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Erschienen in Ausgabe: No 120 (02/2016) Letzte Änderung: 11.02.16

Im Haus der frohen Laune - Üppige Münchner Theatermuseums-Schau zu „150 Jahre Gärtnerplatztheater“

von Hans Gärtner

Wer ein paar Jahre seines Sanges-Lebens einer Institution schenkte, an der sein Herz hing, geht mit einer speziellen Intention in die Schau, die diese Institution feiert. Anlass: ihr 150-jähriges Bestehen. Ort: Deutsches Theatermuseum am Münchner Hofgarten. Institution: das heute so benannte Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Es wird derzeit umfassend restauriert und saniert und wird erst, so ist zu hoffen und zu wünschen, Anfang November ins eigene Haus zurückkehren können. Aber sein Chef Josef E. Köpplinger ließ es schon termingerecht krachen, mit einem üppigen Jubiläums-Band (Motto: „Dem Volk zur Lust und zum Gedeihen“) und einer nicht eben mickrigen Ausstellung. Beide Male ist Stefan Frey am Hebel, als Buch-Herausgeber und Ausstellungs-Kurator.
In der „wechselvollen Historie des Hauses“, so Frey, spiegele sich dessen „stilistische Vielfalt“. Spielten doch darin „so unterschiedliche Figuren wie Eleonore Duse und Johannes Heesters, Adolf Hitler und Karl Valentin eine tragende Rolle“. Allein diese vier „Figuren“ und die vertretenden Genres auszukundschaften, füllte schon einen Besichtigungs-Nachmittag: Tanz und Operette, Politik und Komik. Sie ergeben einen Mix der süffig-süffisanten Art.

Wer, wie gesagt, dieser Institution einmal angehörte, spürt den für ihn wichtigen Themen nach. Er geht vorbei an der langen Reihe der Intendanten, die das Haus unterschiedlich lang und genauso unterschiedlich glücklich leiteten. Er sieht die mit der Institution verbundenen lebenden Persönlichkeiten, Mitstreiter oder Mitwirkende, und hört ihre Kommentare zur einstigen „Bayrischen Staatsoperette“ bis zu „Münchens ganz eigenem Theater“. Er staunt über den gehobenen archivalischen Schatz – Künstler- und Szenen-Fotos, Theaterkostüme zum Anprobieren, ein lauschiges „Goggolori“- Eckerl mit Herrgottswinkel, einen plüschigen Musik-Salon, jede Menge Theaterzettel und Sänger/Schauspieler-Porträts ... – und kommt endlich dort an, wo auch er einmal dabei sein durfte: auf der imaginären bespielten und aus Lautsprechern beschallten Bühne, ganz oben im 2. Top-Geschoß, wo es eine Sitzbank zum Ausruhen gibt. Und zum Lauschen und Sich-Berauschen.

Auf Knopfdruck werden Höhepunkte legendärer Gärtnerplatz-Aufführungen in Ton und den Zuschauer taumeln lassenden Video-Ausschnitten gegenwärtig: „Die Cardasfürstin“ mit Sari Barabas (1965), „La Cage Aux Folles“ mit dem umwerfenden Christoph Marti (2007) oder „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“, Köpplingers bombiger Regie-Erfolg von 2014.

Wilde Zeiten erlebte das als „Münchener Actien=Volks-Theater“ 1865 von Carl Riederer gegründete Haus der frohen Laune – wie es ein paar Jahrzehnte später, unter Hitler, gern getarnt genannt wurde. 1937 musste es renoviert werden. Der Führer setzte sich brettlbreit in die nach ihm benannte neue Loge. Als Fan von Johannes Heesters rügte er diesen, nachdem ihm zu Ohren gekommen war, er habe als Graf Danilo in Lehars „Lustiger Witwe“ einen über den Durst getrunken. Ob Hitler im selben Jahr 1939 auch die Vorstellung „Glückliche Reise“ besuchte, um darin Karl Valentin als Radfahrer zu sehen?

Aus dem geradezu irrwitzigen Bilderbogen, den das Deutsche Theatermuseum zur turbulenten Gärtnerplatztheatergeschichte aufschlug, suche man sich heraus, was gefällt: ob optisch oder akustisch (mit Audio-Guides). Man wird, wie der Besucher mit der persönlichen Intention, bestimmt wieder in Christian Schmidts phantastischem Vexierraum mit achtfach an die Wände gespielten Szenerien landen. Hier kann man sich in der Tat einen Rausch holen.

„150 Jahre Gärtnerplatztheater“ ist im Münchner Deutschen Theatermuseum bis 10. April (Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr) geöffnet. Das üppige Begleitbuch erschien bei Henschel und kostet an der Museumskasse knapp 35 Euro.

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