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Erschienen in Ausgabe: No 118 (12/2015) Letzte Änderung: 01.12.15

Schluss mit Alten Meistern - Konrad O. Bernheimer trennt sich von Kunstwerken und Burg Marquartstein

von Hans Gärtner

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Er ist jetzt 65. Zeit für Veränderungen. Für neue Weichenstellungen im Leben des Münchner und Londoner Kunsthändlers Konrad O. Bernheimer. Vergnügt und unternehmungslustig traf man ihn im Herbst auf der „Highlights“, der hochrenommierten Münchner Kunstmesse, die heuer zum dritten Mal im Kaiserhof der Residenz mehr als 50 Händler aus vieler Herren Länder aufbot, umInteressenten aus dem In- und Ausland mit erlesener antiker Ware zu konfrontieren. Erstmals kamen elf Florentiner Galeristen und Antiquitätengeschäftsinhaber dazu, zu denen einige Wochen zuvor bereits deutsche Händler gestoßen waren. Konrad O. Bernheimer wird noch internationaler als er es eh schon ist – als Inhaber der weltältesten Kunstgalerie Colnaghi in London.
London aufzugeben – das kommt für Bernheimer nicht in Frage, dann schon lieber das Münchner Haus an der Briennerstraße. Weitergeführt wird also die Galerie Colnaghi, die Bernheimer 2002 übernommen hatte, nachdem er sieben Jahre zuvor bereits in der britischen Metropole Fuß gefasst hatte. Schon damals war ihm danach gewesen, München aufzugeben. Jetzt ist es endgültig so weit. Alte Meister gehen kaum mehr. In London vielleicht noch, aber nicht mehr hierzulande. Das Interesse am Erwerb Alter Meister ist stark zurückgegangen. Heute sind Baselitz und Richter, Koons und Warhol gefragt, aber weniger Canaletto oder alte Niederländer. Auch wenn Bernheimer nach wie vor München als besondere Kunst-Stadt schätzt, ist die bayerische Landeshauptstadt für ihn kein Geschäfts-Platz mehr. München wird aber sein Wohnsitz bleiben. Zwei seiner vier Töchter haben ja schon eigene Galerien – worüber Vater Bernheimer froh und glücklich ist.
In München machte er aus dem Einrichtungshaus am Lenbachhaus, das den Namen seiner hoch geachteten, unter der Naziherrschaft gelittenen jüdischen Familie trug und schon Ludwigs II. Schlösser mit Inventar und Mobiliar ausstaffierte, ein Kunsthandels-Unternehmen von Weltgeltung. Der Entschluss, seine eigene Münchner Galerie zu schließen, ist wohlüberlegt. Konrad O. Bernheimer ließ jetzt bei Sotheby`s in London zahlreiche Objekte aus Firmenbesitz versteigern. Zeitgleich ist er dabei, Burg Marquartstein, seit beinahe drei Jahrzehnten Bernheimer-Eigentum, zu veräußern. „Die Burg, so schön sie ist und war, hat uns auch ein bisschen gefangen gehalten“, sagte der Kunsthändlerin einem Interview. „Meine Frau und ich haben festgestellt: Wir kennen eigentlich die Welt nicht. Wir haben noch nie Südamerika bereist. Die Antarktis. Oder Asien. Natürlich sind die Burg und ihr Inhalt meine Rente, wenn ich auf das laufende Einkommen aus der Galerie nicht mehr rechnen kann.“
Das „Einzigartige“ der malerisch im Chiemgau gelegenen Burg Marquartstein“ aus dem 11. Jahrhundert, deren Verkauf Sotheby`s International obliegt, sollte der künftige Besitzer zu schätzen wissen, ob das Anwesen nun privat oder öffentlich genutzt würde. Die „bedeutendsten Sachen“ habe Konrad O. Bernheimer, wie er bekanntgab, aus der Burg auf der Stelle verbringen lassen, als ihm bekannt wurde, was die amtierende Berliner Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit ihrem so genannten Kulturgutschutzgesetz vorhat. „Kalt enteignen“ wollte Bernheimer sich nicht lassen.
Dem 2013 bei Hofmann & Campe in Hamburg erschienenen, erfolgreichen Buch über seine Familie und ihr(e) Unternehmen soll bald ein weiteres folgen. Kein Sach-, auch kein Kunstbuch. Sondern ein Krimi. Wo könnte der anders spielen als im Kunsthandelsmilieu? „Es gibt einige Morde“, verspricht sein Autor.

Foto (Hans Gärtner)

Der 65-jährige Münchner Kunsthändler Konrad O. Bernheimer (links) mit Fabricio Moretti und Georg Laue bei der diesjährigen Kunstmesse „Highlights“ in der Münchner Residenz.

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