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Erschienen in Ausgabe: No 126 (08/2016) Letzte Änderung: 28.09.16

„Adolf Hitler in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue“ Völkische und rassistische Werke im Nationalsozialismus

von Michael Lausberg

Einleitung

Die Ausbreitung nationalsozialistischer und völkischer Literatur seit 1933 gehört mit zu den schwärzesten Kapiteln der Germanistik. Am 10. Mai 1933 fanden in fast allen deutschen Universitätsstädten von der Deutschen Studentenschaft organisierte Bücherverbrennungen unliebsamer Autoren statt. Unter anderem gingen Werke von Sigmund Freud, Erich Kästner, Karl Marx, Heinrich Mann, Klaus Mann, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque und Kurt Tucholsky in Flammen auf. Bei diesen durchorganisierten und ritualisierten Feiern traten Joseph Goebbels und auch bekannte Professoren auf, die die verpönten Bücher mit einem Feuerspruch den Flammen der riesigen Scheiterhaufen übergaben.
Nach der Vernichtung demokratischen und pluralistischen Kulturgutes wurde im Börsenblatt des deutschen Buchhandels eine sogenannte "Schwarze Liste" mit 131 Autoren veröffentlicht, deren Werke aus den Bibliotheken und Buchhandlungen entfernt werden mussten. Bei der "Säuberung" öffentlicher Bibliotheken wurden allein in Berlin bis Ende Mai 1933 rund 10.000 Zentner Literatur beschlagnahmt. Ein Jahr später umfaßten die "Schwarzen Listen" mehr als 3.000 Titel verbotener Bücher und Schriften.
Im Rahmen der sogenannten Gleichschaltung wurden Schriftstellerorganisationen verboten bzw. in der im Oktober 1933 die gegründeten Reichsschrifttumskammer zusammengefasst. Um Mitglied zu werden, musste man einen so genannten „Ariernachweis“ vorlegen. Ein Ausschluss bedeutete Berufsverbot und damit die gesellschaftliche und soziale Marginalisierung
Kriegs- und Heldendarstellungen waren wohl die bekannteste und wichtigste Literatur im Nationalsozialismus. Kriegsromane verherrlichten die Fronterlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg und aus den „Befreiungskriegen“. Seriöse und unseriöse Forschungen aus dem Bereich des frühen Germanentums wurden für die Durchsetzung der eigenen Ideologie häufig herangezogen. Dies war auch Teil der nationalsozialistischen Erziehungspolitik, die Jugend sollte sich an selbst geschaffenen „Helden“ orientieren, die für ihr „Volkstum“ ihr Leben aufs Spiel setzten.
Romane, Erzählungen, Novellen und Kurzgeschichten zur Verherrlichung des Krieges und des "Heldentodes" schufen z. B. Edwin Erich Dwinger ("Panzerführer"), Hans Zöberlein ("Stoßtrupp 1917") und Heinrich Zerkaulen ("Jugend von Langemarck"). Solchen Forderungen schlossen sich auch einige auslandsdeutsche Schriftsteller an. Als einer ihrer Vertreter soll hier der sudetendeutsche Schriftsteller Gottfried Rothacker ("Das Dorf an der Grenze") genannt werden. Andere Autoren, wie Hanns Johst ("Die Begegnung", gemeinsam veröffentlicht mit "Mutter ohne Tod") waren bemüht mit Novellen und Erzählungen die Idee von der Volksgemeinschaft, Rassentheorie und Blut-und-Boden-Mystik ihren Lesern zu vermitteln.
Schon frühzeitig bekannten sich zahlreiche Intellektuelle zum Nationalsozialismus. Gottfried Benn ergriff 1933 ausdrücklich Partei für „den neuen Staat“ und attackierte die literarischen „Emigranten“. Der Germanist Benno von Wiese trat bereits im Mai 1933 der NSDAP bei.
Die literarische Entwicklung in der Endphase der Weimarer Republik geht einigermaßen bruchlose in die Anfangszeit der NS-Diktatur über. Daher muss auf die Werke der Endphase der Republik eingegangen werden, um die Entwicklungen im NS-Regime zu verstehen.


Das Ende der Weimarer Republik


Die Literatur der Weimarer Republik nimmt insgesamt gesehen eine Entwicklung, die vom Expressionismus wegführt und sich den neuen politischen, sozialen und literatursoziologischen Rahmenbedingungen angleicht.[1] Hans Fallada ist der Chronist des Verfalls der Weimarer Republik. In drei Romanen aus den Jahren 1931 bis 1934 gelingt es ihm, die sozialen wie die sozialpsychologischen Verfallserscheinungen der Demokratie in individuellen Schicksalen zu verpacken.[2] Bauern, Bonzen und Bomben greift ein politisches Thema auf: die völkische Landvolkbewegung in Norddeutschland, die sich mit gewaltsamen Mitteln der Besteuerung zu entziehen versucht und deren Aufstand von der SPD-Regierung niedergeschlagen wird. Der aufrechte Zeitungsredakteur Stuff verkörpert dort eine optimistische Perspektive. Sprichwörtlich wurde Falladas Romantitel Kleiner Mann- was nun? Der Roman handelt vom sozialen Abstieg des unpolitischen Kleinbürgers Johannes Pinneberg in die Arbeitslosigkeit. Falladas Roman hat weltweit Aufsehen erregt und wurde 1933 in Deutschland, 1934 in den USA verfilmt.[3] Das Werk Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, das im „Dritten Reich“ erschien, schildert das Schicksal des ehemaligen Häftlings Willi Kufalt, der in der Wirklichkeit nicht zurechtkommt und im Gefängnis endet. Falladas Romane enthalten plastische Milieustudien und überzeugende Charakterschilderungen; sie erfassen wie wohl kein anderes Werk der Zeit die soziale Wirklichkeit der Weimarer Republik in ihrer Endphase.[4] Der Tenor dieser Romane ist pessimistisch, das politische System der Republik erscheint durch und durch korrupt und kann die Probleme der Menschen nicht mehr beeinflussen.[5]

Der Untergang der Weimarer Republik spiegelt sich deutlicher in den Romanen österreichischer als in denen deutscher Autoren.[6] In den 1930er Jahren haben Robert Musil, Hermann Broch und Joseph Roth große Epochenromane geschrieben, die eine Aufarbeitung der zeitgeschichtlichen und literarischen Krisenerscheinungen unternehmen. Alle drei Autoren stehen biographisch wie literaturhistorisch in der habsburgischen Tradition, beziehen sich aber auf die zeitgenössische Entwicklung in Deutschland. Musil und Roth lebten in den 1920er Jahren in Berlin.
Mit dem Mann ohne Eigenschaften begleitet Musil den Untergang einer Epoche.[7] Musil schrieb den Roman in den Jahren 1925 bis zu seinem Tod 1942. Der erste Band erschien 1930, der zweite Band 1932, der letzte noch von Musil zur Veröffentlichung vorbereitete Teil 1943 im Schweizer Exil. Die lange Publikationsgeschichte spiegelt das äußere und innere Schicksal des Autors, der seit den frühen 1930er Jahren sein ganzes Leben diesem Roman gewidmet hatte, wieder. Der Roman ist konzentriert auf den Mann ohne Eigenschaften Ulrich, der seine Existenz nicht auf die Wirklichkeit, sondern auf die Möglichkeit abgestellt hat. Das große Thema der österreichischen Moderne, die Frage nach der Darstellung von Wirklichkeit durch Sprache, wird in monumentaler Weise durchgespielt. Der dünne Handlungsfaden besteht in der Schilderung der „Parallelaktion“, sie dient der Vorbereitung des für 1918 geplanten siebzigjährigen Thronjubiläums des „kakanischen“ Kaisers. Die sinnlose politische Aktion wuchert im Gerede, das nicht zur Tat kommt. Sie führt zu immer wieder neuen, in sich kreisenden Reflexionen über andere Möglichkeiten, die sich oft sehr weit von ihrem eigentlichen Anlass entfernen.
Musil gibt nicht eigentlich ein Politik-, Gesellschafts- oder Sittenpanorama, er schildert Bewusstseinszustände, die eher philosophischer als sozialpsychologischer Natur sind.[8] Was denn die richtige Wirklichkeit, das richtige Bewusstsein oder das richtige Leben sei, will der Roman nicht darstellen. Er umkreist immer nur die Möglichkeiten, die sich dem Denken bieten.[9] Musil hat die Vision noch im Auge, dass Sprechen und Handeln, Subjekt und Wirklichkeit wieder versöhnt werden könnten. Die im Roman angebotenen Versöhnungen sind freilich verzerrt: Die Nietzsche-Verehrerin Clarisse und der Frauenmörder Moosbrugger realisieren die Einheit von Wort und Tat, bewegen sich aber am Rande des Wahnsinns. Eine Möglichkeit der Einheit von Subjekt und Welt scheint im „anderen Zustand“ auf.[10] Es ist ein der unio mystica verwandter Zustand, den Ulrich mit seiner Schwester Agathe erreichen will, der aber bestenfalls immer nur augenblickshaft realisierbar ist. Musils Roman steht einzigartig in der Weltliteratur der Moderne. Nicht seine Monumentalität, nicht seine Fragmentarität und nicht die Ich-Dissoziationen sind seine herausragenden Elemente, neu ist vielmehr das konsequente Abstellen des Romans auf die Reflexion.[11]
In mancher Beziehung vergleichbar ist das große Romanwerk Die Schlafwandler von Hermann Broch. Brochs Romantriologie, die zu Beginn der 1930er Jahre erschien, bediente sich der Erzähltechniken der Moderne, vor allem des inneren Monologs und der Montage. Die realistisch erzählte Handlung wird durch Symbolreihen und eine dichte Metaphorik überlagert, der Roman ist reflexiv-essayistisch geprägt. Von Musil unterscheiden sich Brochs Werke in der Ausgangssituation. Während Musil das Auseinanderfallen der geistigen Welt fast kommentarlos registriert, sieht Broch es dezidiert als Verfall. Sein erster Roman Pasenow oder die Romantik aus dem Jahre 1888 ist im Berliner militärischen Milieu der Jahrhundertwende angesiedelt. Der Leutnant Pasenow erlebt den Untergang seiner Welt, in der er sich nicht mehr zurechtfindet. Das Werk Euch oder die Anarchie aus dem Jahre 1903 handelt im kleinbürgerlichen Milieu des Rheinlandes. Der Buchhalter Esch verliert wegen eines angeblichen Buchungsfehlers seine Stellung und damit jeden Halt im Leben. Der dritte Roman Huguenau oder die Sachlichkeit aus dem Jahre 1918 bringt den Verfall zu Ende, der im 1. Weltkrieg kulminiert. Er führt die Protagonisten der ersten beiden Teile mit dem skrupellosen Geschäftemacher Huguenau zusammen, was im Fiasko endet. Pasenow wird wahnsinnig, Huguenau wird von Esch ermordet.
Josephs Roths Radetzkymarsch von 1932 ist im Vergleich zu den Romanen Musils und Brochs erzählerisch konventionell angelegt.[12] Distanziert, aber nicht ohne Zuneigung beschreibt er die untergehende Welt der Donaumonarchie. Die Jahrzehnte vor 1914 spiegeln sich in den drei Generationen der frisch geadelten Familie von Trotta. Der Roman lässt sich fast als eine Art habsburgisches Gegenstück zum Untertan von Heinrich Mann lesen. Auch Roth stellt die symbiotische Beziehung zwischen dem Kaiser, der Monarchie und seinen Dienern dar, aber anders als im Untertan wird sie nicht satirisch karikiert und entlarvt, sondern erscheint melancholisch als unvermeidlicher Verlust. Auch der Schluss erinnert an den Untertan: das Offiziers-Fest, das im Gewitter untergeht und dem zugleich die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers folgt, ist eine Spiegelung des Untergangs der Monarchie, den Roth noch bis zu den ersten Kriegsjahren und dem Tod seiner drei Hauptfiguren folgt. Neben Vater Franz und Sohn Carl Joseph von Trotta stirbt auch der Kaiser.
Der moralische, gesellschaftliche und politische Krisencharakter der Epoche wird um 1930 analytisch untersucht in einer Reihe von essayistisch-philosophischen Schriften. Einen großen philosophischen Zugriff unternimmt Martin Heidegger in seinem Werk Sein und Zeit aus dem Jahre 1927.[13] Die fast beispiellose Erfolgsgeschichte des Buches hat die Tatsache verdeckt, dass Sein und Zeit nicht nur ein philosophischer Entwurf ist, sondern seine Entstehung der Krisensituation der Weimarer Republik und überhaupt der Moderne verdankt. Heidegger reagiert mit seiner universalen Gebärde: Dem Seinsverlust der Neuzeit stellt er seine Besinnung auf die Eigentlichkeit des Seins entgegen. Um eine Lehre vom Sein zu begründen, untersucht Heidegger die Grundstruktur des menschlichen Daseins. Diese Fundamentalontologie bildet den Hauptinhalt von Sein und Zeit. Um zu betonen, dass solche Untersuchung nicht mit den Bestimmungen arbeiten kann, deren sich die Philosophie bei der Untersuchung von Seinsstrukturen von Dingen bedient, nennt Heidegger nicht wie Aristoteles und Kant seine Grundbestimmungen Kategorien, sondern Existezialien. Die Betrachtung des Todes ist für Heidegger der Schlüssel, um die Zeit, die Zeitlichkeit als Grund und Grenze, als Horizont des menschlichen Seins freizulegen. Zeitlichkeit ist der Sinn der eigentlichen Sorge, Zeitlichkeit ist das Grundgeschehen des Daseins. Die Frage nach der Existenz Gottes als Frage nach dem höchsten Seinenden ist für ihn geeignet, die Frage nach dem eigentlichen Sein zu verstellen. Das menschliche Dasein findet sich immer schon an einem bestimmten, unverwechselbaren seinem Wollen entzogenen Ort vor.
Mit Sigmund Freud situiert wieder ein Autor die Krise kulturhistorisch. Sein Werk Unbehagen in der Kultur von 1930 entwickelt ein frühes Erklärungsmodell für die Krise, die er aus der Grundspannung der europäischen Zivilisation herleitet. Sie beruht auf den nur schwer in Einklang zu bringenden Bedürfnissen nach Sicherheit und Freiheit, deren Befriedigung die Kultur gleichermaßen gewährleistet wie verhindert.
Gegenwartsnäher, aber im Tenor vergleichbar ist Karl Jaspers Diagnose der Geistigen Situation der Zeit.[14] Jaspers sieht seine Zeit unter dem Vorzeichen der Herrschaft der Masse und der Technik; ihr stellt er die Rückbesinnung auf die Freiheit des Individuums entgegen. Andere Texte nehmen die Situation genauer wahr. Der Hamburger Universitätsrektor und Kulturphilosoph Ernst Cassirer hält in seiner Rede zum Verfassungstag Die Idee der republikanischen Verfassung vom 11.8.1928 ein intellektuelles Plädoyer für die Republik, indem er deren Wurzeln in der deutschen Geistesgeschichte nachweist. In der Deutschen Ansprache macht sich Thomas Mann ebenfalls zum Anwalt der Republik und warnt vor der Gefahr des Nationalsozialismus.[15] 1930 veröffentlicht er seine Erzählung Mario und der Zauberer, die in einem italienischen Milieu angesiedelt ist, das die düstere Zeitstimmung vergegenwärtigt. Thomas Mann erzählt die Geschichte vom Zauberer Cipolla, der mit hypnotischer Kraft willkürliche Herrschaft über die Menschen ausübt, von der nur die Ermordung des Zauberers befreien kann. Mario und der Zauberer ist eine Krisenschrift, die weniger den Untergang einer alten als den Aufstieg einer neuen Ära ankündigt, nämlich der des Faschismus, der sich in Italien schon etabliert hatte.


Der Charakter des NS-Staates

Das Scheitern der Weimarer Republik bedeutete den Anfang eines Schreckensregimes, das in der Weltgeschichte seinesgleichen sucht.[16] Am 30.1.1933 wurde Hitler vom Reichspräsidenten zum Reichskanzler ernannt und es begann die Ära des nationalsozialistischen Deutschlands unter breiter Zustimmung der Bevölkerung. Der Boden für den Erfolg dieser Politik war schon vorher bereitet worden. Die von der Regierung Brüning seit 1930 eingeführten „Notverordnungen“ bedeuteten mit ihrer weitgehenden Ausschaltung des Parlaments eine Eingewöhnung in ein autoritäres Regime.[17]

Das Wechselspiel zwischen den autoritären Herrschaftszielen der traditionellen Machtgruppen aus Bürokratie, Militär und Wirtschaft einerseits und den ungebremsten Machtambitionen der NS-Bewegung andererseits bestimmte die Etappen der nationalsozialistischen Machteroberung. Gründete Hitler seine Macht noch anfänglich auf seine Rolle als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Machtgruppen, so verselbständigte sich seine Herrschaft allmählich zu einem Führerabsolutismus, indem er allein zum Bezugspunkt nationaler Erlösungs- und Sendungserwartungen, einer wachsenden Zustimmung und eines Führerkultus wurde.[18] Der Kult um den charismatischen Führer, dem die Zustimmung der Massen und die Kooperationsbereitschaft der gesellschaftlichen Eliten galten, wurde schließlich zur eigentlichen Integrationsklammer des „Dritten Reiches“.[19] Die dramatische Monopolisierung der politischen Macht, zu der Hitler kaum mehr als ein halbes Jahr benötigte, war nicht Ergebnis einer systematischen Planung, sondern einer mit großem Machtinstinkt betriebene Doppelstrategie von Gewalt und Legalität, von revolutionärem Druck von unten, begleitet von Terror und Propaganda. Dieser Prozess vollzog sich stufenförmig unter entschlossener und verfassungswidriger Ausnutzung aller durch das Notverordnungsrecht des Reichpräsidenten gegebenen scheinlegalen Mittel. Begleitet wurde dieser Vorgang durch eine Welle der Anpassung, Selbstgleichschaltung und Massenbegeisterung.[20]
Der Weg zur unbeschränkten Macht begann mit der neuerlichen Ausschreibung von Reichstagswahlen, mit das propagandistische und terroristische Potential der NSDAP nun unter Ausnutzung des staatlichen Apparates freigesetzt wurde, und mit der rigiden Verfolgung von Gegnern, zunächst vor allem der Mitglieder und Anhänger der politischen Linksparteien. Dabei stützte sich die Regierung Hitler auf das präsidiale Notverordnungsrecht, mit dessen Hilfe nach dem Reichstagsbrand am 28.2.1933 alle bürgerlichen Grundrechte außer Kraft gesetzt und ein scheinlegaler Mantel für die Etablierung des Ausnahmezustandes geschaffen wurde, der für die gesamte Dauer des „Dritten Reiches“ bestand.[21]
Nach außen hin stellte sich die NS-Diktatur als ein autoritärer Ordnungs- und Wohlfahrtsstaat dar, der mit seinen Erfolgen beim Abbau der Massenarbeitslosigkeit, seinem wirtschaftlichen Aufschwung, seinen Masseninszenierungen und der scheinbar ungebrochenen zivilisatorischen Modernität von Berlin, die sie bei den Olympischen Spielen 1936 verheißungsvoll zur Schau stellte.[22] Dies verstellte den Blick auf die Innenseite des Nationalsozialismus. Arbeit und Brot verdankte die Bevölkerung vor allem der einseitigen Aufrüstungspolitik, die den Weg in den Krieg vorbereitete und die deutsche Wirtschaft mit den Autarkievorgaben des Regimes von den Märkten der Weltwirtschaft abschottete. Die weitere Verschärfung der Judenpolitik, die mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 die jüdischen Bürger ihrer Staatsbürgerrechte beraubten und sie ausgrenzten, bereiteten die staatlich gelenkten Pogrom- und Verfolgungsaktionen der „Reichskristallnacht“ vom 9./10.11.1938 vor.[23] Sie waren wiederum möglich geworden, nachdem die außenpolitischen Erfolge des Jahre 1936 bis 1938 von der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und der Remilitarisierung des Rheinlandes über den „Anschluss“ Österreichs bis zur Annexion des Sudetenlandes zwar die Revision des Versailler Vertragssystems erfolgreich durchsetzen, doch dies meist in einem außenpolitischen Vabanquespiel, das internationale Verträge verletzte und den Eroberungswillen Hitlers nur noch weiter anstachelte.[24]
Das Jahr 1938 war nicht nur das Jahr einer risikoreichen Wiederherstellung „deutscher Größe“, sondern es war auch das Ende einer konservativen Mäßigung und Stilisierung des Regimes, das nun die Einflussmöglichkeiten der traditionellen Machteliten erheblich beschnitt und Hitler den direkten Zugriff auf die Geschicke der Wehrmacht und die Ausschaltung nationalkonservativer Machtträger im Auswärtigen Amt und in der Wirtschaftspolitik erlaubte.[25] Die innere und äußere Machtfülle, die Hitler nun besaß, hatte sich unwidersprochen und ohne große öffentliche Reaktionen herausgebildet. Mit der ständigen Aushöhlung überkommener staatlicher Bürokratien durch die Dynamik von NS-Parteiapparaten und den Wildwuchs führerunmittelbarer Parallelämter entstand eine Entgrenzung der institutionell verfassten Herrschaft und damit die Voraussetzung für eine neuerliche Phase der Eroberungspolitik nach außen und einer radikalen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik nach innen.
Mit der Entfesselung des Krieges im September 1939 wurden die nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungsenergien endgültig freigesetzt.[26] Nicht nur das Herrschafts- und Überwachungssystem radikalisierte sich aufs Neue: die Strafrechtspraxis verschärfte sich, die Definition der Feinde wurden ausgeweitet, die Anwendung der Todesstrafe ausgedehnt. Auch die weltanschaulich motivierte Ausmerzungspolitik gegen geistig und körperlich behinderte Menschen, gegen „Gemeinschaftsfremde“ und vor allem gegen Juden wurde mit einer Flut von Erlassen verschärft und der Umsetzung bzw. Verfolgung durch die SS überantwortet.[27] Einmal in Gang gesetzt entwickelte die Verfolgungs- und Vernichtungspolitik überall ihre eigene Dynamik, schuf sich neue administrative Probleme, die nach radikaleren Lösungen drängten und diese fanden, bis schließlich in den Vernichtungslagern, die sich für immer symbolisch mit dem Namen von Auschwitz verbinden, die systematische, bürokratisch-fabrikmäßige Ermordung der europäischen Juden und anderer Personen betrieben wurde. Der Holocaust war ebenso Produkt nationalsozialistischer Weltanschauungspolitik wie die Vorbereitung und Durchführung des Lebensraum- und Vernichtungskrieges in der Sowjetunion.[28]
Mit der Machtüberdehnung und den schweren militärischen Niederlagen seit 1943 begann der Niedergang des „Deutschen Reiches“, das sich freilich im Inneren bis zuletzt auf eine große Massenloyalität stützen konnte.[29] Sie wurde allerdings umso wiederwilliger aufrechterhalten, je aussichtsloser die militärische, politische und wirtschaftliche Lage wurde. Der innere Verfall des NS-Regimes begann erst mit dem Abbröckeln des Hitler-Mythos; mit der Niederlage des „Deutschen Reiches“ und dem Ende Hitlers und dem italienischen Faschismus unter Benito Mussolini im Frühjahr 1945.[30]


Herausbildung der nationalsozialistischen Literatur

Die nationalsozialistische Kulturpolitik hat ihre Wurzeln in den späten Jahren der Weimarer Republik.[31] Das erste nationalsozialistische Mitglied einer Landesregierung wurde 1930 in Thüringen der Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick, der eine konsequente nationalsozialistische Kultur- und Personalpolitik betrieb. Nach der „Machtergreifung“ Hitlers wurde die kulturelle „Gleichschaltung“ angestrebt; ihr Anfang lag in den Auseinandersetzungen um die „Sektion Dichtkunst“ der „Preußischen Akademie der Künste“.[32] Die erst 1926 der Akademien angegliederte „Sektion für Dichtkunst“ stand bereits seit 1931 im Brennpunkt politischer Auseinandersetzungen: Emil Strauß, Erwin Guido Kolbenheyer und Wilhelm Schäfer verließen die Sektion unter dem Vorwurf der Zurückdrängung des dominierenden Einflusses nationalistischer Autoren, anschließend wurde Heinrich Mann zum ersten Vorsitzenden gewählt.[33] 1933 spitzte sich der Konflikt zu. Heinrich Mann und Käthe Kollwitz hatten einen Aufruf zur Bildung einer Einheitsfront von SPD und KPD unterzeichnet. Auf Druck des Reichskommissars im preußischen Kulturministerium, Bernhard Rust, legten beide am 15.2.1933 ihre Mitgliedschaft in der Akademie nieder. Dieses Datum markiert gleichzeitig den Beginn der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ des Kulturwesens in Deutschland.[34]

Als kommissarischer Leiter der Sektion hat es Gottfried Benn unternommen, von den Mitgliedern die Unterwerfung unter die Prinzipien des nationalsozialistischen Staates in einer verbindlichen Erklärung zu fordern.[35] Ein Teil der Autoren wie Thomas Mann, Albert Döblin, Ricarda Huch und Jacob Wassermann folgte nicht Benns Aufforderung und verließ unter Protest die Akademie. Im Mai 1933 wurden alle Mitglieder jüdischer Herkunft wie Franz Werfel, Leonhard Frank, Georg Kaiser und andere aus der Akademie ausgeschlossen. Die dadurch frei gewordenen Plätze wurden von völkischen Autoren besetzt, auch die drei im Jahre 1931 ausgetretenen kehrten wieder zurück.[36]
Während die „Gleichschaltung“ der Akademie ein administrativ geplanter Akt des preußischen Kulturministerium war, handelte es sich bei den Bücherverbrennungen vom 10.5.1933 von der nationalsozialistischen „Deutschen Studentenschaft“ um eine zentral initiierte, aber weitgehend unkoordiniert durchgeführte Aktion an den jeweiligen Hochschulorten. Sie wendeten sich vor allem gegen jüdische und politisch missliebige Autoren, wobei die Auswahl lokal ziemlich willkürlich blieb. Oskar Maria Graf richtete in der Wiener Arbeiterzeitung den Appell „Verbrennt mich!“ nach Deutschland. Grafs Aufruf war der erste öffentliche Protest gegen die Bücherverbrennung und die damit verbundene Ideologie, die weltweit Beachtung fand.
Die Bücherverbrennung hatte einen hohen symbolischen Wert, aber sie zeigte zugleich, dass die nationalsozialistische Kulturpolitik in der Anfangsphase der NS-Diktatur nicht strikt organisiert war.[37] Nur langsam bildete sich ein Kanon „unerwünschter Literatur“ heraus. Eine erste „Schwarze Liste“ erschien Mitte Mai 1933 im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. Ihr Ziel war zunächst die „Säuberung“ öffentlicher Bibliotheken, später das Vertriebsverbot für Verlage. Auch diese Listen ließen keine Konzeption erkennen, der Begriff des „undeutschen Schrifttums“ blieb unpräzise, und die Verbotspolitik wurde mit Rücksicht auf Reaktionen des Auslandes und auf eigentums- und verlagsrechtliche Probleme eingeschränkt.[38]
Die Herausbildung der nationalsozialistischen Literatur verlief nach genauen Vorgaben. Hanns Jost war einer der ersten unter den bekannteren Autoren der Weimarer Republik, die sich zum Nationalsozialismus bekannt haben.[39] Nachdem er 1917 mit seinem Drama Der Einsame eine gewisse Bedeutung erlangt hatte, wandte er sich seit 1924 einer völkischen Dichtungsauffassung zu. Das Drama Der Einsame wurde später zur Anregung von Brechts Baal. Eine Schlüsselstellung in der Entwicklung Josts zu einem völkischen Dichter nimmt sein Drama Schlageter ein, das „Adolf Hitler in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue“ gewidmet war.[40] Schlageter wurde zum Geburtstag Hitlers im Berliner Staatlichen Schauspielhaus aufgeführt. Johst greift dabei auf einen nationalistischen Mythos der Weimarer Republik auf. Der Freikorpsangehörige Albert Leo Schlageter war 1923 wegen Sabotagedelikten gegen die französischen Truppen im „Ruhrkampf“ hingerichtet worden und galt somit als eine Art Märtyrer in völkischen Kreisen.[41] In dem Drama wird das politische System der Weimarer Republik und seine führenden Repräsentanten scharf kritisiert. Sie erscheinen in Johsts Drama als „Verräter am deutschen Volk“, die schließlich Schlageter dem „französischen Feind“ preisgaben. Dagegen stellt Johst den angeblichen Gemeinschaftsgeist der Frontsoldaten als heldenhaft und positiv dar. Dabei verzichtet er jedoch auf plumpe Propaganda und bedient sich einer wirksamen Dramaturgie, die auf seine expressionistischen Ursprünge zurückweist. Die Schlussszene mit der Hinrichtung Schlageters durch ein französisches Erschießungskommando ist der effektvolle Gipfelpunkt des Dramas: Deren Schlüsse treffen nicht nur den Soldaten Schlageter, sondern auch das Publikum, in das hinein die französischen Gewehre zielen.[42]
1933 erschienen weitere Dramen im nationalsozialistischen Deutschland, die im politischen Horizont der Weimarer Republik angesiedelt waren, um die nationalsozialistische Weltanschauung zu verbreiten oder zu festigen.[43] Heinrich Zerkaulen griff in seinem Kriegsdrama Jugend von Langemarck einen Mythos der rechten Bewegung auf. Der Mythos von Langemarck beruhte auf einem Desaster, wo vierzehn unzureichend ausgebildete Regimenter von Kriegsfreiwilligen im belgischen Flandern mit patriotischen Liedern in einen auch militärisch sinnlosen Tod geschickt wurden. In dem Drama wird der klassische dramatische Konflikt des „Helden“ Franz Gärtner ohne Zögern im Sinne des Kriegsdientes entschieden. Weiterhin stellt Zerkaulen in eindringlichen Szenen die Kriegswirklichkeit im Flandern des Jahres 1914 vor. Das Desaster wird von Zerkaulen unter einer großen historischen Perspektive umgedeutet. In Langemarck wurde angeblich das Versprechen auf die „Wiedererstehung einer deutschen Volksgemeinschaft“ gegeben, wo sich Arbeiter und Studenten aus allen Teilen des Landes zusammengefunden haben.[44]
Demselben Modell von Niederlage und spätem historischen Sieg folgte das Werk Marsch der Veteranen von Friedrich Bethge. Angeregt durch einen Marsch amerikanischer Kriegsveteranen auf Washington im Jahre 1932 und situiert im Russland der Jahre 1812/13 behandelt das Werk wieder die Situation der Frontkämpfer in einer Nachkriegsgesellschaft. Auch für das Werk Bethges galt, dass die Niederlage nur ein vorletzter Akt gewesen sein sollte. Durch die „Machtergreifung“ Hitlers sind die Veteranen noch über den Tod hinaus zu ihrem historischen Sieg gekommen. In allen drei Dramen ist die theatralische Situation so angelegt, dass sie ihre Erfüllung in der politischen Wirklichkeit des Jahres 1933 findet. Die Grenzen zwischen Literatur und politischer Propaganda werden dabei bis zur Unkenntlichkeit verwischt.[45]

Film und Theater
Eine eigene Gestalt erhielt die Grenzverwischung in der einzigen literarischen Form, die genuin vom Nationalsozialismus hervorgebracht wurde, nämlich das „Thingspiel“. Im Theater sollte die „Volksgemeinschaft“ in der Theaterarchitektur und in der Dramaturgie realisiert werden. Das „Thingspiel“ bedeutete Massentheater, wobei an einer Vorstellung bis zu zwanzigtausend Zuschauer teilnahmen. In Anlehnung an germanische Mythen wurden Freilichtbühnen als „Kultstätten“ geschaffen, deren Erstellung zugleich als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des „Reichsarbeitsdienstes“ diente.
Die ersten „Thingstätten“ wurden 1934 eröffnet.[46] Sie wurden in der freien Natur nach dem Vorbild anderer Amphitheater angelegt. Das Verlassen der geschlossenen Räume des bürgerlichen Theaters war einer der programmatischen Ansatzpunkte dieser Architektur. Ihr Höhepunkt und gleichzeitig Endpunkt war die Eröffnung der Dietrich-Eckart-Bühne in Berlin, der späteren Waldbühne anlässlich der Olympischen Spiele 1936. Dramaturgisch und inhaltlich lehnte sich das „Thingspiel“ eklektisch an verschiedene Traditionen an. Das kultische Theater der griechischen Tragödie wird ebenso herangezogen wie die mittelalterlichen Mysterienspiele und die proletarische Tradition des Agitproptheaters.[47]
Eines der frühesten Thingspiele stammt von Gustav Goes mit dem Titel Aufbricht Deutschland! Ein Stadionspiel der nationalen Revolution, das Adolf Hitler persönlich gewidmet war.[48] Das Stück versammelte die typischen Merkmale der Thingspiel-Dramaturgie. Ihr charakteristisches Kennzeichen war der Versuch, das Volk selbst auf die Bühne zu bringen. Dies geschah nicht zuletzt in einer Dramaturgie der Täuschung. In seinen Regiebemerkungen gab Goes Hinweise zur Technik der Aufführung: Mikrophone sollten verwendet werden, um die Chöre zu ersetzen, und das Spiel sollte in der Dämmerung stattfinden, damit durch den Einsatz von Scheinwerfern Massen auf die Bühne vorgetäuscht werden konnten. In dem Stück treten vier allegorische Gestalten auf – der „Rufer“, „Deutschland“, „Aufruhr“ und „Friede von Versailles“, die von Gruppen und Chören begleitet werden, zu denen die Frontsoldaten, die Bauern und die „Sturmkolonnen des jungen Deutschland“ gehörten. Sprachlich nimmt Goes Anleihen beim Expressionismus und bei der Neuen Sachlichkeit auf.
Eberhard Wolfgang Möllers Frankenberger Würfelspiel wurde zu einem der bekanntesten „Thingspiele“.[49] Es war von Goebbels in Auftrag gegeben worden und wurde am Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin aufgeführt. Es war zugleich der Höhepunkt und der Ausklang der „Thingspiel“-Bewegung. Im Jahre 1937 wurde jede weitere Förderung eingestellt. Weder die Qualität der Stücke noch das Interesse der Zuschauer waren groß genug, um die Bewegung am Leben zu erhalten. Zugleich spiegelte sich in der Abwendung von dieser Konzeption eine Änderung der nationalsozialistischen Politik: ihre revolutionären Komponenten, die im „Thingspiel“ wach gehalten wurden, wurden mit der Etablierung des Systems verabschiedet.
Das Theater im Nationalsozialismus ging bald einen anderen, klassischen Weg.[50] Obwohl die deutschen Bühnen sehr schnell gleichgeschaltet und in ihren Leitungspositionen von Parteigenossen besetzt worden waren, wurden die großen renommierten Bühnen sehr schnell gleichgeschaltet und insbesondere in Berlin von Fachleuten übernommen. Heinrich George leitete das Schillertheater und Gustav Gründgens mit dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt eines der bedeutenden Theater Deutschlands. An diesen und anderen Bühnen ließ sich ein fast normaler bürgerlicher Spielbetrieb aufrechterhalten, der in seiner Programmatik wie in der Dramaturgie an die ausgereifte Theaterkultur der Weimarer Republik anknüpfen konnte.
Parallel dazu verlief die Entwicklung des Films im Nationalsozialismus. Er war wie das Theater ein Medium, dessen propagandistischer Wert von der nationalsozialistischen Kulturpolitik genutzt wurde. Der erste dezidiert nationalsozialistische Propagandafilm war Blutendes Deutschland vom März 1933. Dies war ein historischer Film, der den Aufstieg der Nationalsozialisten unter Verwendung dokumentarischen Materials nachzeichnete. 1940 erreichte der nationalsozialistische Film einen unrühmlichen Höhepunkt mit dem antisemitischen Stück Jud Süß von Veit Harlan, in dem Heinrich George eine Hauptrolle spielte. Der Film bezog seinen Stoff in einer perversen Verkehrung der Perspektive von dem gleichnamigen Roman des emigrierten Lion Feuchtwanger aus dem Jahre 1925.
Im Film zeigte sich eine ähnliche Entwicklung wie beim Theater: Das Gros der Filme diente weniger der Propaganda als der Repräsentation und der Unterhaltung.[51] Im „Dritten Reich“ entstanden einige Filmklassiker, die die zwölf Jahre überdauert hatten und noch später einen Nachhall fanden. Insbesondere während des Krieges wurde in den Ufa-Studios eine Unterhaltungsindustrie nach Hollywood-Vorbild aufgebaut. Hier wurden Filme wie Münchhausen mit Hans Albers von 1943 gedreht, zu dem Erich Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger das Drehbuch schrieb, oder ein Jahr später die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle nach einem Roman des Schriftstellers Heinrich Spoerl gedreht.[52]
Besonderes Interesse galt den historischen Stoffen aus der preußischen Geschichte. Otto Gebühr wurde wie schon in der Weimarer Republik im Film des „Dritten Reiches“ als Inkarnation von Friedrich II. eingesetzt, so in Der Choral von Leuthen, Fridericus, oder dem Durchhaltefilm Der große König von 1942.[53] Der Choral von Leuthen wurde noch in der Endphase der Weimarer Republik gedreht. Dass der liberale Kabarettist Werner Finck eine Nebenrolle in diesem völkischen Film dieser Größenordnung spielte, rief den Protest nationalistischer Kreise hervor. Auch klassische Literatur wurde gerne verfilmt: Kleists Amphitryon und Der zerbrochene Krug gehörten ebenso dazu wie Kellers Kleider machen Leute von Helmut Käutner, und Minna von Barnhelm kehrte als Fräulein von Barnhelm 1940 auf die Leinwand zurück. Damit zollte die staatliche Theater- und Filmlenkung den Bedürfnissen des breiten Publikums ihren Tribut. Die agitatorische Literatur konnte sich gegenüber dem Repräsentations- und Unterhaltungsbedürfnis letztlich nicht durchsetzen.[54]
Dass die Theater- und Filmkultur im „Dritten Reich“ eine herausragende Rolle spiele, kommt nicht von ungefähr. In ihr lassen sich nicht nur das Agitations-, Unterhaltungs- und am Ende das Ablenkungsbedürfnis als wesentliche Momente nationalsozialistischer Herrschaft erkennen; sie entsprechen auch strukturell einer Machttechnik, die die Grenzen zwischen Illusion und Wirklichkeit verwischt. Diese Technik reichte bis tief in den Alltag hinein. Die Wirklichkeit des „Dritten Reiches“ war zum großen Teil inszenierte Wirklichkeit; die Lebenswelt wurde in einer Fülle von Veranstaltungen theatralisiert, die teils periodisch als traditionelle oder neu eingerichtete nationalsozialistische Fest- und Feiertage wiederkehrten, teils auch als Höhepunkte inszeniert wurden.[55]

Ästhetisierung des Alltags
Zu den Höhepunkten gehörten von 1933 bis 1938 die jährlichen Reichsparteitage in Nürnberg und die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die zunächst wegen ihres internationalen Charakters nicht im nationalsozialistischen Deutschland stattfinden sollte, aber dann zur repräsentativen Selbstdarstellung gegenüber dem Ausland erfolgreich genutzt wurde. Beide Großereignisse wurden als Massenveranstaltungen ästhetisch inszeniert und wieder in Kunst umgesetzt. Leni Riefenstahl drehte über die ersten beiden Reichsparteitage ihre Filme Sieg des Glaubens und Triumpf des Willens, über die Olympischen Spiele Fest der Völker und Fest der Schönheit.[56]
Diese Ästhetisierung des Alltags ist verbunden mit einer Politisierung, bei der wiederum literarische Formen genutzt wurden. Die politische Funktionalisierung der Literatur gelang am besten in einem Randbereich: der nationalsozialistischen Agitationslyrik. Einige nationalsozialistische Lieder haben, unterstützt von politische Lenkung, aber doch nicht ohne eigene agitatorische Qualität, große Resonanz beim breiten Publikum gefunden.[57] Die erfolgreichsten dieser Lieder stammten aus den Jahren vor 1933. Dietrichs Eckarts Lied Deutschland erwache erschien in den frühen zwanziger Jahren, und das Horst-Wessel-Lied wurde erstmals 1929 publiziert. Nach 1933 erhielt es den offiziellen Status einer zweiten Nationalhymne neben dem Deutschlandlied. Seinen Erfolg verdankt es einer geschickten propagandistischen Inszenierung: Der Verfasser, der SA-Mann Horst Wessel wurde von Goebbels zum „Blutzeugen der Bewegung“ stilisiert.[58] Die Textgeschichte dieses Liedes zeigt die nationalsozialistische Funktionalisierung von Literatur in ihrer Abhängigkeit von der Tagespolitik. Durch kleinere Textrevisionen wurde in den ersten Jahren des „Dritten Reiches“ sein revolutionärer Impuls unauffällig abgemildert: Aus den revolutionären Barrikaden der Erstfassung wurden nach der Konsolidierung der Bewegung zur Staatsmacht und nach der Verdrängung des „sozialrevolutionären“ Flügels der NSDAP einfache Straßen.
Eines der populärsten Kampflieder der NSDAP war Hans Baumanns Und heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.[59] Die Zeile des Refrains wurde später in der Fassung „und heute gehört uns Deutschland“ verbreitet. 1935, nach der Verabschiedung der Wehrgesetze und angesichts von Hitlers Lüge der Friedensgesten gegenüber dem Ausland, schrieb Baumann eine vierte Strophe, in der der militärisch-aggressive Gestus der ersten drei Strophen umgedeutet wurde.[60]
Die tagespolitische Funktionalisierung von Literatur ist eine perverse Umkehrung einer Errungenschaft der Moderne. Ihr liegt der avantgardistische Gedanke des offenen Werkcharakters zugrunde. Die Vorstellung, dass Kunst und Leben einander durchdringen sollen, dass die Kunst auf das Publikum bezogen sein und dass schließlich das Werk sich ständig weiterentwickeln müsse, kehrt in der funktionalisierten Agitationsliteratur wieder. Die nationalsozialistische Lyrik hatte einen gewissen Erfolg beim Publikum. In den Jahren vor und nach 1933 erschien eine Fülle von Gedichtsammlungen, deren agitatorische Absicht sich nicht nur auf die Politik, sondern auch auf das Alltagsleben richtete. Während Heinrich Anackers Sammlungen Die Trommel, SA-Gedichte und Die Fanfare. Gedichte der deutschen Erhebung die politische Entwicklung unmittelbar unterstützten, leisten Hans Baumanns Kantate Das Jahr übern Pflug und Gerhard Schumanns Wir aber sind das Korn ihren Beitrag zur nationalsozialistischen Mythisierung des bäuerlichen Alltags.[61] Der österreichische Dichter Josef Weinheber schrieb nationalsozialistische Hymnen wie Die Gefallenen oder Dem kommenden Menschen, in denen die von Hölderlin und Rilke geschaffenen Formtraditionen wieder aufgegriffen wurden. Die moderne Seite des „Dritten Reiches“ wurde in einem gleichfalls mythisierenden Technikkult sichtbar, der sich in einer eigenen Autobahn-Lyrik kristallisierte wie in Weinhebers Ode an die Strassen Hitlers oder Ferdinand Oppenbergs Reichsautobahn.[62]
Auch die Literaturwissenschaft leistete ihren Beitrag zur Festigung des NS-Regimes. Anlässlich der Besetzung des Sudetenlands und des „Anschlusses“ Österreichs erschien als hunderter Band der renommierten Reihe des Reclam-Verlages die von dem Münsteraner Literatur- und Theaterwissenschaftler Heinz Kindermann herausgegebene Sammlung Heim ins Reich.[63] Großdeutsche Dichtung aus Ostmark und Sudetenland. Sie enthielt einschlägige historische und zeitgenössische Texte von Ludwig Anzengruber über Peter Rosegger bis zu Josef Weinheber und Gertrud Fussenegger.
Diese Funktionalisierung der Literatur blieb aber insgesamt eher eine Randerscheinung. Tatsächlich machte die nationalsozialistische Literatur im engsten Sinne nur einen sehr geringen Teil der Buchproduktion aus.[64] Diese Literatur hat sich weder beim Publikum durchsetzen können, noch wurde sie den eigenen nationalsozialistischen Ansprüchen gerecht. Sehr viel charakteristischer als die strikt nationalsozialistische Literatur ist daher jene, die von den Nationalsozialisten vereinnahmt wurde oder die umgekehrt, sich äußerlich an nationalsozialistische Anforderungen anpasste. Zur vereinnahmenden Literatur gehört insbesondere der recht große Komplex der „Blut- und Boden“-Literatur. Obwohl sie aufgrund der Eigenpropaganda immer wieder als ein besonders markantes Beispiel nationalsozialistischer Literatur begriffen wurde, ist sie es tatsächlich nicht. Ihre Wurzeln reichen zurück zur Heimatkunstbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, ihre repräsentativsten Beispiele wie auch die „Blut- und Boden“-Ideologie selbst stammen aus den zwanziger Jahren der Weimarer Republik.
Am populärsten wurde der Roman Volk ohne Raum von Hans Grimm, der bereits 1926 erschienen war. Grimm hat seinen Roman ausdrücklich als politischen Roman deklariert, in dem das „deutsche Schicksal“ dargestellt werden sollte.[65] In der Biographie des Protagonisten Cornelius Fribott spiegelt sich die innere und koloniale deutsche Geschichte von 1885 bis 1923. Der Roman zeigt Versatzstücke einer vornationalsozialistischen Ideologie: Der antienglische Chauvinismus ist ebenso charakteristisch wie der Antisozialismus; hinzu kommt die Postulierung einer bäuerlichen Lebensform und Anzeichen eines rigiden Antisemitismus.[66] Grimm bedient sich einer Art Rahmenerzählung: Die Geschichte wird von ihm, dem Kaufmann Hans Grimm erzählt, der die Lebensgeschichte Friebots einige Jahre nach dessen Tod niederschreibt. Stilistisch ist der Roman recht facettenreich. Neben der politisch agitatorischen Aussage findet sich ein archaisierender Stil. Zugleich aber gibt es ausführlichere Passagen, insbesondere bei der Schilderung eines Grubenunglücks, die Anklänge an die moderne dokumentarische und naturalistische Literatur zeigen.[67]
Der schon vorher existente Arminius-Kult steigerte sich seit dem 19. Jahrhundert zu nationalen Überlegenheitsansprüchen gegenüber anderen Nationen.[68] So sprach 1872 Felix Dahn in seinem Siegesgesang nach der Varusschlacht: „Heil dem Helden Armin. Auf den Schild hebet ihn. Zeigt ihn den unsterblichen Ahnen: Solche Führer wie den gib uns, Wodan, mehr – und die Welt, sie gehört den Germanen!“[69] Als Symbol des „Deutschen“ schlechthin wurde Hermann im 19. Jahrhundert auch von Emigranten als Erinnerung an die Heimat verwendet, etwa durch die Errichtung eines Hermannsdenkmals in New Ulm im Süden Minnesotas.
Die Arminius-Begeisterung steigerte sich in den folgenden Jahrzehnten und „erreichte ihren höchsten Ausschlag“ im Jahr 1909. In Detmold wurde die 1900-Jahr-Feier der Schlacht veranstaltet.[70] In der Weimarer Republik diente der Hermannslauf der Deutschen Turnerschaft der Bekundung der staatlichen Einheit und weniger dem Verlangen nach militärischer Souveränität. Es traten 1925 insgesamt 120.000 Turner aus allen Teilen des Deutschen Reiches zu einem Stern- und Staffellauf an. Der Hermannmythos erlebte aber in den zwanziger Jahren unter dem Einfluss des als nationale Schmach empfundenen Versailler Vertrages eine signifikante Verschiebung. Weg von der Feier eines triumphalen Sieges, hin zur mahnenden Betrachtung des tragischen Bildes eines durch innere Zwietracht um die Früchte seines Sieges gebrachten und meuchlings ermordeten Helden, als der unter dem Signum der Dolchstoßlegende nun sowohl Hermann als auch in Siegfried gedeutet werden. Der Publizist Otto Ernst Hesse schrieb im Krisenjahr 1923: „Und doch ist es kaum nötig, Arminius zu heroisieren. Die Gegner haben es bereits selbst getan. was wir hinzulesen müssen (…) ist die Tragödie Hermanns – die Tragödie Deutschlands und des Deutschtums, die da beginnt, wo das deutsche Volk in die Geschichte eintritt.“[71]
Die tragische Arminius-Deutung erreichte besondere Wirkungsmacht im völkisch Diskurs der so genannten „Konservativen Revolution“ und ihres Vordenkers Arthur Moeller van den Bruck. In seinem 1923 erschienenen Werk „Das dritte Reich“wird den Germanen eine angeblich „rassisch“ begründete „Kampfesfreude und Kampffähigkeit“ angedichtet, als deren Kronzeuge Arminius erscheint. Dieser habe als charismatischer Führer „sein Volk“ herausgerissen aus „Festefeiern, Müßiggang und Trägheit“, und erst die freudige Unterordnung unter seinen Willen habe den Germanen des ersten Jahrhunderts die angeblich wahre Freiheit gebracht[72]. Diese antidemokratische Geschichtsverzerrung, die bei den rechten Feinden der Weimarer Republik weit verbreitet war, ließ sich nur allzu leicht im nationalsozialistischen Sinne als Vorbild künftiger deutscher Einheit und Stärke unter der Führung Adolf Hitlers umdeuten. Im Wahlkampf zur Landtagswahl in Lippe, dem letzten vor der sogenannten „Machtergreifung“ griffen die Nationalsozialisten ausgiebig auf den Hermannmythos zurück.[73] Ein Wahlplakat etwa zeigte Hitler mit verschränkten Armen und entschlossenem Blick vor dem Hintergrund des Hermannsdenkmals und einer aufgehenden Sonne, in deren Mitte das Hakenkreuz stand. Einen Text hatte das äußerst sprechende Motiv dann nicht mehr nötig.
Hjalmar Kutzlebs Romanund Der erste Deutsche. Roman Hermanns des Cheruskers aus dem Jahre 1934 war dann völlig nationalsozialistisch durchsetzt.[74]Kutzleb wurde 1935 als Professor für Geschichte an der Hochschule für Lehrerbildung in Weilburg berufen, wo er mit Unterbrechungen nach der Wiedergründung bis 1949 beschäftigt war. Bereits während des Studiums verfasste Kutzleb literarische Texte, zunächst vorwiegend für und über die Wandervogelbewegung. Mit dem Antritt der Lehrerstelle in Minden im Jahr 1919 begann die Hauptphase seines literarischen Schaffens, die bis zu seinem Tod andauerte. Sein Werk, mehr als 60 Romane, Novellen und Sachbücher, umfasst vorwiegend „Bücher, die frühgeschichtlich-archäologische Themen und anekdotisch greifbare Ereignisse und Lebensläufe aus der mittelalterlichen und neueren Regionalgeschichte verarbeiten,“ und ist „von germanisierend-nationaler Erziehungstendenz“ geprägt.[75]Kutzleb schrieb unter anderem die Werke Die Söhne der Weißgerberin (1925), Die Hochwächter. Zeitroman (1927), Steinbeil und Hünengrab. Deutschland in der Vorgeschichte (1929), Mord an der Zukunft (1929), Schule und Erziehung. Stoffsammlung für die volksbürgerliche Arbeit (1931),Haus der Genesung. Sanatoriums-Roman (1932), Morgenluft in Schilda. Roman einer kleinen Stadt (1933), Thors Hammer. Bühnenspiel in einem Vorspiel und fünf Aufzügen (1933).[76]
Während der Zeit des Nationalsozialismus erfuhren Kutzlebs Werke eine positive Rezeption, 1936/37 wurde sein Roman Ein Paar Reiterstiefel mit dem zweiten Preis beim erstmals vergebenen Hans-Schemm-Preis für das deutsche Jugendschrifttum ausgezeichnet; in der Begründung der Jury wurde hervorgehoben, dass das Buch „deutsche Menschen in Einsatz und Kampf zeige“ und „von manchen Schelmenstreichen (durchsetzt)“ sei.[77]
Hans Schemm war NSDAP-Gauleiter der Bayerischen Ostmark, Reichsverwalter des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) und Bayerischer Kultusminister. 1929 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB), dem er als Reichsverwalter vorstand. Auf seine Initiative hin entstand im Rahmen des NSLB eine Arbeitsgemeinschaft von Geistlichen beider Konfessionen. Dies führte zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer evangelischer Geistlicher, die sich ab Mitte 1931 Nationalsozialistischer Evangelischer Pfarrerbund (NSEP) nannte.[78]
1928 und 1929 hatte Schemm die Leitung mehrerer nationalsozialistischer Zeitungen aufgrund seiner parlamentarischen Immunität übernommen, die er jedoch kurze Zeit später bereits wieder abgab, da es zu viele aufreibende Prozesse gab und sich die Redaktionen nicht immer an seine Anweisungen hielten. Im April 1929 gründete Schemm eine eigene Zeitung, ab August des gleichen Jahres erschien dann die „Nationalsozialistische Lehrerzeitung“, später benannt Der deutsche Erzieher. Reichszeitung, das Verbandsorgan des NS-Lehrerbundes. Am 1. Oktober 1930 erschien die von Schemm herausgegebene Wochenzeitung „Kampf für deutsche Freiheit und Kultur“, welche die Auflage von zunächst 3.000 Stück auf 20.000 Stück (1932) steigerte.1931 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Kulturverlag Bayreuth, der ab dem 1. Oktober 1932 die Tageszeitung „Das Fränkische Volk“ (Auflage 10.000 Stück) herausgab.[79]
Schemm konnte 1933 die Gründung eines NS-Gaus Bayerische Ostmark durchsetzen, „Mark“ im mittelalterlichen Sinn als Kriegsgebiet und Barriere gegen die „Slawen“ verstanden. Gauhauptstadt wurde Bayreuth, das gleichzeitig auch Sitz des NSLB war.[80]
Schemm und die Gauleitung waren danach aktiv, um ein „Ostmark-Bewusstsein“ zu fördern (z. B. durch Ostmarklied, Ostmarkstraße, Ostmarkverlag). 1942 wurde der Gau, der infolge der NS-Eroberung von Teilen der Tschechoslowakei nunmehr nicht im Grenzgebiet lag, in „Gau Bayreuth“ umbenannt. Schemm gründete einen „Gauverlag Bayerische Ostmark“ mit Sitz in Bayreuth, durch den etliche regionale Blätter gleichgeschaltet und zentral gesteuert wurden.[81] Bis 1942 trugen die Bezeichnung „Bayerische Ostmark“ neben dem „Fränkischen Volk“ die Deggendorfer Zeitung, die „Rottaler Zeitung“, das „Hofer Tagblatt“, die „Frankenwald-Zeitung“, die „Kulmbacher Rundschau“, die „Dingolfing-Landauer Zeitung“, die Donau-Zeitung, der „Regensburger Kurier“, die Coburger Nationalzeitung und andere Tageszeitungen. Nur wenige davon konnten noch eine kurze Zeit eine gewisse Eigenständigkeit bewahren, bis sie wegen der Papierrationierung im Weltkrieg ihr Erscheinen ganz einstellten.[82]
Der Gauverlag Bayerische Ostmark, ab 1942 „Gauverlag Bayreuth“, produzierte bis kurz vor Kriegsende eine große Anzahl Bücher, insbes. auch Feldpostausgaben von Kleinschriften. Es erschienen nicht nur offensichtliche Propaganda-Schriften, sondern auch Bildbände über Städte der „Bayerischen Ostmark“, sowie welche zu Bulgarien, und den eroberten Städten Prag und Krakau. 1939 zeigte der Verlag eine besondere Nähe zu Alfred Rosenbergs Kulturpolitik; z. B. erschien im März ein Auswahlband, der aus 9 Essays von 1938 in einer Literatur-Zeitschrift Bücherkunde, einem Organ des Rosenbergschen „Amts Schrifttumspflege“ bestand, sowie 3 weiteren. Beide Publikationen hatten den gleichen Herausgeber bzw. Hauptschriftleiter, Günther Stöve.
Ab 1928 war Hans Schemm Gauleiter des NSDAP-Gaus Oberfranken, der 1933 mit dem Gau Oberpfalz-Niederbayern zum Gau Bayerische Ostmark vereinigt wurde. Schemm blieb Gauleiter und etablierte in den folgenden Jahren in diesem Gau eine Nebenausgabe des „Fränkischen Volkes“, die „Bayerische Ostwacht“, welche später in „Bayerische Ostmark“ umbenannt wurde. Schemm wurde außerdem SA-Gruppenführer. Am 16. März 1933 ernannte Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp Schemm zum kommissarischen Kultusminister Bayerns (Kabinett von Epp). Hitler berief ihn dann am 13. April 1933 zum „Leiter der kulturellen und erzieherischen Angelegenheiten Bayerns“. Aufgrund dessen hatte auch der NSLB und der Reichstenographenbund seinen Sitz in Bayreuth. Auch unter der Regierung von Ludwig Siebert (Kabinett Siebert) blieb Schemm bis zu seinem Tode bayerischer Kultusminister. 1933 publizierte er das Buch Gott, Rasse und Kultur.[83]
Auf der Tagung Die Erziehung im nationalsozialistischen Staat, die vom 1. bis 5. August 1933 in München stattfand, rechtfertigte er in einem Referat die nationalsozialistische Gleichschaltung: „Der Nationalsozialismus kam zum Siege durch sein begeistertes Bekenntnis zur Totalität. Und wir werden deswegen nicht nachgeben, bis auch die Letzten … gleichgeschaltet und die, welche nicht wollen, aus irgendwelchen Gründen weggestorben sind“.[84]
Ein weiteres Genre war die Blut-und Boden-Literatur. Von anderen Strömungen der NS-Belletristik unterscheidet sich die „Blut-und-Boden-Literatur“ durch ihre Verherrlichung des Landlebens, der Natur und der Rückkehr zur Natur. Sie spielte, neben der Aufnahme germanisch-heidnischer Mythen (z.B. aus dem Sagenkreis der Nibelungen), eine wichtige Rolle bei der Schaffung des nationalsozialistischen Weltbildes.[85]
Natur und naturverbundenes bzw. „natürliches“ Leben werden von den Literaten des Blut-und-Boden-Stils zum Gegenstand eines politischen Mythos gemacht. Im Mittelpunkt stehen der Bauer und die Bäuerin als Symbole des „artreinen“ Deutschen schlechthin. Die Dorfgesellschaft erscheint als nationalsozialistischer Mikrokosmos. Neben der „Lebensraum“-Ideologie wird auch der nationalsozialistische Rassismus durch die Blut-und-Boden-Literatur propagiert.[86]
Autoren, die zu dieser Richtung zählen, sind Albert Bauer, Heinrich Anacker, Josefa Berens-Totenohl, Herbert Böhme, Hermann Eris Busse, Hermann Claudius, Friedrich Griese, Herybert Menzel und Gerhard Schumann. Auch gehören neben Richard Billinger, Joseph Georg Oberkofler und Karl Heinrich Waggerl zahlreiche weitere österreichische Schriftsteller der Zeit zu den Literaten dieser Gattung.[87] Die meisten dieser Autoren wurden – etwa über die Reichsschrifttumskammer – in beträchtlichem Maße von staatlicher Seite gefördert.
Neben Hans Grimm sind im „Dritten Reich“ weitere völkische Autoren als Repräsentanten einer „Blut- und Boden“-Literatur rezipiert und vereinnahmt worden.[88] Dazu gehört Emil Strauss mit seinem Roman Das Riesenspielzeug von 1935. Strauss hat seine Wurzeln in der vornationalsozialistischen Literatur, aber auch seine auf tausend Seiten entfaltete Botschaft war nationalsozialistisch brauchbar: Der Philologe Haugh gründete eine Siedlungsgenossenschaft, in der unentfremdete und vegetarische Lebensformen als Vorstufe zu einer Erneuerung der „deutschen Volksgemeinschaft“ aus dem Bauerntum praktiziert wurden.[89]
Schriften über das „Auslandsdeutschtum“ waren im Nationalsozialismus ein weit verbreitetes Genre. Josef Ponten war 1925 zu einem internationalen Geographenkongress in die Sowjetunion eingeladen worden und war bei der anschließenden Wolgafahrt auf die Siedlungen der Deutschen dort gestoßen.[90] Daraus entwickelte sich ab 1930 sein neues Hauptwerk Volk auf dem Wege, Roman der deutschen Unruhe.[91] Auf eine unbestimmte Zahl von Bänden geplant, wuchs es ihm allmählich über den Kopf. Die sechs Bücher über das Schicksal der Wolgadeutschen, die von Katharina der Großen nach Russland geholt worden waren, und über Auswanderer, die in der Zeit Napoleons im Süden Russlands, etwa im Kaukasus, siedelten, konnte er noch vollenden, dann raffte ihn die von den Ärzten seit Jahren angekündigte Angina Pectoris 1940 dahin. Auf seinen größten Reisen in seinem Buick zusammen mit der malenden Julia durch Nord- und Südamerika war er 1929 und 1937 noch anderen Auswandererschicksalen nachgegangen, die zu weiteren Bänden hätten führen können, wenn er nicht in Konflikt mit dem NS-Regime gekommen wäre.
Kurz nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten unterzeichnete Ponten am 15. März 1933 auf Verlangen Gottfried Benns die Loyalitätserklärung an Hitler, welche die Preußische Akademie der Künste zur Reichstagswahl März 1933 aufgesetzt hatte. Ebenso war er im Oktober 1933 einer der 88 Unterzeichner eines „Gelöbnisses treuester Gefolgschaft“ dem neuen Reichskanzler gegenüber. Der genaue Wortlaut lautet „Friede, Arbeit, Ehre und Freiheit sind die heiligsten Güter jeder Nation und die Voraussetzung eines aufrichtigen Zusammenlebens der Völker untereinander. Das Bewusstsein der Kraft und der wiedergewonnenen Einigkeit, unser aufrichtiger Wille, dem inneren und äußeren Frieden vorbehaltlos zu dienen (…) und unsre Entschlossenheit, nichts zu tun, was nicht mit unsrer und des Vaterlandes Ehre vereinbar ist, veranlassen uns, in dieser ernsten Stunde vor Ihnen, Herr Reichskanzler, das Gelöbnis treuester Gefolgschaft feierlichst abzulegen.“[92]
Ponten wurde jedoch nie Parteigenosse, schrieb kein Lobgedicht auf den Führer, aber erwartete, dass das neue Regime seine eigentümliche Art zu schreiben stützen, für seine notwendigen Auslandsreisen Pass und Devisen bereitstellen und so die Macht der „Gewaltigen in der Wüste der Berliner Druckerschwärze“ brechen würde, von denen er sich als provinzieller „Heimatdichter“ abqualifiziert sah.[93] Es bedeutete nicht, dass er sein freies Dichtertum aufgegeben und es nationalsozialistisch ausgerichtet hätte. Anders als Hans Grimms Volk ohne Raum blieb auch sein im Titel ähnlich klingendes Volk auf dem Wege von dergleichen frei. Ponten hatte sich schon 1933 ein sehr eigenes Idealbild von Nationalismus und Nationalsozialismus geschaffen. Ein schriftlicher Entwurf dazu findet sich im Aachener Pontenarchiv, und ab 1934 erschien Entsprechendes von ihm auch häufiger öffentlich, z.B. im Kölner Stadt-Anzeiger 1935: „Wie im Reich der Natur vieles Platz hat, vermag der naturhafte Mensch vieles gelten zu lassen. Ist es damit nicht wie mit dem Wesen des echten Nationalsozialismus? Muss dieser nicht, Anerkennung fordernd, Anerkennung geben? (…) Siehe da, es tritt das Merkwürdige ein, dass echter Nationalismus auch der wahre Inter- und Übernationalismus ist“[94]
1936 wurde Ponten mit dem „Rheinischen Dichterpreis“ ausgezeichnet, 1937 mit dem „Münchener Dichterpreis“. Aber anders als spätere Preisträger, verdankte er den Münchener Preis weniger dem neuen Regime als den Netzwerken seiner alten Freunde aus der Weimarer Zeit.[95]

Jugendliteratur im Nationalsozialismus
Eine eigene Rolle spielte die Jugendliteratur im Nationalsozialismus.[96] Fast alle Facetten des Genres wurden zu propagandistischen Zwecken genutzt. Berühmt wurde Karl A. Schenzingers Roman Hitlerjunge Quex durch seine Verfilmung von 1933. Er erzählt die Geschichte eines Hitlerjungen, der sich in der Weimarer Republik auf die Seite der Nationalsozialisten schlägt und in Straßenkämpfen umkommt. Der Roman Jakko des Schriftstellers und Regisseurs Alfred Weidenmann beschriebt 1939 die soziale Integration eines Jungen, der auf kriminelle Abwege zu geraten droht, durch den Eintritt in die Hitler-Jugend. Der Entwicklungsprozess des Jungen endet schließlich mit der Übernahme in den Reichsarbeitsdienst. Weidenmann hat auch eigene Propagandafilme gedreht: nach dem Krieg wurde er populär als Regisseur von Kinder- und Kriegsfilmen und durch seine Beiträge zur Fernsehserie Der Kommissar.
Auch traditionelle Genres wurden nationalsozialistisch umgearbeitet. Die Leistungsfähigkeit deutscher Techniker und Ingenieure wurde in Schenzinges Romanen Anilin und Metall und in den „Zukunftsromanen“ Hans Dominiks abgefeiert. Dominiks Roman Land aus Wasser und Feuer verbindet eine futuristische Technikschilderung mit der Kolonialisierung, die aber nicht sonderlich nationalsozialistisch geprägt ist. Eine große Rolle spielen schließlich Abenteuerromane, die sich für die imperialen Ideen des Nationalsozialismus und für die Militarisierung der Jugend verwenden ließen.[97]
Der auch später unter gewandelten politischen Vorzeichen sehr populär gebliebene Jugendschriftsteller Herbert Kranz schrieb Ostafrikaromane mit imperialistischen und rassistischen Untertönen und die Indianerliteratur aus der Tradition Karl Mays war durch Fritz Steubens Romane in einer nationalistischen und imperialistischen Variante präsent.[98] Karl Mays Werke wurden zwiespältig behandelt; führende nationalsozialistische Politiker bekundeten zunächst ihre Wertschätzung, andererseits wurden sie zunehmend wegen pazifistischer und antirassistischer Aussagen verboten.[99] Die nationalsozialistische Jugendliteratur war beim Publikum recht erfolgreich, da sie an bewährte Traditionen anknüpfen konnte. Daneben hat es kaum eine der neuen nationalsozialistischen Literaturgattungen mit Ausnahme einiger Lieder der Agitationslyrik geschafft, beim Publikum Fuß zu fassen. Insofern blieb die nationalsozialistische Literaturpolitik wohl einigermaßen erfolglos.[100]
Auch die bürokratische Literaturlenkung hatte nur mit Einschränkungen Erfolg. Innerhalb kürzester Zeit wurden Institutionen geschaffen, die eine Grenzziehung zwischen erwünschter, unerwünschter und geduldeter Literatur vornahmen.[101] Im Zentrum dieses Systems stand das Reichsministerium für Volksbildung und Aufklärung unter seinem Minister Joseph Goebbels. Goebbels wurde mit einer Arbeit über die romantische Prosa promoviert und veröffentlichte 1929 den völkischen Roman Michael als Sturm-und-Drang-Imitation. Er war der „Reichsschrifttumskammer“ als eine der sieben Kammern der „Reichskulturkammer“ unterstellt. Die Zugehörigkeit zu ihr war die Regelvoraussetzung für Publikationen im „Dritten Reich“. Generell wurde die Aufnahme aus rassistischen, antisemitischen und politischen Gründen verweigert, es wurde jedoch eine erhebliche Anzahl von Ausnahmegenehmigungen erteilt. Als fast spiegelbildlich organisierte Konkurrenzorganisation zu Goebbels Institution agierte das „Amt für Schrifttumspflege“ unter wechselnden Bezeichnungen und mit unklaren bürokratischen Status unter der Leitung des führenden Parteiideologen Alfred Rosenberg. Für Literaturpolitik zuständig waren schließlich noch das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung sowie die „Reichstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums“, die später ebenfalls Rosenberg unterstellt wurde, sowie einzelne Dienststellen der NSDAP.[102]
Eine programmatische Leitfunktion übernahm die führende Zeitschrift Die Neue Literatur unter der Leitung des Schriftstellers Willi Vesper.[103] Auch die SS gab unter dem Titel Die Weltliteratur eine eigene Literaturzeitschrift heraus. Ihr Schriftleiter war seit 1941 Hans Ernst Schneider, der nach dem Krieg unter dem gefälschten Namen Hans Schwerte eine Karriere als Germanistikprofessor und Rektor der RWTH Aachen machte und dessen Vergangenheit erst in den 1990er Jahren aufgedeckt wurde.Auf diese Weise entstand zwar theoretisch ein flächendeckender Überwachungs- und Kontrollapparat, der durch Zensur, durch Papierzuteilungen und die Lenkung von Buchrezensionen eine umfassende Kontrolle hätte ausüben können. Gerade aber diese Vielzahl von Institutionen erwies sich faktisch als kontraproduktiv, da sie eine einheitliche Linie bei der Literaturzensur oder auch nur bei der Benennung von erwünschter und unerwünschter Literatur verhinderte. Dies gilt erst recht für die konkrete Durchführung der Überwachung.[104]

Wichtige Autoren
Die Lebenswirklichkeit und die diktatorischen Ansprüche des Regimes fielen in vielen Fällen weit auseinander. In den Nischen des Überwachungsapparates hat sich eine ganze Reihe von Schriftstellern publizistisch betätigen können, die weit entfernt davon waren, die nationalsozialistische Ideologie zu teilen.[105] Ernst Wiechert gehörte zu den bekanntesten dieser nichtnationalsozialistischen Autoren, die im „Dritten Reich“ veröffentlichen konnten. Schon in seiner Münchener Universitätsrede Die Dichter und die Zeit von 1935 hat er öffentlich gegen das nationalsozialistische Regime Stellung bezogen.[106] 1938 kam er dafür einige Monate ins KZ Buchenwald, nach dem Krieg hat er diese Erfahrungen in seiner Erzählung Der Totenwald beschrieben. Trotz dieser unmittelbaren Bedrohung hat Wiechert weiter im „Dritten Reich“ publizieren können, da er als Vertreter nationalistischer Dichtung galt.[107] Andererseits zeigte er in seinem Roman Die Majorin von 1934 deutlich pazifistische oder zumindest kriegskritische Tendenzen, während der Roman Das einfache Leben von 1939 durch seine zivilisationskritische Tendenz und der Darstellung eines Rückzugs in die Idylle eines Fischerlebens an den Masurischen Seen sich wieder in die thematische Tradition der nationalistischen Literatur stellte.[108]
Werner Bergengruens Der Großtyrann und das Gericht von 1935 ist das beste Beispiel dieser Literatur: Die Geschichte von dem italienischen Renaissanceherrscher, der einen Mord begeht, um dessen Aufklärung durch seinen Polizeichef Nespoli beobachten zu können, lässt sich als eine Parabel auf die Verirrungen der absoluten Macht lesen, wie das Vorwort ausdrücklich nahelegt, wobei Bergengruen aber jegliche Bezüge, die allzu deutlich auf die Gegenwart verweisen würden, ausdrücklich meidet. Ähnliches gilt für den Roman Las Casas vor Karl V. von Reinhold Schneider, der ebenfalls während des Krieges, teilweise illegal, regimekritische Schriften veröffentlichte. Der Roman stellt die Vernichtung der südamerikanischen Indios durch die Conquista im 16. Jahrhundert dar. Den Zeitgenossen konnten die Parallelen zur Judenverfolgung deutlich werden oder auch nicht; unübersehbar war jedenfalls die Idee einer christlich-abendländischen Humanität, die gegen die Barbarei in der Geschichte geltend gemacht wurde.[109]
Eine eigene Position unter diesen Autoren nimmt Stefan Andres ein, der 1937 wegen der rassistischen Verfolgung seiner Frau nach Italien emigrierte, aber zwei bedeutende Erzählungen im Nationalsozialismus veröffentlichen konnte: El Greco malt den Großinquisitator von 1936 thematisierte an einem historischen Fall das Verhältnis von Kunst, Macht und Moral, entscheidet sich aber für das aktive Handeln angesichts der diktatorischen Gewalt der spanischen Inquisition.[110] Zu einer ähnlichen Pointe kommt er in seiner Erzählung Wir sind Utopia von 1942. Der Mönch Paco, der im spanischen Bürgerkrieg gefangengenommen wird, verzichtet darauf, sich selbst und seine Mitgefangenen befreien zu lassenund geht damit freiwillig in den Tod. Durch dieses Opfer beharrt er auf seiner individuellen Entscheidung, die extremste Form des Rückzugs aus der totalitären Wirklichkeit.[111]
Eine andere Version gestaltet Ernst Jünger in seinem Roman Auf den Marmor-Klippen von 1939.[112] Dem terroristischen Regime des „Oberförsters“ stellt er in seiner stark symbolisch stilisierten Darstellung eine Idylle zweier Brüder entgegen, die letztlich dem Terror unterliegt. Die Bezüge zur Gegenwart sind unverkennbar; Jünger postuliert ein Gegenbild zur nationalsozialistischen Herrschaft aus dem Geist einer elitären antidemokratischen Kultur auf der Basis des Abendlandes.
Ein eigener Fall in der regimekritischen Literatur ist der schlesische Protestant und Pfarrersohn Johann Klepper.[113] 1933 hatte er noch seinen heiteren Oderschifferroman Der Kahn der fröhlichen Leute publiziert; in den Folgejahren arbeitete er an seinem Roman Der Vater, der Geschichte des militaristischen preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. Klepper zeigt darin Sympathien für die autoritären Ordnungsstrukturen des preußischen Staates mit ihren Analogien zum „Dritten Reich“. Auf der anderen Seite bekundet er eine tiefe Skepsis gegenüber einem Regime, das sich dem Wort Gottes nicht unterwirft. Kleppers großer Roman, den er ausdrücklich weniger als historischen denn als religiösen verstanden wissen wollte, kommt zu keiner Lösung. Der Roman wurde, obwohl Klepper aus der „Reichsschrifttumskammer“ ausgeschlossen wurde, mit einer Sondergenehmigung publiziert und wurde besonders in Kreisen der Wehrmacht stark rezipiert.[114] Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei diesem Roman um ein Stück mit antidemokratischem Charakter handelte. Klepper hat aus seinem Dilemma keinen Ausweg gefunden; unter dem Eindruck der sich anbahnenden Verfolgung seiner Familie aus rassistischen Gründen beging das Ehepaar Klepper 1942 Selbstmord.
Von diesen Autoren hat keiner dem Nationalsozialismus nahegestanden, obwohl sie alle im „Dritten Reich“ publizieren konnten und ihre Werke teilweise in völkischen Traditionen standen.[115]
Der einzige deutsche bekannte Autor, der sich 1933 vorbehaltlos auf der Seite der Nationalsozialisten gestellt hatte, war neben dem Philosophen Martin Heidegger Gottfried Benn.[116] In mehreren Essays, insbesondere in der Rundfunkrede Der neue Staat und die Intellektuellen und in seinen gegen Klaus Mann gerichteten Antwort an die literarischen Emigranten, hat er die nationalsozialistische Ideologie vollkommen gebilligt und unterstützt. Diese Faszination währte jedoch nur ein Jahr; dann musste Benn erkennen, dass weder seine Hoffnungen vom Nationalsozialismus erfüllt wurden noch dass dieser ihn wirklich als Anhänger akzeptierte. Nachdem er Angriffen der SS ausgesetzt war, zog er sich als Arzt in die Wehrmacht zurück und bezeichnete dies als „aristokratische Form der Emigrierung“. 1936 erschien noch der Band Ausgewählte Gedichte, 1938 erhielt Benn Schreibverbot, woran er sich aber nicht hielt. 1943 erschienen als Privatdruck seine Zweiundzwanzig Gedichte. Besonders in dem Gedicht Monolog wandte sich Benn wohl aus gekränkter Eitelkeit aggressiv gegen den Nationalsozialismus.[117]
Dass der scheinbar unpolitische Dichter Benn mit seiner Herkunft aus der Tradition des Ästhetizismus sich auf die Seite der Nationalsozialisten schlagen konnte, ist ein nicht ungewöhnliches Phänomen.[118] Tatsächlich haben einige bedeutende Autoren der Weltliteratur in dieser Zeit eine ähnliche Haltung gezeigt und besonders für den italienischen Faschismus unter Benito Mussolini Sympathien gezeigt. Der angloamerikanische Schriftsteller Ezra Pound gehörte ebenso dazu wie Marinetti, dem italienischen Begründer der Kunstrichtung des Futurismus, oder Gabriele D’Annunzio.[119] Dass es gerade die Repräsentanten einer ästhetizistischen Tradition waren, die sich vom Nationalsozialismus oder vom italienischen Faschismus angezogen fühlten, kommt nicht von ungefähr. Für Benn ist der Zusammenhang deutlich zu sehen: Offensichtlich hegte er die Vision, dass durch den Nationalsozialismus der Staat zu einem Kunstwerk umgestaltet werden könnte, das ähnlich wie ein Gedicht strengen Formgesetzen unterliegt, also eine Ästhetisierung der Politik. In seinen Bekenntnissen zum Expressionismus hat noch einmal vergeblich versucht, die moderne Literatur in den Nationalsozialismus zu integrieren.[120]
Neben diesen mehr oder weniger oppositionellen und zustimmenden Texten mit ihren vielen Grenzfällen wurde im „Dritten Reich“ viel unpolitische Literatur publiziert. Die um 1914 geborenen Autoren, die erstmals in den Endjahren der Weimarer Republik hervorgetreten waren, schrieben oft während des „Dritten Reiches“ weiter. Teils zeigten sie Affinitäten zum Faschismus, freilich oft eher in seiner italienischen als in der deutschen Gestalt wie Gustav Hocke in seinem italienischen Reisebericht Das verschwundene Gesicht von 1939.[121] Andere Autoren entzogen sich dem politischen Sog vollends. Insbesondere die modernen Naturlyriker der in der Weimarer Republik entstandenen Gruppierung Kolonne um Martin Raschke konnten im Nationalsozialismus weiter schreiben. Von Wilhelm Lehmann, Oskar Loerke, Elisabeth Langgässer, Horst Lange, Peter Huchel und Günther Eich erschienen Gedichte, Romane, Hörspiele und Essays.[122] Einige Zeitschriften boten nach wie vor Publikationsgelegenheiten für diese Autoren. Darunter fielen die Kölnische Zeitung unter ihrem Kulturredakteur Gustav Hocke und die Frankfurter Zeitung, da es als Tageszeitung gelungen war, sich in ihrem zunächst von Alfons Paquet und dann von Max von Brück geleiteten Feuilleton große Freiräume zu schaffen. Andres‘ Erzählung Wir sind Utopia erschien hier ebenso wie Beiträge von Elisabeth Langgässer oder Marie Luise Kaschnitz. Daneben spielten Kulturzeitschriften wie das 1934 neu gegründete Innere Reich und die traditionsreiche Deutsche Rundschau bis zu ihrem Verbot 1944 eine wichtige Rolle als Publikationsforen für nationalkonservative und elitäre Autoren, die nicht dem Nationalsozialismus huldigten aber auch wenig mit demokratischem Gedankengut anfangen konnten. Die Neue Rundschau erschien nach wie vor im Fischer Verlag, der nach der Emigration des Verlagsleiters von Peter Suhrkamp bis zu dessen Verhaftung 1944 geleitet wurde.[123]
Der nationalsozialistische Schriftsteller Hans Zöberlein war zugleich auch SA-Brigadeführer. 1921 trat er erstmals in die NSDAP und in die SA ein. Im November 1923 nahm er am Münchener Hitler-Ludendorff-Putsch teil. Nach der auf das vorübergehende Verbot der Partei im November 1923 folgenden Neugründung der NSDAP trat er ihr erneut bei.[124]
Durch Besuch weiterführender Schulen qualifizierte sich Zöberlein als Architekt. Diesen Beruf übte er in den 1920er Jahren offensichtlich ohne großen Erfolg in München aus. Ursprünglich sollte er mit dem Architekten Otto Schiedermaier das im Juli 1930 von der NSDAP angekaufte und für ihre Geschäftsstelle und Parteizentrale vorgesehene Barlow-Palais in der Münchner Brienner Straße umbauen. Dazu kam es jedoch nicht, da Hitler dem renommierteren Architekten Paul Ludwig Troost den Vorzug gab.
In der nach dem „Röhm-Putsch“ ohnehin entmachteten SA avancierte Zöberlein nur langsam. 1943 wurde er zum SA-Brigadeführer ernannt. Er war Mitglied des SA-Kulturausschusses und Präsident des Ordens der Bayerischen Tapferkeitsmedaille, der hohes Prestige genoss.
In München war er NSDAP-Stadtrat und machte durch seine Werke in München auch als Kulturpolitiker von sich reden.[125] Im Herbst 1933 war Zöberlein bereits im Gespräch für den jährlich verliehenen Literaturpreis der Stadt – Alternativkandidat war zu diesem Zeitpunkt Georg Britting, für den unter anderem Zöberlein stimmte, der selbst im Gremium saß. Britting erhielt den Preis für 1935 im Jahre 1936 nachgereicht. Die Entscheidung fiel 1933 nach Vertagung im selben Kreis einstimmig zugunsten Zöberleins. 1934 wurde Zöberlein Leiter des neugegründeten Kulturamts, zuständig für Bildende Kunst, Literatur und Theater inklusive aller Bibliotheken sowie für Musik und Film.[126]
Im Sommer 1935 war die Gestaltung des Brückenkopfes der Münchner Ludwigsbrücke durch Karl Knappe ein Streitpunkt, zumal Knappe geächtet war und ein Berufsverbot hatte. Zöberlein war der auf dem Papier Verantwortliche für die Ausgestaltung, die Hitlers Unmut erregte. Daraufhin wurde Zöberlein Hitlers Wunsch mitgeteilt, dass er zugunsten von Ferdinand Liebermann demissioniere, was ebenso den Verlust der Leitung des Kulturamtes beinhaltete. Zöberlein kam dem nach.
In Penzberg, einem Ort südlich von München, hatte kurz vor Kriegsende eine Gruppe von Einwohnern den NS-Bürgermeister abgesetzt und wollte zur Vermeidung von Blutvergießen und Zerstörungen die Kapitulation der Stadt gegenüber den heranrückenden amerikanischen Truppen herbeiführen. Daraufhin ließ Zöberlein am 28./29. April 1945 als Anführer eines „Werwolf“-Kommandos mehrere Bürger dieser Bergbaustadt als Verräter hinrichten. Dieses Massaker wurde als Penzberger Mordnacht bekannt.[127] Zöberlein wurde hierfür 1948 zum Tode verurteilt. Das Oberlandesgericht München wies das Revisionsersuchen als unbegründet zurück, wandelte aber die Strafe aufgrund der zwischenzeitlich geänderten Rechtslage in eine lebenslange Haft mit „dauerndem Ehrverlust“ um Das Spruchkammerverfahren zur Entnazifizierung führte 1952 zur Einstufung Zöberleins als „Belasteter“ und zu einer Strafe von zwei Jahren Arbeitslager, Vermögensentzug und einem zehnjährigen Berufsverbot. 1958 erhielt Zöberlein aus gesundheitlichen Gründen Haftverschonung bis zu seinem Tod am 13. Februar 1964 in München.
1931 erschien Zöberleins erstes Werk, der Weltkriegsroman Der Glaube an Deutschland im Franz-Eher-Verlag in München.[128] Die filmische Umsetzung dieses Romans, bei der Zöberlein und Ludwig Schmid-Wildy Regie führten, wurde 1934 unter dem Titel Stoßtrupp 1917 verwirklicht. Das Buch gehört mit einer Auflage von ca. 800.000 Exemplaren zu den erfolgreichsten Weltkriegsromanen. Im Geleitwort des mit dem Untertitel Ein Kriegserleben von Verdun bis zum Umsturz versehenen Romans schrieb – was sehr selten vorkam – Hitler selbst: „Hier ist das Vermächtnis der Front niedergelegt! Ein einfacher Soldat, der nicht beabsichtigte, die Kriegsliteratur zu vermehren, hat sich in jahrelanger, mühevoller Arbeit neben seinem Beruf eine Last von der Seele geschrieben.“[129]
Sein zweiter Roman Der Befehl des Gewissens von 1937 (Untertitel: Ein Roman von den Wirren der Nachkriegszeit und der ersten Erhebung) stellt den Kampf der Freikorps in der Nachkriegszeit und die nationalsozialistische Bewegung als Fortsetzung des Kriegseinsatzes der Frontsoldaten dar.[130] In diesem Werk, das eine Auflagenhöhe von über 400 000 Exemplaren erreichte, beschrieb Zöberlein den Werdegang des Schuhmachersohnes und Frontsoldaten Hans Krafft zum glühenden Anhänger des Nationalsozialismus. Juden werden darin explizit mit ‚„Ungeziefer“ verglichen und als „Judenschweine“ diffamiert. Zugleich werden radikale Gegenmaßnahmen gefordert: „Den Baum, der giftige Früchte trägt, muß man umhauen und ins Feuer werfen. Hier darf es kein Mitleid geben. Mitleid ist Schwäche.“[131]
Es hat (zu) lange gedauert, bis eine weitere Facette der Publikationskultur des „Dritten Reiches“ aufgezeigt wurde. Es hat eine nicht geringe Zahl von bekannten Autoren gegeben, die im Völkischen Beobachter publiziert haben, die nicht genuin dem Nationalsozialismus zugerechnet werden.[132] Der Völkische Beobachter war seit 1920 die Parteizeitung der NSDAP. Von Ricarda Huch, die 1933 aus der Akademie ausgetreten war, erschienen in der Wiener und Münchener Ausgabe 1943 und 1944 drei literarische Texte. Stefan Andres hat zwischen 1937 und 1943 kontinuierlich im Völkischen Beobachter publiziert, während Werner Bergengruen, Wolfgang Weyrauch, Ernst Wiechert und zahlreiche andere Autoren vereinzelt dort vertreten waren.
Ähnlich verhielt es sich mit der nationalsozialistischen Krakauer Zeitung, die 1939 im besetzten Polen gegründet wurde. Hier erschienen Beiträge von Ricarda Huch, Werner Bergengruen, Hermann Hesse und anderen. Keiner von diesen Autoren vertrat dort dezidiert nationalsozialistische Positionen.[133] Was diese Autoren getrieben hat, gerade in der Parteizeitung der NSDAP zu veröffentlichen, ist unklar.


Ausbürgerung und Exil

Die Grauzonen zwischen einer parteitreuen, einer unpolitischen und einer regimekritischen Literatur ermöglichte der Literatur eine Kontinuität von der Weimarer Republik zum „Dritten Reich“. Trotzdem war das Jahr 1933 mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft ein scharfer Einschnitt in das kulturelle und literarische Leben.[134] Die „Machtergreifung“ Hitlers bedeutete einen lebensbedrohlichen Bruch in der Biographie und dem Werk zahlreicher Autoren, die aus politischen oder rassistischen Gründen verfolgt wurden.[135] Unmittelbar nach der „Machtergreifung“ und insbesondere nach dem Reichstagsbrand vom 27.2. mit der darauf folgenden „Verordnung von Volk und Staat“ sowie dem „Ermächtigungsgesetz“ haben etliche Autoren das nationalsozialistische Deutschland verlassen; viele wurden später formell ausgebürgert. Auf der ersten Ausbürgerungsliste vom August 1933 standen die Schriftsteller Alfred Karr, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller und andere. In den folgenden Jahren erschienen in unregelmäßigen Abständen weitere Ausbürgerungslisten, auf denen in der Regel Namen von Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern standen, die wie zum Beispiel Bert Brecht Deutschland längst verlassen hatten und denen mit der Ausbürgerung der Pass entzogen wurde. Die Ausbürgerungslisten wie überhaupt die Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten ließen in vielen Fällen keine klare Kontur erkennen. In vielen Fällen ging es auch darum, Autoren mit internationalem Ansehen nicht förmlich zu verfolgen.[136]

Ein besonderer Fall ist Thomas Mann. Bei der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten hielt er zufälligerweise im Ausland auf und kam nicht wieder zurück. Der Aufsatz Leiden und Größe Richard Wagners und die ersten beiden Bände des Romans Joseph konnten noch in Deutschland erscheinen. Erst 1936, nachdem sich die Emigration von Manns Verleger Gottfried Bermann Fischer abzeichnete, erklärte er sich in einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung vom 3.2. endgültig als Gegner des Nationalsozialismus und wurde Ende des Jahres in die siebte Ausbürgerungsliste, da die Machthaber noch das Ende der Olympischen Spiele in Berlin noch abwarten wollten und dort keinen Skandal internationalen Ausmaßes brauchten.[137]
Insgesamt wurden weit über fünftausend Intellektuelle aus Deutschland vertrieben.[138] Einige Autoren, die Deutschland nicht verlassen haben, haben dafür mit dem Leben bezahlt: Carl von Ossietzky starb ebenso an den Folgen seiner Haft im Konzentrationslager wie der kommunistische Schriftsteller Klaus Neukrantz, der Anarchist Erich Mühsam wurde bereits am Tag nach dem Reichstagsbrand verhaftet und im KZ Oranienburg ermordet. Noch im April 1945 wurde der konservative regimekritische Autor Albrecht Haushofer ermordet, dessen drei Antikedramen und die im Gefängnis geschriebenen Moabiter Sonette zu den wichtigsten Dokumenten einer oppositionellen Literatur gehörten.[139] Auch die Emigration hat viele Autoren das Leben gekostet. Stefan Zweig, Walter Benjamin und Ernst Toller begingen unter dem Druck der Verhältnisse Selbstmord; Joseph Roth starb im Pariser Exil an Alkoholismus in einem Armenhospital.[140]
In Amsterdam wurde der Querido Verlag mit seiner deutschen Abteilung einer der wichtigsten Publikationsorte für deutsche Schriftsteller im Exil, in Zürich druckte der Verlag von Emil Oprecht die Werke von vertriebenen Autoren, und in Mexiko wurde 1942 die Editorial El Libro libre von Exilautoren gegründet.[141] Diese Verlagsgründungen blieben jedoch vereinzelt und waren in der Regel finanziell ungesichert; im Normalfall mussten sich die Autoren in ihrem Aufnahmeland um Publikationsmöglichkeiten kümmern.[142] Auch die Emigrantenzeitschriften waren in der Regel nur kurzlebig. Klaus Mann gründete die Zeitschrift Die Sammlung, die nur von 1933 bis 1935 bestand. In der Schweiz erschien von 1937 bis 1940 die Zeitschrift Maß und Wert mit Thomas Mann als Mitherausgeber, und für die literaturpolitischen Diskussionen war die Moskauer Zeitschrift Das Wort von Bedeutung, die von Feuchtwanger, Brecht und Bredel herausgegeben wurde.[143] Eine gewisse Bedeutung für die Selbstverständigung der Exilanten über ihre Politik gegenüber dem Nationalsozialismus hatte der Schriftstellerkongress für die Verteidigung von Kultur im Jahre 1935, an dem Autoren aus 37 Ländern teilnahmen.
Zunächst waren es die Nachbarländer, die mit unterschiedlich liberaler Asylpolitik die deutschen Schriftsteller aufnahmen.[144] Eine besondere Rolle spielte dabei die Tschechoslowakei mit ihrer Hauptstadt Prag, die zum ersten Zentrum deutscher Exilanten wurde. Diese bauten hier deutsche Verlage und Zeitschriften wieder auf und entwickelten dort eine Verbreitung der deutschen Kultur, die danach niemals mehr so existieren würde.[145] Ermöglicht wurde dies durch die großzügige Politik des Präsidenten Tomas Masaryk, der vielen Schriftstellern zu tschechoslowakischen Pässen verhalfen, darunter der gesamten Familie Mann und Franz Werfel. In Skandinavien, England und Frankreich haben sich ebenfalls literarische Emigranten aufhalten dürfen, während die Schweiz eine äußerst repressive Politik verfolgte.[146] Die Sowjetunion war nur für kommunistische Schriftsteller attraktiv und auch diese waren angesichts der Wandlungen von Stalins Politik gegenüber dem NS-Regime gefährdet. Nach dem Beginn des 2. Weltkriegs 1939 mussten die Emigranten zum großen Teil Europa verlassen; einige Autoren gingen nach Palästina, viele nach Südamerika. Zum Hauptaufnahmeland und damit zum Zentrum des deutschen literarischen Exils wurden jedoch die USA.
Eine ganze Reihe von Romanen thematisierte die Wirklichkeit im nationalsozialistischen Deutschland. Am bekanntesten wurde Anna Seghers Das siebte Kreuz.[147] Der Roman erschien in Teilen, 1942 in Mexiko in einer vollständigen deutschen Fassung. Geschildert wird darin die Flucht von sieben Häftlingen des Konzentrationslagers Westhofen, von denen sechs wieder gefangen und umgebracht wurden. Das siebte Kreuz jedoch, an dem der letzte Entflohene ebenfalls ermordet werden sollte, blieb leer. Der Kommunist Heisler kann seine Flucht erfolgreich beenden unter Mithilfe von Deutschen aus den unterschiedlichsten Schichten und Berufen, was auch die Botschaft dieses politischen Romans ist. Anna Seghers propagiert die Hoffnung auf ein breites Bündnis in Deutschland unterschiedlicher politischer und konfessioneller Herkunft gegen Hitlers Diktatur.[148] Der Glaube an Humanität und Solidarität unter den Menschen trieb Seghers zu diesem Höhepunkt der Exilliteratur.
Eine Hoffnung auf Widerstand bekundet auch der Roman Revolte der Heiligen des jüdischen Autors Ernst Sommer, der dem Prager Kreis angehörte und nach London geflohen war.[149] Der Roman erschien 1944, nachdem Angehörige Ernst Sommers im KZ umgekommen waren. Sommer stellte die Ghettosituation der Juden in Warschau in einer leicht stilisierten Fassung dar, und er fordert entgegen allen jüdischen Traditionen den Aufstand gegen die Nationalsozialisten. Die Heiligen sollten revoltieren und wurden so zu Helden.
Lion Feuchtwangers Roman Die Geschwister Oppenheim, der nach dem Krieg unter dem Titel Geschwister Oppenheim erschien, wendet sich dem Alltag im „Dritten Reich“ zu. Der jüdische Schriftsteller und Kaufmann Gustav Oppenheim versucht, sich gegen den Nationalsozialismus zu wehren, bezahlt aber dabei wie seine Familie mit dem Leben. Feuchtwanger hat diesen Roman mit dem noch in der Weimarer Republik erschienenen Erfolg und dem Roman Exil von 1940 später zu einer Triologie unter dem Namen Wartesaal verbunden.[150]








[1] Schütz, E.: Romane der Weimarer Republik, München 1996, S. 179
[2] König, C./Lämmert, E. (Hrsg.): Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 1910-1925, Frankfurt/Main 1993, S. 128
[3] Hahn, M.: Scheinblüte. Krisenzeit. Nationalsozialismus. Die Weimarer Republik im Spiegel später Zeitromane, Bern u.a. 1995, S. 172
[4] König, C./Lämmert, E. (Hrsg.): Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 1910-1925, Frankfurt/Main 1993, S. 163
[5] Schütz, E.: Romane der Weimarer Republik, München 1996, S. 183
[6] Sontheimer, K.: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. Die politischen Ideen des deutschen Nationalismus zwischen 1918 und 1933, 2. Auflage, München 1968, S. 129
[7] Luserke, M.: Robert Musil, Stuttgart/Weimar 1995, S. 72f
[8] Peukert, D. J. K.: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt/Main 1987, S. 145
[9] Luserke, M.: Robert Musil, Stuttgart/Weimar 1995, S. 79
[10] Peukert, D. J. K.: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt/Main 1987, S. 126
[11] Luserke, M.: Robert Musil, Stuttgart/Weimar 1995, S. 82
[12] Schütz, E.: Romane der Weimarer Republik, München 1996, S. 198
[13] Hahn, M.: Scheinblüte. Krisenzeit. Nationalsozialismus. Die Weimarer Republik im Spiegel später Zeitromane, Bern u.a. 1995, S. 203f
[14] Peukert, D. J. K.: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt/Main 1987, S. 136
[15] Sontheimer, K.: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. Die politischen Ideen des deutschen Nationalismus zwischen 1918 und 1933, 2. Auflage, München 1968, S. 137
[16] Herbst, L.: Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Tübingen 1996, S. 18
[17] Thamer, H.-U.: Der Nationalsozialismus, Opladen 2002, S. 34
[18] Steinbach, L. Ein Volk, ein Reich, ein Glaube? Ehemalige Nationalsozialisten und Zeitzeugen berichten über ihr Leben im Dritten Reich, Bonn 1984, S. 56ff
[19] Reichel, P.: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Berlin 1991, S. 63
[20] Steinbach, L. Ein Volk, ein Reich, ein Glaube? Ehemalige Nationalsozialisten und Zeitzeugen berichten über ihr Leben im Dritten Reich, Bonn 1984, S. 92
[21] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 128
[22] Weißbäcker, M.: Geschichte der NSDAP 1920-1945, Köln 1991, S. 75f
[23] Adams, U.D.: Judenpolitik im Dritten Reich, Düsseldorf 1982, S. 62
[24] Herbst, L.: Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Tübingen 1996, S. 78
[25] Thamer, H.-U.: Der Nationalsozialismus, Opladen 2002, S. 120
[26] Thamer, H.-U./Wippermann, K.W.: Faschistische und neofaschistische Bewegungen, Darmstadt 1977, S. 39
[27] Weißbäcker, M.: Geschichte der NSDAP 1920-1945, Köln 1991, S. 104
[28] Adams, U.D.: Judenpolitik im Dritten Reich, Düsseldorf 1982, S. 90
[29] Thamer, H.-U./Wippermann, K.W.: Faschistische und neofaschistische Bewegungen, Darmstadt 1977, S. 72
[30] Thamer, H.-U.: Der Nationalsozialismus, Opladen 2002, S. 182
[31] Strothmann, D.: Nationalsozialistische Kulturpolitik. Ein Beitrag zur Publizistik im Dritten Reich, 4. Auflage, Bonn 1985, S. 19
[32] Jens, I.: Dichter zwischen rechts und links. Die Geschichte der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste dargestellt nach Dokumenten, 2. Auflage, Leipzig 1994, S. 23
[33] Barbian, J.-P.: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder, München 1995, S. 24ff
[34] Reichl, J. M.: Das Thingspiel. Über den Versuch eines nationalsozialistischen Lehrstück-Theaters, Frankfurt/Main 1988, S. 22
[35] Jens, I.: Dichter zwischen rechts und links. Die Geschichte der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste dargestellt nach Dokumenten, 2. Auflage, Leipzig 1994, S. 78
[36] Strothmann, D.: Nationalsozialistische Kulturpolitik. Ein Beitrag zur Publizistik im Dritten Reich, 4. Auflage, Bonn 1985, S. 45
[37] Barbian, J.-P.: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder, München 1995, S. 31
[38] Denk, F.: Die Zensur der Nachgeborenen. Zur regimekritischen Literatur im Dritten Reich, Weilheim 1995, S. 62
[39] Reichel, P.: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus, Berlin 1991, S. 91
[40] Graeb-Könneker, S.: Autochthone Modernität. Eine Untersuchung der vom Nationalsozialismus geförderten Literatur, Opladen 1996, S. 89
[41] Behrenbeck, S.: Der Kult um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole. 1923 bis 1945, Vierow bei Greifswald 1996, S. 56
[42] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 63
[43] Strothmann, D.: Nationalsozialistische Kulturpolitik. Ein Beitrag zur Publizistik im Dritten Reich, 4. Auflage, Bonn 1985, S. 78
[44] Hartwig, J.: Das Dritte Reich im Werk Ernst Wiechert. Geschichtsdenken, Selbstverständnis und literarische Praxis, Frankfurt/Main u.a 1984, S. 79
[45] Barbian, J.-P.: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder, München 1995, S. 36
[46] Reichl, J. M.: Das Thingspiel. Über den Versuch eines nationalsozialistischen Lehrstück-Theaters, Frankfurt/Main 1988, S. 34
[47] Behrenbeck, S.: Der Kult um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole. 1923 bis 1945, Vierow bei Greifswald 1996, S. 31
[48] Graeb-Könneker, S.: Autochthone Modernität. Eine Untersuchung der vom Nationalsozialismus geförderten Literatur, Opladen 1996, S. 79
[49] Reichl, J. M.: Das Thingspiel. Über den Versuch eines nationalsozialistischen Lehrstück-Theaters, Frankfurt/Main 1988, S. 36f
[50] Daiber, H.: Schaufenster der Diktatur. Theater im Machtbereich Hitlers, Stuttgart 1995, S. 47
[51] Busch, S.: „Und gestern, da hörte uns Deutschland“. NS-Autoren in der Bundesrepublik. Kontinuität und Diskontinuität bei Friedrich Giese, Werner Beumelburg, Eberhard Wolfgang Moeller und Kurt Ziesel, Würzburg 1998, S. 31
[52] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 78
[53] Hartwig, J.: Das Dritte Reich im Werk Ernst Wiechert. Geschichtsdenken, Selbstverständnis und literarische Praxis, Frankfurt/Main u.a 1984, S. 104
[54] Daiber, H.: Schaufenster der Diktatur. Theater im Machtbereich Hitlers, Stuttgart 1995, S. 60f
[55] Ruth, A.: Das nationalsozialistische Massenlied. Untersuchungen zur Genese, Ideologie und Funktion, Würzburg 1993, S. 36
[56] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 44
[57] Ruth, A.: Das nationalsozialistische Massenlied. Untersuchungen zur Genese, Ideologie und Funktion, Würzburg 1993, S. 83
[58] Barbian, J.-P.: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder, München 1995, S. 67
[59] Busch, S.: „Und gestern, da hörte uns Deutschland“. NS-Autoren in der Bundesrepublik. Kontinuität und Diskontinuität bei Friedrich Giese, Werner Beumelburg, Eberhard Wolfgang Moeller und Kurt Ziesel, Würzburg 1998, S. 62
[60] Behrenbeck, S.: Der Kult um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole. 1923 bis 1945, Vierow bei Greifswald 1996, S. 63
[61] Abels, K.: Preußenfilm, Jugendbuch und Kriegslied im „Dritten Reich“, Bielefeld 2002, S. 83ff
[62] Barbian, J.-P.: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder, München 1995, S. 90
[63] Schäfer, H.D.: Das gespaltene Bewußtsein. Deutsche Kultur und Lebenswirklichkeit 1933-1945, 2. Auflage, Wien/München 1982, S. 55
[64] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 124
[65] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 77
[66] Riegel, P./van Rinsum, W./Deutsche Literaturgeschichte. Band 10: Drittes Reich und Exil, München 2000, S. 176
[67] Westenfelder, F.: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatur am Beispiel des historischen Romans zwischen 1890 und 1945, Frankfurt/Main 1989, S. 68
[68] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 161
[69] Caemmerer, C./Debelar, W. (Hrsg.): Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933-1945, Opladen 1996, S. 129
[70] Westenfelder, F.: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatur am Beispiel des historischen Romans zwischen 1890 und 1945, Frankfurt/Main 1989, S. 123
[71] Westenfelder, F.: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatur am Beispiel des historischen Romans zwischen 1890 und 1945, Frankfurt/Main 1989, S. 162
[72] Caemmerer, C./Debelar, W. (Hrsg.): Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933-1945, Opladen 1996, S. 128
[73] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 162
[74] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 129
[75] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 132
[76] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 101
[77] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 137
[78] Westenfelder, F.: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatur am Beispiel des historischen Romans zwischen 1890 und 1945, Frankfurt/Main 1989, S. 103f
[79] Caemmerer, C./Debelar, W. (Hrsg.): Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933-1945, Opladen 1996, S. 129
[80] Westenfelder, F.: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatur am Beispiel des historischen Romans zwischen 1890 und 1945, Frankfurt/Main 1989, S. 162
[81] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 137
[82] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 83
[83] Westenfelder, F.: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatur am Beispiel des historischen Romans zwischen 1890 und 1945, Frankfurt/Main 1989, S. 86
[84] Breßlein, E.: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama. Kontinuitäten und Differenzen, Frankfurt/Main 1980, S. 128
[85] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 17f
[86] Denkler, H./Prümm, K. (Hrsg.): Die deutsche Literatur im Dritten Reich, Stuttgart 1976, S. 92ff
[87] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 19
[88] Riegel, P./van Rinsum, W./Deutsche Literaturgeschichte. Band 10: Drittes Reich und Exil, München 2000, S. 137
[89] Riegel, P./van Rinsum, W./Deutsche Literaturgeschichte. Band 10: Drittes Reich und Exil, München 2000, S. 162
[90] Caemmerer, C./Debelar, W. (Hrsg.): Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933-1945, Opladen 1996, S. 110
[91] Riegel, P./van Rinsum, W./Deutsche Literaturgeschichte. Band 10: Drittes Reich und Exil, München 2000, S. 156
[92] Breßlein, E.: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama. Kontinuitäten und Differenzen, Frankfurt/Main 1980, S. 162
[93] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 83
[94] Caemmerer, C./Debelar, W. (Hrsg.): Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933-1945, Opladen 1996, S. 111
[95] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 64
[96] Abels, K.: Preußenfilm, Jugendbuch und Kriegslied im „Dritten Reich“, Bielefeld 2002, S.52
[97] Denkler, H./Prümm, K. (Hrsg.): Die deutsche Literatur im Dritten Reich, Stuttgart 1976, S. 117
[98] Abels, K.: Preußenfilm, Jugendbuch und Kriegslied im „Dritten Reich“, Bielefeld 2002, S. 63
[99] Bialas, W./Gangl, M. (Hrsg.): Intellektuelle im Nationalsozialismus, Frankfurt/Main u.a. 2000, S. 66
[100] Behrenbeck, S.: Der Kult um die toten Helden. Nationalsozialistische Mythen, Riten und Symbole. 1923 bis 1945, Vierow bei Greifswald 1996, S. 78
[101] Schäfer, H.D.: Das gespaltene Bewußtsein. Deutsche Kultur und Lebenswirklichkeit 1933-1945, 2. Auflage, Wien/München 1982, S. 89
[102] Riegel, P./van Rinsum, W./Deutsche Literaturgeschichte. Band 10: Drittes Reich und Exil, München 2000, S. 131
[103] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 103
[104] Bialas, W./Gangl, M. (Hrsg.): Intellektuelle im Nationalsozialismus, Frankfurt/Main u.a. 2000, S. 80
[105] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 133
[106] Hartwig, J.: Das Dritte Reich im Werk Ernst Wiechert. Geschichtsdenken, Selbstverständnis und literarische Praxis, Frankfurt/Main u.a 1984, S. 23ff
[107] Caemmerer, C./Debelar, W. (Hrsg.): Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933-1945, Opladen 1996, S. 82
[108] Denkler, H./Prümm, K. (Hrsg.): Die deutsche Literatur im Dritten Reich, Stuttgart 1976, S. 126
[109] Riegel, P./van Rinsum, W./Deutsche Literaturgeschichte. Band 10: Drittes Reich und Exil, München 2000, S. 156
[110] Westenfelder, F.: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatur am Beispiel des historischen Romans zwischen 1890 und 1945, Frankfurt/Main 1989, S. 90
[111] Braun, ;M.: Stefan Andres. Leben und Werk, Bonn 1997, S. 52f
[112] Bialas, W./Gangl, M. (Hrsg.): Intellektuelle im Nationalsozialismus, Frankfurt/Main u.a. 2000, S. 87
[113] Denk, F.: Die Zensur der Nachgeborenen. Zur regimekritischen Literatur im Dritten Reich, Weilheim 1995, S. 79f
[114] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 92
[115] Breßlein, E.: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama. Kontinuitäten und Differenzen, Frankfurt/Main 1980, S. 53
[116] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 69
[117] Caemmerer, C./Debelar, W. (Hrsg.): Dichtung im Dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933-1945, Opladen 1996, S. 139
[118] Breßlein, E.: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama. Kontinuitäten und Differenzen, Frankfurt/Main 1980, S. 93
[119] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 83
[120] Denkler, H./Prümm, K. (Hrsg.): Die deutsche Literatur im Dritten Reich, Stuttgart 1976, S. 178
[121] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 89
[122] Schäfer, H.D.: Das gespaltene Bewußtsein. Deutsche Kultur und Lebenswirklichkeit 1933-1945, 2. Auflage, Wien/München 1982, S. 72
[123] Braun, ;M.: Stefan Andres. Leben und Werk, Bonn 1997, S. 76
[124] Breßlein, E.: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama. Kontinuitäten und Differenzen, Frankfurt/Main 1980, S. 70
[125] [125] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 123
[126] Ebd., S. 125
[127] Breßlein, E.: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama. Kontinuitäten und Differenzen, Frankfurt/Main 1980, S. 71
[128] Denkler, H./Prümm, K. (Hrsg.): Die deutsche Literatur im Dritten Reich, Stuttgart 1976, S. 190
[129] Breßlein, E.: Völkisch-faschistoides und nationalsozialistisches Drama. Kontinuitäten und Differenzen, Frankfurt/Main 1980, S. 75
[130] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 1102
[131] Bock, S./Hahn, M. (Hrsg.): Erfahrung Nazideutschland. Romane in Deutschland 1933-1945. Analysen, Berlin/Weimar 1987, S. 119
[132] Busch, S.: „Und gestern, da hörte uns Deutschland“. NS-Autoren in der Bundesrepublik. Kontinuität und Diskontinuität bei Friedrich Giese, Werner Beumelburg, Eberhard Wolfgang Moeller und Kurt Ziesel, Würzburg 1998, S. 89
[133] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 157
[134] Thunecke, J. (Hrsg.): Deutschsprachige Exillyrik von 1933 bis zur Nachkriegszeit, Amsterdam/New York 1998, S. 23
[135] Stephan, A.: Die deutsche Exilliteratur 1933-1945, München 1979, S. 16
[136] Möller, H.: Exodus der Kultur. Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler in der Emigration nach 1933, München 1984, S. 67
[137] Thunecke, J. (Hrsg.): Deutschsprachige Exillyrik von 1933 bis zur Nachkriegszeit, Amsterdam/New York 1998, S. 38
[138] Bialas, W./Gangl, M. (Hrsg.): Intellektuelle im Nationalsozialismus, Frankfurt/Main u.a. 2000, S. 45
[139] Ehlich, K. (Hrsg.): Sprache im Faschismus, Frankfurt/Main 1989, S. 121
[140] Möller, H.: Exodus der Kultur. Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler in der Emigration nach 1933, München 1984, S. 53
[141] Stephan, A.: Die deutsche Exilliteratur 1933-1945, München 1979, S. 44
[142] Möller, H.: Exodus der Kultur. Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler in der Emigration nach 1933, München 1984, S. 102
[143] Stephan, A.: Die deutsche Exilliteratur 1933-1945, München 1979, S. 123
[144] Möller, H.: Exodus der Kultur. Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler in der Emigration nach 1933, München 1984, S. 37f
[145] Thunecke, J. (Hrsg.): Deutschsprachige Exillyrik von 1933 bis zur Nachkriegszeit, Amsterdam/New York 1998, S. 27
[146] Möller, H.: Exodus der Kultur. Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler in der Emigration nach 1933, München 1984, S. 89
[147] Bialas, W./Gangl, M. (Hrsg.): Intellektuelle im Nationalsozialismus, Frankfurt/Main u.a. 2000, S. 76f
[148] Ebd., S. 79
[149] Stephan, A.: Die deutsche Exilliteratur 1933-1945, München 1979, S. 109f
[150] Schoeps, K-H. J.: Literatur im Dritten Reich (1933-1945), 2. Auflage, Berlin 2000, S. 160

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