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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 26.10.16

Leserbrief zu: Carsten Jentzsch „Ostalgie zwischen Sole und Sauna“ (NEUE PRESSE 19. Oktober)

von Jörg Bernhard Bilke

Was da in der Obermaintherme Staffelstein, angerührt durch den Faschingsverein Kuckuck in Sonneberg, den Badegästen serviert wurde, ist kein Vorfaschingsscherz mehr, sondern eine handfeste Beleidigung der nach Zehntausenden zählenden Opfer des SED-Regimes! Wäre Adolf Hitler im Bademantel ans Schwimmbecken getreten, um mit schnarrender Stimme eine Rede zu halten, wäre sofort die Polizei alarmiert worden. Dass Erich Honecker und sein Ziehvater Walter Ulbricht fast 1000 DDR-Flüchtlinge an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze haben erschießen lassen, ist im Gedächtnisloch verschwunden!
Gewiss, man sollte die Zustände im SED-Staat und im „Dritten Reich“ nicht gleichsetzen, aber vergleichen darf man doch wohl. Beides waren blutige Diktaturen, von beispielloser Menschenverachtung erfüllt. Aber die DDR wollte, nach eigener Einschätzung, der bessere, der zukunftsträchtigere Staat auf deutschem Boden sein, der Bundesrepublik Deutschland um mehrere Geschichtsepochen voraus. Das Gegenteil war der Fall: In der Praxis der Machtausübung, man kann es im Strafrechtsergänzungsgesetzt von 1957 nachlesen, waren alle Rechte aufgehoben, die Bürgertum und Arbeiterklasse im 19./20. Jahrhundert erkämpft hatten. Das waren: Meinungs- und Informationsfreiheit, Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit, Streikrecht.
Was in Staffelstein abgelaufen ist, war tatsächlich die „Verniedlichung eines verbrecherischen Regimes“, wie Jürgen Heike bemerkt. Widersprechen muss ich ihm allerdings, wenn er meint, in den neuen Bundesländern kämen solche Auftritte nicht vor. Auf dem Fasching von Effelder tauchen jedes Jahr obskure Gestalten in NVA-Uniformen auf, an einem Suhler Gymnasium ziehen Schüler zur Illustrierung des Geschichtsunterrichts FDJ-Hemden an. Dieser nostalgische Unsinn geschieht von der Ostseeküste bis zum Thüringer Wald. Bei Kameradschaftstreffen ehemaliger NVA-Offiziere in Berlin kann man allen Dienstgraden in Uniform bis zum Generalsrang begegnen. Niemand schreitet ein! Dr. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, hat jetzt Strafanzeige wegen der Einheitsfeiern in Dresden am 3. Oktober gestellt. Dort haben Dutzende junger Leute im „Blauhemd“ mitdemonstriert, obwohl das gegen das Versammlungsgesetz verstößt!

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