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Erschienen in Ausgabe: No 118 (12/2015) Letzte Änderung: 01.12.15

Salzburger Marschallin als Münchner Aida - Star-Sopranistin Krassimira Stoyanova in zwei divergenten Partien

von Hans Gärtner

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Am 6. Oktober sind es genau 6 Jahre – seither darf sich die gebürtige Bulgarin Krassimira Stoyanova Österreichische Kammersängerin nennen. Schaut man auf die Karriere-Daten der studierten Violinistin, die sich in Plovdiv gleichzeitig als Sängerin hatte ausbilden lassen, lässt Bewunderung den Kopf schütteln. Es war klug, sich an Sofias Nationaloper in die großen Partien einer jugendlich-dramatischen Sopranistin einzuarbeiten. 1995 dort debütiert, gelang ihr drei Jahre später der Schritt in die erste Reihe der Wiener Staatsopern-Diven ihres Faches, ohne je die Diva herausgekehrt zu haben. Dem Haus am Ring blieb die Stoyanova treu. Aber ihre herrliche Stimme, die sich von Mal zu Mal weitete und mehr und mehr an Farbenpracht gewann, wollte man bald auch an den anderen Welthäusern der Oper hören – von New York bis Helsinki, von Buenos Aires bis Tel Aviv, Rom, Barcelona, Rio de Janeiro … In Deutschland fiel sie erstmals als Violetta in Hamburg auf, kam bald (als „Idomeneo“-Elettra) nach Berlin und, endlich, nach München, wo sie eine fabelhafte Luisa Miller abgab. 2012/13 war sie die Amelia in Verdis „Simon Boccanegra“. Puccinis Mimi verkörperte sie an der Bayerischen Staatsoper ebenso wie sie in Münchner Konzerten unter Jansons oder Thielemann, dann in der Zweit-Auflage von „Giulielmo Tell“ am Nationaltheater, glänzte.
Hier ist sie nun, für viele überraschend, in der jedoch schon für eine konzertante Serie in Rom einstudierten Partie der äthiopischen Sklavin Aida zu erleben, mit fünf Auftritten unter dem Dirigat Dan Ettingers, das ihr teilweise das Leben („Patria“-Arie) schwer machte. Hinzu kam die unbefriedigend und völlig anti-ägyptisch geprägte Inszenierung von 2009 (Christof Nel, Jens Kilian, Ilse Welter-Fuchs), in der sie sich, so schien es, nicht gerade wohlfühlte. Ausschlaggebend für die hohe Akzeptanz dieser Serie war wohl Tenorissimus Jonas Kaufmann. Als heimlicher Aida-Gespons Radamès macht er gewiss keine schlechte Figur, hatte aber, schon in der Auftritts-Arie „Celeste Aida“ (vorvorletzte Vorstellung) keine besonders guten Karten. Seine Partnerin, mit der er nicht, wie üblich, in ein Steingrab eingeschlossen sterben darf, übertraf ihn sowohl an darstellerischer wie stimmlicher Kraft. Staatsopernchor-Fülle und durchwegs fiebriger Orchesterklang rundeten die Münchner Fünftage-„Aida“ zu einem akzeptablen Nationaltheater-Erlebnis. Das Publikum war kaum zu bremsen – es zeigte sich geradezu rasend einverstanden mit Stoyanovas Münchner Live-Leistung.
Was allerdings die Inhaberin der Titelrolle anbetrifft, denkt man, hatte man das Glück des Dabeiseins, mit Wehmut an Stoyanovas Marschallin der Salzburger Festspiele 2014 und 2015. Die Strauss-Partie der entsagungsvollen Wiener Stadtadeligen, deren Existenz in die Entstehungszeit des „Rosenkavalier“ verlegt wurde, liegt der inzwischen 53-Jährigen nun doch entschieden besser als Verdis tragische Figur. Stoyanova war eine Marschallin der Sonderklasse (s. Foto vom Autor), die keinen Vergleich mit berühmten Vorgängerinnen wie Elisabeth Schwarzkopf oder Felicity Lott zu scheuen braucht. Unter der musikalischen Obhut von (2014) Zubin Mehta und (2015) Franz Welser-Möst und in der brillant-romantisierenden Art-Deco-Kühle Hans Schavernochs sowie der punktgenau-feinnervigen Regie Harry Kupfers blühte die bulgarische Super-Sopranistin zu einem bleibenden Juwel der Salzburger Festspiel-Geschichte auf.

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