museums- Direktor Christof Trepesch und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Julia Quant das Augenmerk legen wollen, ein Anliegen sein. Er erfreut sich, ganz legitim, auch ohne wissenschaftliche Ambition an „Goldglanz und Silberpracht“ – so ist die sehenswerte Schau betitelt. Die beiden Edelmetalle gaben der Technik des „Unter Glas“-Malens seit jeher den einzigartigen Reiz der Spiegeleffekte – und dies in vielfältiger Weise. Auch an Kunstmöbeln, Trinkgefäßen, Bilderrahmen und Schmuckanhängern kam es im Kunsthandwerk zu ausgetüftelten Effekten, und es entstanden luxuriöse Kostbarkeiten, die in hohem künstlerischem Ansehen standen. Gewiss nicht nur bei Sammlern, auch bei den Besitzern, die sie sich „geldlich“ leisten konnten bzw. in Auftrag gaben: Adel und Großbürgertum, nicht zu vergessen die Kirche.
Diese wahrlich glanzvolle Augsburger Ausstellung hat man weniger ihrer doch etwas altbackenen Art der „Hängung“ als ihrer seltenen famosen Einzelstücke wegen zu loben. Sie führt „von den amelierten Kunstkammerstücken und grafisch anmutenden Eglomisé-Arbeiten des 16. und 17. Jahrhunderts über die monochrom gold-silbernen Werke der böhmisch-österreichischen Malschule bis hin zu den zahlreichen Varianten von Glasschliff und Spiegelbildern Bayerns, Böhmens und Schlesiens im 18. und 19. Jahrhundert“. So Julia Quant in ihrer feinen Einführung. Die junge Dame ist eine der Autorinnen des von Wolfgang Steiner und Christof Trepesch herausgegebenen Katalogs, der soeben im Deutschen Kunstverlag erschien (250 Seiten, gut 200 Abbildungen, 34,90 Euro).
Das Jagdmotiv des Ausstellungs-Plakats verwendet eine von Jonas Zeuner schwarz hintermalte Radierung in Blattgold und -silber aus dem 18./19. Jahrhundert, die auf die 65-teilige Grafik-Folge Johann Elias Ridingers „Die Jäger und Falconiers mit ihren Vorrichtungen“ von 1764 zurückgeht. Damit wird das durchgehende Präsentations-Prinzip angesprochen, nämlich die vielfach aus Augsburg stammenden grafischen Hinterglasmalerei-Vorlagen mit zu demonstrieren. Deutlich wird das an den zahlreichen religiösen Motiven der Exponate mit biblischen Szenen, Heiligenporträts und geistlichen Zeichen.
Das älteste Stück der Schau zeigt einen Lebensbaum aus der Zeit zwischen 800 und 1000 n. Chr. in „Fondo d`Oro“- oder Zwischengold-Technik, die hauptsächlich für Glasgefäße Anwendung fand. Brillante Zeugnisse der böhmisch-fränkischen Malschule, Dreikönigs-Tafeln aus dem oberpfälzischen Winklarn, der Malerfamilie Spengler (eine „Sankt Idda von Toggenburg“/Ostschweiz), aus Venezien, Spanien oder Mähren und viele weiteren Provenienzen lassen das Herz eines Hinterglasmalerei-Liebhabers höher schlagen. Er wird spontan beschließen, diese Ausstellung ein zweites Mal zu besuchen. Dazu ist Zeit bis 15. November, geöffnet Di – So, 10 - 17 Uhr.


Foto (Hans Gärtner)
Jäger hoch zu Ross: Eine Radierung in Blattgold und -silber von Jonas Zeuner (1727 – 1814) nach einer Vorlage von Johann Elias Ridinger schmückt das Plakat zur Schau „Goldglanz und Silberpracht“

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