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Erschienen in Ausgabe: No 119 (01/2016) Letzte Änderung: 07.01.16

Afrikanisch-bayerische Modekunst - Die deutsch-afrikanische Modekünstlerin Tali Amoo und ihre Beziehung zur bayerischen Modekultur und die Liebe zu ihrem Vaterland Ghana

In Bonn Bad Godesberg geboren, die Kindheit größtenteils in Ghana verbracht, ist die Tochter eines ghanaischen Arztes und einer deutschen Ärztin heute eine erfolgreiche Unternehmerin und Modedesignerin. Der Weg nach Bayern führte die Designerin Tali Amoo von der Goldküste Ghanas nach Südbaden, dann nach München, um schließlich im bayerischen Eichenau westlich von München ihr erstes Modelabel TaliBoelt® Couture zu gründen. Inspiriert von der bayerischen Dirndltracht entwirft und fertigt die Designerin mit Leidenschaft heute neben hochwertiger Abend- und Brautmode auch luxuriöse Interpretationen der Dirndlmode unter dem Marke Dirndleria® by Tali Amoo und findet damit Zuspruch nicht nur in Deutschland, sondern auch in ihrem Vaterland Ghana.

von Sophie Adell

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Glockenrüsche

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Frau Amoo, wann stellten Sie fest, dass Ihre ganze Leidenschaft der Mode gilt?

Es begann mit viel Ärger mit meinen Eltern. Mit 9 Jahren habe ich mein Sonntagskleid zerschnitten, um für meine Puppe dasselbe Kleid zu nähen. Zu dieser Zeit wuchs ich in Takoradi an der Küste Ghanas auf. Zudem war meine Oma Stoffhändlerin und meiner Tante schaute ich nach der Schule immer beim Schneidern zu. Mit 11 Jahren sah ich zum ersten Mal eine Braut in der Schweiz, ich war beeindruckt von ihrem wunderschönen Brautkleid. Seitdem faszinieren mich Kleider, Stoffe, Schmuck und Alles was man daraus machen kann.

Nach Deutschland kamen Sie erstmals Mitte der 70iger Jahre?

Die politische Situation Ghanas in den 70er Jahren war sehr instabil. Das Schulsystem noch unausgereift und nicht annähernd nach internationalen Standard. Mein Großvater war ein politischer Aktivist, mitverantwortlich für die Unabhängigkeit Ghanas, sowie der Wahl Kwame Nkrumahs zum ersten Präsidenten Ghanas. Mein Vater war in den 70iger Jahren Präsidentschaftskandidat, trat aber nach Morddrohungen zu Liebe seiner mitgefährdeten Familie zurück. Meine Geschwister und ich wurden Mitte der 70er Jahre aus Sicherheitsgründen, ohne unseres Wissens wohin, mitten in der Nacht geweckt und in einen Zug gesteckt. Weiter ging es mit dem Flugzeug, das uns erst in die Schweiz brachte und dann schließlich in den Schwarzwald.


Was waren Ihre ersten Eindrücke als Sie in Deutschland ankamen?

Ich erinnere mich an meinen ersten Morgen, es war ein Sonntag. Das Läuten der Kirchenglocken in dem kleinen südbadischen Ort Zell im Wiesental hat sich in meinem Gedächtnis gefestigt. Es ist ein Zeichen von Sicherheit und Geborgenheit für mich geworden.


Wie kamen Sie nach Bayern, um dann zwei Modelabels zu gründen?

Nach München kam ich 2006 aus Liebe zu meinem jetzigen Mann, nachdem ich 3 Kinder großgezogen hatte, eine Ausbildung als Erzieherin absolviert habe und eine eigene Boutique für Brautmoden geführt hatte. Schon während meiner Arbeit im Brautmodenverkauf nahm ich die Leidenschaft meiner Kindheit wieder auf. Ich gestaltete selbst Schmuck und Mode, fertigte Unikate und war damit erfolgreicher als mit dem Verkauf vorgefertigter Ware. Im bayerischen Eichenau, meiner ersten Boutique und eines ersten eigenen Designstudios, gründete ich dann TaliBoelt® Couture und wollte nur noch Produkte aus eigener Herstellung verkaufen, made in Bavaria. Die Dirndlmode faszinierte mich von Anfang an und da ich sie für etwas ganz Besonderes halte, verbunden mit meiner Vorstellung von Individualisierung, überlegte ich mir auch einen eigenen Namen dafür: Dirndleria® by Tali Amoo.


Heute haben Sie eine weitere Boutique in Tegernsee. Sind Sie am Ziel angelangt?

Einer meiner ersten Ausflüge in Bayern führte mich an den Tegernsee, in den Ort Tegernsee. Ich verliebte mich sofort in die historische Rosenstrasse mit den vielen Rosensträuchern und den historischen Gebäuden. Ich hätte nie gedacht, dass ich Jahre später dort eine eigene Boutique betreiben würde. Ich setze mir aber immer neue Ziele, die Reise geht weiter.


Was sind Ihre neuen Ziele? Gehört Ghana zu einem ihrer nächsten Ziele?

Ghana ist meine Heimat, genauso wie es Deutschland ist. Ich verbringe inzwischen einen Teil meiner Zeit in meinem Heimatort Takoradi und der Hauptstadt Accra. Ich bin dabei mein Unternehmen auch dort zu etablieren. Die ghanaischen Frauen, und auch die Männer, sind begeistert von der Dirndlmode, genauso wie viele Menschen in Deutschland die afrikanische Mode lieben. Ich versuche die Inspiration aus beiden Kulturen in meinen Modekreationen zu vereinen. Und ich möchte meinem Geburtsland helfen. Noch gibt es viel Armut. Städte wie Accra, Cape Coast oder Takoradi wachsen rasant. Reichtum entsteht, ein Mittelstand etabliert sich, aber leider gibt es auch viel Armut. Betroffen sind auch viele Kinder. Schulbildung, ärztliche Versorgung und Ernährung, sowie nachhaltige Sozialprogramme sind Schlüsselfaktoren für die erfolgreiche Entwicklung von Ghana. Ich möchte mich auch hier engagieren. Aus diesem Grund unterstütze ich aktiv die WAAF ( West Africa Aids Foundation ) als Kommunikationsverantwortliche Europa.Deutschland zeigt sich in diesen Tagen vorbildlich. Ich möchte, dass vielen Flüchtlingen und Einwanderen die ersten Stunden so einprägsam positiv in Erinnerung bleiben wie mir damals.

Fragen: Sophie Adell

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