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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 07.05.16

Legenden und Fakten zur Diskussion um die E-Zigarette

von Michael Lausberg

Seit ihrer Markteinführung im Jahre 2005 wird die Wirkung und die Gesundheitsgefährdung der E-Zigarette kontrovers diskutiert. In der Presse wird immer wieder davon berichtet, dass es so gut wie keine wissenschaftlichen Studien über die Wirkung und potentielle Gesundheitsgefährdung der E-Zigarette gibt. Dies ist allerdings eine falsche Behauptung, in der Wissenschaft finden sich jedes Jahr zahlreiche neue Forschungsergebnisse, die einander aber zum Teil widersprechen. Langzeitstudien zu dem Themenkomplex existieren bisher nicht, was die endgültige Entscheidung pro/contra E-Zigarette nicht einfacher machen dürfte. Da es wie bei anderen Themen keine einfachen Wahrheiten gibt, gibt es auf der Seite der Befürworter aber auch auf der Gegenseite Argumente, die sich größtenteils auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse der unterschiedlichsten Institute in der ganzen Welt beziehen und die Interpretation aus diesen vorhandenen Ergebnissen. Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen und wird noch eine Zeit benötigen, bis sichere Ergebnisse auf den Tisch kommen, so dass jeder Konsument selbst entscheiden kann, ob es die E-Zigarette sein soll oder doch die alte Tabakzigarette. Die E-Zigarette ist nicht nur gesundheitlich, sondern auch rechtlich umstritten und beschäftigt inzwischen auch die Gerichte innerhalb und außerhalb der Bundesrepublik. Der Streit dort enzündet sich an der Frage, ob E-Zigaretten ein Genussmittel oder wegen des enthaltenen Nikotins ein Arzneimittel darstellen.[1] Die Tabakindustrie sieht in der E-Zigarette einen ernsthaften Konkurrenten um Marktanteile und Absatzmärkte, deshalb starten deren Lobbyisten immer wieder Kampagnen gegen die elektronische Zigarette und versuchen damit, verlorene Kundschaft zurückzugewinnen bzw. die E-Zigarette als Alternative zur Tabakzigarette erst gar nicht aufkommen zu lassen. Die Großkonzerne der Tabakindustrie über auch immer wieder Druck auf die herrschende Politik aus, um ihre pekuniären Interessen durchzusetzen. Deutschland gilt als lukrativer Markt für den Verkauf von E-Zigaretten. Nach unterschiedlichen Händlerangaben gibt es inzwischen in der Bundesrepublik 1,2 Millionen Konsumenten bei einer steigenden Tendenz. Über das Alterssegment der Nutzer ist wenig bekannt, auch über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Käufer.[2] Dass es aber wie immer bei Konzernen um viel Geld geht, kann nicht geleugnet werden.
Eine elektrische Zigarette ist ein Gerät zum Inhalieren verdampfter Flüssigkeit an Stelle von Zigarettenrauch. In der E-Zigarette wird die Nikotinlösung elektrothermisch verdampft, so dass keine akute Verbrennung stattfindet. Im Unterschied zum Tabakrauch enthält der inhalierte Dampf daher weder Teer noch Kondensat oder Kohlenmonoxid.
Die E-Zigarette setzt sich aus einem Batterieteil mit Elektronik und Luftsensor, einem Tank sowie einer so genannten Verdampferkammer zusammen. Im Verdampfer wird die Aroma-Flüssigkeit, die in Fachkreisen auch Liquid genannt wird, dann erhitzt und bei 65 bis 120 Grad Celsius verdampft. Dieser Mechanismus wird entweder durch einen Tastendruck oder bei jedem Zug an der E-Zigarette automatisch aktiviert. Trägersubstanz bei allen auf dem freien Markt erhältlichen E-Zigaretten-Liquids ist der Stoff Propylenglykol. Aus dieser Flüssigkeit und weiterhin aus Glycerin entsteht dann letztlich der Dampf der E-Zigarette. Darüber hinaus werden Aromen wie Menthol, Mandel, Vanille oder gar Jägermeister in flüssiger Form zugesetzt.
Die E-Zigarette ist ein Produkt, das als wenig schädlichere Alternative zur Tabakzigarette gesehen wird und innerhalb kurzer Zeit eine gewisse Verbreitung auch in Deutschland erfuhr. Doch noch immer ist die Tabakzigarette weitaus beliebter als die E-Zigarette. Geschäfte, die E-Zigaretten verkaufen, sind dünn gesät, der primäre Handel mit diesen Geräten läuft über das Internet und damit über den Versandhandel. Spezielle Geschäfte für deren Verkauf sind noch selten und finden sich eher in den größeren Städten, wo auch schon Stammtische von E-Zigarettenkonsumenten existieren. Es existiert weiterhin eine jährliche Fachmesse für E-Zigaretten, die an wechselnden Orten in der Bundesrepublik jedes Jahr Zuwächse an Besucherzahlen vermelden kann.
Obwohl es keine bealstbaren Studien zu Langzeitfolgen des E-Zigarettenkonsums noch nicht gibt, warnen die Bundesregierung, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Deutsche Krebsforschungszentrum vor „Gesundheitsrisiken“, die dann aber immer im Konjunktiv geschrieben sind.[3]


Ein Beispiel für einseitige Berichterstattung
Die zur Zeit kontrovers geführte öffentliche Diskussion zum Thema „elektrische Zigarette“ ist durchzogen von vielen Missverständnissen und Falschinformationen.
So wurde beispielsweise in der Augsburger Allgemeinen vor der „Schädlichkeit“ der elektrischen Zigaretten gewarnt, die eine „Popcorn-Lunge“ für die jeweiligen Benutzer zur Folge haben könnten.[4] Es wurde sogar behauptet, dass E-Zigaretten noch viel gefärhlicher als Tabakzigaretten sein könnten. Dabei bezog sich die bayerische Zeitung auf einen Artikel im Fachmagazin „Environmental Health Perspectives“, dass nicht Nikotin, dafür aber Chemikalien, die Lunge irreversibel schädigen und zur sogenannten „Popcorn-Lunge“ führen können.[5]
Im „Verdacht“ dafür ständen Chemikalien, die für den Geschmack der E-Zigaretten eingesetzt werden. Auf dem Markt gibt es zur Zeit über 7000 verschiedene Geschmacksrichtungen wie Jägermeister, Tulpenblüte oder Pfefferminz. Bereits in den frühen 2000ern Jahren wurden diese Chemikalien in einer anderen Studie mit dem Phänomen der „Popcorn-Lunge“ in Verbindung gebracht. Wissenschaftler um Joseph Allen haben 51 verschiedene E-Zigaretten in verschiedenen Geschmacksrichtungen untersucht und kämen zu dem Ergebnis, dass mehr als 75 Prozent der Produkte enthielten die Chemikalie Diacetyl.[6] Dieser Stoff schmeckt und riecht nach Butter und wird zur Herstellung von vielen Lebensmitteln eingesetzt, unter anderem für Mikrowellen-Popcorn. Wird die Chemikalie eingeatmet, könnte es schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Die Forscher warnen deshalb von der chronischen Lungenerkrankung Bronchiolitis obliterans. Diese Krankheit ist auch unter dem Namen „Popcorn Lunge“ bekannt, weil viele Arbeiter in Popcorn-Firmen von einer Erkrankung mit ähnlichen Symptomen betroffen sind.
Wird der Stoff Diacetyl eingeatmet, könnten wichtige Funktionen der Lunge zerstört werden. Chronisches Husten, Atemnot, Asthma und chronische Bronchitis könnten die Folge sein. Die Schäden bei einer "Popcorn-Lunge" seien „dann irreversibel“.[7], wodurch die Angst bei den Lesern besonders geschürt wird. Die einzige Behandlungsmöglichkeit wäre eine neue Lunge, die dann in einer Operation neu transplantiert werden müsste. Zum Schluss folgt der dezente Hinweis, dass in mehreren Bundesländern, darunter auch Bayern, E-Zigaretten verboten sind.
Es fehlt hier an einer genaueren Auseinandersetzung mit anderen wissenschaftlichen Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen. Der Artikel suggeriert, dass es nur diese eine akademische Expertise gäbe und überhöht das Ergebnis mit der höchsten aller erdenklichen Gefahren – der Transplantation einer neuen Lunge für die Benutzer der E-Zigarette. Diese ständige Benutzung von möglichen Gefahrenszenarien für die Gesundheit bei dem Konsum einer E-Zigarette, die nirgendwo näher belegt werden, durchzieht den gesamten Artikel, und hat auf den Leser eher eine warnende und abschreckende Wirkung und erinnert an die heuchlerische Moral mit dem erhobenen Zeigefinger in den frühen Nachkriegsjahren der Bundesrepublik. Von diesen tendiösen Artikeln, die ohne die gegenseitige Abwägung von Pro/Contra-Argumenten zur E-Zigarette auskommen, finden sich dutzende auf verschiedenen Internetplattformen oder sogar in seriösen Tageszeitungen mit einer hohen Leserschaft, die dann die Wahrnehmung und das Empfinden der Leser beeinflussen soll. Diese einseitige Berichterstattung ist nicht nur höchst unseriös, sondern auch für den neutralen Beobachter, der sich über Risiken der E-Zigarette informieren will, höchst irreführend. Ob dies mit Absicht oder aus reiner Unkenntnis oder mangelnder Recherche passiert, kann hier nicht beantwortet werden.


Fakten und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Gesundheitsrisiken der E-Zigarette

Nahezu alle auf dem freien Markt erhältlichen E-Zigaretten beruhen auf dem so genannten Verdampfungsprinzip, wie zum Beispiel eine Nebenmaschine in einer Diskothek oder in einem Theater. Eine auf dem freien Markt verfügbare elektrische Zigarette ist ein Gerät zum Inhalieren verdampfter Flüssigkeit an Stelle von Zigarettenrauch.[8] Der Dampf ähnelt in Konsistenz und sensorischer Wirkung dem Tabakrauch, im Gegensatz zum Rauchen findet jedoch keine Verbrennung statt. Die zu verdampfende Flüssigkeit (Liquid) gelangt über die Kapillarwirkung eines Dochtes von Metall und/oder Glasfaser von einem Tank zu einer kleinen Heizspirale. Diese schaltet man je nach Modell entweder durch Tastendruck oder automatisch mittels eines Unterdruckschalters beim Ziehen ein. Die elektrische Zigarette gibt es in unterschiedlichen Bauformen. Größere Modelle bieten oft einen Tank für das Liquid, während kleinere in Aussehen und Größe Tabakzigaretten nachahmen.
In der E-Zigarette wird die Nikotinlösung elektrothermisch verdampft, so dass keine akute Verbrennung stattfindet. Im Unterschied zum Tabakrauch enthält der inhalierte Dampf daher weder Teer noch Kondensat oder Kohlenmonoxid.
Die zu verdampfende Flüssigkeit wird Liquid genannt. Die marktüblichen Liquide für die E-Zigarette enthalten Propylenglycol und/oder Glycerin als Trägerstoff, fünf bis zehn Prozent Wasser, einige Lebensmittelaromen und teilweise Nikotin. Propylenglycol ist eine farblose bei üblicher Verwendung ungiftige Flüssigkeit. Es ist innerhalb der EU als Lebensmittelzusatzstoff „E 1520“ in zahlreichen Lebensmitteln, Cremes, Zahlpasta oder Zigaretten enthalten. Weiterhin ist Propylenglycol Bestandteil von mehr als 700 Arzneimitteln enthalten, Konservenfutter für Kleintiere enthalten bis zu 13% Propylenglycol. Abgesehen von allergischen Reaktionen, die nahezu durch alle chemischen Stoffe ausgelöst werden können, ist Propylenglycol toxikologisch unbedenklich.
Der durchschnittliche Liquidverbrauch beträgt ca. 1-3 ml am Tag.[9] Die Inhaltsstoffe sind in ihrer Wirkung auf den menschlichen Organismus bestens erforscht und für den freien Markt zugelassen. Da sie nur erwärmt, aber nicht verbrannt werden, bleiben sie beim Gebrauch weitgehend chemisch unverändert und in Anbetracht der geringen Mengen auch mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitlich irrelevant. Aufgrund dieser Tatsache wird bei handelsüblichen elektrischen Zigaretten eine nicht annähernd so hohe Schadstoffbelastung erwartet, wie sie bei Tabakrauch auftritt. Zu diesem Schluss kommt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Eine maßgebliche Belastung der Innenraumluft mit Schadstoffen wird bei der Verwendung dieses Systems allerdings nicht erwartet.“[10]
Die verwendeten Aromen sind von der Organisation EFSA (European Food Safety Authority) als Lebensmittelaromen zugelassen und werden heute überall bei Backmischungen, Süssigkeiten, Limonade, Tee, Zahnpasta, Deo und anderen Artikeln eingesetzt.[11]
Bei der E-Zigarette wird ein Abriss des Liquid-Nachflusses zur Heizwendel und der damit einhergehende unangenehme, verbrannte Geschmack als Dry-Hit oder auch Dry-Puff bezeichnet. Um einen kontinuierlichen Liquid-Nachfluss zu gewährleisten, muss bei allen E-Zigaretten darauf geachtet werden, dass das Depot beim Konsum ausreichend mit Liquid befüllt ist. Wenn kein ausreichender Nachfluss an Liquid vorhanden ist, wird die Heizwendel nicht mehr ausreichend gekühlt und zu wenig Liquid verdampft. Infolgedessen überhitzt die Heizwendel beim Konsum mit Akkuträgern ohne aktive Temperaturkontrolle und das restliche Liquid zersetzt sich, wobei aus Glycerin das giftige und stark reizende Acrolein entsteht.
Die gesundheitsschädlichen Folgen des Tabakrauchens beruhen nur zum Teil auf Wirkungen des Alkaloids Nikotin, das am vegetativen Nervensystem angreift; vielmehr wird beim Abbrennvorgang des Tabaks eine große Anzahl anderer toxisch wirkender Stoffe freigesetzt, hierunter finden sich als Reizbestandteile Phenone, Säuren, Aldehyde und Ketone und als krebserregend bekannte oder verdächtige prozyklische aromatische Kohlenwassenstoffe, vor allem Benzophyren, des weiteren Spuren von Hydrazin, Vinylchlorid, Formalaldehyd und von Schwermetallen wie Arsen, Cadmium, Chromaten, Vanadium, auch radioaktives Polonium 210 sowie Kohlenoxid, Stickoxide, Methanol, Blausäure und Rückstände von Insektiziden.[12] Die gesundheitlichen Auswirkungen bestehen vor allem in Herz- und Gefäß. Anderer organischer und Stoffwechsel- sowie Atemwegsschädigungen.
Bei Mehrfachrisiken (Bluthochdruck, erhöhter Cholestirinspiegel) steigt bei jahrelangen Tabakkonsumenten die Gefahr eines Herzinfaktes um das Zehnfache.[13] Das Nikotin hat eine überwiegend gefäßverengende Wirkung, steigert die Herzfrequenz und erhöht den Blutdruck; es führt dann zu einer vermehrten Arbeitsbelastung des Herzens, die mit erhöhtem Sauerstoffbedarf einhergeht. Nikotin führt ferner über die Ausschüttung von Adrenalin aus den Nebennieren zu einer Erhöhung des Cholestirinspiegels im Blut, was als Risikofaktor für arterioskletorische Gefäßveränderungen angesehen wird. Gefäßverschlusserkrankungen der unteren Extremitäten werden durch Nikotin spürbar verschlechtert. Das Risiko eines Schlaganfalls wird wesentlich erhöht. Nikotin steigert ferner die Magensaftsekretion und die Magen-Darm-Motorik. Durch Hemmungen des muskulären Verschlusses am Magenausgang tritt vemehrt saurer Mageninhalt in den Zwölffingerdarm über. Auch kann alkalischer Inhalt des Zwölffingerdarms in den Magen zurückfließen. Damit wird die Entstehung von Magenschleimhautentzündungen sowie von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren begünstigt oder ausgelöst.
Kinder von rauchenden Schwangeren haben oft ein niedrigeres Geburtsgewicht als die von Nichtraucherinnen. Außerdem kommt es bei Raucherinnen etwa doppelt so häufig zu Frühgeburten durch die Steigerung der Kontraktionsbereitschaft der Gebärmutter. Die gleichzeitige Einnahme von hormonellen Schwangerschaftsverhütungsmitteln erhöht bei Frauen die Risiken von Thrombose, Gebärmutterkrebs und Osteoporose.[14]
Der eingesogene Tabakrauch streicht durch die Mundhöhle, Nasen-Rachen-Raum, Kehlkopf und die Bronchien mit ihren feinsten Verzweigungen bis zu den Lungenveolen.[15] Dabei kondensieren die im Rauch enthaltenen Abbrandprodukte und schlagen sich größtenteils als Teer auf die Schleimhaut der Luftwege nieder. Die Folgen sind häufig wiederkehrende und schließlich chronisch werdende Entzündungen im Bereich von Rachen, Kehlkopf und Bronchien (die so genannte Raucherbronchitis). Außerdem vermindert sich die Effektivität des Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege, wodurch örtlich Infektionen begünstigt werden.
In der Folge entwickelt sich ein Lungenemphysem mit vermindertem Gastaustausch in der Lunge, erhöhtem Widerstand im kleinen Kreislauf und starker Belastung des rechten Herzmuskels.[16] Vom Lungenfell, der inneren Auskleidung des Brustfells, überzogen, besteht die rechte Lunge aus drei, die linke Lunge aus zwei Lungenlappen, die durch tiefe Spalten voneinander getrennt sind. Jeder von diesen Lungenlappen wird in verschiedene Lungensegmente unterteilt. Durch die Lungenpforte (Hilus) treten Bronchien, Blut- und Lymphgefäße sowie Nerven in die Lunge ein. Zu jedem Lungenlappen gehört eine große Bronchie mit begleitender Lungenarterie. Die Hauptbronchien teilen sich beim Eintritt in die Lunge in kleine Äste, diese wiederum in noch kleinere (Bronchioli) auf. Die kleinsten Kapillaren gliedern sich dann in die Lungenbläschen (Alveolen) auf, deren Gesamtoberfläche etwa 100 m2 beträgt. Nur in diesem von einem dichten Blurkapillarnetz eingeschlossenen Lungenbläschen tritt Sauerstoff durch die Kapillarwand ins Blut, während gleichzeitig Kohlendioxid vom Blut in die Lungenbläschen abgegeben wird.[17]
Diese durch Tabakrauch verursachte Störungen der Lunge ist nicht mit einer Lungenentzündung gleichzusetzen. Es kann aber durch jahrelang stark praktiziertes Rauchen dazu kommen, dass die Lungenfunktion schon davon geschwächt ist, und eine Lungenentzündung leichter auftreten kann als bei Nichtrauchern.[18] Am häufigsten tritt bei einer Lungenentzündung die durch unterschiedliche Erreger verursachte Bronchopneumonie auf, meist nach einem Virusbefall der Atemwege oder auf Grund von anderen Vorschädigungen. Wenn dieses komplizierte Geflecht des menschlichen Körpers durch starken und längeren Genuss von Tabakzigaretten in Mitleidenschaft gezogen wird, kann zu den oben beschriebenen gesundheitlichen Folgen der Beeinträchtigung der Lunge beim Konsumenten kommen. Diese Art von Erkrankungen greift von den Bronchiolen auf die Lunge über.
Starke inhalierende Raucher erkranken durch Einwirkung der kanzegorenen Inhaltsstoffe des Tabakteers nach einer Latenzzeit von etwa 20 Jahren 15-25mal so häufig an Bronchialkrebs wie Nichtraucher.[19] Auch andere Krebserkrankungen vor allem im Bereich der Lippen, Mundhöhle, des Kehlkopfs und der Speiseröhre treten bei langjährigen Rauchern überdurchschnittlich oft auf. Filterzigaretten oder Zigaretten mit vermindertem Nikotin, Teer oder Kohlenoxidgehalt bewirken keine wesentliche Verringerung dieser Risiken.[20] Es kann weiterhin zu Durchblutungsstörungen der Beine infolge von Gefäßveränderungen durch das beim Tabakrauch aufgenommene Nikotin kommen, das sich im Laufe der Zeit zu einem Hinken und großen Schmerzen weiterentwickeln kann (Raucherbein)
Schon aus den oben genannten Gründen für die gesundheitliche Belastung von langjährigen Rauchern und von Raucherinnen während der Schwangerschaft ist eine Reduzierung der Gilftstoffe durch eine E-Zigarette eine sinnvolle Übergangslösung, da in der Regel der Rauchstopp ohne zusätzliche Hilfsmittel und langsamer Entwöhnung bei vielen Menschen nur schwer zu realisieren ist.
Prof. Dr. Zachary Cahn von der University of California und Prof. Dr. Michael Siegel von der Boston University School of Public Health werteten im Jahre 2010 sechzehn Studien zur elektrischen Zigarette und den Inhaltstoffen aus. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich im Dampf der elektrischen Zigarette bis zu 1000mal weniger schädliche Stoffe befinden als im Tabakrauch: „Es wurden keine Inhaltsstoffe entdeckt, deren Konzentration ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellen würde. Daher scheint das Dampfen deutlich sicherer als das Rauchen zu sein.“[21]
Bei elektrischen Zigaretten entsteht, anders als bei der Tabakzigarette, kein schädlicher Nebenstromrauch, der für andere Personen im selben Raum ein Gesundheitsrisiko darstellen würde. Da ein Konsument von elektrischen Zigaretten nach dem Inhalieren einige Teile des verdampften Liquids wieder ausatmet, gehen wissenschaftliche Studien davon aus, dass so etwas wie Passivdampf entsteht.[22]
Eine im September 2012 veröffentliche Studie zeigt auf, dass die Auswirkungen des untersuchten Tabakdampfes auf die Raumluft, wenn man sie mit traditionellen Tabakrauchen vergleicht, kaum messbar sind.[23] Weiterhin hat der Passivdampf nicht die giftigen und krebserregenden Eigenschaften von Tabakzigaretten. Die Forscher und Forscherinnen machen die fehelende Verbrennung und den fehlenden Nebenstromrauch bei der elektrischen Zigarette als Gründe für die gemessenen Unterschiede in der Luftverschmutzung aus. Die Forscher und Forscherinnen kommen zu dem Ergebnis, dass man „auf Basis der ARPA-Daten über die Luftverschmutzung in Städten sagen kann, dass es ungesünder sein kann in einer großen Stadt zu atmen als sich im selben Raum mit einem konsumierenden E-Zigarettennutzer zu befinden.“[24] Nach Angaben des Verbandes des Handels der E-Zigarette, der im niedersächsischen Seevetal beheimatet ist, enthält der Dampf wesentlich weniger Schadstoffe als herkömmlicher Zigarettenrauch. Außerdem wird festgehalten, dass kein Dampf entsteht, wenn man nicht an der E-Zigarette zieht – anders als bei herkömmlichen Tabakzigaretten, die dann auch qualmen und nachweislich gesundheitliche Folgen für dritte Personen hat, die sich in demselben Raum aufhalten.
Laut einer im Oktober 2012 veröffentlichten Studie, bei der Passivdampf einer Risikoanalyse unterzogen wurde, stellte sich heraus, dass keine signifikanten Risiken für die menschliche Gesundheit existieren. Weiterhin stellten die Forscher und Forscherinnen bei der durchgeführten Krebsrisikoanalyse fest, dass bei keiner der untersuchten Proben die Risikogrenzwerte für Kinder und Erwachsene überschritten wurden.[25]
Nikotin wird bis zu 98% und Propylenglykol zu 98% bis 100% in der Lunge des Konsumenten zurückgehalten. Laut einem unabhängigen Sicherheitsbericht des neuseeländischen Tabakkontrollforschers Murry Laugesen ist der ausgeatmete Dampf eines E-Zigarettenkonsumenten nicht schädlich für andere nichtrauchende Personen, da er nahezu kein Nikotin und keinerlei Verbrennungsprodukte enthält.[26] Eine andere Studie, die zu ungefähr gleicher Zeit von dem Experten Andreas Flouris durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass der Dampf keine Effekte auf die Blutwerte von dritten Personen hatte. Flouris stellte weiterhin fest, dass, wenn Tabakraucher die elektrische Zigarette konsumierten, auch dies keinen Effekt auf die untersuchten Blutwerte hatte.[27]
Am 7.5.2012 ging folgende Pressemeldung durch die Medien „BfR empfielt, das Rauchen von E-Zigaretten in Nichtraucherzonen zu untersagen“. Dabei stützte sich die Empfehlung des BfR hauptsächlich auf zwei Aussagen: „E-Racuher können auch eigene Liquide mischen und dabei die Konzentrate und vielfältige Zusätze und Substanzen zurückgreifen. In diesen Fällen ist unklar, was genau ein- und ausgeatmet wird. Unbeteiligte können im konkreten Fall nicht einschätzen, ob von den freigesetzten Emissionen gesundheitliche Gefahren ausgehen.“[28]
Es kann folgendes dagegengehalten werden: Was die Herstellung eigener Liquids angeht, wird bei dieser Einschätzung völlig außer acht gelassen, dass es auf der rechtlichen Seite einen „vorgesehenen Gebrauch“ der Geräte gibt. Die Warnung vor missbräuchlicher Änderung dieses Gebrauchs lässt dabei nicht nur außer acht, dass die empfindlichen Geräte dadurch sehr schnell unbrauchbar werden können, sondern erwähnt auch nicht, dass die Möglichkeiten, die Geräte anders als bestimmungsgemäß zu verwenden und „bedenkliche Ergebnisse, mit denen man rechnen muss“ wohl grenzenlos sind und dies auf alle Produkte übertragen werden könnte. Messer können auch anders als bestimmungsgemäß als Stichwaffen dienen. Die Folgerung daraus, Messer zu verbieten und sie nicht mehr herstellen zu lassen, wäre absurd und überhaupt nicht vorstellbar.
Im Jahre 2012 veröffentlichten die Wissenschaftler Dr. Schripp und Dr. Selthammer (Fraunhofer Gesellschaft-WKI) eine Studie über den Dampf, den ein E-Zigarettenkonsument von sich gibt. In dem Versuchsaufbau wurde der Dampf in einer 8 Kubikmeter großen Kammer aufgefangen und anschließend auf seine Komponenten untersucht. Das Ergebnis war, dass dort nur erhöhte Werte folgender Stoffe gefunden wurden: Aceton, Isopren, Acetanaldehyd, Formaldehyd und Butanon. Die gefundene Menge dieser Stoffe war ungefähr vergleichbar mit etwa 20% der Menge, die eine normale Tabakzigarette an die Luft abgibt.[29]
Bei weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass wenn der E-Zigarettenkonsument den Dampf in die Lunge einatmet, das Nikotin vollständig durch den Körper resorbiert.[30] Was dann noch der Konsument ab die Umgebung an Nikotin abgibt, beträgt gerade einmal 2%. Auf die Frage, wie viele Tabakzigaretten eine Person rauchen müsste, damit diese genau so viel Nikotin aufnimmt, wie ein Nichtraucher in einer fiktiven Kneipe voller E-Zigarettennutzer, lautete die Antwort 18 Zigaretten. Um also die Nikotinmenge aufzunehmen, die beim Rauchen einer Zigarette von einem Raucher aufgenommen wird, müsste eine Person 12 Tage durchgehend in dieser Kneipe voller E-Zigarettendampf sein.[31]
Wenn man die Frage stellt, ob die E-Zigarette süchtig machen kann, ist davon auszugehen, dass Nikotin[32] nicht alleine für die Suchterzeugung von Tabakprodukten verantwortlich ist. Es ist nicht alleine das Nikotin, das süchtig macht, es sind auch noch andere Stoffe beteiligt, die in der Öffentlichkeit nicht so sehr bekannt sein dürften. In dem Tabakrauch sind neben vielen anderen Stoffen auch so genannte MAO-Hemmer vorhanden.[33] Diese MAO-Hemmer werden in der Psychologie und der Medizin seit geraumer Zeit gezielt eingesetzt, um Depressionen und Stimmungsschwankungen zu behandeln. Diese sorgen im Tabakrauch dafür, dass die Suchtwirkung von Nikotin verstärkt oder sogar erst ermöglicht wird. Fällt die Versorgung des Gehirns mit MAO-Hemmern wegen eines Rauchstopps weg, so werden die Reste der MAO-Hemmer spätestens nach ein paar Wochen abgebaut. Nikotinersatzpräparate wirken nur zu Anfang eines Rauchstopps, da dann die Wirkung der MAO-Hemmer noch anhält.
Es bestehen also Belege für die These, dass Nikotin nicht alleine für die suchterzeugende Wirkung von Tabak verantwortlich ist. Darauf weisen zum einen Forschungsergebnisse, die sich größtenteils auf Tabakrauch konzentrieren, zum anderen neuere Studien , welche andere Stoffe als verdächtige Suchtverstärker bzw. Suchterzeuger identifizieren, darauf hin, dass Nikotin alleine für sich nicht so suchterzeugend ist wie viele Menschen glauben.[34] Und genau deshalb sind auch Zweifel angebracht, wenn man die Information erhält, dass die elektrische Zigarette eine neue Suchtquelle für Nikotin sein könnte.
Viele EU-Abgeordnete haben zur Zeit die Befürchtung, dass zum Beispiel Jugendliche über die E-Zigarette zur Tabakzigarette kommen könnten, sie also eine Art „Einstiegsdroge“ darstellen könnte. Dies erinnert sehr an die reaktionäre Behauptung, weiche Drogen wären ein Einstieg zu einer Karriere mit härteren Drogen, die nur in Einzelfällen bestätigt werden konnte und immer nur eine Art Mythos für Nichtsachkundige darstellte, um weiche Drogen zu kriminalisieren. Die Theorie der „Einstiegsdroge“ der E-Zigarette für die Tabakzigarette ist zudem in keiner Statistik belegbar und somit wissenschaftlich und sachlich irrelevant und fusst nur auf vagen Vermutungen.
Die E-Zigarette kann aber keineswegs als Türöffner für Tabakzigaretten gesehen werden, da es im Unterschied zu dieser die E-Zigarette für Jugendliche zu viele Nachteile mit sich bringt:
1.Eine E-Zigarette kostet zwischen 50 und 80 Euro und ist daher für Jugendliche verhältnismäßig teuer
2.Günstiger und damit naheliegender sind die Tabakzigaretten, die etwa 5 Euro pro Stück kosten
3.Geschäfte, die E-Zigaretten verkaufen, sind dünn gesät, der primäre Handel mit diesen Geräten läuft über das Internet und damit über den Versandhandel
4.Dagegen gibt es nahezu überall Tabakzigaretten zu kaufen, was die Gelegenheit günstiger erscheinen lässt
Dies sind alles Gründe, die gegen die Hypthose sprechen, dass die elektrischen Zigaretten ein Einstiegsprodukt für Jugendliche oder junge Erwachsene sein könnten. Die elektrische Zigarette ist und bleibt vorerst ein Produkt, mit dem Raucher auf ein wesentlich weniger schädliches Produkt ausweichen können und somit die Giftstoffe, die im Tabakrauch vorhanden sind, nicht mehr einatmen müssen.[35] Die elektrische Zigarette wird vor allem von langjährigen Tabakkonsumenten genutzt, um nicht ganz mit dem Rauchen aufhören zu müssen und wegen der weniger schädlichen Konsistenz der E-Zigarette gegenüber der Tabakzigarette.
Ein großer Vorteil besteht eindeutig in der stärkeren Akkuleistung sowie eine über die Volt / Wattzahl einstellbare Dampfleistung. Während es gewöhnlicheE-Zigaretten meist nur auf eine Akkuleistung von max. 1000 mAh schaffen, so leisten moderne Akkuträgern mit Ihren 1850er Akkus häufig ein vielfaches dieser Leistung, so dass ein nachladen oder das Mitführen eines Ersatzakku über den Tag, in der Regel nicht notwendig ist.
Aktiv- und Passivdampfrauch bei der E-Zigarette führt lediglich zu einer erhöhten Anzahl von Leukozyten, Lympfhozyten und Granulozyten, was aber keine größeren gesundheitlichen Risiken für den Konsumenten und dritte Personen beinhaltet.[36] Inwiweit dies bei jahrelangem Konsum zu gesundheitlichen Langzeitwirkungen führen kann, ist noch nicht erforscht.
Wenn man nämlich die ganzen Giftstoffe, die im Tabakrauch enthalten sind, nun weglässt, hat man plötzlich ein Produkt vor sich, das neben der gewünschten Wirkung des Nikotins auch diverse Vorteile hat. Durch die Reduzierung auf das Liquid (Propylenglykol, Glycerin, Wasser, Aromastoffe) und das Nikotin gibt es ein Produkt, das nach heutigem Stand der Wissenschaft keine größeren gesundheitlichen Risiken birgt als das weit verbreitete Genussmittel Kaffee.[37] Da gering dosiertes Nikotin, auch bei langfristigem Konsum, keine nennenswerten Auswirkungen auf den Menschen hat, sind für einen gesunden erwachsenen Raucher die angebotenen Nikotinliquids quasi unbedenklich.
In der Vergangenheit wurden Studien zur Wirksamkeit zur Raucherentwöhnung durchgeführt. Obwohl die Probanden nicht vorhatten, mit dem Rauchen aufzuhören, konnte bei einer Studie kurz nach dem Beginn des E-Zigarettenkonsums eine beträchtliche Reduzierung des Tabakzigarettenkonsums, um mehr als 50%, festgestellt werden. Abschließend verglichen die Autoren die Rauchstopprate der 8,7% Probanden welche nach zwölf Monaten noch abstinent waren mit der Durchschnittlichen Rauchstopprate in Italien (0,02%) Diese Ergebnisse werden durch eine im Dezember 2014 veröffentlichten Übersichtsarbeit bestätigt, laut dieser werden die Erfolgschancen auf einen dauerhaften Rauchstopp von 4% auf 9% mehr als verdoppelt. Hinzu kommt, dass 36% derjenigen, die nikotinhaltige Liquids und Tabak gleichzeitig konsumieren (sogenannte „Dual-User“), ihren Tabakkonsum um mindestens die Hälfte reduzierten.
Die Rückfallwahrscheinlichkeit bei Rauchern, die ohne Hilfsmittel mit dem Tabakkonsum aufhören, liegt bei ca. 97% innerhalb von sechs Monaten nach dem Rauchstopp. Bis 2012 ging man davon aus, dass klassische Nikotinersatzpräparate, wie Nikotinkaugummi und Nikotinpflaster, bei korrekter Dosierung und weiterer fachlicher Anleitung die Erfolgschancen um ca. 3% steigern können. Eine neuere Studie von 2012 besagt, dass die Rückfallraten bei denen, die Nikotinersatzpräparate zum Aufhören verwendet haben, genau so hoch war wie derer, die ohne Hilfsmittel es versucht haben




Fazit
Die elektrische Zigarette ist ein Produkt, mit dem Raucher auf ein wesentlich weniger schädliches Produkt ausweichen können und somit die Giftstoffe, die im Tabakrauch vorhanden sind, nicht mehr einatmen müssen. Da die Inhaltsstoffe nur erwärmt, aber nicht verbrannt werden, bleiben sie beim Gebrauch weitgehend chemisch unverändert und in Anbetracht der geringen Mengen auch mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitlich irrelevant. Da die elektronische Zigarette primär als Alternative zur Tabakzigarette gedacht ist, gibt sie Nikotin ab. Somit bleiben, ähnlich wie beim Potential anderer legaler Drogen wie Koffein oder Alkohol, natürlich weiterhin Risiken, die mit einem eventuellen Missbrauch in Verbindung gebracht werden.
Der vom Deutschen Krebsforschungszentrum herausgegebene „Tabakatlas 2009“ macht das Nikotin nur noch als suchtbildende Substanz aus – weitere Gefahren und Risiken werden nicht mehr genannt.[38] Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schreibt in ihrer Veröffentlichung „Die Sucht und ihre Stoffe“: „Während das Nikotin in erster Linie für die Suchterzeugung verantwortlich ist, werden die eigentlichen Gesundheitsschäden vornehmlich durch die zahlreichen anderen Schadstoffe verursacht, von denen etliche nachweislich krebserzeugend sind, zu besonderen Gefährdungen in der Schwangerschaft führen und auf die Gefäße wirken.“[39]
Außer dem Nikotin sind in E-Zigaretten-Liquids noch zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen enthalten. Diese sind quasi allgegenwärtig, werden in Arzneimitteln und Nahrungsmitteln eingesetzt und tagtäglich konsumiert.[40] Dazu kommt, dass die Laquidinhaltsstoffe nicht verbrannt und damit chemisch unverändert vom Konsumenten aufgenommen werden. Da die heutige E-Zigarette erst 2003 erfunden und seit 2005 auf dem Weltmarkt zu erwerben ist, gibt es kaum Langzeitstudien zu dem Themenkomplex. Wie sich die E-Zigarette auf längere Zeit auf den Konsumenten auswirkt, bleibt aus diesem Grund noch offen.
Bei E-Zigaretten entsteht, anders bei der Tabakzigarette, kein schädlicher Nebenstromrauch. Da bei der E-Zigarette das Liquid verdampft, ist das Konsumieren von diesen kein Rauchen im Sinne des Nichtraucherschutzgesetzes. Hinzu kommt, dass bisherige Untersuchungen und Studien keine nennenswerten Schadstoffbelastungen für andere Nichtraucher aufzeigen. Das Nikotin wird von der Lunge des E-Zigarettenkonsumenten beim Einatmen bis zu 98% und Propylenglycol zu 98 bis 100% aufgenommen. Somit ist der eingeatmete Dampf eines E-Zigarettenkonsumenten nicht schädlich für Dritte, da er nahezu kein Nikotin und keinerlei Verbrennungsprodukte enthält.
Die Benutzung der E-Zigarette ist wesentlich „gesünder“ als der Genuss von Tabakzigaretten: Prof. Dr. Zachary Cahn von der University of California und Prof. Dr. Michael Siegel von der Boston University School of Public Health werteten im Jahre 2010 sechzehn Studien zur elektrischen Zigarette und den Inhaltstoffen aus. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich im Dampf der elektrischen Zigarette bis zu 1000mal weniger schädliche Stoffe befinden als im Tabakrauch.[41] Aktiv- und Passivdampfrauch bei der E-Zigarette führt lediglich zu einer erhöhten Anzahl von Leukozyten, Lympfhozyten und Granulozyten, was aber keine größeren gesundheitlichen Risiken für den Konsumenten und dritte Personen beinhaltet. Ähnlich wie bei anderen legalen Drogen wie Alkohol oder Koffein bestehen natürlich gewisse Risiken, die der Konsument aber selbst abschätzen muss.
Die Tabakindustrie ist natürlich daran interessiert, ihre Konsumenten bei der Stange zu halten und ihre immensen Verkaufserlöse durch die Konkurrenz von E-Zigaretten nicht zu gefährden. Deutschland gilt als lukrativer Markt für den Verkauf von E-Zigaretten. Nach unterschiedlichen Händlerangaben gibt es inzwischen in der Bundesrepublik 1,2 Millionen Konsumenten bei einer steigenden Tendenz. Die Zahl der Konsumenten weltweit kann nur geschätzt werden, es dürfte sich aber um eine dreistellige Millionenzahl handeln. Dies sollte bei der Diskussion um elektronische Zigaretten immer mit beachtet werden und genau hingeschaut werden, von wem oder welcher Interessengruppe positive oder negative Aussagen über die E-Zigarette kommen. Der Lobbyismus in der Politik der Tabakkonzerne sollte nicht unterschätzt werden, da es sich dabei inzwischen um ein Milliardengeschäft handelt.[42]
Wie auch bei der Diskussion beim Rauchverbot für öffentliche Gaststätten, Tanzveranstaltung oder ähnliches in den letzten Jahren ist es nur schwer einzusehen, warum der Staat oder die einzelnen Länderparlamenten das Rauchen von E-Zigaretten überhaupt reglementieren, d.h. erlauben oder verbieten sollte. Dies ist eine Entmündigung der freien Entscheidung eines jeden einzelnen, ob er/sie Konsument einer elektrischen Zigarette werden will oder nicht. Das aktuelle Verbot wie im Freistaat Bayern dient nur zur Kriminalisierung von ganz normalen Leuten, die sich aus freien Stücken und erwachsen genug, um die Risiken oder die Vorzüge der E-Zigarette zu kennen, dazu entschlossen haben, sie zu konsumieren. Ob das Verbot der E-Zigarette in Bayernauch Vorbild für andere Bundesländer sein wird, wird sich in der Zukunft zeigen.
Ein Verbot wird eher dazu führen, dass gerade der Reiz der E-Zigarette als etwas „Verbotenes“ bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen steigen wird und damit auch die Zahl potentieller Konsumenten. Schon jetzt gibt es trotz wenig Werbung in der Öffentlichkeit ca. 1-2 Millionen Konsumenten der E-Zigarette in Deutschland, ihr Anteil wird in den nächsten Jahren sicherlich noch höher liegen. Der gern vorgeschobene Aspekt der „Gesundheitsgefährdung“ ist ebenfalls fragwürdig und heuchlerisch, wenn Spirituosen mit hoher Prozentzahl oder Bier in allen verschiedenen Variationen frei im Handel erhältlich sind und sogar dafür Werbung zur besten Sendezeit im Fernsehen gezeigt werden darf. Wenn dann noch ein bayrischer Minister öffentlich erklären darf, nach zwei Maß Bier wäre es doch noch gestattet, mit dem Auto nach Hause zu fahren, ist dies der Ausbund an Doppelbödigkeit in Fragen des Konsums von Rauschmitteln.
Dies zeigt auch das Versagen der behördlichen Gesundheitsprävention in Deutschland auf, wenn sich Menschen für den Konsum einer Tabakzigarette oder Alkohol entscheiden. Die Form einer Entgiftung des Tabakkonsumenten in Form einer E-Zigarette und die wahrscheinlich „gesündere“ Form des Rauchens wird dagegen verteufelt. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass beim Konsum einer E-Zigarette „ein unbezwingbarer Drang zur fortgesetzten Einnahme des Mittels, um ein besonderes Gefühl des Wohlbefindens (Euphorie) oder um Mißempfindungen auszuschalten“[43] besteht, also eine Sucht vorliegt.
Die „Gefährdungen der Gesundheit“ der Bürger können nicht Aufgabe des Staates sein, sondern jeder sollte selbstverantwortlich handeln, ohne dabei Sanktionen in irgendeiner Weise fürchten zu müssen. Die Autorität des Staates, die E-Zigarette oder ähnliche private Dinge zu reglementieren, bedeutet somit die Minderung der autonome Selbstbestimmung eines jeden einzelnen, was nicht zu der Vorstellung einer liberalen Gesellschaft passt, in der der Staat oder seine Institutionen nicht die Privatsphäre eines Menschen bestimmen darf. Es ist immer das einfach, neue unbekannte Dinge zu verbieten, anstatt sich offensiv mit den Vor- und Nachteilen sachlich auseinanderzusetzen.
Allerdings gibt es eine ganz einfache Antwort auf die Frage nach möglichen Gesundheitsrisiken für Konsumenten der E-Zigarette oder der Vorteile gegenüber der Tabakzigarette: Stop smoking!



Literatur
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www.vgh.bayern.de/BayVGH/documents/10a/2468b.pdf










[1] Hallmann, J.: Sucht und Suchtprävention in der Medizin, Köln 2013, S. 74
[2] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 7
[3] www.bfr.bund.de/cm/343/liquids/-von-e-zigaretten-koennen-auch-zu-gesundheitlichen-gefahren-fuer-passivraucher-fuehren-397828
[4] Augsburger Allgemeine vom 10. 1.2016
[5] Ebd.
[6] Ebd.
[7] Ebd.
[8] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 3
[9] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 14
[10] www.bfr.bund.de/cm/343/bfr_raet_zur_vorsicht_im_umgang_mit_elektronischen_zigaretten.pdf
[11] www-juraforum.de/wissenschaft/e-zigaretten-koennen-auch-zu-gesundheitlichen-gefahren-fuer-passivraucher-fuehren-397828
[12] Ferguson, T.: Das Gesundheitsbuch für Raucher, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 20f
[13] Minneker, E.: Rauchentwöhnung. Vom Raucher zum konsequenten Nichtraucher, München 2000, S. 50
[14] Gritsch, R.: Rauchen in der Schwangerschaft, Bonn 1998, S. 4
[15] Tölle, R./Buchkremer, G.: Zigarettenrauch- Epidemiologie, Psychologie, Pharmakologie und Therapie, 3. Auflage, Berlin 2005, S. 47f
[16] Brechschmid, S./Nusser, S.: Atmungsapparat und Gaswechsel, München 1991, S. 43
[17] Morgenroth, K/Opferkuch, W.: Abwehrsystem der Lunge, Berlin 1991, S. 18
[18] Ebd., S. 23
[19] Ulmer, W. u.a.: Die Lungenfunktion, Stuttgart 2001, S. 36f
[20] Ferguson, T.: Das Gesundheitsbuch für Raucher, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 27
[21] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 6
[22] So z. B. Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI): Does e-cigarette consumption cause passive vaping, 2012
[23] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 26
[24] www.arpa.emr.it/cms3/documenti/epam/correlazioni_inquinanti/articolo_journal.pdf
[25] http://informahealthcare.com/doi/abs/10.3109/08958378.2012.724728
[26] http://smok-e-de/Artikel/New Scientist2009//21/deutsch.pdf
[27] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 7
[28] www-juraforum.de/wissenschaft/e-zigaretten-koennen-auch-zu-gesundheitlichen-gefahren-fuer-passivraucher-fuehren-397828
[29] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 26
[30]Dawkins, L.: Electronic Cigarettes: what are they and are they effective? E-Cigarette Summit, London 2013, S. 16
[31]Dautzenberg, B. u.a: E-Cigarette. A new tobaaco product for schoolchildren in Paris, Paris 2013, S. 93
[32] Die Wirkung von Nikotin auf den menschlichen Körper ist bestens erforscht. Nachdem das Nikotin in den Körper gelangt ist, wird es schnell durch den Blutkreislauf verteilt und gelangt innerhalb kurzer Zeit über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn. Dort beeinflusst das Nikotin dann das „positive Belohnungssystem“, indem es an bestimmte Rezeptoren andockt. Eine Wiederholung des gesamtes Vorganges führt dazu, dass sich der Körper und das Gehirn an das Nikotin gewöhnt hat und es daher zu Gewöhnungseffekten wie auch bei anderen dem Körper gegebenen Stoffen wie Koffein oder Teein führt.
[33]www-juraforum.de/wissenschaft/e-zigaretten-koennen-auch-zu-gesundheitlichen-gefahren-fuer-passivraucher-fuehren-397828
[34] Mellin, J.: Die elektrische Zigarette, o.O. 2015, S. 28f
[35]Dawkins, L. u.a.: Vaping profiles and preferences: an online survey of electronic cigarette users, Addition 108, S. 1115-1125, hier S. 1116
[36] Dautzenberg, B. u.a: E-Cigarette. A new tobaaco product for schoolchildren in Paris, Paris 2013, S. 17
[37] www.bzag.de/botmed_34008002.html
[38] Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit: Nichtraucherschutz in Bayern, München 2012, S. 8
[39] www.vgh.bayern.de/BayVGH/documents/10a/2468b.pdf
[40] Ebd.
[41]Dawkins, L. u.a.: Vaping profiles and preferences: an online survey of electronic cigarette users, Addition 108, S. 1115-1125, hier S. 1119
[42] Vgl. dazu Karl, B.: Die Profiteure der Sucht. Konzerne am Pranger, München 1999 oder Ernstmann, K./Dorda, J.: Das Geschäft der Gesundheit und Krankheit, Berlin 2003
[43] Weitz, B.: Die Drogenproblematik im Unterricht mit Jugendlichen, Essen 2001, S. 23f Sucht wird weiterhin definiert als „ einer Art Anpassung des Zellstoffswechsels, in deren Folge die suchtmachende Droge schließlich zum unentbehrlichen „Nährstoff“ bestimmter Gewebe aufgewertet wird.“ Drogen, die vor allem eine psychische Abhängigkeit erzeugen sind laut dieser Definition: Kokain, Haschisch, Meskalin und LSD, mit gewissen Einschränkungen auch die Weckamine. Die Stoffe, die neben einer psychischen auch eine physische Abhängigkeit mit Entziehungserscheinungen herbeiführen, teilt man in solche vom Morphin-(Morphin-Kodein sowie dessen halbsynthetisches Derivat Heroin und synthetischen Schmerzmittel) und solche vom Barbiturat- und Alkoholtyp (Barbiturate/Alkohol, Psychopharmaka) ein. Siehe dazu Freier, N.: Sucht und Suchtmittel in der Diskussion, Marburg 1998, S. 25ff) Dort wurde jedoch nicht zwischen gesellschaft erlaubten Rauschmitteln und illegalen Drogen unterschieden, die dann eine Strafverfolgung nach sich ziehen könnten. Auch kulturelle Aspekte des Konsums von Drogen wird dabei völlig außer acht gelassen, es wird nur nach dem bekannten mitteleuropäischen Prinzip geurteilt, das Bierkonsum eher als die Normalität darstellt als zum Beispiel der Genuss von Haschisch.

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