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Erschienen in Ausgabe: No 117 (11/2015) Letzte Änderung: 14.11.15

Muster oder Zufall? - Ingvild Goetz zeigt im „Haus der Kunst“ Malerei zwischen Tag und Traum

von Hans Gärtner

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So ist es ja nicht, dass der Besucher im Münchner „Haus der Kunst“ allein gelassen ist. Führung? Wozu eigentlich, wenn es gut getextete und bebilderte Booklets gibt, gratis sogar und im Eintrittspreis inkludiert. Diese Hefte, die man getrost nach Hause tragen kann, um manches Gesehene dort zu bedenken oder zu rekapitulieren, informieren perfekt über die Exponate. Ingvild Goetz, die in München lebende, die Kunstszene kräftig mitbestimmende Galeristin aus Hamburg, sammelt leidenschaftlich Modernes. Skulpturen weniger als Videos, Installationen, Malerei. Unter dem Titel „Zufallsmuster“ gibt sie derzeit der Öffentlichkeit preis, für welche zeitgenössischen Maler/innen sie etwas übrig hat. Zwanzig an der Zahl hat sie ausgewählt. Manche sind nur mit einem, andere mit mehreren ihrer Werke vertreten.

In drei „Abschnitte“ sind sie eingeteilt: „Formale Fiktionen“, „Identitätssuche“ und „Narrative Räume“. Was da zusammengebracht wurde, liegt thematisch gewissermaßen zwischen Tag und Traum. Realistisches also ebenso wie Ausgedachtes, ziemlich Verrücktes. Ingvild Goetz lässt offen, ob man eher dem Zufall mit seiner unbeabsichtigten Willkür oder dem Muster folgen will, also etwas Geordnetes, Sortiertes in einem Gemälde, einer Zeichnung oder einer Installation sieht.

Die meisten Namen der im 1. Obergeschoß ausgestellten Kunstschaffenden – wenige von ihnen sind leben nicht mehr – sind dem Durchschnitts-„Haus der Kunst“-Besucher vermutlich nicht geläufig. Von ihrer Vita erfährt man im Booklet herzlich wenig. Umso mehr aber über ihre Art zu malen oder zu zeichnen, zu collagieren oder zu installieren. Gerade die Diversifikationen der Stile und Motive machen diese Schau nicht nur abwechslungsreich, sondern auch spannend.

Drei Werke seien aus den zweimal zehn gezeigten herausgegriffen und näher betrachtet. Der auffälligste Künstlername ist Tal R, geboren 1967. Er könnte geradezu symptomatisch für die ganze Ausstellung stehen; vereinigt er doch in seiner großen Wand-Collage „Working hard during the day, naked at night“ (tags Arbeit, nachts nackt) das Kleinteilige beschrifteter oder bekritzelter Zettel mit der Großfläche der Tafel, an die sie kunterbunt gepinnt wurden. Das Sammelsurium des israelisch-dänischen Künstlers erinnert an eigene Pinnwand-Produkte und ruft im Betrachter den Künstler wach. – Andy Hope 1930, so der Künstlername, der allein schon etwas Kurioses hat, Tal R nicht unähnlich, wird von Sammlerin Ingvild Goetz vielleicht wegen seiner „ausufernden figurativen Bildwelt“ geschätzt. Diese ist, regelrecht „brav“ geordnet, in 35 Teilen – zweizeilig sozusagen – unter einem sie quasi beschützenden 7 m langen „goldenen Raumschiff“ ausgebreitet. Der Besucher kann die einzelnen Arbeiten auf Papier (Vorsicht: Tod und Teufel begegnen einem auf Schritt und Tritt!) langsam abschreiten. Sie hängen auf Augenhöhe.

„Bad Paintings“ nennt Neil Jenney, Jahrgang 1945, seine vorläufig gehaltenen Arbeiten. Stilistisch gehören sie in den Realismus, haben nix mit Traum und Fiktion zu tun. Es sei denn, der Gegenstand – etwa „Rake and Leaves“ (1969; s. Foto) – bringt einen ins Träumen. Beim Anblick eines Holzrechens, der im grünen Gras liegt und der, wie durch Zufall, hinzugewehten Laubblätter lässt sich allerhand assoziieren: Herbst (des Lebens), Arbeitspause, des Menschen Verhältnis zur Natur. Booklet steht, dass Jenneys „Realität“ sich als „trügerisch“ erweise. „Die traditionellen Strukturen lösen sich auf. Welt und Ich fallen zunehmend auseinander.“ Angesichts des simplen Holzrechens sind das Behauptungen, die nicht jeder Betrachter nachvollziehen kann. (Bis 17. Januar)

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Neil Jenneys Gemälde „Rake and Leaves“ (1969) passen in den Herbst des Lebens. (Foto: Hans Gärtner)

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